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Wer mordete wann und wo? Was wir über die Attentäter wissen

Wer waren die Massenmörder von Paris? Immer mehr Details werden zu den Terroristen bekannt. Wer mordete wann und wo – und wie radikalisierten sich die Täter? Die Übersicht.

18.11.15, 15:15

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Die Übersicht:

Tatort: Saint-Denis

Bei einer Razzia im Pariser Vorort Saint-Denis (9) kam es in den frühen Morgenstunden des 18. November zu einem stundenlangen Schusswechsel zwischen mehreren Verschanzten und Spezialeinheiten der Polizei. Mehrere Menschen wurden verletzt, darunter fünf Polizisten.

Eine Frau sprengte sich in die Luft, ihre Identität ist bislang noch nicht geklärt. Ein weiterer Mann wurde durch Schüsse und Granaten getötet. Sieben Terrorverdächtige wurden festgenommen, auch über deren Identität ist noch nichts bekannt.

Abdelhamid Abaaoud.
Bild: Islamistisches Propaganda-Magazin

Die Razzia galt offenbar dem mutmasslichen Drahtzieher der Pariser Anschläge: Abdelhamid Abaaoud. Noch haben die Ermittler nicht bekannt gegeben, ob sich der gesuchte Terrorist in der Wohnung aufgehalten hat.

Tatort: «Stade de France»

Polizei vor dem Stade de France.
Bild: BENOIT TESSIER/REUTERS

13. November, 21.20 Uhr: Ein Attentäter versucht am Portal D ins Stadion zu gelangen (Karte: Punkt 1), er scheitert, sprengt sich selbst in die Luft und tötet einen weiteren Menschen.

Ahmad Almohammad: Wer ist der Mann wirklich?
Bild: AP/Greek Migration Policy Ministry

Die Identität des Mannes ist unklar. Zwar wurde am Tatort ein syrischer Pass gefunden, der auf den Namen Ahmad Almohammad ausgestellt ist. Allerdings gibt es grosse Zweifel an der Echtheit des Dokuments: Name, Geburtsdatum und -ort stimmen Ermittlern zufolge mit denen eines syrischen Soldaten überein, der vor Monaten getötet wurde.

Der Besitzer des Passes wurde am 3. Oktober auf der griechischen Insel Leros bei der Erfassung von Flüchtlingen registriert, später noch einmal bei einer Kontrolle in Serbien. Die Polizei hat die Bevölkerung um Hinweise zu dem Mann gebeten.

Um 21.30 Uhr sprengt sich ein weiterer Attentäter nahe Portal H (Karte: Punkt 3) in die Luft.

Ein dritter Selbstmordattentäter zündet um 21.53 Uhr in der Rue Cokerie in der Nähe des Stadions vor einem Burger-Restaurant (Karte: Punkt 8) seinen Sprengsatz.

Einer dieser beiden Attentäter wurde als Bilal Hadfi identifiziert, ein 20 Jahre alter Franzose, zuletzt wohnhaft in Belgien.

Bilal Hadfi.
Bild: AFP/Spiegel Online

Belgische Medien berichten, Hadfi habe sich ab Sommer 2014 für Dschihadismus interessiert. Im Frühjahr 2015 sei er nach Syrien gereist, dort habe er sich mehrere Monate aufgehalten. Bisher ist noch nicht bekannt, wann er nach Europa zurückkehrte.

Tatort: Restaurants und Cafés

Einschusslöcher in der Pizzeria La Casa Nostra. 
Bild: EPA/DPA

In einem schwarzen Seat Leon steuern die Attentäter verschiedene Restaurants und Cafés an. In dem Fahrzeug, das in einem Vorort von Paris abgestellt wurde, werden drei Kalaschnikows gefunden. Wer die Schützen sind, ist noch nicht geklärt.

Um 21.25 Uhr schiessen Unbekannte in der Rue Alibert mit Schnellfeuergewehren auf Menschen, die sich vor und im Restaurant Le Petit Cambodge und in der Bar Le Carillon aufhalten. 15 Menschen werden hier getötet (Karte: Punkt 2).

Um 21.32 Uhr fallen Schüsse in der Rue de la Fontaine-au-Roi vor der Pizzeria La Casa Nostra und dem Café Bonne Bière in der Rue Faubourg-du-Temple. Fünf Menschen sterben (Karte: Punkt 4).

Um 21.36 Uhr erreichen die Täter das Restaurant La Belle Equipe. Im Kugelhagel sterben 19 Menschen (Karte: Punkt 5).

