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Donald Trump im Sturm und was «Harvey» mit der Mauer zu Mexiko zu tun hat

Hurrikan «Harvey» ist für Donald Trump eine Chance, sich als oberster Krisenmanager der Nation zu präsentieren. Doch die Naturkatastrophe birgt für ihn auch politische Risiken.

29.08.17, 09:55

Roland Nelles, Washington

USA-Mütze immer dabei: Trump und Familie. Bild: AP/AP

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Der Regen will nicht aufhören. Ein Ende der akuten Gefahr für die Bewohner der Millionen-Metropole Houston durch Sturm «Harvey» ist nicht absehbar, es drohen neue Überschwemmungen, auch in Louisiana. Aber einer weiss natürlich schon, wie die ganze Sache am Ende ausgehen wird: «Es wird schnell Hilfe kommen. Wir werden alles wiederaufbauen. Und es wird ganz besonders werden», verspricht US-Präsident Donald Trump.

Seit «Harvey» am vergangenen Wochenende mit ganzer Wucht über die Küste von Texas hereinbrach, gibt Trump den obersten Katastrophenmanager der Nation. Er lädt zu Krisensitzungen, bei denen er eine USA-Mütze auf dem Kopf trägt. Er spricht den Bewohnern von Houston Mut zu («Wir stehen alle zu 100 Prozent hinter euch»). Und er lobt die Rettungskräfte über den grünen Klee: «Alle arbeiten toll zusammen. Wir sind eine grosse amerikanische Familie

Hurrikan Harvey verschont auch keine Altersheime

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Video: srf/SDA SRF

Heute will Trump mit Ehefrau Melania nach Texas reisen, um sich vor Ort persönlich ein Bild von der Lage zu machen. Ein weiterer Kurztrip ins Krisengebiet ist für Samstag geplant. Sturm «Harvey» ist für Trump Bewährungsprobe und Chance zugleich. Nach dem desaströsen Start seiner Präsidentschaft kann er erneut an einer präsidialen Aufgabe scheitern. Oder er schafft es, sich dem Volk endlich als fürsorgender Landesvater zu präsentieren und so seine schlechten Popularitätswerte aufzubessern.

Naturkatastrophen dieses Ausmasses sind für US-Präsidenten stets eine recht klare Angelegenheit. Zeigen sie sich handlungsbereit und einfühlsam, werden sie allseits gelobt. Reagieren sie hingegen zaudernd oder desinteressiert, stehen sie rasch in der Kritik.

Unvergessen bleibt, wie langsam und ungeschickt US-Präsident George W. Bush seinerzeit auf den verheerenden Hurrikan «Katrina» reagierte. Bis heute wird Bush von Kritikern wegen des schlechten Krisenmanagements der Bundesbehörden eine Mitschuld an der hohen Zahl von 1800 Opfern gegeben. Trumps Amtsvorgänger Barack Obama wiederum gewann an präsidialer Statur, weil er während des Hurrikans «Sandy» schnell und unbürokratisch massive Bundeshilfen für die Staaten New York und New Jersey organisierte.

Bislang löst Trump die Aufgabe auf typisch trumpsche Art. Er macht viel Show, spricht von einer Flut von «historischen», ja «epischen» Ausmassen. Eher unpräzise bleibt er derweil, wenn es darum geht, seine Hilfsversprechen an die Flutopfer mit konkreten Zahlen zu untermauern.

Sollten die Hilfs- und Wiederaufbaugelder des Bundes nicht bald fliessen, könnte «Harvey» für Trump zum Problem werden. Um grössere Summen anweisen zu können, braucht Trump die Hilfe des Kongresses - und es geht nicht gerade um Kleckerbeträge. Bei Wirbelsturm «Katrina» betrug die Schadenssumme 160 Milliarden Dollar, bei «Sandy» waren es immerhin noch 70 Milliarden. In einer ähnlichen Grössenordnung könnten sie bei «Harvey» liegen.

