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Donald Trump: Startet er gegen Nordkorea einen Krieg? Bild: AP/AP

Zum Totlachen: Warum Trumps Nordkorea-Show alles andere als lustig ist

Donald Trump war mal unterhaltsam – als Sexprotz, Serienpleitier, Reality-Star. Als Präsident spielt er mit der Sicherheit der Welt. Daran ist nichts mehr lustig.

11.08.17, 10:22 11.08.17, 16:28

Marc Pitzke

Ein Artikel von

Na, haben wir noch Spass?

Wie amüsant war Donald Trump, als er noch durch die New Yorker Society turnte, mit seinen Scheidungen und Sexprotzereien, für deren Weiterverbreitung er sich am Telefon als sein eigener Pressesprecher «John Barron» ausgab: «Ihm geht es finanziell ungeheuer gut!», log er schon da über sich selbst.

Wie faszinierend war er, als er sich, während seine Arbeiter auf der Strasse landeten, durch ein halbes Dutzend Pleiten klagte, um sich ganz neu als «erfolgreicher Unternehmer» zu erfinden – mit einer TV-Realityshow, deren Bürokulisse so Fake war wie sein Urteilsspruch am Ende jeder Episode: «You're fired!»

Wie unterhaltsam, als er mit diesen stets gleichen Spiegeltricks schliesslich Präsidentschaftswahlkampf machte, «wie es die Welt noch nie gesehen hat» (schon immer sein Lieblingssuperlativ), bis uns jeder Sinn für Realität und Fiktion, für Anstand und Abscheu abhanden kam: Politik ist Entertainment!

1m 6s

Nuklear-Drohung oder einfach Trumps Lieblings-Redewendung?

Video: watson

Hoffen auf die Babysitter

Das Lachen verging manchen, als Trump die Wahl gewann. Keine Sorge, fanden andere, das wird schon: Das Amt werde Trump läutern, und wenn nicht, würden die erwachsenen Babysitter um ihn herum seine schlimmsten Impulse in Schach halten. Lasst ihn toben – die Politik regelt sich von selbst.

Ex-General John Kelly, der neueste dieser rotierenden Babysitter, sollte ihn nun mit militärischem Drill zügeln. Elf Tage währte diese Hoffnung, bis Trumps Verbalsalve gegen Nordkorea, die auch Kelly «überrascht» haben soll, sie nun zunichte machte. «Fire and fury», Trumps Wortwahl, ist übrigens ein Slogan aus dem populären Online-Kriegsspiel «World of Warcraft», zu dessen Erstinvestoren sein nationalistischer Ideologe Steve Bannon gehörte.

Trump feuerte einen Lügen-Tweet über das US-Atomarsenal hinterher und am Donnerstag sogar noch mehr Bombast: Nordkorea, tönte er in seinem Golfklub, wo er sich in einer Bürokulisse filmen liess, solle «sehr, sehr nervös» sein. Später folgte ein 20-minütiges Festival weiterer, meist haarsträubender Statements, die seine Aufpasser erneut in Panik versetzten. Der Effekt war derselbe wie bei «You're fired!»: Schalten Sie morgen wieder ein!

«Wir amüsieren uns zu Tode»

In der aktuellen Show spielt Trump nun aber nicht mehr den «erfolgreichen Unternehmer», sondern den «harten Feldherrn». Denn nichts eint die Nation – und zementiert die Macht – wie ein Krieg, das älteste aller Dokudramen. Selbst wenn es um Nordkorea geht, das gefährlichste Pulverfass der Welt – und um Millionen Menschenleben, die Trump als Cliffhanger missbraucht.

«Wir amüsieren uns zu Tode», warnte der postmoderne Prophet Neil Postman 1985 vor der Verschmelzung von Politik und Medien zum «Infotainment». Da war Trump noch mit Ivana verheiratet, der ersten seiner drei Ehefrauen.

