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Einsatz in Rottenburg: Hier wurde Sergej W. in den Morgenstunden des 21. April 2017 verhaftet. Bild: OSKAR EYB/EPA/KEYSTONE

BVB-Bomber geschnappt – das sind die Hintergründe des Anschlags in Dortmund

Nach dem Sprengstoffanschlag auf den BVB hat die Polizei den mutmasslichen Täter gefasst. Der Fall dürfte beispiellos in der deutschen Kriminalgeschichte sein. Die Fakten.

21.04.17, 14:16 21.04.17, 17:42

J. diehl, M. Gebauer, S. Kaiser, C. Neeb, F. Schmid, J. Witte / Spiegel Online

Ein Artikel von

Spezialkräfte der GSG 9 haben am Freitagmorgen in Rottenburg am Neckar den Mann festgenommen, der am 11. April den Sprengstoffanschlag auf Borussia Dortmund verübt haben soll. Die Bundesanwaltschaft wirft dem 28-Jährigen vor, er habe Spieler des Vereins töten wollen, um damit einen Gewinn an der Börse zu erzielen. Ihm wird versuchter Mord, Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion sowie gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Am Nachmittag soll über einen Haftbefehl entschieden werden.

Wer ist der mutmassliche Täter?

Der Tatverdächtige Sergej W. hat laut Bundesanwaltschaft die deutsche und russische Staatsangehörigkeit. Der 28-Jährige kommt Behördenangaben zufolge aus Freudenstadt im Schwarzwald. W. machte eine Ausbildung als Elektroniker, gewann einen Preis seiner Berufsschule und arbeitete an der Universität Tübingen. Seine Familie stammt demnach aus dem Ural. Unklar ist, wo er den Umgang mit Sprengstoff lernte.

W. war nach «Spiegel»-Informationen von April bis Dezember 2008 Wehrdienstleistender im Lazarettregiment Dornstadt. Dort wurde er in einer Unterstützungseinheit für Sanitäter eingesetzt, die sich um Instandsetzung und Elektrotechnik kümmerten.

Welches Motiv vermuten die Ermittler?

Sergej W. soll aus Habgier gehandelt haben. Laut Bundesanwaltschaft nahm er einen Verbraucherkredit auf und erwarb für einen Teil des Geldes am 11. April Verkaufsoptionen in Bezug auf die Aktie des BVB, insgesamt drei unterschiedliche Derivate. Nach «Spiegel»-Informationen betrug die Kreditsumme 40'000 Euro. Durch den Bombenanschlag soll er versucht haben, möglichst viele Teammitglieder von Borussia Dortmund zu töten oder zu verletzen. Er wollte nach Erkenntnissen der Ermittler auf diese Weise einen Kurssturz der BVB-Aktie erzwingen und mit den Verkaufsoptionen, sogenannten Put-Optionen, ein Vermögen verdienen.

Was sind Put-Optionen?

Mit Optionsscheinen können Anleger auf steigende oder fallende Kurse von Aktien oder anderen Wertpapieren wetten, und dabei mit vergleichsweise kleinen Einsätzen hohe Gewinne erzielen. Möglich wird das durch die sogenannte Hebelwirkung. Er muss nur einen vergleichsweise niedrigen Preis für den Optionsschein zahlen, kann im besten Fall aber immens hohe Gewinne machen, wenn sich der Aktienkurs so entwickelt, wie von ihm erhofft. Je tiefer die Aktie des Fussballvereins gefallen wäre, desto höher wäre der Gewinn für den Verdächtigen ausgefallen.

Wie kamen die Ermittler Sergej W. auf die Spur?

Der Festnahme vorausgegangen waren Ermittlungen der Bundesanwaltschaft, des Bundeskriminalamts und der nordrhein-westfälischen Polizei. Die Behörden observierten den Verdächtigen seit einer Woche. Auf die Spur hatten sie «Spiegel»-Informationen zufolge ein Hinweisgeber aus dem Finanzsektor sowie die Geldwäscheverdachtsanzeige der Comdirect-Bank gebracht, die am 13. April verdächtige Transaktionen gemeldet hatte – also zwei Tage nach dem Anschlag.

Im Zuge der Festnahme gab es laut Innenministerium Durchsuchungen in vier baden-württembergischen Städten: Freudenstadt, Rottenburg, Tübingen und Haiterbach. Dabei wurden der Bundesanwaltschaft zufolge Kommunikationsmittel sichergestellt.

Hier wurde Sergej W. verhaftet: Polizeieinsatz in Rottenburg (Baden-Württemberg). Bild: AP/dpa

Wie soll der mutmassliche Täter vorgegangen sein?

