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Alkohol soll angeblich in Strömen geflossen sein an der «Polizistenparty». (Symbolbild) Bild: AP

Partyexzess von Berliner G20-Polizisten – «So sind junge Männer»

In Hamburg feierten Berliner Polizisten eine wilde Party – und mussten deshalb vorzeitig nach Hause fahren. Ihr Verhalten passte so gar nicht zur «G20-Fibel» der Kollegen aus Hamburg.

28.06.17, 17:11 28.06.17, 17:33

Ansgar Siemens

Ein Artikel von

Am Tag nach dem grossen Wirbel bittet die Führung der Berliner Polizei um Milde. «In unserer Einsatzkleidung stecken Menschen», heisst es in einer Facebook-Botschaft. Man sei «nicht die Partypolizei, sondern die professionelle Hauptstadtpolizei».

Es ist ein peinlicher Vorfall, der die Beamten zu dieser ungewöhnlichen Klarstellung veranlasst. Drei Hundertschaften der Bereitschaftspolizei waren am Sonntag nach Hamburg gereist, um die Kollegen im Vorfeld des G20-Gipfels zu unterstützen.

Untergebracht waren die Berliner in einem Containerdorf in Bad Segeberg in Schleswig-Holstein. Und dort ging es kräftig zur Sache. Am freien Abend «wurde getrunken, getanzt, gepinkelt und ja scheinbar auch 'gebumst'», heisst es im Facebook-Post der Polizei.

Der Facebook-Post der Polizei Berlin

Bilder zeigen feiernde Polizisten in Zivil, ein Pärchen soll sich im Freien vergnügt haben, mehrere Kollegen urinierten demnach an Zäune. Alkohol floss in Strömen, während die Leitungsstäbe im Hotel nächtigten.

Der Vorfall veranlasste den Hamburger Einsatzführer Hartmut Dudde, die Gäste noch vor ihrem Einsatz wieder nach Hause zu schicken.

Posse oder Skandal? Ein beteiligter Polizist sagte der «Bild-Zeitung», er könne die Empörung nicht verstehen. «Es wurde nichts beschädigt. Niemand wurde verletzt. Wir haben niemanden beleidigt oder bedrängt. Wir alle waren am nächsten Tag einsatzfähig.»

«Aufregung ist übertrieben»

Fest steht: Es waren sehr junge Kollegen, die da offenbar aus der Rolle fielen. «In der Regel sind in der Bereitschaftspolizei die meisten Beamten Mitte 20», sagt Joachim Lenders, Vize-Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft. «Sie absolvieren ihre erste Station nach der Ausbildung und bleiben für etwa zwei bis drei Jahre.»

Christian Pfeiffer, ehemaliger Chef des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, winkt denn auch ab. «Jeder vernünftige Mensch lacht darüber. Die Aufregung ist übertrieben.» Es habe keine Straftaten gegeben, die Einheiten seien unter sich gewesen.

«So sind junge Männer, wenn sie als Gruppe in der Freizeit unterwegs sind.» Die harsche Reaktion der Hamburger Polizei sei «Kraftmeierei», sagt Pfeiffer. Vielleicht sei das aber nötig, um nach aussen Eindruck zu erzielen. «Sie will das Signal senden: Wir haben alles im Griff.»

Die harsche Reaktion der Hamburger Polizei sei «Kraftmeierei» sagt der ehemalige Chef des Kriminologischen Forschungsinstituts.  Bild: dpa

Wie sehr die Hamburger um ihr Image besorgt sind, zeigt das Einsatzhandbuch, die «G20-Fibel». Darin ermahnt Einsatzführer Dudde die Kollegen: Man stehe im Blickpunkt der Weltöffentlichkeit. «Jede Polizeibeamtin und jeder Polizeibeamte leistet durch ihr/sein tadelloses Auftreten einen wichtigen Beitrag zum Gesamterfolg.»

Tolerant, offen, kommunikativ, freundlich – so stellt sich Dudde seine Leute vor. Da passen grölende Zecher kaum ins Bild. Und so deutete Polizeipräsident Ralf Martin Meyer die Entlassung der Kollegen flugs als Zeichen von Führungsstärke. «Jeder weiss jetzt, die Hamburger Polizei fackelt nicht lange und schickt Einsatzkräfte wieder zurück.»

Der Hamburger Kriminologe Rafael Behr empfiehlt der Einsatzführung indes, aus dem Vorfall zu lernen. Er habe den Eindruck, sagt Behr, dass sich bei G20 alles auf den Einsatz konzentriere. «Freizeitangebote scheinen zu fehlen. Das ist ein Problem.»

Die Berliner Polizei will jetzt aufklären. Haben die Beamten gegen die Wohlverhaltenspflicht verstossen, wonach sie auch in ihrer Freizeit den Ruf des Arbeitgebers nicht schädigen dürfen? Hat eine Beamtin wirklich im Bademantel mit der Pistole herumgefuchtelt, wie kolportiert wird? Bisher sei das nicht belegt, sagt ein Polizeisprecher.

