International

Im Yorck-Quartier in Chemnitz durchsuchte die Polizei eine Wohnung. Der Verdächtige ist weiterhin flüchtig. Bild: EPA/DPA

Anti-Terror-Einsatz in Chemnitz: Polizei stürmt weitere Wohnung

Im Zusammenhang mit dem Sprengstofffund in Chemnitz hat die Polizei eine zweite Wohnung durchsucht. Berichte, wonach der Terrorverdächtige Jaber Albakr vom «IS» ausgebildet wurde, kommentieren die Ermittler nicht.

Publiziert: 09.10.16, 18:14 Aktualisiert: 10.10.16, 06:39

Ein Artikel von

Nach dem Sprengstofffund in einer Wohnung in Chemnitz geht die Polizei angeblich von einer engen Verbindung des gesuchten Terrorverdächtigen zur Terrormiliz «Islamischer Staat» aus. Das berichtet die «Bild»-Zeitung.

Es gebe Hinweise, dass der 22-jährige Jaber Albakr von «IS»-Terroristen ausgebildet wurde, berichtet das Blatt unter Verweis auf Ermittler. Darauf weise die Art des gefundenen Sprengstoffs hin, bei dem es sich um TATP (Azetonperoxid) handele.

Die Polizei kommentierte den Bericht nicht. Fakt ist: TATP wird von «IS»-Terroristen genutzt. Der Sprengstoff kann aber auch von jedem anderen hergestellt werden – entsprechende Kenntnisse vorausgesetzt. Ermittlern zufolge ist die Analyse des Materials noch nicht abgeschlossen.

Abgesperrter Bahnhof in Chemnitz: Hinten links hebt ein Roboter einen verdächtigen Koffer hoch. Bild: EPA/DPA

LKA verteidigt Polizeieinsatz

Nach Informationen von Spiegel Online war der mutmassliche Terrorist den Einsatzkräften am Samstagmorgen nur knapp entwischt. Das sächsische Landeskriminalamt (LKA) verteidigte das Vorgehen der Polizei bei dem Einsatz. Während der Vorbereitungen bemerkten die Beamten eine Person im Haus, sagte ein Sprecher. Der Gesuchte habe sich schnell bewegt und sei trotz eines Warnschusses aus dem Sichtfeld weggelaufen. «Es war unklar, ob der Mann Sprengstoff und einen Zünder bei sich hat.»

Das bis dahin noch nicht evakuierte Haus hätte auch in die Luft fliegen können. «In so einer Situation können wir nicht ins Risiko gehen.» Zudem gingen die Einsatzkräfte davon aus, dass der Mann wieder ins Haus hineingegangen ist. Für Aussenstehende mag das als Panne gelten, sagte Bernhardt. Wie der Verdächtige entkommen ist, sei unklar.

Die Behörden äussern sich derzeit offiziell weder zur Zusammensetzung des Sprengstoffs noch zu Hintergründen, möglichen Anschlagszielen oder der Motivation des Verdächtigen. Dies geschehe aus taktischen Gründen, sagte eine Sprecherin des Landeskriminalamtes (LKA) Sachsen. Laut «Bild»-Zeitung befand sich ein Kilogramm Sprengstoff in der Wohnung, das LKA spricht offiziell von mehreren Hundert Gramm.

Weitere Wohnung in Chemnitz durchsucht

«Schon 200 Gramm TATP haben eine verheerende Wirkung. Wer weiss, wie man sie richtig einsetzt, kann damit eine Halle sprengen», zitiert die «Bild»-Zeitung einen Sprengstoffexperten. Die meisten zur Herstellung nötigen Stoffe seien frei erhältlich, die Herstellung gelte aber als sehr komplex.

Die Polizei durchsuchte am Sonntag eine weitere Wohnung in Chemnitz mit Spezialeinsatzkräften. «Es gab aber keinen Zugriff», sagte ein Sprecher des LKA Sachsen. Er begründete die direkte Vorgehensweise damit, dass Sprengstoff im Spiel sei. «Wir können es uns nicht leisten, hier zu taktieren.» Es war eine von mehreren Kontaktadressen des 22-Jährigen, die derzeit nach und nach überprüft werden.

Nach Informationen von Spiegel Online lagen dem Bundesnachrichtendienst und dem Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) Hinweise vor, dass Albakr ein Sprengstoffattentat vorbereiten könnte. Er hatte sich im Internet über den Bau von Bomben informiert und auch entsprechende Materialien beschafft. Diese Vorbereitungen sollen erst am Donnerstag abgeschlossen worden sein. Am Freitag übermittelte das BfV seine Informationen der Polizei.

(brt/dpa)

0 Kommentare anzeigen
0
Logge dich ein, um an der Diskussion teilzunehmen
Youtube-Videos und Links einfach ins Textfeld kopieren.
600

Die vergessenen Jahre des Terrors: In den 70ern und 80ern zogen Terroristen eine Blutspur durch Europa

Weltweit gab es seit 1970 über 156'000 Terroranschläge. In der Schweiz ist seit 20 Jahren niemand mehr einem Attentat zum Opfer gefallen. Doch in den 70er- bis 90er-Jahren ermordeten Terrorgruppen teils Hunderte Menschen jährlich in Westeuropa. Eine Übersicht von 1970 bis Berlin 2016.

Zusammenfassung: In den 70er- bis 90er-Jahren töteten meist europäische Terrorzellen jährlich 100 bis 400 Menschen in Europa. Seit der Jahrtausendwende nehmen die Attentate in Westeuropa und in der Schweiz stark ab. Von 2001 bis 2015 entfielen nur 0,3 Prozent der Terroropfer auf Westeuropa. Hauptsächlich aufgrund der Attentate in Paris und Nizza stieg die Opferzahl zuletzt wieder auf rund 150 Menschen pro Jahr, sprich auf das Niveau der 80er-Jahre. Weltweit nimmt der Terrorismus seit 2005 zu …

Artikel lesen