International

Bis Dienstagabend haben knapp zwei Drittel der schätzungsweise 6500 Migranten das wilde Camp am Rande einer Industriezone der Hafenstadt verlassen.  Bild: ETIENNE LAURENT/EPA/KEYSTONE

Tag 2 im «Dschungel» von Calais: Frankreich beginnt mit Abriss des Camps

Publiziert: 25.10.16, 21:04 Aktualisiert: 26.10.16, 07:06

Am zweiten Tag der Räumung des Flüchtlingslagers von Calais haben die französischen Behörden mit dem Abriss begonnen. Arbeiter entfernten am Dienstag leerstehende Zelte und Behelfsunterkünfte in dem riesigen Camp.

Die in orangefarbene Schutzanzüge gekleideten Arbeiter demontierten leere Zelte und Hütten und räumten Hinterlassenschaften wie alte Matratzen, Decken und Töpfe in Abfallcontainer. Dabei blieb es weitgehend friedlich. Einige der Hütten gingen in Flammen auf. Unklar ist, ob sie von den Flüchtlingen angezündet wurden.

Während Arbeiter leere Zelte und Hütten wegräumen ... Bild: THIBAULT VANDERMERSCH/EPA/KEYSTONE

... gehen einige der Zelte in Flammen auf – unklar ist, ob diese willentlich angezündet wurden. 

Nach Angaben des französischen Innenministers Bernard Cazeneuve erhielten 1636 Flüchtlinge eine neue Unterkunft. Damit hatte bis Dienstagabend knapp zwei Drittel der schätzungsweise 6500 Migranten das wilde Camp am Rande einer Industriezone der Hafenstadt verlassen.

Die meisten Flüchtlinge kommen aus Ländern wie Afghanistan, Äthiopien, Eritrea und dem Sudan. Viele waren mit der Hoffnung nach Calais gekommen, den Ärmelkanal überqueren und Grossbritannien erreichen zu können.

Die Auflösung des Camps wird ungefähr eine Woche dauern. Bild: NEIL HALL/REUTERS

Nach Angaben Cazeneuves wurden an beiden Tagen zusammen 4014 Flüchtlinge in Sicherheit gebracht. Darunter seien 772 Kinder und Jugendliche, die zunächst in einem Containerdorf untergebracht werden sollen. Nach Angaben Cazeneuves erklärte sich Grossbritannien bereit, alle unbegleiteten Minderjährigen aus Calais aufzunehmen, deren Angehörige sich bereits im Königreich aufhalten.

Die Organisation Ärzte ohne Grenzen kritisierte, dass nur sehr grob anhand eines Gesichtschecks überprüft werde, wer minderjährig sei und damit auf das spezielle Asylverfahren hoffen dürfe.

Ein Migrant blickt auf ein Bild der Verwüstung: Viele Hütten auf dem Camp gingen in Flammen auf. Bild: PASCAL ROSSIGNOL/REUTERS

Bild der Verwüstung

Der sogenannte «Dschungel» bot am Dienstag ein Bild der Verwüstung. Viele Hütten einer improvisierten Ladenstrasse waren leer, auf dem Boden lag Müll. Immer wieder loderten kleine Feuer auf. Bulldozer wurden nicht eingesetzt, sagte ein Sprecher der Präfektur Pas-de-Calais, Müll werde mit kleinen Schaufelbaggern entfernt.

Am Tor des Transitzentrums kam es zu Rangeleien mit der Polizei, dabei gab es aber keine Verletzten. In der Nacht habe es keine Zusammenstösse gegeben, teilte die Präfektur mit. In den Tagen zuvor war es am Rande des Camps zu nächtlichen Ausschreitungen gekommen, bei denen die Polizei auch Tränengas einsetzte.

Neue Camps verhindern

Die Regierung will das Entstehen neuer illegaler Camps in Calais und an der Küste verhindern. «Die Ordnungskräfte vor Ort werden Kontrollen durchführen, vor allem an den Bahnhöfen», hatte Cazeneuve angekündigt.

Die Auflösung soll nach Angaben der Präfektur etwa eine Woche dauern. Wie mit den sogenannten Widerspenstigen umgegangen werden soll, die unbedingt bleiben wollen, wird nicht offen gesagt. Inoffiziell ist zu hören, dass am Ende auch Polizei eingesetzt werden könnte. (hot/sda/dpa/afp)

Der «Dschungel von Calais» wird geräumt

Das könnte dich auch interessieren:

Die Trump-Regierung: Ein Klub von Milliardären

Der Berner Wahlfälscher schrieb auf alle Zettel «Erich Hess» – Was der Politiker dazu sagt

«Der legendäre Feuerblitz», oder: Das beste Auto-Inserat der Schweiz

Kandidatin kneift bei «Wer wird Millionär»: Hättest du die Millionenfrage geknackt?

Hol dir die App!

User-Review:
schlitteln - 18.4.2016
Guter Mix zwischen Seriösem und lustigem Geblödel. Schön gibt es Watson.
1 Kommentar anzeigen
1
Logge dich ein, um an der Diskussion teilzunehmen
Youtube-Videos und Links einfach ins Textfeld kopieren.
600
  • Libertas 26.10.2016 00:11
    Highlight Eine unglaubliche Sauerei hinterlassen diese "Flüchtlinge" da. Man sollte die Kosten führ die Räumung den "Flüchtlingen" in Rechnung stellen. Können sie es nicht bezahlen, dann abarbeiten. Die immer noch renitenten "Flüchtlinge" gehören ohne wenn und aber im ihr Heimtland zurückgeschafft.
    11 15 Melden
    600

Der einstige «Mister Nobody» will «Monsieur le Président» werden

Es ist die Stunde des grossen Triumphs für François Fillon: Der frühere französische Premierminister, einst als «Mister Nobody» belächelt, hat sich mit einem haushohen Sieg über seinen Rivalen Alain Juppé die Präsidentschaftskandidatur der Konservativen gesichert.

Noch vor wenigen Wochen galt der 62-jährige Abgeordnete als so gut wie chancenlos bei der Vorwahl seiner republikanischen Partei – jetzt hat er beste Aussichten, 2017 als neuer Staatschef in den Elysée-Palast einzuziehen.

Mit einem sehr …

Artikel lesen