International

«Schweiz, nimmst du mich zurück?» Diese Clinton-Wählerin plant ihre Flucht

Publiziert: 09.11.16, 06:05 Aktualisiert: 09.11.16, 07:06

Mit ihrer Liebeserklärung an die Schweiz erlangte die Amerkanerin Chantal Panozzo in beiden Ländern Bekanntheit. Unterstützt hat sie Bernie Sanders, gewählt Hillary Clinton. In der Wahlnacht schmiedet sie bereits Pläne, in die Schweiz zurückzukehren. In einem Land, das von Donald Trump angeführt wird, will sie ihre Tochter nicht grossziehen.

Wie geht es Ihnen?
Chantal Panozzo:
Ich bin am Durchdrehen. Ich kann es nicht glauben. Ich verstehe nicht, was mit diesem Land passiert. 

Haben Sie irgendwelche Anzeichen gesehen, dass Trump so gut abschneidet?
Ich muss gerade an ein Erlebnis im September zurückdenken, als ich und mein Mann an einem Velorennen in Michigan mitmachten. Wir parkten unser Auto in einer Nachbarschaft, wo der Start war, und plötzlich waren da Leute, die uns anschrien, wir dürften unser Auto nicht vor ihrem Haus abstellen. Das war eine Kleinstadt, wo die Grossmutter meines Manns aufwuchs. Ich dachte, was ist hier passiert, dass einen Leute einfach anschreien? Es ist viel Wut vorhanden in diesem Land.

Und in Illinois, wo Sie wohnen?
Ich habe in meiner Gegend auch Trump-Schilder vor den Häusern gesehen, das hat mich schon erstaunt.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass viele Demokraten nie richtig warm wurden mit Clinton und Bernie Sanders bevorzugten. Kann es sein, dass sie daheim geblieben sind?
Ich kann mir das nur schwer vorstellen. Auch ich und meine Familie unterstützten Bernie Sanders und gingen an seine Veranstaltungen. Als Hillary Clinton die Nomination gewann, war ich enttäuscht. Aber Sanders-Wähler sind rationale Leute und wählen sicher nicht Trump. Nicht zuletzt, weil auch Sanders Clinton unterstützte.

Einmal angenommen, Clinton schafft es doch noch knapp. Würde sie durch diesen Schock nicht bereits geschwächt ihr Amt antreten?
Wie wir schon unter Obama gesehen haben, hängt viel vom Parlament ab. Und da sieht es für die Demokraten ohnehin nicht gut aus. Das Repräsentantenhaus bleibt republikanisch und der Senat offenbar auch. Aufgrund ihrer langen politischen Erfahrung wäre sie aber sicher eine starke Präsidentin.

«Ich habe eine kleine Tochter und ich bin mir nicht sicher, dass ich sie in einem Land grossziehen will, wo Donald Trump Präsident ist.»

Und wenn Trump gewinnt?
Ich fürchte, er wird dieses Land ruinieren. Mir zittern die Hände, wenn ich das sage. Ich habe eine kleine Tochter und ich bin mir nicht sicher, dass ich sie in einem Land grossziehen will, wo Donald Trump Präsident ist. Er hat keine Führungsqualitäten, er ist unsicher, schreit herum, beleidigt Leute. Er ist kein Vorbild und kein Aushängeschild, das ich für mein Land will. Mir scheint, ich muss Sie etwas fragen.

Was denn?
Wird die Schweiz mich zurücknehmen?​

Man hat von vielen Leuten gehört, dass sie auswandern werden, wenn Trump gewinnt. Ziehen Sie das ernsthaft in Betracht?
Wir zogen es schon diesen Sommer in Betracht, als mein Mann ein gutes Jobangebot hatte. Sogar unser Visum wäre noch gültig gewesen. Aus verschiedenen Gründen entschieden wir uns dann, in den Staaten zu bleiben.

Und wenn ein neues Jobangebot kommt?
Dann ja. Wir lieben die Schweiz. Es wäre schön, zurückzukommen.

