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US-Cartoonistin Ann Telnaes: «Wenn das eine Frau macht, ist sie eine Bitch»

Ann Telnaes entblösst Politiker mit dem Zeichenstift. Die US-Cartoonistin zeigt Trump als teigigen Wüterich und Clinton als blasierte Eisfee.

Publiziert: 06.11.16, 19:46 Aktualisiert: 07.11.16, 09:06

Patricia Dreyer, Washington / spiegel online

Ein Artikel von

Wie zeichnet man Hass? Eine Frage, mit der sich Ann Telnaes täglich auseinandersetzt: Die Cartoonistin der «Washington Post», 2001 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet, beobachtet die Spitzenkandidaten Donald Trump und Hillary Clinton im Wahlkampf. Sie legt mit spitzer Feder ihre Schwächen bloss. Ein Gespräch über Lippen, Augen und viel Orange.

Frau Telnaes, können Sie sich an einen US-Wahlkampf erinnern, der so hasserfüllt war wie dieser?
Ann Telnaes: Nein. Ich bin seit 1992 im Geschäft, damals erschien mein erster Cartoon, aber eine Wahl wie diese habe ich noch nicht erlebt.

Liegt das nur an Donald Trump?
Es hat eine ganze Reihe von Ursachen. Die Radikalisierung der Republikaner fing ja eigentlich schon in den Neunzigerjahren an, 2016 sind die moderaten Republikaner nun gänzlich verstummt. Wenn man die sozialen Medien dazu nimmt und den Umstand, dass Nachrichten nur noch Entertainment sind... Geben Sie Donald Trump in diesen Mix und Sie haben den perfekten Sturm.

Wann war Ihnen klar, dass Donald Trump keine Eintagsfliege ist?
Ich glaube, wir Cartoonisten haben da einen ganz guten Job gemacht. Wir haben schnell gemerkt, wie gefährlich er ist – anders als die meisten grossen Medien.

Wenn Sie Menschen zeichnen – hilft Ihnen das, sie schneller zu durchschauen, weil Sie sie ja auf das Wesentliche reduzieren?
Cartoonisten lauern immer darauf, dass Politiker sich verraten und ihre wahren Motive sichtbar werden. Das spiessen wir mit unserem Zeichenstift auf. Mit Bildern können Sie auch viel mehr Menschen erreichen. Ein starkes Bild packt einen viel schneller als hundert Worte.

Donald Trump hat viele auffällige körperliche Attribute: sein Haar, seine Haut, seine Lippen. Macht es das für Sie leichter, ihn zu karikieren – oder wird es dadurch schwerer, weil er ja bereits so besonders aussieht?
Er ist ohne Frage eine interessante Erscheinung. Ich habe schon so viel Orange benutzt, ich habe gerade überlegt, ob ich nochmal Farbe nachordern sollte. Im Ernst: Eine Karikatur zielt immer auf den Charakter. Es geht nicht darum, jemandem grosse Ohren zu zeichnen, sondern herauszufinden, wer dieser Mensch eigentlich ist. Meine Karikaturen von Dick Cheney zum Beispiel sehen dem wahren Cheney gar nicht ähnlich, bringen aber rüber, wie er tickt.

Ein gruseliger Typ mit dünnen Beinchen und fiesem Gesichtsausdruck.
Ich bin froh, wenn es Sie gruselt, genau das wollte ich erreichen.

Fällt es Ihnen schwerer, Hillary Clinton zu zeichnen?
Mir nicht, aber einigen meiner männlichen Kollegen.

Wie meinen Sie das?
Wenn Clinton die Präsidentschaftswahl gewinnen sollte, wäre sie die erste Frau in diesem Amt. Doch dieses Land hat ein Sexismus-Problem, und wenn Sie mich fragen, ist es noch grösser als unser Rassismus-Problem. Ich bin fest davon überzeugt, dass Clintons Geschlecht ein Thema sein und die Cartoonisten beeinflussen wird.

Sie meinen, sie wird schärfer kritisiert werden, weil sie eine Frau ist?
Die Clintons sind in Washington auf Ablehnung gestossen, seit sie damals aus Arkansas in die Hauptstadt kamen. Seit es (den rechtskonservativen TV-Sender, Anm. d. Redaktion) Fox News und die sozialen Medien gibt, ist Hass auf die Clintons praktisch ein Geschäftszweig geworden. Dazu der Sexismus, von dem ich sprach – ja, ich glaube, die Kritik an Clinton wird erheblich sein.

Allein, weil es vielen Menschen nicht passen würde, dass eine Frau ein so machtvolles Amt innehat?
Ein bestimmter Typ Frau. Uns wird von jeher beigebracht, dass ein Mann, der sich aggressiv im Geschäftsleben und in der Politik durchsetzt, bewundernswert ist. Wenn eine Frau das macht, ist sie eine «bitch».

Worauf fokussieren Sie, wenn Sie Clinton zeichnen?
Ich finde, sie hat sehr auffallende, attraktive Augen.

Ihre Cartoon-Hillary erscheint fast schläfrig oder gelangweilt.
Nein, nicht gelangweilt. Eher vorsichtig, würde ich sagen. Es ist ja immer die Rede davon, wie distanziert sie ist, und so zeichne ich sie auch.

Da Sie klare Sympathien für Clinton hegen – wären Sie nicht zu nett zu ihr, wenn Sie Präsidentin wird?
Oh nein, ich kritisiere sie ganz sicher. Einige ihrer politischen Standpunkte teile ich keinesfalls.

Würde Ihnen Donald Trump nicht fehlen, allein als Cartoon-Thema?
Der bleibt uns erhalten, selbst wenn er verlieren sollte.

Passend dazu: US-Präsidenten und die Haarfrage

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User-Review:
naja, mir - 16.4.2016
Immer auf dem neusten Stand. Besticht mit sympathischem, intelligentem Witz!
2 Kommentare anzeigen
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  • metall 07.11.2016 00:41
    Highlight
    2 0 Melden
    600
  • pamayer 06.11.2016 20:31
    Highlight Great.
    "What a bitch!, says the Male Bitch."
    6 3 Melden
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