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«Ihr könnt ohne Weiteres schiessen»: Israelische Soldaten kritisieren Feuer-Freigabe durch Vorgesetzte

Israel tut alles, um zivile Opfer im Krieg zu vermeiden – so stellt es die Armeeführung stets dar. Doch Soldaten aus dem Gaza-Krieg prangern jetzt an: Die Einsatzvorschriften sind viel zu lax.

04.05.15, 13:01 04.05.15, 13:40

Ein Artikel von

Bild: AMIR COHEN/REUTERS

Mehr als 2200 Palästinenser wurden 2014 im Gaza-Krieg getötet, ein Grossteil davon Zivilisten. Auch mehr als 70 Israelis kamen dabei ums Leben. Israelischen Soldaten werfen der Armee jetzt vor: Die Einsatzregeln und Vorschriften zum Gebrauch von Schusswaffen seien zu locker. Einige berichteten, ihre Kommandeure hätten ihnen gesagt, sie könnten in den meisten Fällen ohne Weiteres das Feuer eröffnen. Dies sei damit begründet worden, dass die palästinensischen Zivilisten vorher angewiesen worden seien, die umkämpften Gebiete im Gazastreifen zu verlassen.

Die Organisation «Breaking the Silence» veröffentlichte am Montag Zeugenaussagen von 70 Soldaten, die allerdings ihre Namen nicht nennen wollten. Es seien auch kaum Anstrengungen unternommen worden, Schäden an der palästinensischen Infrastruktur und an Privatgebäuden zu verhindern, heisst es in dem Bericht. Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden während des 50-tägigen Kriegs 18'000 Gebäude zerstört oder schwer beschädigt.

Bild: Getty Images Europe

«Alle zwei, drei Jahre rücken wir wieder für eine neue Runde des Kämpfens nach Gaza ein», sagte Jehuda Schaul, Gründer der Organisation. Stets würden neue moralische Schranken gebrochen, kritisierte er.

In einer Reaktion der israelischen Armee hiess es, «Breaking the Silence» habe sich geweigert, Beweise für die Vorwürfe vorzulegen. Ihnen nachzugehen sei daher unmöglich. Das Militär untersuche selbst Berichte über Verstösse seiner Soldaten während des Gaza-Kriegs.

Die Mitglieder von «Breaking the Silence» – viele davon Soldaten oder Reservisten – berichten regelmässig in Videoaufnahmen von ihren Erlebnissen in den besetzten Gebieten. Damit wollen sie die Bevölkerung aufrütteln und auf die schwierigen Zustände in Ost-Jerusalem, im Westjordanland und Gazastreifen aufmerksam machen.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat nicht nur Israel, sondern auch der im Gazastreifen herrschenden Hamas Kriegsverbrechen im Gaza-Krieg vorgeworfen. Hamas-Kämpfer hatten im Juni und August 2014 Tausende Raketen und Granaten auf Wohngebiete in Israel abgefeuert.

als/dpa

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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  • zombie1969 08.05.2015 11:32
    Highlight Die Charta der Hamas ist kein Ausrutscher, sondern steht exemplarisch für die Haltung muslimischer Extremisten im Nahen Osten, deren Zahl vermutlich in die Hunderte Millionen geht. Siehe IS, Iran und dessen Haltung zum Holocaust/Israel. Terrororganisationen wie Hamas oder Hizbollah usw. Die Liste lässt sich fortsetzen. Und es geht nicht nur um die Beendigung des Staates Israel, was ja verständlicherweise aus israelischer Sicht schon lächerlich genug wäre, sondern um die Vernichtung alles Jüdischen in der Region. Dies wurde oft genug auch von politischen Führern in der Region deutlich gemacht.
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  • rYtastiscH 04.05.2015 14:53
    Highlight Kleine Ergänzung zum letzten Absatz: Von den Tausenden Raketen und Granaten welche auf israelische Wohngebiete abgefeuert wurden, ist meines Wissens nicht eine einzige eingeschlagen, da die Israelis mit dem Iron-Dome über eine gewaltige Defensive verfügen. Was natürlich nicht die Absicht entschuldigt, jedoch aufzeigt, wie unausgeglichen die physischen Verhältnisse sind. Die psychologische Dominanz Israels scheint aber langsam zu bröckeln. Was aber wohl kaum zur Entspannung der Lage führen wird.
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