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Lula im Gespräch mit der des Amtes als Präsidentin enthobenen Dilma Rousseff. Bild: Eraldo Peres/AP/KEYSTONE

Wegen Korruption und Geldwäsche: Neun Jahre Haft für Brasiliens Ex-Staatschef Lula

Schuhputzer, Gewerkschaftsführer, Staatspräsident: Lula hat in Brasilien eine glänzende Karriere hingelegt. Jetzt holt den Ex-Präsidenten die Korruption ein.

12.07.17, 19:57 13.07.17, 07:33

Bis zuletzt hat Brasiliens Ex-Präsident Luiz Inácio Lula da Silva seine Unschuld beteuert, jetzt hat ihn ein Gericht wegen Korruption zu neun Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Bis zum Urteil der Berufungsinstanz bleibt er allerdings auf freiem Fuss. Zuletzt kündigte er noch an, bei der Präsidentenwahl im kommenden Jahr erneut antreten zu wollen. Die jüngsten Umfrage sehen ihn weit vor der Konkurrenz.

«Wir sind endlich Bürger erster Klasse.»

Lula nach dem Zuschlag für die Olympischen Sommerspiele 2016

Während seiner Amtszeit von 2003 bis 2010 modernisierte er die grösste Volkswirtschaft Lateinamerikas und verbesserte auch die Lebensbedingungen von Millionen armer Brasilianer beispielsweise mit dem Regierungsprogramm «Fome Zero» (Null Hunger). In ärmeren Bevölkerungsschichten ist der frühere Schuhputzer Lula noch immer sehr beliebt.

«Wir sind endlich Bürger erster Klasse»

Lula wollte Brasilien als «Land der Zukunft» zeigen. Eine entscheidende Triebfeder seines Handelns war stets das Bemühen um Respekt für Brasilien in der Welt. «Wir sind endlich Bürger erster Klasse», sagte er, als Rio de Janeiro den Zuschlag für die Olympischen Sommerspiele 2016 erhielt.

Lula profitierte vor allem von den sprudelnden Öleinnahmen. Das Wirtschaftswachstum legte während seiner zwei Amtszeiten kräftig zu. Brasilien galt als erwachender grüner Riese. Der ehemalige Gewerkschaftsführer Lula stellte sich auch mit der Unternehmerschaft und den Banken gut.

Zu gut, wie sich nun herausstellt. Wie fast die gesamte politische Klasse Brasiliens ist auch Lula in eine ganze Reihe von Korruptionsskandalen verwickelt. Weil er dem Baukonzern OAS Aufträge des halbstaatlichen Ölkonzerns Petrobras verschafft haben soll, muss er nun hinter Gitter. (sda/dpa)

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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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  • der_senf_istda 13.07.2017 10:46
    Highlight Ich hoffe das die brasilianische Justiz nicht einknickt. Es ist wichtig, dass endlich mal einer für die Korruption ins Gefängnis geht. Fast die ganze politische Klasse in Brasilien ist in Korruption involviert, das muss jetzt endlich einmal Konsequenzen haben. Lula hat von den Erdöleinnahmen profitiert und das Geld mit vollen Händen ausgegeben, ähnlich wie in Venezuela. Nun ist der Erdölpreis im Keller und das Nachsehen haben wieder die Armen und Schwachen.
    0 0 Melden
  • pedrinho 13.07.2017 03:13
    Highlight ..zu erwaehnen bleibt, dass noch 9 andere verfahren gegen Lula am laufen sind.

    ..nicht unwiedersprochen auf den "erfinder" des "Fome Zero".

    Alles nur geklaut , ganz klar ist, dass die regierung vor Lula im April 2001 die "Bolsa Familia", "Bolsa Escola", "Bolsa Alimentação" und "Auxilio de Gas" beschlosseen und im September 2001 mit der registrierung der empfaenger begonnen hat. Erst im Juni 2003 kam Lula auf die idee alles zusammengefasst unter "Fome Zero" zu "verkaufen"

    .. uebrigens im april 2003 hat Lula selbst gegen das/die programme ausgiebig protestiert

    https://goo.gl/ansHNp
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  • Gelöschter Benutzer 12.07.2017 20:30
    Highlight Jeder Präsi Brasiliens ist korrupt. Im Prinzip müsste man jeden Präsidentschaftsanwärter dort bereits präventiv einbuchten.
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