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Die mit Abstand grösste türkische Auslandsgemeinde lebt in Deutschland. Von den 1'430'127 türkischen Staatsangehörigen im Land nahm knapp die Hälfte an der Abstimmung teil.   Bild: CLEMENS BILAN/EPA/KEYSTONE

Diese Karte zeigt, wo Erdogan im Ausland punktete – die Schweiz gehört nicht dazu

18.04.17, 16:39 18.04.17, 16:56

Knapp anderthalb Millionen im Ausland lebende türkische Staatsangehörige nahmen am Referendum teil, mit dem Präsident Recep Tayyip Erdogan seinem Amt mehr Macht zuschanzen will. 59,1 Prozent von ihnen sagten Ja zur Verfassungsänderung, die die demokratischen Rechte ihrer in der Heimat lebenden Landsleute beschneiden wird.

Fast 60 Prozent Ja-Stimmen in der türkischen Diaspora – das ist deutlich mehr als in der Türkei selber (51,4%). Doch nicht überall siegten die Erdogan-Anhänger: In der Schweiz blieb ihr Anteil klar unter 40 Prozent (38,1%) und in der Tschechischen Republik lag er sogar nur bei 12,5 Prozent.

Karte: watson

Die krasse Ablehnung der Verfassungsänderung unter den Auslandstürken in Tschechien hatte allerdings keinerlei spürbaren Einfluss auf den Ausgang des Referendums: Weniger als 600 türkische Staatsangehörige stimmten hier ab – im Gegensatz zu Deutschland, wo es über 650'000 waren, von denen sich 63,1 Prozent für das Erdogan-Lager entschieden. In der Tat sagten fünf der sieben bedeutendsten türkischen Diaspora-Gemeinden in Europa Ja. 

Am deutlichsten war dies in Belgien der Fall: Drei Viertel der 72'127 Auslandstürken, die dort an der Abstimmung teilnahmen, waren für die Verfassungsänderung. In Österreich dasselbe Bild: 73,2 Prozent der 52'187 Teilnehmer sagten hier Ja. Und auch in den Niederlanden wählten über 70 Prozent von 116'543 Abstimmenden das Erdogan-Lager. Etwas geringer, aber immer noch leicht höher als in Deutschland war der Ja-Anteil mit 64,9 Prozent in Frankreich

Karte: watson

50'374 Auslandstürken gingen in der Schweiz an die Urne; 35'424 waren es in Grossbritannien. In beiden Ländern lehnte eine Mehrheit Erdogans «Ermächtigungsgesetz» ab – sehr deutlich vor allem in Grossbritannien, wo es vier von fünf Abstimmenden waren.

Das Wahlreservoir der Auslandstürken

2'972'676 stimmberechtigte Türken leben im Ausland. Sie hatten zwei Wochen lang die Möglichkeit, für oder gegen das von Staatschef Recep Tayyip Erdogan angestrebte Präsidialsystem in der Türkei zu stimmen. 
In der Türkei sind rund 55,3 Millionen Menschen wahlberechtigt. Die Auslandstürken machen also etwa 5 Prozent aller Wahlberechtigten aus. Erdogan hatte sie dazu aufgerufen, sich massenhaft zu beteiligen. Knapp die Hälfte von ihnen ging zur Urne. 

(sda)

Das uneinheitliche Bild setzt sich ausserhalb Europas fort: In der Mehrzahl der Staaten – darunter die USA und China – sagte eine zum Teil deutliche Mehrheit Nein. Dagegen kam es – ausser in der Türkei – in nur 18 Staaten zu einem Ja. Woher die offensichtliche Diskrepanz im Abstimmungsverhalten der türkischen Diaspora-Gemeinden kommt, lässt sich ohne eine vertiefte Analyse der Abstimmungsresultate allerdings kaum sagen. 

(dhr)