Aber irgendwie auch traurig, das Gefühl zu haben, sein eigenes Land verlassen zu müssen.
Es ist traurig. Ich hatte schon einen kleinen Kulturschock, als ich 2014 zurück kam, nach acht Jahren in der Schweiz. So viel hat sich verändert. Wie ich schon sagte, es gibt so viel Wut in diesem Land. Und viele Leute haben wohl auch Grund, wütend zu sein. Nicht zuletzt, weil sie Dinge nicht haben, die für Schweizer selbstverständlich sind. In Illinois musste ich heute abstimmen, ob es Arbeitnehmern erlaubt sein soll, bis zu fünf Krankheitstage pro Jahr zu haben. Wirklich? Darüber muss man abstimmen? In der Schweiz, wenn du krank bist, gehst du nicht arbeiten, fertig. Hier musst du Angst haben, deinen Job zu verlieren.

Clintons Chancen schwinden zusehends. Planen Sie, die Nacht aufzubleiben?
Ja, ich denke schon. Man kann immer hoffen.

In der Schweiz sagen wir, die Hoffnung stirbt zuletzt.
Ja (schluckt leer).

US-Wahl 2016

Hillary Clinton: «Das ist sehr schmerzhaft, und das wird es lange bleiben»

5 Schlagzeilen, die wir mit Trump als Präsident bald schon lesen werden

Video-Ticker aus New York: «Die Leute sind den Tränen nah»

Die Entscheidung fällt in diesen 11 Swing States

Hol dir die catson-App!

Die flauschigste App der Welt! 10 von 10 Katzen empfehlen sie ihren Menschen weiter.
21 Kommentare anzeigen
21
Logge dich ein, um an der Diskussion teilzunehmen
Youtube-Videos und Links einfach ins Textfeld kopieren.
600
  • Domino 09.11.2016 09:36
    Highlight Die Obama-Party ist vorbei. Das Defizit verdoppelt. Zurück zur arbeit....
    6 5 Melden
    • phreko 09.11.2016 11:23
      Highlight Tax-cuts von Bush jr. konnten nicht zurück genommen werden. Kein Wunder gibt es Defizite wenns man 2 Kriege und eine Wirtschaftskrise erbt.
      Manche sehen bloss Defizit und hören auf zu Denken.
      5 3 Melden
    • Domino 09.11.2016 11:30
      Highlight Bush hat auch Clinton unterstützt....
      3 1 Melden
    600
  • H1o 09.11.2016 09:31
    Highlight Das ist der Typischste Fall von Demokratie: bekomme ich nicht was ich will, dann gehe ich 👍
    10 5 Melden
    600
  • Wilhelm Dingo 09.11.2016 09:30
    Highlight Na, so schlimm wirds nicht werden.
    4 0 Melden
    600
  • Der müde Joe 09.11.2016 08:34
    Highlight Wegen Überfüllung geschlossen! ;)
    25 0 Melden
    600
  • rodolofo 09.11.2016 08:29
    Highlight Aber eins muss ich Donald Trump lassen:
    Er hat mit einem lausigen Blatt hoch gepokert... und gewonnen!!!
    Da er gerne schöne Frauen begrapscht, wie sein "Bruder im Schwanz", Berlusconi, wird er immerhin keinen Atomkrieg auslösen. Er will ja seinen Reichtum und seine Macht geniessen, in seinem gigantischen Casino USA, auf dem bereits grosse, fette, goldene Lettern mit dem Namen Trump montiert werden...
    Bye bye USA, Good Luck!
    9 5 Melden
    600
  • leu84 09.11.2016 08:29
    Highlight Natürlich nicht. In einer Demokratie gibt es manchmal Entscheidungen die man nicht mag. Vielleicht tut Donald nicht so wie im Wahlkampf. Also soll sie vorerst in den USA. Es gibt immer noch Kanada.
    11 9 Melden
    600
  • rodolofo 09.11.2016 08:25
    Highlight Nach dieser denkwürdigen Wahlnacht und dem Aufwachen in einer Alptraum-Realität ist es an der Zeit, dass ich mich oute:
    Mein Vater war im Kleinen ein Typ wie Donald Trump.
    Meine Mutter ist im Kleinen ein Typ wie Hillary Clinton.
    Darum kann ich Euch genau sagen, was mit den USA jetzt geschehen wird:
    Diese Supermacht wird zerfallen, wie eine Alt-Liegenschaft, die nicht mehr renoviert wird.
    Trump aber wird Geld scheffeln bis zu seinem Tod, kann aber davon nichts mitnehmen in die ewigen Jagdgründe.
    Hinterlassen wird er lauter Sanierungsfälle.
    Viel Spass mit Ballon Man!
    22 9 Melden
    600
  • Stipps 09.11.2016 08:13
    Highlight Bestätigt exakt die egozentrische und opportunistische Strömung, die bei anderer Meinung überreagiert und alles verloren gibt. Die wären staatstragend?
    11 3 Melden
    600
  • Andi Amo 09.11.2016 07:43
    Highlight Jaja, vor der Masseneinwanderungs- und Ausschaffungsinitiative kamen in linken Kreisen genau die gleichen Sprüche vonwegen auswandern und dass man bei einer Annahme nicht mehr in so einem Land leben möchte. Und wer ist gegangen? Genau; Keiner!

