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Keith Schiller mit Donald Trump Bild: EPA/EPA

Er liess keine Kneipen-Schlägerei aus – Trumps Leibwächter verlässt das Weisse Haus

Keith Schiller war fast 20 Jahre an Donald Trumps Seite, als Leibwächter und Vertrauter. Nun zieht er sich überraschend zurück. Vordergründig geht es um Geld, vermutlich aber auch um die Machtverhältnisse im Weissen Haus.

12.09.17, 11:12 13.09.17, 10:51

Max Holscher

Ein Artikel von

Es ist eine Eigenschaft, die Keith Schiller seit seiner Jugend begleitet: in brenzligen Situationen den Körper einzusetzen und mit seinen 1.95 Metern Grösse und mehr als 100 Kilogramm Probleme auf seine Art zu lösen. Das tat er als Verteidiger im College-Footballteam, bei der New Yorker Polizei und später als Bodyguard von US-Präsident Donald Trump. Manchmal reichte aber auch ein «Bitte gehen Sie aus dem Weg, danke». Überraschend hat Schiller nun angekündigt, seinen Posten aufzugeben.

Trump verliert damit nicht nur den Mann, der fast 20 Jahre sein Leben schützte, sondern auch die Person, die zu einem seiner wichtigsten politischen Ratgeber wurde. Entsprechend fiel die Reaktion des Präsidenten aus, als er davon erfuhr. Er sei schockiert gewesen, heisst es in mehreren Medienberichten. Doch für den 58-jährigen Leibwächter steht fest: «Die Arbeit im Weissen Haus ist nichts für mich.»

Wer einschätzen möchte, welch wichtige Rolle Schillers im System Trump spielt, muss auf den Mai 2017 zurückblicken. Während der Ermittlungen zur Russland-Affäre entschied der Präsident, FBI-Direktor James Comey zu feuern: Wer überbrachte die heikle Nachricht? Keith Schiller. Denn er besitzt etwas, das nur wenige im Umfeld des Präsidenten von sich sagen können: Trumps Vertrauen.

Der Abgang des Leibwächters bedeutet nicht nur den Verlust eines wichtigen Ansprechpartners für den Präsidenten. Er rückt die Grabenkämpfe im Weissen Haus erneut in den Fokus. Beobachter vermuten zudem, dass Trump ohne seinen Wegbegleiter weiter an Balance verliert - und es bald zum Streit mit dem neuen Stabschef John F. Kelly kommen könnte.

Bild: AP/AP

Sein Werdegang: vom Polizisten zum Sicherheitschef

Dass Schiller es überhaupt bis in die amerikanische Hauptstadt geschafft hat, war für viele seiner Wegbegleiter überraschend.

Ein charismatischer Typ, aber akademisch limitiert - so beschreiben ihn Schulfreunde. Im College-Football-Team übernahm er defensivere Rollen - das hatte auch mit seiner Statur zu tun: Kräftig wie ein Ochse sei er gewesen. In Kneipen sei er keiner Schlägerei aus dem Weg gegangen.

Nach der Schule zog es ihn erst zur Navy, 1992 zur Polizeiakademie in New York. Bei der Drogenfahndung stand er nach eigenen Aussagen in der ersten Reihe. «Ich war die Dampframme», sagte er in einem seiner seltenen Interviews. Was er damit sagen wollte: Bei Hausdurchsuchungen ging er voran, brach mit einer 30 Kilo schweren Ramme die Türen auf. Eine Aufgabe, die ihm gefiel.

Doch das Geld war auch damals schon ein Problem. Schiller schaute sich nach Nebenjobs um - und fand 1999 eine lukrative Beschäftigung im Sicherheitsteam von Donald Trump. Erst halbtags, später stieg er zum Chef des Sicherheitsteams auf.

Seitdem begleitete er Trump auf Schritt und Tritt: Diese Nähe machte ihn im Laufe der Zeit aus Sicht vieler Experten zur meist unterschätzten Person im engen Machtzirkel von Donald Trump. Sein Worte entwickelte beim Präsidenten immer stärkeres Gewicht. «Die Meinung von Keith Schiller war wichtiger als das, was der Wahlkampfmanager über mich dachte», zitiert CNN einen hochrangigen Mitarbeiter aus Trumps Wahlkampfteam.

Keith Schillers Meinung war Donald Trump immer äusserst wichtig. Bild: AP/AP

Geld, Machtkämpfe, Frustration

Im Trump Tower waren die Wege noch kurz: Schiller war Chef des Sicherheitsteams, immer nahe am Präsidenten - er bewohnte sogar ein Apartment in unmittelbarer Umgebung des Gebäudes. Als der Präsident ins Weisse Haus zog, blieb Schiller vorerst in Manhattan bei Trumps Ehefrau Melania und dem jüngsten Sohn Barron - für den Präsidenten hielt der Leibwächter damit auch Kontakt in die Heimat und zur Familie.

Doch diese Nähe wurde weniger - und das hat offenbar vor allem mit Stabschef Kelly zu tun.

Er wolle ohnehin nur für ein Jahr im Weissen Haus bleiben, sagte Schiller einmal. Das habe vor allem finanzielle Gründe. Früher verdiente er bei Trump als Chef des privaten Sicherheitsteams 294'000 Dollar,wie CNN berichtete. Mit dem Wechsel ins Weisse Haus, wo er offiziell Leiter der Arbeitsabläufe wurde, waren es dann 165'000 Dollar.

Doch sein Abschied hat Berichten der «New York Times» und des Senders CNN zufolge nicht nur finanzielle Gründe - es geht auch um Macht und den Zugang zum Präsidenten.

John Kelly räumt auf im Weissen Haus. Bild: AP/AP

Kelly versucht demnach seit seinem offiziellen Amtsantritt im August, mehr Ordnung ins Weisse Haus zu bringen. Das bedeutet aber auch: Nicht jeder kann einfach so zum Präsidenten ins Oval Office gehen. Auch Schiller soll dieses Privileg verloren haben. Möchte er mit dem Präsidenten reden, muss er nun umständlich über die Telefonanlage des Weissen Hauses anrufen.

Auch sein Aufgabenfeld hatte sich geändert - zu seinem Missfallen: Denn spätestens mit dem Amtsantritt des Präsidenten hat der Secret Service den Personenschutz Trumps übernommen. Seitdem fühlt sich der 58-Jährige nicht mehr gebraucht - als Bodyguard, Berater, Vertrauter. Er sei unglücklich gewesen, berichtet die «New York Times» unter Berufung auf Vertraute.

Unumstritten war Schiller nie, gerade weil er teilweise heftig zupackte: Vor dem Trump Tower schlug er einem Gegner des Republikaners ins Gesicht. Der hatte ein Schild hochgehalten: «Make America racist again.»

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Brikne, 20.7.2017
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  • Honey Badger 12.09.2017 12:44
    Highlight Ein Haudegen der alten Schule eben.
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  • Schweizer Bünzli 12.09.2017 12:01
    Highlight "Er liess keine Kneipen-Schlägerei aus" "Keith Schiller war fast 20 Jahre an Donald Trumps Seite"

    Wo treibt sich eigentlich Donald the President so die ganze Zeit rum? Nun wissen wir es ... ich habe immer gemeint, auf Goldplätzen ...
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  • Stibbs 12.09.2017 11:59
    Highlight "Er liess keine Kneipen-Schlägerei aus."

    Das ist doch sein Job!?
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