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Hamilton entwickelte in den 60er- und 70er-Jahren seinen eigenen Stil: Fotos von pubertierenden Mädchen, die von einer starken Nutzung des Weichzeichners geprägt waren. Bild: EPA/DPA FILE

Der alte Mann und die Lolitas

Kitschige Bilder junger Mädchen machten David Hamilton weltberühmt. Im letzten Monat erhoben nun einige seiner Modelle Vergewaltigungsvorwürfe gegen den Fotografen. Nun ist der Brite tot – und entzog sich damit der Justiz.

Publiziert: 26.11.16, 21:03 Aktualisiert: 27.11.16, 16:08

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Scheue Augen, die verschämt in die Kamera schauen, dazu Weichzeichner und Naturlicht, so präsentierte David Hamilton seine Modelle der Welt – und mit ihnen sein weibliches Ideal. «Nymphen» nannte er sie, Vladimir Nabokov hätte wohl «Lolitas» gesagt.

Junge Mädchen, gerade in die Pubertät gekommen, waren ihm am liebsten vor der Kamera. Blonde und rothaarige, die in seinen Augen am besten zu seiner Pastellfotografie passten.

In den Siebzigerjahren wurde David Hamilton mit diesen Bildern berühmt, die mit ihrer Softporno-Optik während der sexuellen Revolution niemanden so recht verschrecken wollten.

1981: Hamilton mit der 16-jährigen Anja Schüte aus Köln, die in seinem Film «Zärtliche Cousinen» die Hauptrolle spielte. Bild: AP

Später, um den Jahrtausendwechsel, häuften sich die Stimmen, die Hamilton nicht mehr nur Kitsch und Geschmacklosigkeit vorwarfen, sondern latente Pädophilie.

Man könne ihn sicherlich als «schmutzigen alten Mann» bezeichnen, schrieb Sarah Boxer 1998 in der «New York Times». Sein Film «Age of Innocence» sei voll von Mädchen, die sich verträumt Finger in ihre Münder oder in ihre Höschen steckten. 

«Alle wirken willig und beinahe alle haben exakt die gleichen kleinen Brüste.»

«Ganz einfach unanständig»

Immer genauer wurden die Werke des Briten analysiert. Die Halbnacktaufnahmen junger Mädchen, weltweit millionenfach in Buchform verkauft. Seine Filme, allen voran «Bilitis», in dem er 1977 in bewegten Bildern seine «Lolita»-Ästhetik auf die Leinwand brachte.

Im Juli 2005 wurden im Rahmen einer Durchsuchung auch Hamiltons Bilder im Besitz eines Pädophilen entdeckt. Die Bilder Hamiltons seien «ganz einfach unanständig», urteilte ein britischer Staatsanwalt. Die Inhalte könne man nicht als Kunst beschreiben; sie seien klar sexueller Natur.

«Meine Arbeit hat nichts mit der Vulgarität unserer derzeitigen Epoche zu tun», verteidigte sich Hamilton 2015 in einem Interview mit dem Promimagazin «Gala».

Danach wurde es still um den Briten, der den grössten Teil seines Lebens in Frankreich verbracht hatte. Bis er vorletzte Woche auf einmal wieder im Rampenlicht stand – als das Buch «La consolation» erschien.

Das Buch-Cover. screenshot: fnac.com

Medienlynchmobs und Medikamente

In dem Band beschreibt die französische Moderatorin Flavie Flament, wie sie als 13-Jährige am Rande eines Foto-Shootings von einem Fotografen vergewaltigt wurde. Einem internationalen Fotografen.

Auch drei weitere Frauen meldeten sich, die nach eigenen Aussagen ebenfalls von dem Fotografen missbraucht wurden. In einer Talkshow sagte die heute 42-Jährige, dass es sich bei dem Täter um Hamilton gehandelt habe. Sie habe seinen Namen nicht genannt, aus Angst, verklagt zu werden. Doch das Bild, das Hamilton damals von ihr aufgenommen hatte, prangt auf dem Umschlag von «La Consolation».

