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Auf seine Anhänger kann sich Donald Trump noch immer verlassen. Bild: TRACIE VAN AUKEN/EPA/KEYSTONE

Trump ist unbeliebt – aber die Basis der Republikaner hält zu ihm

Eine Kongress-Nachwahl im US-Bundesstaat Georgia sollte den Demokraten Schub verleihen im Kampf gegen Präsident Donald Trump. Die Republikaner aber verteidigten ihren Sitz.

21.06.17, 14:02 21.06.17, 18:35

Ein junger, dynamischer Kandidat und ein unpopulärer, skandalträchtiger Präsident: Die Voraussetzungen waren günstig für die Demokraten, um bei einer Nachwahl für einen Sitz im US-Repräsentantenhaus einen symbolträchtigen Sieg zu erringen. Er sollte ihnen Rückenwind verleihen für die Eroberung der Mehrheit bei den Kongresswahlen im November 2018.

Der Wahlkreis in den wohlhabenden Vororten der Metropole Atlanta musste neu besetzt werden, weil der bisherige Abgeordnete Tom Price zum Gesundheitsminister ernannt worden war. Mit Jon Ossoff setzten die Demokraten auf einen erst 30-jährigen Newcomer. Sie unterstützten seinen Wahlkampf mit rund 25 Millionen Dollar. Die Republikaner hielten mit einer ähnlichen Summe dagegen, was die Wahl zur teuersten überhaupt für das Repräsentantenhaus machte.

Karen Handel konnte den Angriff der Demokraten abwehren. Bild: BRANDEN CAMP/EPA/KEYSTONE

Am Ende ging Ossoff leer aus, er unterlag der 55-jährigen Republikanerin Karen Handel. Sie verteidigte den Sitz, den ihre Partei seit fast 40 Jahren gehalten hatte, mit knapp vier Prozent Vorsprung. Am gleichen Tag verloren die Demokraten auch eine Nachwahl in South Carolina. Zuvor hatten sie bereits zwei Gelegenheiten in den Staaten Kansas und Montana verpasst.

«Demoralisierend»

Bei diesen Wahlkreisen handelt es sich um republikanische Hochburgen. Die Demokraten verloren relativ knapp und konnten sich zumindest als «moralische Sieger» fühlen. In die Wahl in Georgia aber hatten sie grosse Hoffnungen gesetzt. Solche Distrikte mit einer gut ausgebildeten, wohlhabenden Wählerschaft wollen sie im Herbst 2018 bevorzugt angreifen.

Die «Hauptprobe» ging gründlich schief, Jon Ossoffs Rückstand auf Karen Handel war grösser als jener von Hillary Clinton gegen Donald Trump bei der Präsidentschaftswahl (1,5 Prozent). Die «New York Times» bezeichnete die Niederlage als «demoralisierend». Man dürfe sie nicht beschönigen, sie sei «ein schlechtes Vorzeichen für die Demokraten», so das Portal Vox.

Was sind die Gründe dafür?

Trump-Treue

Donald Trumps Beliebtheitswerte mögen sich auf einem Rekordtief befinden, sein Benehmen ist alles andere als präsidial. Dennoch sind die Republikaner (noch) nicht bereit, ihn fallenzulassen. Das gilt nicht nur für die Hardcore-Fans, die ihm bedingungslos ergeben sind, sondern auch für moderate Wähler wie jene in den gut situierten Vororten von Atlanta.

In der rechten Medienwelt ist die Russland-Affäre eine «Hexenjagd», wie Trump sie selber nennt. Karen Handel verhielt sich zudem geschickt, sie erwähnte den Namen Trump so gut wie nie. Sie stempelte stattdessen ihren demokratischen Gegner als Linksaussen ab, der die Steuern erhöhen wolle. Diese Botschaft verfängt bei vielen Republikanern noch immer.

Wirtschaft

Amerikas Wirtschaft läuft auf Hochtouren, die Arbeitslosigkeit ist so tief wie nie mehr seit 2001. Zwar zeichnen sich erste Bremsspuren ab, und längst nicht alle Amerikaner haben in gleichem Mass vom Aufschwung profitiert. Doch eine solche Wirtschaftslage nützt in der Regel dem amtierenden Präsidenten, auch wenn er wie im Fall von Donald Trump erst seit fünf Monaten an der Macht ist.

Schiesserei

Die Schiesserei auf einem Baseballfeld in einem Vorort von Washington von letzter Woche, bei der der republikanische Abgeordnete Steve Scalise lebensgefährlich verletzt wurde, hat seiner Partei einen Steilpass geliefert. Denn beim 66-jährigen Täter soll es sich um einen Trump-Hasser und Anhänger von Präsidentschaftskandidat Bernie Sanders gehandelt haben.

Der Anti-Ossoff-Clip. Video: YouTube/Principled PAC

Eine rechte Gruppierung produzierte einen Fernsehspot, der Jon Ossoff mit der Schiesserei in Verbindung brachte. Eine Sprecherin von Karen Handel verurteilte den Clip als «verstörend und widerlich», ohne allerdings den Verzicht auf seine Ausstrahlung zu verlangen.

Imageproblem

Seit dem Wahlsieg von Donald Trump haftet den Demokraten das Image einer elitären Latte-Macchiato-Partei an, die die Sorgen und Nöte der einfachen Amerikaner nicht versteht. Eine Korrektur gelang ihnen bislang nicht. So räumte Hillary Clinton eigene Fehler nur zögerlich ein. Lieber machte sie die russischen Hacker und Wikileaks für ihre Wahlniederlage verantwortlich.