Nach Erkenntnissen der Ermittler bezog Sergej W. bereits am 9. April im BVB-Mannschaftshotel L'Arrivée ein Zimmer im Dachgeschoss. Der Kauf der Optionen erfolgte demnach über die IP-Adresse des Hotels. Kurz vor dem Anschlag hielt sich W. laut den Ermittlern noch im L'Arrivée auf. Bei der Buchung des Zimmers im März soll der Beschuldigte einen Raum mit Blick auf den späteren Anschlagsort verlangt haben, womöglich löste er von dort auch über Funk die Detonation der drei Sprengsätze aus. Nach derzeitigem Ermittlungsstand sieht die Bundesanwaltschaft keine Hinweise auf mögliche Komplizen.

Welche Sprengsätze verwendete der mutmassliche Täter?

Die drei Sprengsätze waren den Ermittlern zufolge über eine Länge von zwölf Metern in einer Hecke entlang der Fahrstrecke angebracht. Die Sprengkörper waren auf den Bus ausgerichtet und wurden gezündet, als der Bus die Hecke passierte. In den Sprengsätzen befanden sich Metallstifte – etwa 70 Millimeter lang, mit einem Durchmesser von sechs Millimetern und einem Gewicht von etwa 15 Gramm. Die Zündung erfolgte nach derzeitigem Erkenntnisstand für jeden Sprengsatz separat über eine funkausgelöste elektrische Schaltung. Zur Art des verwendeten Sprengstoffs liegen noch keine gesicherten Erkenntnisse vor.

Tatort Dortmund: Der durch die Sprengstoffdetonationen beschädigte Mannschaftsbus von Borussia Dortmund (11. April 2017). Bild: STR/EPA/KEYSTONE

Welche Wirkung hatten die Sprengsätze?

Die Sprengkraft der Bomben war laut Bundesanwaltschaft verheerend. Einer der Metallstifte wurde noch in einer Entfernung von 250 Metern aufgefunden. Der Mannschaftsbus war nicht mit Panzer-, sondern mit Sicherheitsglas ausgestattet. Das Fahrzeug wurde im vorderen und hinteren Bereich beschädigt, mehrere Fensterscheiben zerbarsten. Einer der Splitter verfehlte die Businsassen und bohrte sich in die Kopfstütze eines Sitzes. Der BVB-Abwehrspieler Marc Bartra wurde schwer verletzt, ein Polizist erlitt ein Knalltrauma. Die anderen Mannschaftsmitglieder kamen mit dem Schrecken davon.

Warum ging der Anschlag glimpflicher aus als geplant?

Während die erste und dritte Bombe wohl planmässig detonierten, war der zweite und wichtigste Sprengsatz zu hoch platziert worden, so dass die Ladung ihr Ziel verfehlte und über den Bus hinwegschoss.

Wie schätzen die Ermittler die Bekennerschreiben ein?

Am Tatort wurden drei textgleiche Bekennerschreiben gefunden. In ihnen wird ein radikal-islamistisches Motiv für den Anschlag genannt. Nach einer islamwissenschaftlichen Prüfung hegen die Ermittler an den Schreiben erhebliche Zweifel. Zwei Tage nach dem Anschlag ging bei mehreren Medien ein rechtsextremistisches Bekennerschreiben ein. Auch dieses Schreiben weist den Ermittlern zufolge Widersprüche auf. Es wird nicht mit dem Täter in Verbindung gebracht.

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  • Gelöschter Benutzer 21.04.2017 15:46
    Highlight Schöne neue Welt 🤔
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  • Frau Dr. Holla die Waldfee 21.04.2017 15:02
    Highlight Es überrascht mich sowas von gar nicht.

    Der Mann passt sich nur den glorreichen Führern moderner Nationen an. Er tut, was die meisten Geldbonzen tun: Für den eigenen Gewinn andere vernichten; ohne Rücksicht auf Verluste.
    Der einzige Unterschied zwischen diesem Deutschrussen und dem durchschnittlichen Bonz ist, dass der Deutschrusse etwas direkter vorging.

    Auch wenn ich beides Sch* finde, muss doch noch erwähnt sein, dass z.B. eine Bank garantiert schon viel mehr Leben vernichtet hat als dieser einzelne Psycho. Schon allein der Waffenhandel befüllt unzählige Friedhöfe.
    27 10 Melden
    • pamayer 22.04.2017 00:16
      Highlight Ist schon so. Er ist sehr gut in die heutige Welt integriert.... leider.
      2 0 Melden
    • Gelöschter Benutzer 22.04.2017 07:11
      Highlight Sehr gute Analyse. Was doch die Frage aufwirft ist das kapitalistische System am Ende? Wenn man nur noch Geld verdienen kann indem man " andere vernichtet"?
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