Die plötzlichen Zusatzausgaben dürften den Abgeordneten im Kongress wenig Freude bereiten. Trump plant für den Herbst eigentlich die Abstimmung über seine viele Milliarden Dollar teure Steuerreform, deren Gegenfinanzierung noch weitgehend unklar ist. Wenn nun neue Milliardenausgaben für «Harvey» hinzukommen, wird die Diskussion, wo im Haushalt gekürzt wird, nicht leichter werden.

Was «Harvey» mit der Mauer zu Mexiko zu tun hat

Vor allem konservative Republikaner drängen seit Jahren darauf, dass staatliche Ausgabenprogramme durch Einsparungen an anderen Stellen kompensiert werden. Gerade Senatoren aus Texas, wie beispielsweise Ted Cruz, haben sich bei solchen Debatten stets als Sparfüchse hervorgetan. Da es diesmal um seinen Heimatstaat geht, wird Cruz wohl seine Meinung ändern. Doch es bleiben etliche andere Republikaner, die Trump zu empfindlichen Kürzungen etwa im Sozialbereich drängen könnten.

Auch könnten sowohl Republikaner als auch Demokraten versuchen, Trumps ehrgeizige Pläne für eine Mauer an der Grenze zu Mexiko auszubremsen. Frei nach dem Motto: Wenn der Präsident Geld für die Fluthilfe braucht, ist leider erstmal nichts mehr für die Mauer da.

Trump will sich von solchen Problemen derweil nicht stören lassen. Der Präsident, den die Details des politischen Geschäfts bekanntlich noch nie besonders interessiert haben, wirkt in der Krise motiviert wie lange nicht. Er will nun bei seinen Ausflügen ins Katastrophengebiet vor allem auf seine ganz eigene Art Optimismus verbreiten.

«Wir werden nach dieser Krise stärker, grösser und besser sein als je zuvor», tönt er. «Believe me.» - «Das könnt ihr mir glauben.»

Zusammengefasst: US-Präsident Donald Trump reist heute erstmals nach Beginn der «Harvey»-Verheerungen nach Texas. Er hat die Chance, sich dort als zupackender Macher zu präsentieren. Doch die Naturkatastrophe birgt auch politische Gefahren: Um die Schäden zu beseitigen, muss eine gewaltige Summe aufgewendet werden. Demokraten und auch Republikaner im US-Kongress könnten versuchen, dafür Trumps Prestigeprojekt, den Mauerbau an der Grenze zu Mexiko, auszubremsen.

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  • α Virginis 29.08.2017 11:12
    Highlight Naja, da steht wieder mal eine "greossartige" Show von Trump vor der Tür. Viele Versprechungen, die dann nie eingehalten werden, aber momentan wird das den Gegenwind ein wenig mildern. Bis die Leute merken, dass der Typ ein reiner Blender und Lügner ist. Ich denke, spätestens wenn er bei dieser Krise versagt, wird der Gegenwind zum Sturm.
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  • Holla die Waldfee 29.08.2017 10:24
    Highlight Hätte es New Orleans getroffen, würde es den Orang-Man nicht interessieren.
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    • Sebastian Wendelspiess 29.08.2017 10:53
      Highlight Warum?
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    • Charlie B. 29.08.2017 11:35
      Highlight True wenn New Orleans kein Mitglied der USA wäre.
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    • Holla die Waldfee 29.08.2017 11:43
      Highlight Und ich dachte, wer nur ein kleines bizzeli die US-Politik verfolgt, dem müsste das klar sein.
      Hallo? Wir reden hier von dem Mann, der sich weigert, sich vom Ku-Klux-Klan zu distanzieren.
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    • Gsnosn. 29.08.2017 12:59
      Highlight Ich behaupte mal frei raus, dass kein andere Bundestaat, Trumpf meinung so vertretet wie Texas, quasi Freunde von Trump. New Orelans entspricht nicht dem Amerika von Trump.
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