International

Afghanische Sicherheitskräfte sichern das Gebiet rund um das Verteidigungsministerium ab: Bei Anschlägen werden am Montag mindestens 24 Menschen getötet. Bild: HEDAYATULLAH AMID/EPA/KEYSTONE

Drei Anschläge an einem Tag – viele Tote in Kabul

06.09.16, 00:32 06.09.16, 06:46

Nur wenige Stunden nach zwei Anschlägen mit mindestens 24 Toten ist im Zentrum der afghanischen Hauptstadt Kabul eine Autobombe explodiert. Nach Polizeiangaben ereignete sich die Detonation am Montagabend im Stadtteil Schar-e Nau hinter dem Hauptsitz der Kabul Bank.

Zu möglichen Opfern gab es zunächst keine Informationen. Nach Angaben des Senders 1TV soll ein kleines Hotel in der bekannten Blumenstrasse das Ziel gewesen sein.

Der Sprecher des Innenministeriums, Sedik Seddiki, wollte das zunächst nicht bestätigen. «Wir wissen nicht, ob dies ein Gästehaus ist oder nicht. Eine Autobombe ist vor dem Haus explodiert, und nach ersten Erkenntnissen sind zwei Angreifer in der Gegend.» Polizeikräfte seien im Einsatz. Sporadisch werde geschossen.

In dem Viertel gibt es neben vielen Hotels auch eine ganze Reihe weiterer möglicher anderer Angriffsziele, darunter einen Komplex des Innenministeriums.

Einkauf vor Fest

Die Explosion ereignete sich kurz nach 23.00 Uhr (Ortszeit). Im weiten Umkreis wurden Fensterscheiben erschüttert. Kurz vor den wichtigen Feiertagen des islamischen Opferfestes sind in dem Stadtteil viele Geschäfte bis spät geöffnet, Menschen kaufen Delikatessen und neue Kleider.

Am Mittag waren bei einem Selbstmordanschlag der radikalislamischen Taliban mindestens 24 Menschen getötet und mehr als 90 verletzt worden. Unklar ist, was das Ziel dieses Anschlags war: Das Verteidigungsministerium oder ein Verwaltungsbüro des Präsidenten. Diesem Anschlag war eine kleinere Bombenexplosion vorausgegangen.

Kabul wird seit Monaten von kleineren und grossen Anschlägen erschüttert. Erst vor fünf Wochen hatten Taliban das Ausländerhotel Northgate in Kabul angegriffen. Dabei waren ein Polizist und die drei Angreifer getötet worden.

Ende Juli starben bei einem Bombenanschlag der Terrormiliz «Islamischer Staat» auf eine Grossdemonstration 80 Menschen, mehr als 200 wurden verletzt. Ende Juni hatten Taliban einen Polizeikonvoi angegriffen und mehr als 30 junge Rekruten getötet. Mitte Juni waren 14 internationale Sicherheitskräfte bei einem Selbstmordanschlag auf ihren Bus ums Leben gekommen. (cma/sda/dpa/afp)

Hol dir die App!

Yanik Freudiger, 23.2.2017
Die App ist vom Auftreten und vom Inhalt her die innovativste auf dem Markt. Sehr erfrischend und absolut top.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
0Alle Kommentare anzeigen
0
Um mit zudiskutieren oder Bilder und Youtube-Videos zu posten, musst du eingeloggt sein.
Youtube-Videos und Links einfach ins Textfeld kopieren.
600

«Barcelona ist das Zentrum der Dschihadisten in Spanien – Winterthur jenes der Schweiz»

Religionswissenschaftler Johannes Saal hat sich auf die Bildung von Terrornetzwerken und Radikalisierung von Muslimen spezialisiert. Im Interview spricht er über das Dschihadisten-Zentrum in Barcelona und jenes in Winterthur.

Spanien hat eines der härtesten Anti-Terrorismus-Gesetze in Europa und hat versucht, mit vielen Verhaftungen auch konsequent gegen radikalisierte Gruppen vorzugehen. Dennoch kam es zum Attentat. Sind die Behörden und die Gesellschaft letztendlich machtlos?Johannes Saal: Machtlos würde ich nicht sagen. Präventive und repressive Massnahmen können das Risiko von Terrorakten minimieren. Doch ein Geheimdienst hat nicht die Ressourcen, um die ganze Szene zu überwachen – um jede Person auf dem …

Artikel lesen