    Alles nur warme Luft und Wichtigtuerei.
    53 33 Melden
    • Fly Baby 09.11.2016 09:12
      Highlight Schön locker bleiben, meine Frau und ich wandern aus der Schweiz aus und nein wir sind keine Linken.
      3 1 Melden
    600
  • Theor 09.11.2016 07:35
    Highlight Schluckt leer?

    Echt jetzt? Ginge es auch weniger melodramatisch Herr Ramezani? Oder üben Sie für die Publikation Ihres ersten Romanes?
    45 13 Melden
    600
  • rodolofo 09.11.2016 07:13
    Highlight Ich würde dieser Frau abraten, in die Schweiz zu flüchten, denn hier träumen die Herren Blocher und Köppel von einer ähnlichen Revolution, wie sie jetzt in den USA stattgefunden hat...
    66 56 Melden
    • DoMeBE19 09.11.2016 07:29
      Highlight Genau, der Köppel ist gerade am Mauer bauen gell!
      44 13 Melden
    • Midnight 09.11.2016 07:42
      Highlight Ich würde da eher zu Schweden oder Dänemark raten ;-)
      25 6 Melden
    600
  • Pius C. Bünzli 09.11.2016 07:12
    Highlight das ist definitiv der präsident der gut zu diesem Land voller Kriegsgeiler deppen passt. Freue mich schon auf die falllenden Aktienkurse
    38 28 Melden
    • Tavares 09.11.2016 07:37
      Highlight Kauf dafür Aktien der Rüstungsindustrie *Gratistipp*
      20 1 Melden
    • Stipps 09.11.2016 07:41
      Highlight Du hast höchstens das selbe Niveau gemäss deiner Pauschalisierung. Weil du deinen Pully selber strickst und mit dem Velo bei der öffentlichen Arbeitsstelle vorfährst, macht dich das natürlich zum besseren Mensch.
      27 22 Melden
    • Midnight 09.11.2016 07:43
      Highlight Jaja, und der phöse Franken wird noch stärker... :-O
      8 0 Melden
    • Hecklemore 09.11.2016 07:57
      Highlight Trump ist isolazionist und nicht worklich kriegsgeil! Der einzige positive punkt an ihm
      18 10 Melden
    600

Experten entdecken Hinweise auf Wahlbetrug – wird Trumps Sieg untersucht?

Ein Jurist und ein IT-Experte drängen Hillary Clinton, das Ergebnis der Präsidentschaftswahl anzufechten. Dies berichtet das «New York Magazine». Wahlrechtsanwalt John Bonifaz und der Direktor des Instituts für IT-Sicherheit und Gesellschaft der Universität Michigan, J. Alex Halerman, wollen Hinweise gefunden haben, wonach die Resultate in Wisconsin, Michigan und Pennsylvania manipuliert oder sogar gehackt worden sind. Trumps unerwartet gute Abschneiden in diesen drei Swing …

Artikel lesen