International

Kampf der Überalterung: China will angeblich Zwei-Kind-Politik einführen

Die Ein-Kind-Politik hat in China zu einer Überalterung der Gesellschaft geführt. Seit einiger Zeit gibt es deshalb schon Lockerungen – doch womöglich dürfen bald die meisten Ehepaare zwei Kinder haben.

23.07.15, 16:56

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In China steht offenbar eine Umwälzung in der Bevölkerungspolitik bevor. Laut den «China Business News» will die Volksrepublik ihre jahrzehntelange Ein-Kind-Politik grundsätzlich lockern. Die meisten Ehepaare sollen demnach in Zukunft zwei Kinder haben dürfen. Die offizielle Ankündigung werde Ende dieses Jahres oder Anfang 2016 erwartet, berichtet die Zeitung. Als Quelle beruft sie sich auf einen Wissenschaftler, der zur Kommission für Familienplanung gehört.

Die Chinesische Akademie der Sozialwissenschaften hatte eine Zwei-Kind-Lösung im vergangenen Jahr als Antwort auf die Alterung der Gesellschaft und eine fallende Geburtenquote vorgeschlagen.

Die strengen Vorschriften zur Familienplanung reichen bis in die späten Siebzigerjahre zurück. Die Ein-Kind-Politik sollte das Wachstum des grössten Volkes der Erde bremsen. Inzwischen hat China jedoch eine der geringsten Geburtenraten der Welt. Im Durchschnitt kommen auf eine chinesische Frau nur noch 1,55 Kinder. Für eine stabile Bevölkerung ist eine Quote von 2,1 nötig.

Im Durchschnitt kommen auf eine chinesische Frau nur noch 1,55 Kinder. Bild: CHINA DAILY/REUTERS

Dementi aus der Politik

Ende 2013 hatte die Kommunistische Partei in Peking angekündigt, dass Ehepaare in bestimmten Regionen des Landes zwei Kinder haben dürfen, wenn ein Elternteil Einzelkind ist. Bislang durften für diese Ausnahme weder Vater noch Mutter Geschwister haben.

Die Nationale Gesundheitskommission dementierte allerdings laut «Guardian» umgehend die Berichte von einer bevorstehenden weiteren Lockerung. «Bisher gibt es keinen Zeitplan, nach dem künftig alle Paare zwei Kinder bekommen dürfen.»

Experten warnen bereits seit längerem vor einer Überalterung Chinas. Die Zahl der Senioren wachse rapide, während der Anteil der arbeitenden Bevölkerung schrumpfe. Nach UNO-Schätzungen wird es in dem Land bis 2050 rund 440 Millionen Menschen geben, die über 60 Jahre alt sind.

ler/dpa

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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  • amberli 23.07.2015 17:50
    Highlight Die Folgen der Ein-Kind-Politik sind nicht nur die Überalterung der Gesellschaft. Es ist vor allem eine durch Geschlechterselektion (vor- oder nachgeburtlich!) vermännlichte Gesellschaft. Mädchen werden systematisch "ausgemerzt", ganze Dörfer haben nur männliche Nachkommen. Über 30 Jahre Ein-Kind-Politik in einer Gesellschaft, in der Männer überbewertet werden, haben fatale Folgen. Der Druck auf Schwangere ist enorm, Mädchen werden abgetrieben, ausgesetzt, getötet. In Indien und China zusammen werden jährlich mehr Mädchen getötet, als in den USA zur Welt kommen.
    Auf der anderen Seite werden Mädchen von der Straße weg entführt und verkauft an Familien, die unbedingt eine Frau für ihren Sohn wollen. Man stelle sich die Ironie der Tatsache mal vor.
    Genderzid an den Mädchen in Indien und China ist eine groteske Auswirkung einer kranken Politik. Das müssen wir in Angriff nehmen! Die Außenpolitik, NGOs aber auch wir selbst sind gefragt! Tun wir was!
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