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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  • Coach Cpt. Blaze 29.06.2017 11:59
    Highlight Tja, niemand muss Bulle sein...
    1 2 Melden
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  • Kreasty 29.06.2017 10:18
    Highlight Nach so einem Einsatz würde ich auch mein Leben feiern wollen. Es stand ja da, in ihrer Freiennacht... Darf man da nicht machen was jeder macht?

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  • JackMac 28.06.2017 20:23
    Highlight Die Jungs und Girls haben gemacht, was auch immer Junge Leute tun. Feiern, Tanzen, sich näher kommen. Total normal. Junge Menschen halt. Also?
    3 3 Melden
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  • Qwertz 28.06.2017 20:09
    Highlight "den Ruf des Arbeitgebers nicht schädigen": wäre ja gar nicht passiert, wenn die Hamburger nicht so ein Drama draus gemacht hätten. Das Gelände war ja abgesperrt, also hätte niemand etwas von der Party mitbekommen, die Polizisten waren ja unter sich.

    Und na ja, das ist halt, was passiert, wenn man 200 junge Berliner kaserniert und die TV-Zimmer abschliesst. Denen ist langweilig. Das würde ja im Militär genau gleich ablaufen, wenn die striken Vorschriften und Hierarchien nicht da wären.
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  • Gelöschter Benutzer 28.06.2017 20:04
    Highlight «So sind junge Männer, wenn sie als Gruppe in der Freizeit unterwegs sind.»
    Das mag sein.
    Aber ebenso sind diese jungen Männer, die anscheinend vollkommen willenlos ihren Trieben und Regungen ausgeliefert sind, als Polizisten nicht mal glaubwürdig genug, um ihnen einen Sack Kartoffeln abzukaufen.

    Oder warum soll ich jemandem vertrauen, als Polizist mit wesentlich komplexeren, heiklen Situationen professionell umgehen zu können,
    wenn er nicht einmal sich selber soweit im Griff hat, dass er wenigstens Saufen und Rumpinkeln nicht als "so bin ich halt" betrachtet?
    3 3 Melden
    • Kreasty 29.06.2017 16:28
      Highlight Also würdest du im Swisscom Shop den Mitarbeiter bevorzugen der in seiner Freizeit das eine Bier trinkt und dann den Schlussstrich zieht, über einen der am Freitag mal bisschen mehr trinkt.

      Freizeit hat NICHTS mit dem Berufsleben zu tun... so weit kommts noch dass unsere Arbeit, die eh schon mind 10 Stunden unseres Lebens am Tag nimmt. Solange ich nichts von der Freizeit ins Berufsleben bringe, ist es doch egal was ich mache.
      2 2 Melden
    • Gelöschter Benutzer 29.06.2017 18:17
      Highlight @Kreasty
      Solange dann die "Nebenwirkungen" der Sauferei und Rumpinkelei von den Steuern der Allgemeinheit beseitigt werden müssen,
      halte ich Saufen und Rumpinkeln für kein Menschenrecht - und deren Ausübung für rücksichtslos.
      Natürlich kann man aber auch "privat" und "unkompliziert" mit rücksichtslos verwechseln...
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  • Steampunk 28.06.2017 20:02
    Highlight Anscheinend scheint es niemanden zu interessieren, dass sich die Jungs und Mädels nicht im Dienst befanden und somit lediglich ihre Freizeit für die Party "opferten" 😬 weiter, ist die Bereitschaftspolizei so ziemlich das übelste was man so machen kann... Darum, ahoi und Prost🎉🍰🍻
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  • pun 28.06.2017 18:24
    Highlight Was für eine Zeit in der wir leben.

    Polizei Berlin: "Wir sind keine Partypolizei, also schon, das ist ja normal, wir fahren ja auch in unseren Partybussen zum Einsatz, lalüüüülalaaaaaaa, aber sonst sind wir ganz professionell, würklich..."
    12 5 Melden
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  • Echo der Zeit 28.06.2017 18:20
    Highlight Es braucht überhaupt keine Polizei am G20-Gipfel.
    9 9 Melden
    • Against all odds 28.06.2017 20:05
      Highlight Es braucht vor allem keinen G20-Gipfel in Hamburg! Meinetwegen auf einer abgelegenen Insel. Immer wieder Gipfeltreffen in Grossstädten, reine Provokation.
      4 0 Melden
    • Zap Brannigan 28.06.2017 20:16
      Highlight Doch, es braucht die Polizei derart dringend, dass hunderte von Polizisten aus lauter langeweile Parties Veranstalten. Wie beim Militär am WEF, nur schickt man dort keine Soldaten heim, weil das Militär Geld für Manntage im "Aktivdienst" bekommt.
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