Inzwischen ist der Joker, der mal harmlos war, zu Pennywise mutiert, dem Horror-Clown aus Stephen Kings Gruselkrimi «Es», dessen Verfilmung passenderweise im September in die Kinos kommt. Die Erwachsenen, die sein politisches Blutbad aufputzen müssen, werden dabei selbst dreckig.

Hinter den Kulissen des Weissen Hauses zanken sich die Fraktionen ums Drehbuch wie Gamer in «World of Warcraft»: Auf der einen Seite eine kleine Fraktion halbwegs Vernünftiger, die es als ihre Mission sehen, die schlimmsten Ideen des Präsidenten abzublocken. Auf der anderen Seite die Lakaien, die ihm zweimal am Tag Ordner hinlegen mit bewundernden Tweets und Fotos, auf denen er kämpferisch aussieht.

Trumps düsteres Ablenkungsmanöver

Derweil konsolidiert Trump seine Macht, wie ein Diktator in spe. Er schuf einen eigenen TV-Propagandakanal. Er teilt Fake-Umfragen, die ihn preisen, mit 32 Millionen Twitter-Fans, von denen fast die Hälfte Bots sind mit dem einzigen Ziel, seine Tweets zu multiplizieren. Er sägt an der Pressefreiheit, versucht den Kongress zu entmachten und die Justiz zu delegitimisieren.

Düstere Machenschaften, von denen er das Publikum aber immer wieder ablenkt, mit einem Tweet, einer Tirade – oder einem herbeigeredeten Atomkrieg.

Hinzu kommt die Endlosaffäre um Russland-Sonderermittler Robert Mueller, die im Hintergrund immer mitläuft. «Wird er Mueller feuern? Werden die USA Nordkorea angreifen? Und was ist mit Justizminister Jeff Sessions?», lockte CNN die Zuschauer am Donnerstagabend mit einer Eilmeldung. «Schalten Sie ein!»

