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Wohin gehen die Flüchtlinge von Idomeni? Griechische Polizei beginnt, die Zeltstadt zu räumen

24.05.16, 06:01 24.05.16, 09:55

Die griechischen Behörden haben mit der Räumung des wilden Lagers von Idomeni begonnen. Einheiten der Bereitschaftspolizei sperrten am frühen Morgen das Lager weiträumig ab.

Die Flüchtlinge, die seit Monaten unter für Menschen unwürdigen Zuständen vor dem mazedonischen Grenzzaun ausharren und auch eine wichtige Bahnlinie sperren, sollen in organisierte Auffanglager gebracht werden.

Bilder aus dem Helikopter

Beim ersten Tageslicht stieg ein Helikopter der Polizei auf. Er soll Bilder direkt in die Einsatzzentrale schicken, hiess es aus Polizeikreisen. Die Presse durfte sich vorerst nicht dem Camp nähern. «Wir dürfen nicht ins Lager. Ich sehe mehrere Busse der Bereitschaftspolizei, die in die Richtung des Lagers fahren», sagte ein Fotograf der Nachrichtenagentur dpa vor Ort.

Auch das staatliche Fernsehen (ERT) bestätigte unter Berufung auf Polizeiquellen den Beginn der Aktion.

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1400 Polizisten im Einsatz

Gewalt will die Regierung in Athen nicht anwenden. Die Menschen sollen in organisierten Auffanglagern untergebracht werden. Wie der Sprecher des Stabes für die Flüchtlingskrise, Giorgos Kyritsis, am Vortag der dpa gesagt hatte, werde die Aktion mehrere Tag dauern. «Wir wollen keine Gewalt anwenden. Die Evakuierung wird bis zu zehn Tage lang dauern», sagte er.

An der Aktion nehmen nach Berichten griechischer Medien rund 1400 Polizisten teil. Die Behörden begleiten mehrere Übersetzer, die den Menschen in der eigenen Sprache erklären, sie müssen koordiniert und stufenweise in Busse steigen, um anschliessend in die Auffanglager im Landesinneren zu fahren, berichtete das Staatsradio unter Berufung auf die Polizei.

Am Vortag hatten Augenzeugen dutzende Flüchtlinge beobachtet, die das Lager von Idomeni verliessen, um sich offenbar in der Region zu verstecken. Aktivisten hatten sie über die bevorstehende Räumungsaktion informiert. Andere Flüchtlinge, in ihrer Mehrheit Familien, fuhren freiwillig in andere Lager.

Hoffnung auf Öffnung der Balkan-Route

In Idomeni hatte sich nach der stufenweise Schliessung der Balkanroute im Februar und dem Bau eines Zauns seitens Mazedoniens ein wildes Lager gebildet. Bis zu 15'000 Menschen harrten im März in der Region aus. Sie hofften, dass die Balkanroute wieder aufgemacht wird, damit sie nach Mittel- und Nordeuropa weiterreisen können.

Medien berichteten von Drogenhandel und Prostitution in dem, wie sie es nannten, «Ghetto» von Idomeni. Zudem sperren radikalisierte Flüchtlinge die wichtige Eisenbahnverbindung Griechenlands nach Norden.

Mehr als 300 Güterwaggons sind auf beiden Seiten der Grenze zwischen Griechenland und Mazedonien steckengeblieben. Die Importeure und Exporteure beklagen Verluste in Millionenhöhe. (egg/sda/dpa)