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  • Silent Speaker 19.04.2017 01:27
    Highlight Mit 30-39% waren es in der Schweiz immer noch gut ein Drittel, die ihm die Stimme gaben. Offnesichtlich funktioniert hier etwas mit der Integration und Bildung der Ausländer doch nicht so gut. In Finnland scheint die Politik das etwas besser im Griff zu haben.
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  • Fabio C. 19.04.2017 00:50
    Highlight Meiner Meinung nach sollten nur Leute die auch tatsächlich im Land Leben Wählen/Stimmen dürfen.
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  • DerRaucher 18.04.2017 23:38
    Highlight Die Karte zeigt wohl indirekt auch wo eher die Türkischen Kurden leben und wo nicht.
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  • Sapere Aude 18.04.2017 21:06
    Highlight Technische Frage, habt ihr die Karte selber gemacht? Die ist für mich mit meiner Rot-Grün Schwäche schlicht nicht lesbar.
    19 3 Melden
    • Dingsda 18.04.2017 21:23
      Highlight Habe das selbe Problem.
      Wenn man Blau anstatt Grün nehmen würde wäre es schon viel besser...
      9 4 Melden
    • Silent Speaker 19.04.2017 01:30
      Highlight Ladet euch das Bild herunter und verschiebt das Farbspektrum in Photoshop, Gimp oder dem Bildbearbeitungsprogramm eures Vertrauens. Es gibt sogar auf dem Smartphone Apps dafür. Kurzer Screenshot und schon ist euch geholfen. Ich vermute, das Grün Rot stammt aus der Türkei. Die offizielle Wählerkarte war auch rot/grün.
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  • Waedliman 18.04.2017 19:18
    Highlight Vielleicht sind die Ja-Länder die Länder, in denen man den Türken am meisten Freiraum gewährt, Länder, in denen sie in grösseren Anteilen leben und sich ein Gefühl von kollektiver Stärke geben. Somit sollten daraus ein paar Erkenntnisse gezogen werden, wie z. B. die Unterbindung von Gettos, Auflösung von Sonderrechten aus religiösen Motiven, sofortige Auflösung sog. No-go-areas usw.
    20 9 Melden
    • LaPaillade #BringBackHansi 18.04.2017 20:13
      Highlight Du beginnst deinen Kommentar mit Vielleicht, schiebst ein paar sehr gewagte Thesen hinterher und forderst am Schluss konkrete Massnahmen.
      12 7 Melden
    • Silent Speaker 19.04.2017 01:32
      Highlight @Waedliman: Genaugenommen muss man davon ausgehen, dass die Ja-Länder die grösste Ghettoisierung der Ausländer haben. Man gewährt ihnen nicht mehr Freiheiten als anderswo, sondern bietet ihnen grundsätzlich schlechtere Chancen. Daher rührt wohl dann auch das Ja. Integration ist bekanntlich der Schlüssel zum Erfolg. Du solltest weniger SVP-Gedankengut mit dir herumtragen, dann kommst du auch zu den richtigen Schlussfolgerungen.
      3 6 Melden
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  • Aussensicht 18.04.2017 19:06
    Highlight Sehr, sehr interessante Grafik.
    Um richtig Aussagekräftig zu sein, müsste jedoch der Anteil der Kurden an der jeweiligen türkischen Diaspora in die Grafik einfliessen. Irgendwie.
    Auftrag angekommen, Watson?! :)
    28 4 Melden
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  • marmuel 18.04.2017 18:52
    Highlight Sorry, aber old news. Hatte auf eine Erklärung gehofft, wieso es diese Diskrepanz gibt...