Einmal mehr zeigt sich: Trotz aller negativen Berichte und unvorteilhaften Enthüllungen geniesst Donald Trump noch immer einen beträchtlichen Rückhalt bei seiner Basis. Die Wahlerfolge der Republikaner machen auch ein Impeachment sehr unwahrscheinlich. Bislang ist kein wirklich belastendes Material gegen Trump aufgetaucht. Er könnte länger im Amt bleiben, als man denkt.

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  • Troxi 22.06.2017 13:48
    Highlight In Hochburgen des Gegners zu gewinnen benötigt mehr als jeden Fehltritt des Gegners auszuschlachten. In Gegenden wo es regelmässig wechselt, ist es möglich damit eine Wahl zu gewinnen. Wenn ich die Wahl in Georgia analysiere stelle ich dies fest 4% Punkte so wenige wie schon länger nicht mehr haben fast die Hochburg fallen gelassen. Wenn die Demokraten eine ausgezeichnete Opposition betreiben können, werden sämtliche Republikanisch Dominierte Gebiete im Blauen Schimmer der Demokraten erstrahlen. Warten wir ab, was die Demokraten abliefern können.
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  • piatnik 22.06.2017 12:28
    Highlight bei wem ist trump unbeliebt?
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  • Richu 21.06.2017 22:27
    Highlight Die amerikanische (Lügen-) Presse hat den 30jährigen Demokraten im voraus schon zum Sieger hochgejubelt und waren sicher, mit den 25 Mio USD Werbegelder die Wahl zu gewinnen! Aber einmal mehr waren viele US-Journalisten überfordert, die Lage im voraus richtig zu analysiern.
    Den vorliegenden Bericht vom watson Journalisten finde ich gut.
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  • JJ17 21.06.2017 16:57
    Highlight Trump wird 4 Jahre im Amt bleiben und danach freiwillig abtreten, davon bin ich stark überzogen.
    Und sind wir ehrlich, denkt ihr echt Pence wäre besser?
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    • Eine_win_ig 22.06.2017 07:21
      Highlight Die Amerikaner in meinem Bekanntenkreis fürchten sich nehr vor Pence als vor Trump, wie du schon korrekt gesagt hast.
      Der Typ ist dann wirklich Hardcore Republikaner. Wenn man schaut, was er in seiner Zeit vor dem VP Amt alles gemacht hat, um Minderheiten zu diskriminieren ist es beängstigend!
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  • roger.schmid 21.06.2017 16:32
    Highlight Die Basis der Republikaner:
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  • Rim 21.06.2017 14:53
    Highlight Wir sollten nicht vergessen, dass Trump (zwar gefühlte hundert Jahre) aber eben doch erst einge Monate im Amt ist. Die wohlhabenden Reps hoffen immer noch auf die versprochenen Steuersenkungen und die "Gläubigen" bleiben ihrem Führer treu. Im rep Staat Giorgia (Penceland) und im selben Distrikt haben die Reps vor achtzehn Monaten Price mit 21% Vorsprung gewählt. Handel hat mit noch 5% Vorsprung gewonnen. 16% "Verluste" gehen da wohl schon mal aufs Trumpkonto. Nicht schlecht ;-)
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    • rodolofo 22.06.2017 07:36
      Highlight Das bedeutet wenigstens, dass die Richtung stimmt.
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  • Butzdi 21.06.2017 14:49
    Highlight Nach 5 Monaten im Amt werden gegen Trump und sein Umfeld FBI Ermittlungen geführt. FoxNews schweigt. Zur selben Zeit 2009 machte FoxNews einen Skandal, weil Obama etwas mit Dijion Senf bestellte. Kein Witz, das ist republikanische Scheinheiligkeit.
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  • grmir 21.06.2017 14:49
    Highlight Auch hier kurz der Hinweis: Im Zusammenhang mit der Frage, warum die Demokraten schlecht abschneiden, könnte man der Analyse durchaus auch auf das Thema Gerrymandering eingehen.

    Bezüglich der Wahl in Georgia:

    http://www.salon.com/2017/04/18/jon-ossoff-has-been-gerrymandered-to-defeat-georgia-republican-admits-his-district-was-not-drawn-for-democrats-to-win/

    Gerrymandering kurz erklärt (CGP Grey):




    Situation in der USA (Last Week Tonight):

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    • Mietzekatze 21.06.2017 16:49
      Highlight Oha krass! Ich wusste zwar, dass in den USA die ganze Verteilung falsch läuft (Präsidentschaftswahl). Aber DAS, und dann noch so offensichtlich hätte ich wirklich nicht erwartet... Watson, wie wärs mit einem Bericht?
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    • Eine_win_ig 22.06.2017 07:24
      Highlight GCP hat auch ein super Video, wie man theoretisch mit (glaube ich) 23% der Stimmen Präsident werden könnte. Klar ist das Mathematik ad absurdum geführt, zeigt aber trotzdem die Probleme des Sytems auf :)
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    • rodolofo 22.06.2017 08:01
      Highlight Unglaublich, diese Tricksereien!
      Diese ausgewanderten Engländer haben einfach zu viel Humor!
      Sonst würden sie sich doch solche unverfrorenen Tricksereien nicht gefallen lassen und dann erst noch diejenigen wählen, die so unverfroren tricksen!
      Und ein wenig erinnert mich das auch an das Schweizer Völkchen, das auch mehr Humor hat, als man zuerst denkt.
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