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  • hagrid 24.05.2016 11:45
    Highlight Wenn wir mit den Armen nur auch so grosszügig wären wie mit den Reichen......
    4 6 Melden
    • Gelöschter Benutzer 24.05.2016 13:30
      Highlight ... dann wären wir alle arm.
      (BIP pro Kopf, weltweiter Durchschnitt ca USD 11'000)
      4 2 Melden
    • Soli Dar 24.05.2016 15:22
      Highlight @simply smart, was wollen Sie damit sagen?
      1 3 Melden
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  • Gelöschter Benutzer 24.05.2016 09:40
    Highlight Steht das Angebot von Portugal noch?
    Dann kann mindestens ein Teil da hin.
    15 2 Melden
    • Soli Dar 24.05.2016 13:05
      Highlight Ja lasst uns die Portugiesen unterstützten. Gemeinsam mit Portugal könnte die CH, ein Zeichen der Humanität setzten und rasch einige Tausende Syrer/innen aus Griechenland oder den Nachbarstaaten von Syrien aufnehmen. Aber nein, wir haben ja angeblich ein "Asylchaos" und dies obwohl die CH momentan im europ. Vergleich so wenig Asylgesuche verzeichnet wie kaum zuvor (3% in Europa 2015). Naja, die Realität sieht anders aus: Sollen die Flüchtlinge in eines der ärmesten europ. Ländern nach Portugal gehen oder im noch ärmeren Griechenland verharren, solange sie nicht hier hin kommen?
      3 8 Melden
    • Soli Dar 24.05.2016 15:20
      Highlight Aber warum blitzt ihr den? Habt ihr allen Ernstes das Gefühl die Schweiz könne nicht noch mehr tun für Flüchtlinge? Portugal und Griechenland hingegen schon?
      3 4 Melden
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  • f.bracher@gmx.net 24.05.2016 08:35
    Highlight Liebes Watson-Team. Was ist eure Quelle für den Drogenhandel, die Prostitution und das Versperren der Gleise durch radikalisierte Flüchtlinge?! Und was ist die Messlatte um von "radikalisiert" zu sprechen? Freiwillige Helfer haben genau solche Berichterstattungen schon einmal dementiert! https://m.facebook.com/story.php?story_fbid=1769881153231231&id=1747682395451107
    8 26 Melden
    • Olaf! 24.05.2016 09:32
      Highlight Es gibt sogar Interviews mit Flüchtlingen die erklären wieso sie die Geleise versperren...
      Auch bezüglich Prostitution und Drogenhandel gibt es Berichte, auch von Leuten die vor Ort waren.


      Vielleicht wäre es gut wenn du dich auch noch an ein paar anderen Orten informierst, wie auf Facebookseiten, von Freiwilligen Helfern, die definitiv nicht neutral über die Situation berichten. Mal Onkel google bemühen.
      17 6 Melden
    • AdiB 24.05.2016 11:42
      Highlight das mit der prostitution war doch in der türkei? ist aber unfreiwillige prostitution. türkische männer gehen scheinbar einfach in die camps und nehmen sich eine. die frau und ihre familie bekommen gar nichts. das wird scheinbar mit wärtern und helfern abgemacht.
      ich glaub watson hat auch schon mal darüber berrichtet.
      auf jedenfall habe ich das mal in einer ard oder zdf doku gesehen.
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  • HansDampf_CH 24.05.2016 07:44
    Highlight Humanistischen Europa? Humanitäre Tradition?

    Heute sind es Flüchtlinge, dann die Armen die wir über den Rand der Gesellschaft drängen und dann die andersdenkenden.

    #europashameonyou
    21 29 Melden
    • HansDampf_CH 24.05.2016 09:33
      Highlight Mehr Blitze Ihr Gewissenlosen Lemminge.
      Stacheldraht an der Grenze und Stacheldraht im Hirn?
      15 24 Melden
    • simiimi 24.05.2016 12:57
      Highlight Unsere Herzen sind weit, doch unsere Möglichkeiten sind endlich, sagt der deutsche Bundespräsident. Ansonsten kollabiert der westliche Sozialstaat!
      3 3 Melden
    • Soli Dar 24.05.2016 13:17
      Highlight Würde es begrüssen, wenn ihr euch zumindest für eine Sekunde in die Situation von Menschen, die vor Tod, Hunger und Verfolgung flüchten bevor ihr blitzt. Was unterscheidet uns von den Flüchtlinge? Nichts als der Zufall der Geburt! Es könnten unsere Kinder, unsere Eltern, unsere Brüder, unsere Schwester oder unsere Geliebte sein... Oder etwa nicht?
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