Am Boulevard Voltaire sprengt sich um 21.40 Uhr ein Mann am Café Comptoir Voltaire in die Luft (Karte: Punkt 6). Mehrere Menschen werden verletzt. Der Attentäter ist Brahim Abdeslam, ein 31-jähriger Franzose. Er lebte zuletzt mit seinen Brüdern Salah und Mohamed in Molenbeek bei Brüssel.

Die Brüder Abdeslam

Salah Abdeslam ist in die Attentate verwickelt. Er hat den schwarzen VW Polo gemietet, mit dem die Attentäter zur Konzerthalle Bataclan fuhren. Das abgestellte Fahrzeug brachte die Ermittler auf die Spur der Täter. Der 26-Jährige ist auf der Flucht. Nach ihm wird mit internationalem Haftbefehl gesucht.

Nach den Anschlägen liess sich Salah Abdeslam von zwei Freunden Mohammed Amri, 27, und Hamza Attouh, 21, mit einem Auto in Paris abholen. Am Samstagmorgen überquerten die drei Männer die belgische Grenze, wurden von der Polizei kontrolliert, aber nicht festgehalten. Zu diesem Zeitpunkt war über Abdeslams Rolle noch nichts bekannt.

Die beiden Helfer Amri und Attouh wurden inzwischen angeklagt. Sie sagen, sie hätten auf dem Heimweg nach Belgien kein einziges Wort über das Attentat von Paris gesprochen und Salah Abdeslam in Brüssel abgesetzt.

Mohamed Abdeslam.
YouTube/BBC News

Der dritte Bruder Mohamed Abdeslam wurde von der Polizei vernommen und wieder auf freien Fuss gesetzt. Er hat für die Nacht der Anschläge ein Alibi, sein Anwalt hat erklärt, sein Mandant wisse nichts über die Taten. Abdeslam äusserte sich auch selbst. Er sagte im Interview, seine Brüder seien zuvor völlig unauffällig gewesen. Er wisse nicht, wo sich sein flüchtiger Bruder Salah jetzt aufhalte:

Tatort: Konzerthalle Bataclan

Das Bataclan am Tag nach den Anschlägen.
Bild: Christophe Ena/AP/KEYSTONE

In der Konzerthalle Bataclan am Boulevard Voltaire (Karte: Punkt 7) schiessen um 21.40 Uhr drei Terroristen wahllos in die Menge. Bei dem Angriff sterben mindestens 89 Menschen. Zwei der Attentäter zünden ihre Sprengstoffwesten und töten sich selbst. Der dritte wird von zwei Polizisten erschossen, die laut Medienberichten gegen 22.15 Uhr den Tatort erreichen. Gegen 0.30 Uhr stürmt ein Spezialkommando die Halle.

Einer der Attentäter ist Ismaïl Omar Mostefaï, 29. Er stammt aus Courcouronnes. Sein Vater ist Algerier, seine Mutter soll Portugiesin sein. Zwischen 2004 und 2010 wurde Mostefaï achtmal wegen kleinerer Delikte verurteilt, musste aber nie ins Gefängnis. Er war Frankreichs Geheimdiensten als möglicher Radikaler bekannt. Im Winter 2013 verloren sie ihn aus den Augen, als er in die Türkei ausreiste. Dort soll er sich mehrere Monate aufgehalten haben. Anschliessend zog er offenbar nach Belgien, ohne dass die französischen Geheimdienste dies mitbekamen.

Samy Amimour
Bild: Amimour family

Der zweite Attentäter ist Samy Amimour, ein 28-jähriger Franzose, er stammt aus dem Pariser Vorort Drancy. Frankreichs Geheimdiensten war er bekannt, er hatte versucht, in ein Terrorcamp im Jemen zu reisen.

Nach Berichten französischer Medien musste Samy Amimour sich regelmässig bei den Behörden melden, 2013 verschwand er plötzlich und wurde per Haftbefehl gesucht. Nach Angaben von Innenminister Cazeneuve habe Samy Amimour «ohne Zweifel gefälschte Dokumente genutzt, um aus Syrien zurückzukommen».

Die Identität des dritten Bataclan-Attentäters ist noch nicht geklärt.

Björn Hengst, Raniah Salloum, Jule Lutteroth, Anna van Hove

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  • Noach 18.11.2015 18:49
    Highlight Könnte man der Bevölkerung auch einmal sagen ,wo der Westen mordet,wo,wann und wieviele!Wollt ihr es wissen,?Weit über 2 Millionen in den letzten Jahren,Irak, Libyen,Afghanistan,Jemen,Syrien,!,Auch das sind Menschen,auch sie haben Familien.Kampf der Hetze gegen die Religionen anderer Menschen.Das will die Geldmafia doch!!!Wer wird an der ganzen Aufrüstung verdienen?Die Rüstungsindustrie!
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