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In Boa Vista, Brasilien, kam es zu mindestens 25 Toten bei Kämpfen.  symbolbild: FRANCIS R. MALASIG/EPA/KEYSTONE

Mit Messern und Holzlatten bewaffnet: 25 Tote bei Kämpfen in brasilianischem Gefängnis

17.10.16, 06:48 17.10.16, 09:38

Bei Kämpfen zwischen rivalisierenden Banden sind 25 Häftlinge in einem Gefängnis im Norden Brasiliens getötet worden. Davon seien sieben enthauptet und sechs verbrannt worden, berichtete das Nachrichtenportal «O Globo» unter Berufung auf einen Polizeisprecher.

Zu den Zusammenstössen kam es in einem Gefängnis in Boa Vista, der Hauptstadt des nahe der Grenze zu Venezuela gelegenen Bundesstaats Roraima, wie die Nachrichtenwebsite G1 unter Berufung auf die Polizei berichtete.

Nach Angaben des Justizministeriums des Bundesstaates sind 100 Angehörige von Gefangenen in der Anstalt zwischenzeitlich als Geiseln genommen worden, berichtete «O Globo».

Diese seien in der Gewalt von Häftlingen gewesen, die mit einer Richterin zu sprechen verlangten. Die Geiseln, bei denen es sich den Angaben zufolge vor allem um Frauen handelte, wurden von einer Spezialeinheit befreit. Die Zeitung «Folha de São Paulo» berichtete, sie seien unverletzt geblieben.

Mit Messern und Holzlatten bewaffnet

Die Ausschreitungen hatten den Berichten zufolge während der Besuchszeiten am Nachmittag (Ortszeit) begonnen, als eine Gruppe von Häftlingen von einem Trakt in den anderen einbrach. Sie seien mit Messern und Holzlatten bewaffnet gewesen, berichtete «O Globo» unter Berufung auf die Ehefrau eines Häftlings, die selbst dabei gewesen sein soll. Die Lage hatte sich am späten Abend schliesslich beruhigt.

Die genauen Hintergründe des Streits zwischen den Häftlingen waren zunächst unklar. Nach Informationen des Portals «UOL» handelte es sich bei den Angreifern um Mitglieder der kriminellen Organisation Primeiro Comando da Capital (Erstes Kommando der Hauptstadt).

In einem Trakt seien Mitglieder der Gang Comando Vermelho (Rotes Kommando) inhaftiert gewesen. Das Verbrechersyndikat Primeiro Comando da Capital aus São Paulo war bereits vor zwei Jahren hinter einem brutalen Gefangenenaufstand in einer Haftanstalt im Süden Brasiliens vermutet worden.

Überfüllte Gefängnisse

Brasilien ist eines der Länder mit der höchsten Zahl von Gefängnisinsassen weltweit. Die Haftanstalten sind meist überfüllt, die Zustände schlecht. In der Vergangenheit ist es deshalb schon mehrfach zu Ausschreitungen gekommen. Im September wurden nach einer Gefängnismeuterei in Jardinópolis mehr als 300 geflohene Häftlinge von der Polizei festgenommen.

Brasiliens Justizminister José Eduardo Cardozo hatte sich im vergangenen Jahr äusserst kritisch über die Lage in den Gefängnissen des Landes geäussert. In den Haftanstalten hätten oft kriminelle Organisationen das Sagen, die die Gewalt ausserhalb der Gefängnismauern steuerten.

«Die brasilianischen Gefängnisse sind wahre Schulen des Verbrechens», räumte Cardozo vor einem Parlamentsausschuss in Brasília ein. (gin/sda/dpa)

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