International

FARC-Rebellen in den Wäldern Kolumbiens. Bild: AP

Ringen um FARC-Friedensvertrag – alles beginnt wieder von vorne

04.10.16, 03:21 04.10.16, 06:47

Jetzt ist Verhandlungsgeschick gefragt: Nach der Ablehnung des historischen Friedensvertrags zwischen Kolumbiens Regierung und der linken FARC-Guerilla in einer Abstimmung, fordert Präsident Juan Manuel Santos neue Gespräche mit den Rebellen und den Vertragsgegnern an.

Santos schickte am Montag eine Regierungsdelegation nach Kuba, um mit der FARC-Führung über die nächsten Schritte zu beraten. In Bogotá traf er sich derweil mit Vertretern der politischen Parteien, um die Lage zu sondieren. «Wir unterstützen die Entscheidung, eine Kommission zu gründen und einen nationalen Dialog mit allen Sektoren zu eröffnen», sagte Senatspräsident Mauricio Lizcano.

Für die neue Phase der Gespräche mit der FARC-Führung und dem Lager der Abkommens-Gegner hielt Santos an Chefunterhändler Humberto de la Calle fest, der sein Amt zuvor zur Verfügung gestellt hatte. Er habe de la Calle im Amt bestätigt und ihn beauftragt, bei den neuen Gesprächen eine Lösung zu finden, sagte Santos nach Medienberichten.

Blickt nach der Niederlage vorwärts: Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos. Bild: EPA/EFE

Uribes Partei «offen»

Die treibende Kraft hinter dem Nein zu dem Friedensabkommen – das Centro Democrático – des ehemaligen Präsidenten Álvaro Uribe blieb dem Treffen fern. Die rechte Partei versicherte allerdings, offen für Gespräche über eine Neuverhandlung des Vertrags zu sein.

Die FARC-Rebellen kündigten an, zunächst an der Waffenruhe festzuhalten. «Die FARC stehen treu zu dem, was wir beschlossen haben», sagte FARC-Chef Rodrigo «Timochenko» Londoño in Havanna. «Der Frieden ist gekommen, um zu bleiben.» Der Rebellen-Unterhändler Pablo Catatumbo sagte: «Jetzt ist nicht die Stunde, um aufzugeben, sondern um weiterzumachen. Der Frieden wird siegen.»

FARC-Chef Rodrigo «Timochenko» Londoño will am Waffenstillstand festhalten. Bild: EPA EFE

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon entsandte seinen Sonderbeauftragten in die Region. Jean Arnault solle mit den Delegationen der Regierung und der FARC in Havanna nach einer Lösung suchen, sagte Ban am Montag in Genf. Es sei ermutigend, dass beide Parteien an einer Beilegung des Konflikts festhalten.

Unterstützung in der Region

Die Regierungen Lateinamerikas unterstützten die Fortsetzung des Friedensprozesses in Kolumbien. Das Nein zum Friedensabkommen bei der Volksbefragung am Sonntag dürfe nicht als Zeichen einer Ablehnung des Friedens an sich gedeutet werden, heisst es in einer gemeinsamen Erklärung der Aussenminister von Brasilien, Mexiko, Argentinien, Chile, Uruguay und Paraguay, die am Montag in Buenos Aires veröffentlicht wurde.

Die EU-Aussenbeauftragte Federica Mogherini bestärkte die kolumbianische Regierung und die FARC in den Bemühungen, das Abkommen noch zu retten. «Wir vertrauen darauf, dass sie den Weg zu einem dauerhaften Frieden mit der Beteiligung aller Parteien fortsetzen», sagte sie.

Knackpunkt Amnestie

Am Sonntag hatten die Kolumbianer dem Friedensvertrag in einem Plebiszit überraschend und ganz knapp eine Absage erteilt. Das Abkommen sollte den ältesten bewaffneten Konflikt Lateinamerikas mit mehr als 260'000 Toten und über fünf Millionen Vertriebenen beenden. Die Gegner kritisierten vor allem den Strafnachlass für die Rebellen und die künftige politische Beteiligung der FARC.

Nun soll versucht werden, das Paket wieder aufzuschnüren und unter Einbindung der Gegner einen neuen Vertrag zu erarbeiten. Ob das gelingt, ist aber fraglich. Die FARC-Führung dürfte sich kaum auf Änderungen bei der Sonderjustiz einlassen. Würden die Rebellenkommandeure für Mord, Folter, Vertreibungen und Drogenhandel regulär verurteilt, dürften sie bis an das Ende ihrer Tage in Haft bleiben. (cma/sda/dpa/afp)

Das echte Dschungelcamp: Alltag bei den kolumbianischen FARC-Rebellen

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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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  • Gelöschter Benutzer 04.10.2016 10:11
    Highlight Links-sozialistischer Terror *hüstel* um danach Frieden zu machen? Ne, die Gesellschaft vergisst denen nicht und das ist gut so.
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  • rodolofo 04.10.2016 08:35
    Highlight Es ist so oder so eine Illusion, zu glauben, dass ein Frieden auf dem Papier auch zu einem Frieden in der Realität führt!
    Die Grundlagen, welche zu diesem Bürgerkrieg geführt haben, bleiben ja!
    Ein Grossteil Kolumbiens ist durch Multinationale Konzerne besetzt, die das Land ausbeuten, um mit dem Export in die reichen Industrieländer und mittels Bestechung einer Einheimischen Elite zwecks Umgehung von sozialen und ökologischen Standards, viel Geld verdienen und die Gewinne an ihre "Aktionärs-Blutsaugergemeinschaft" ausschütten.
    In den Slums der verarmten Massen aber wüten die Mafia-Gangs...
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    • Radiochopf 04.10.2016 09:51
      Highlight @Rodolfo

      Wieso soll es eine Illusion sein an Frieden zu glauben? ich finde diese Haltung die momentan weltweit Hochkonjunktur hat, sehr fragwürdig.. man darf nicht mehr an Frieden glauben, es soll immer mehr und mehr zerstört werden.. in welchem grossen Konflikt gibt es Ansätze von friedlichen Lösungen als jetzt in diesem? Ich kann verstehen, dass es wegen der Amnestie ein Nein gab.. aber das heisst ja nicht, dass man sich weiter bekämpfen muss, sondern nochmals versuchen muss einen Kompromiss zu finden.. es ist doch schon ein grosser Fortschritt, wenn miteinander verhandelt wird!
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    • rodolofo 04.10.2016 19:08
      Highlight Wenn die Ressourcen knapp sind, fängt das Gerangel an. Das kann bis zum Krieg ausarten.
      So ist das Naturgesetz.
      Aber warum sind die Ressourcen knapp?
      Kolumbien ist wie alle tropischen- und subtropischen Länder reich an Natur und reich an Bodenschätzen.
      Aber die Art, wie diese Natur und diese Bodenschätze ausgebeutet werden, hat viele Kolumbianer arm gemacht und an in Slums abgegedrängt.
      Wer macht sich breit in Kolumbien?
      Diese Frage führt zu uns, zu den "Bananen - Essern", wie gerade in der Zeitung stand...
      Wir müssten abnehmen und an den "Süden" umverteilen. Und das würde uns ganz gut tun.
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