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Nigel Farage und Diane James strahlen um die Wette – das war vor 18 Tagen.  Bild: REUTERS

Sie war nur 18 Tage im Amt – neue UKIP-Chefin in Grossbritannien tritt zurück 

Publiziert: 05.10.16, 00:32 Aktualisiert: 05.10.16, 06:29

Die neue Chefin der europafeindlichen und rechtspopulistischen Partei UKIP in Grossbritannien ist nach nur 18 Tagen im Amt zurückgetreten. Sie gebe den Parteivorsitz aus «privaten und professionellen Gründen» ab, erklärte Diane James am Dienstagabend per Twitter.

Ihr sei klar geworden, dass sie weder die «nötige Autorität» noch die «vollständige Unterstützung» ihrer Kollegen im EU-Parlament und in der Partei habe, um notwendige Veränderungen auf den Weg zu bringen, begründete sie den Abgang.

James war erst am 16. September von den Parteimitgliedern zur Nachfolgerin des charismatischen Nigel Farage gewählt worden. Die 56-Jährige, die früher in der Pharmaindustrie arbeitete und seit 2014 im EU-Parlament sitzt, war die erste Frau an der Spitze der Anti-Einwanderungs-Partei. Ihr Amt im EU-Parlament will sie behalten.

Der «Telegraph» hatte zuvor auch von familiären Motiven für James' Abgang berichtet. Sie habe sich in ihrer Rolle «unwohl» gefühlt, seit sie an einem Bahnhof bespuckt worden sei, hiess es.

Eigentlicher Favorit nicht zugelassen

James war bei der Vorstandswahl die Favoritin für die Nachfolge Farages gewesen. Allerdings war der eigentliche Favorit, Steven Woolfe, zuvor von der Wahl ausgeschlossen worden, weil seine Bewerbung 17 Minuten nach Bewerbungsschluss eingegangen war.

Der UKIP-Sprecher für Einwanderungspolitik, der ebenfalls für die Rechtspopulisten im EU-Parlament sitzt, war auch der Favorit des Partei-Finanziers Arron Banks gewesen. Beobachter hatten deshalb vor einer Spaltung der Partei gewarnt.

Farage lehnt Comeback ab

Der Brexit-Vorkämpfer Farage hatte kurz nach dem historischen Votum der Briten für einen Austritt aus der Europäischen Union im Juli seinen Rücktritt erklärt. Er begründete dies damit, dass er sein politisches Ziel durch das Brexit-Votum erreicht habe.

Farage, der die UKIP 1993 mitgegründet hatte, kämpfte jahrelang für einen EU-Austritt Grossbritanniens. Zudem sorgte er als UKIP-Chef immer wieder mit populistischen und fremdenfeindlichen Parolen für Schlagzeilen. Er stand während fast eines Jahrzehntes an der Spitze der Partei.

Spekulationen über ein mögliches Comeback an der UKIP-Spitze erteilte Farage eine klare Absage. Er werde «nicht für zehn Millionen Dollar» zurückkommen, sagte er der britischen Nachrichtenagentur Press Association. Im Gespräch ist auch eine erneute Kandidatur Woolfes.

Grosse Ambitionen für kleine Partei

In ihrer Antrittsrede als Parteivorsitzende hatte James angekündigt, sie wolle UKIP zur zweitstärksten politischen Kraft nach den Konservativen in Grossbritannien machen. Eine gewagte Aussage: Nach dem Brexit-Votum ist der Partei das Hauptthema abhanden gekommen.

Derzeit stellt sie zudem nur einen einzigen Abgeordneten in Westminster. Das britische Mehrheitswahlrecht sorgt regelmässig dafür, dass weder Tories noch Labour echte Konkurrenz von anderen Parteien fürchten müssen.

Wirklich erfolgreich war UKIP bislang nur bei Wahlen ins EU-Parlament. Da wurde die Partei 2014 stärkste Kraft und errang 24 Sitze. Bei der Wahl zum britischen Parlament 2015 verlor sie dagegen einen von zwei Sitzen. (cma/sda/afp/dpa)

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  • deleted_767109786 05.10.2016 12:41
    Highlight "Die neue Chefin der europafeindlichen und rechtspopulistischen Partei UKIP in Grossbritannien ist nach nur 18 Tagen im Amt zurückgetreten"

    "Europafeindlich" ist eine Lüge und Diffamierung.
    "Rechtspopulistisch" ist Propaganda.
    1 5 Melden
    • Ani_A 05.10.2016 13:40
      Highlight Naja, ihr Ziel war es, aus der EU auszutreten, da ist eine gewisse EUFeindlichkeit schon gegeben.
      3 1 Melden
    • deleted_767109786 05.10.2016 14:16
      Highlight EU-Kritiker oder EU-Gegner wäre ja auch richtig. Aber "Europafeinde" ist bewusst gewähltes Propaganda-wording. Europa ist nicht gleich EU. Oder sind wir Schweizer etwa Europafeinde?
      1 3 Melden
    • kurt3 05.10.2016 14:21
      Highlight Atlantis, würde Dir europaunfreundlich besser gefallen ? Was Dein Vorschlag ?
      2 0 Melden
    • Fabio74 05.10.2016 17:10
      Highlight Wenn man sich an Details aufregen kann..
      1 1 Melden
    • deleted_767109786 05.10.2016 18:08
      Highlight kurt3: Das habe ich bereits geschrieben. Journalistisch korrekt wäre EU-Kritiker oder EU-Gegner.
      Das sind keine Kleinigkeiten sondern Beispiele von Propaganda. "Europafeinde" ist eine Diffamierung, welche dem Leser keine Option lässt, als Verachtung zu empfinden, während ein neutraler und wahrer Begriff wie "EU-Kritiker" möglicherweise Sympathien beim Leser hervorrufen könnte. Dies wollen die Medien aber vermeiden. Man kann dies ins Lächerliche ziehen, wie Fabio74 es tut, oder aber hinterfragen, warum die Medien sich solcher Mittel bedienen.
      1 3 Melden
    • kurt3 05.10.2016 22:08
      Highlight Aber rechtspopulistisch ist richtig , weil das ganze Programm der UKIP xenophob ist oder war .
      " lest the back the Control "
      1 0 Melden
    • Fabio74 06.10.2016 12:50
      Highlight Was heisst ins Lächerliche ziehen? Hierzulande wird seit 20 Jahren von Rechts Hass gesät. Alles was nicht auf Herrliberger Linie liegt, wird durchs Band beleidigt.
      Deshalb sind dieses Aufregen hier nichts als eine Fussnote
      1 0 Melden
    600
  • Disclaimer 05.10.2016 11:03
    Highlight Ähm ja. Die Sitzen beide im EU Parlament sind aber absolute EU Gegner. Was sind das für Menschen? Machen ein Chaos, tretten zurück und lassen sich noch etwa zwei Jahre leicht verdientes Geld aufs Konto schaufeln. Widerlich, Pfui!
    6 1 Melden
    • kurt3 05.10.2016 11:40
      Highlight Ja das lohnt sich schon . Die Entschädigungen bewegen sich um 17000 -30000 € / mt. Je nach Anrechnung von Spesen , Salär für persönlichen Assistenten/ in .
      2 0 Melden
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  • kurt3 05.10.2016 09:42
    Highlight Die UKIP braucht's nicht mehr , das einzige Thema , dass die Partei hatte , ist erledigt .
    8 0 Melden
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