International

Annäherung zweier Erzfeinde – indischer Premier Modi besucht Pakistan

25.12.15, 16:39 25.12.15, 16:54

Mit grosser Aufmerksamkeit ist am Freitag in Pakistan und Indien der Überraschungsbesuch des indischen Premierministers Narendra Modi im Nachbarland verfolgt worden. Modi traf am Freitagnachmittag ein und blieb für ein einstündiges Gespräch mit Ministerpräsident Nawaz Sharif in dessen Haus nahe der nordwestpakistanischen Metropole Lahore.

Narendra Modi (r.) trifft Pakistans Ministerpräsident Nawaz Sharif (l.).
Bild: EPA/PRESS INFORMATION BUREAU

Es war der erste Besuch eines indischen Staatsoberhauptes in Pakistan seit elf Jahren. Zuletzt war im Jahr 2004 Bihari Vajpayee in Pakistan gewesen. Seit Bombenanschlägen pakistanischer Extremisten im indischen Mumbai 2008 ist das Verhältnis zwischen den beiden Atommächten angespannt. Sie streiten auch über die Grenzregion Kaschmir.

Die beiden Staatsoberhäupter trafen sich zu einem einstündigen Gespräch.
Bild: EPA/PRESS INFORMATION BUREAU

Das Gespräch sei in angenehmer Atmosphäre verlaufen, hiess es im pakistanischen Staatssender PTV. Der Sprecher des pakistanischen Aussenministeriums teilte mit, die beiden Regierungschefs hätten sich darauf geeinigt, die Kontakte auszuweiten und verstärkt an gutnachbarschaftlichen Beziehungen zu arbeiten.

Bild: EPA/PRESS INFORMATION BUREAU

Modi kam aus Kabul, wo er am Mittag (Ortszeit) das von Indien gestiftete neue Parlamentsgebäude für Afghanistan eröffnet hatte. Pakistanische Medien verfolgten den Weg von Modis Flugzeug und zählten die Meter bis zur Landung.

«Visionär und mutig»: Vornehmlich positive Reaktionen

Die meisten Reaktionen in Pakistan und Indien waren positiv. Die indische Aussenministerin Suschma Swaradsch tweetete «So ist es staatsmännisch».

Indische Analysten sagten im Fernsehen, die Geste sei «visionär und mutig». Der pakistanische Sicherheitsanalyst Talat Massud sagte, der Besuch zeige, dass Indiens Haltung zu Pakistan sich ändere. Das sei ein gutes Zeichen für den Frieden.

Indien und Pakistan sind seit einem Monat auf Annäherungskurs. Den Anfang machte ein Handschlag Modis mit Nawaz Sharif auf der Pariser Klimakonferenz Ende November. Dann trafen sich Sicherheitsberater beider Länder in Bangkok – ein Treffen, das zuvor mindestens zweimal abgesagt worden war.

Zum ersten Mal seit drei Jahren reiste mit Suschma Swaradsch dann am 10. Dezember ein indischer Aussenminister nach Islamabad. Dort vereinbarten Indien und Pakistan, die nach der Terrorserie in Mumbai ausgesetzten Friedensgespräche wieder aufzunehmen.

Auch Seitenhiebe auf Pakistan

Die Politik beider Länder bleibt aber mehrdeutig. Während seiner Rede in Kabul erwähnte Modi Pakistan nicht direkt – einige Bemerkungen können aber als Seitenhieb auf den Erzfeind verstanden werden, dem vorgeworfen wird, den Terrorismus in Afghanistan zu fördern. So sagte er, dass es Afghanistan besser gehen werde, sobald die «Kinderstuben des Terrorismus» geschlossen würden und ihre Unterstützer aufhörten, ihn zu finanzieren.

Modi übergab in Kabul auch drei Kampfhelikopter russischer Bauart. Es war das erste Mal, dass Indien Afghanistan tödliche Waffen zukommen liess. Zuvor waren Spenden auf Gerät beschränkt gewesen, das nicht im Kampf genutzt werden kann. Dies war auch geschehen, weil Pakistan es als Konfrontation hätte auffassen können, wenn Indien ein Nachbarland aufrüstet, dass sich im Konflikt mit Pakistan befindet.

Beide Länder testen auch weiterhin atomwaffenfähige Raketen. Pakistan tat dies zuletzt zwei Tage nach der Ankündigung neuer Friedensgespräche. Am Donnerstag hatte Modi auch mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin eine engere Zusammenarbeit verabredet. (sda/dpa/meg)

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