    Der Anteil der Kurden mag ausschlaggebend sein, allerdings sind die Unterschiede doch sehr gross. Anscheinend gibt es leider keine genaue Daten bezüglich Anteil Kurden in Deutschland/Schweiz.
    14 3 Melden
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  • Luca Brasi 18.04.2017 17:55
    Highlight Interessant ist auch, dass Türken in Albanien nein, im Kosovo und Mazedonien aber ja stimmten. Oder auch die deutliche Ablehnung von Türken, die in Nachbarstaaten wie Griechenland oder Bulgarien leben.
    17 4 Melden
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  • Tepesch 18.04.2017 17:17
    Highlight Wird Watson Zeit in eine detailierte Analyse investieren oder bleibt es bei dem oberflächlichen Artikel?
    34 21 Melden
    • Fabio Haller 18.04.2017 19:29
      Highlight Die Watson Nachrichten sind gratis falls du dass noch nicht bemerkt hast.
      7 20 Melden
    • Tepesch 18.04.2017 20:27
      Highlight @Fabio Haller
      "Gratis" in dem Sinne, dass ich nicht direkt bezahle, sondern indirekt über die geschaltete Werbung. Wenn Watson mit mir weiterhin Geld verdienen will, dann kann ich ja wohl auch Anmerkungen zu den Artikeln machen.
      19 6 Melden
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  • DJ_Terror 18.04.2017 17:16
    Highlight 3.Zufällig sind die Diaspora Länder in denen Türken mit Ja Stimmten die mit den krassesten Integrationsproblemen mit Türken. Deswegen kann man von Problemen beim Demokratieverständnis reden. In der Schweiz wurde Nein gesagt weil bei den Wahlen die Türken in der Schweiz zur hälfte für HDP stimmten also Prokurdisch sind. Deswegen ist die PKK bei uns auch sehr Aktiv. Anscheinend haben wir mehr Kurden als Türken.
    30 8 Melden
    • DJ_Terror 18.04.2017 17:37
      Highlight 4.Zudem sehr viele HDP Anhänger auch nicht die Integriertesten sind. Kurden sind auch in der Diaspora nicht gross Integriert geschweige denn im Westlichen Wertesystem angekommen! Auch dort gibt es massive Problem also kann man auch nicht sagen das die Nein Sager allesamt unser Wertesystem mögen, HDP Sympatisanten sind auch wie AKP Sympatisanten sehr oft Straffällig in den Diaspora Ländern. Was Kriminalität angeht nehmen sich beide nicht viel.
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    • The Origin Gra 18.04.2017 17:38
      Highlight Ich denke auch das die Kurden hier der Ausschlag waren
      2 3 Melden
    • Maya Eldorado 18.04.2017 21:32
      Highlight Und vor allem die Aleviten.
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  • DJ_Terror 18.04.2017 17:12
    Highlight 2.In den meisten Ländern wo die Türken Ja sagten wurden viele Gastarbeiter beschäftigt und wurden in Massen herreingeholt. NL, F, D, Ö, B sind perfekte Beispiele für Masseneinwanderung von Türken ohne Plan. Es gibt Ausnahmen aber eher weil Kurden wohl die Mehrheit der wählenden stellen wie in der Schweiz. USA, R, C, CZ liessen nur unter strengen Bedingungen Türken rein so das ungebildete Türken kaum Chancen hatten ins Land zu kommen. Deswegen stimmten diese für Nein weil diese aus gebildeten Schichten kommen.
    22 8 Melden
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  • DJ_Terror 18.04.2017 17:02
    Highlight 1.Das kommt darauf an welche Art von Türken die Länder aufnahmen. In DE, B, NL, Ö, F kamen mehrheitlich Türken aus Ländlichen Gebieten Anatoliens, In der Schweiz auch Menschen aus Anatolien, aber aus dem Kurdischen Teil wo die HDP stark ist. Während in Russland, USA und co wohl Türken aus dem Westlichen Anatolien die Mehrheit stellen. Ausserdem gibt es auch innerhalb dieser Gruppen Unterschiede. Wer aus Istanbul hierher zog kann für oder Erdogan sein denn in Istanbul gibt es von Liberalen Türken bis zu Islamisten alles. Izmir ist ein etwas anderer Fall das ist CHP Hochburg.
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  • Bene86 18.04.2017 16:59
    Highlight Feige Menschen.
    10 10 Melden
    • Stichelei 18.04.2017 18:35
      Highlight Solche Verurteilungen kann ich eigentlich nur von Menschen akzeptieren, die selbst schon mal ein grösseres Risiko eingegangen sind als eine Parkbusse zu riskieren. Ich höre . . .
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    • Bene86 18.04.2017 19:36
      Highlight Du hast gar nix zu fordern, das ist meine Meinung. Sein Ursprungsland aus sicherer Entfernung direkt in eine Diktatur zu wählen ist feige PUNKT!
      11 8 Melden
    • Stichelei 19.04.2017 08:01
      Highlight @Bene86. Sorry, da wurde ich Opfer meiner Gedankenblase. Nach den Berichten über Einschüchterungen und gar Bedrohungen von potentiellen Nein-Stimmern überlegte ich mir, wieviele davon sich als Folge nicht mehr getrauten, von ihrem Stimmrecht Gebrauch zu machen. Deinen ultraknappen Kommentar bezog ich dann auf diese Leute. Deshalb meine Reaktion. Mit deiner Präzisierung bin ich hingegen völlig einverstanden.
      1 2 Melden
    • Bene86 19.04.2017 08:43
      Highlight Alles klar, danke für deine Aufklärung.
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  • Max Havelaar 18.04.2017 16:53
    Highlight Na dann können ja 60-80% der Türken in CH, D, FR etc. gerne zurück in ihr Land, zu ihrem geliebten Reis Erdogan. Der Platz wird gebraucht für alle, die nun zu und flüchten müssen.
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    • Stichelei 18.04.2017 18:39
      Highlight Wieso 60-80% der Türken in CH? Hier war der Ja-Stimmen Anteil ja nur 38.1 %.
      17 2 Melden
    • Max Havelaar 20.04.2017 15:43
      Highlight Joa, meinte wohl eher AT. Halt all die dunkelgrünen Länder. Wobei aber 38% Ja zu Erdogan aus der Schweiz auch schon ziemlich traurig ist.
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