Donald Trump – sein Leben in Bildern

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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  • Stephan Löffel 19.08.2017 13:13
    Highlight Die Politiker im Hintergrund brauchen jemanden , der den Kopf hinhält, wenn etwas schief geht. Offensichtlich sehen diese Leute ihn als Kanonen Futter. Er quickt ja auch so schön auf, wenn man ihn pikst. So einem kann man gut viele Dinge in die Schuhe schieben und danach einfach entfernen, ohne dass man selber in die Schusslinie gerät. Er bleibt ja nur 4 Jahre. Dirty dancing. Und wenn alles wieder erwarten gut geht, nochmals 4.
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  • d_yannick_ 11.08.2017 16:18
    Highlight Hoffen wir mal, dass dieser drohende zweite Kalte Krieg auch kalt bleibt...
    5 0 Melden
  • Skeletor82 11.08.2017 15:01
    Highlight World of Warcraft ist ein MMORPG - und kein "Online Kriegsspiel".
    14 5 Melden
  • Temeraire 11.08.2017 14:52
    Highlight Ich glaube nicht, dass die hohen Tiere der republikanischen Partei daran interessiert sind, Trump des Amtes zu entheben. Zwar kritisieren sie öffentlich seine Aussagen und Handlungen, in Wirklichkeit sind sie wahrscheinlich froh jemanden zu haben, der die Öffentlichkeit und die Medien von ihren eigentlichen Vorhaben ablenkt.
    Über all diese Regulierungen, die aufgehoben wurden und grossen Unternehmen und den reichsten 1% helfen wird kaum berichtet, da Trump jeden Tag wieder einen neuen "Skandal" auslöst. Und dieser bringt höhere Einschaltquoten als langweilige Legislatur.
    16 0 Melden
  • Spötter 11.08.2017 14:45
    Highlight Also ich weiss nicht..., das Ganze scheint gefährlicher als wir Normalos denken. Was passiert, wenn etwas aus "Versehen" geschieht? Schade, ich sendete Watson gestern oder vorgestern zwei Berichte über " den fast Atomkrieg" während der Kubakrise und betr. den Sowjetischen Offizier in den 8zigern. Wurde leider nicht gesendet. Weiss nicht warum.
    4 2 Melden
  • Anonym_96 11.08.2017 14:13
    Highlight ...Natürlich kann auch argumentiert werden, dass es unwichtig ist, ob nun von 32, 35,5 oder 55 Millionen die Rede ist. Trotzdem ändert es, meiner Meinung nach, nichts daran, dass es falsch ist. Kleines Detail, aber von Spiegel Online können schon richtige Fakten erwartet werden. Insbesondere, wenn es darum geht, über die Fake-News des mächtigsten Mannes der Welt zu berichten. Bin übrigens kein Trump-Supporter. Ist mir einfach aufgefallen.
    6 8 Melden
    • Dirk Leinher 18.08.2017 15:43
      Highlight Stimmt. Auch die Aussage dass fast die Hälfte seiner Twitterfans Bots sein sollen. Ist das irgendwie belegt oder ist es eine Unterschätzung des Einflusses den Trump hat.
      Bereits beim Wahlkampf wurde Trumps wirklicher Einfluss massiv unterschätzt.
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  • Anonym_96 11.08.2017 14:12
    Highlight „Er teilt Fake-Umfragen, die ihn preisen, mit 32 Millionen Twitter-Fans, ...“
    Ich finde es interessant, dass in diesem Teil des Artikels, aus dem hervorgeht, dass Trump Fake-Umfragen teilt, selbst Fake-News verbreitet werden. Mit EINEM Mausklick kann JEDER Trumps Twitter-Profil anschauen und wird dann feststellen, dass es 35,5 Millionen Follower sind. Zählt man jene 19,8 Millionen Follower des Potus-Accounts hinzu, sind es sogar deren 55. Klar sind darunter viele „Bots“ und solche, die beide Accounts followen und somit die effektive Anzahl Follower verfälschen...
    5 17 Melden
  • Chili5000 11.08.2017 13:16
    Highlight Man, ganz ehrlich. Scheisst euch nicht in die Hosen vor bellenden Hunden. Trump kann in dieser Region gar nichts machen ohne das China und Russland ihr Einverständnis dazu geben und schon gar nicht etwas das mit Atomwaffen zu tun hat. Hört auf mit dieser bescheuerten Wahnvorstellung das ein Knopfdruck irgendwas in gang setzt und diese Welt in Pulver verwandelt und einige von uns in irgendwelchen Raumschiffen sich einen neuen Planeten zum Leben suchen müssen. Ihr geht mir auf den Sack... und zwar alle...
    7 31 Melden
    • Mr. Spock 11.08.2017 18:08
      Highlight Bitte:
      7 1 Melden
    • Chili5000 11.08.2017 22:03
      Highlight @Mr. Spock Danke!...
      3 2 Melden
  • BeWi 11.08.2017 12:46
    Highlight Und ja, es gibt sie noch, die objektiven und sachlich genau recherchierten Berichte, lese das doch mal genau durch, der eine oder andere kann noch etwas lernen, vor allem die Spiegel-Journalisten:

    https://www.nzz.ch/meinung/atomares-saebelrasseln-im-pazifik-hysterie-ist-kein-rezept-gegen-nordkorea-ld.1310280
    5 4 Melden
  • Vanessa_2107 11.08.2017 12:17
    Highlight Das ist doch vor allem auch ein Ablenkungsmanöver wegen ddr Russlandsache, allerdings mit einem eventuell sehr sehr hohen Preis, sollte aufgrund seiner unüberlegten Drohungen gegen Nordkorea ein Krieg ausbrechen. Trump redet eh bevor er sein Hirn einschaltet. Dazu kommt, dass ihm solche Auftritte als Selbstdarsteller gefallen. Und alle um ihn herum starren ihn an als sei er ein Gott. Nimmt mich wundern wie lange ihm ex General Kelly oder andere Babysitter noch die Stange halten? Trump ist nicht zu zügeln, er wird immer machen was er will.
    24 1 Melden
  • Gigi,Gigi 11.08.2017 12:07
    Highlight Es bleibt eigentlich nur die Hoffnung, dass die Republikaner als staatstragende Macht, die sie nun mal sind, ihre Verantwortung wahrnehmen, und diesen Psychopathen als Präsident so schnell wie möglich absetzen.
    25 2 Melden
    • Energize 11.08.2017 14:02
      Highlight Diese Hoffnung habe ich inzwischen aufgegeben.
      8 1 Melden
  • flyingdutch18 11.08.2017 11:21
    Highlight Jeder, der einen atomaren Erstschlag in Betracht zieht und darüber entscheiden kann, hat das Zeug zum Kriegsverbrecher und Völkermörder.
    20 2 Melden
    • Gelöschter Benutzer 11.08.2017 13:29
      Highlight Und dann? Auf internationaler Ebene und bei den Superreichen gilt das Recht des "Stärkeren". Gesetze gelten nur für die Arbeitssklaven ob Arzt oder Bauarbeiter.
      4 6 Melden
  • lilie 11.08.2017 11:14
    Highlight Es ist unfassbar, dass der einzige Job auf dieser Welt, der keinerlei nachweisbare Qualifikationen benötigt, der eines demokratisch gewählten Diktators sein soll.

    Ich hoffe, Mueller arbeitet schnell und effizient.
    34 2 Melden
  • Domsh 11.08.2017 11:05
    Highlight Man kann zu der obigen Auflistung noch ergänzen, dass bei der Republican National Convention 2016 die Republikaner bei der Verbrechensstatistik behaupteten, es zählen nicht die statistischen Fakten (sinkende Kriminalität) sondern die gefühlten "Fakten" (steigende Kriminalität).
    Wie soll man da noch politisieren oder diskutieren?
    20 2 Melden
  • N. Y. P. 11.08.2017 11:00
    Highlight Ist es nicht auch die Aufgabe der Nachrichten- und Geheimdienste der USA, die Sicherheit des Landes sicherzustellen ? Und die notwendigen Schritte einzuleiten, falls diese gefährdet ist oder grobfahrlässig aufs Spiel gesetzt wird ? So als ultima ratio gewissermassen.
    36 8 Melden
    • Leventis 11.08.2017 12:08
      Highlight So wie man sich immer wieder gerne JFK's 'Abtritt' theorisiert, Ja?
      4 4 Melden
    • N. Y. P. 11.08.2017 14:00
      Highlight Ja
      2 2 Melden
  • Andre Suwanda 11.08.2017 10:55
    Highlight World of Warcraft als "Online Kriegsspiel" zu bezeichnen ist etwas weit hergeholt. Fire and Fury ist der Name einer Mission im Spiel. Dass Bannon diese überhaupt kennt ist sehr fraglich. Fire and Fury ist ein geflügeltes Wort, dass in verschiedenen Epochen im Zusammenhang mit Krieg verwendet wird. Es gibt diverse Bücher, Spiele (on- und offline) und sonstige Artikel mit diesem Namen. Wenn man sich über Unfähigkeit eines anderen lustig macht sollte man selber umso akribischer recherchieren.
    49 10 Melden
    • Ravel 11.08.2017 12:07
      Highlight Fand ich auch etwas sehr weit hergeholt, auch wenn ich den Rest des Artikels sofort unterschreiben würde.
      8 2 Melden
    • Martina Stadelmann 11.08.2017 12:55
      Highlight
      4 1 Melden
  • roger.schmid 11.08.2017 10:40
    Highlight Trump ist psychisch krank und gehört sofort abgesetzt, bevor er noch die halbe Welt zerstört.


    https://mobile2.tagesanzeiger.ch/articles/598d451fab5c373f70000001
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