Hamilton bestätigte zwar, dass er Flament fotografiert habe, er habe sich jedoch nichts Anstössiges zuschulden kommen lassen. «Es ist klar, dass die Anstifterin des Medienlynchmobs auf der Suche nach ihren 15 Minuten Ruhm ist, indem sie mich in ihrem Roman diffamiert», sagte Hamilton. Er werde rechtlich gegen Flament vorgehen.

Dazu ist es nicht mehr gekommen ...

«Er liess der Justiz keine Zeit»

Nach Angaben des Rettungsdienstes wurde die Feuerwehr am Freitagabend um 20.30 Uhr zu Hamiltons Wohnung in Paris gerufen. Der Fotograf hatte einen Herz-Kreislauf-Stillstand erlitten. Eine Stunde später sei er für tot erklärt worden, in der Nähe seiner Leiche habe man Medikamente entdeckt.

Ein schwerer Schlag für Flavie Flament. Nach den Angaben ihrer Herausgeberin Karina Hocine waren die Taten im Falle Flaments zwar verjährt, bei anderen Opfern aber noch nicht. Nach dem französischen Gesetz beträgt die Verjährungsfrist bei minderjährigen Vergewaltigungsopfern 20 Jahre nach Erreichen der Volljährigkeit.

Am Dienstag teilte die französische Ministerin für Frauenrechte, Laurence Rossignol, mit, dass sie Flavie Flament beauftragt hat, sich gemeinsam mit einem Strafrechtsexperten mit dieser Frage zu befassen.

«Man sagte uns, es sei ein Suizid gewesen», so Hocine. «Natürlich sind wir hin- und hergerissen zwischen Entsetzen und Empörung, weil er der Justiz keine Zeit liess, ihre Arbeit zu tun». Flament selbst sagte, das Entsetzen über diese Neuigkeit könne niemals die Qualen der schlaflosen Nächte der Opfer auslöschen.

(cnn/AFP/AP/dpa)

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  • Spooky 27.11.2016 20:42
    Highlight Ich erinnere mich an Hamilton in den 70ern. Leider habe ich damals sogar einen Film gesehen, wo er seine verschwommenen Teenies vorführte und....ach, ich mache es kurz: Ich kann mich noch daran erinnern, dass es der langweiligste Film gewesen war, den ich bis dato je gesehen hatte.

    Mit Kunst hatte das für mich nichts zu tun - aber sehr viel mit Langeweile.
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  • deleted_328892819 26.11.2016 23:04
    Highlight Die Vergewaltigung finde ich fürchterlich!

    mir kommt, auch als Frau, immer wieder der Gedanke des "false memory" (https://de.wikipedia.org/wiki/Paramnesie) gerade wenn ich dabei an die vielen Dinge denke die ich so mit 13-20 angestellt habe.. gerdade von 14-17... ich fand es aufregend, spannend etc. aber ich fühlte mich nicht vergewaltigt. ich empfand es als "anerkennung" sorry so wars für mich. All die Therapeut(INNEN) die mir später sagen wollten ich sei dies und jenes. heute weiss ich es war mein ich.. nicht mit 60 jährigen .. damals mit 30 jährigen. und ich habs genossen... -.- sorry
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    • sambeat 27.11.2016 01:00
      Highlight "Mir kommt, auch als Frau...

      Verwirrt, Dein Kommentar. Verwirrt...
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    • deleted_328892819 27.11.2016 10:40
      Highlight ok du hast recht sambeat.

      ich versuchs nochmal, ok?

      mir kam bei dem artikel in den sinn, dass ich zwischen 13 - 20 eine grössere zuneigung für ältere männer (ca. 30) empfand und ihre gesellschaft gesucht hab. es war meine entscheidung und ich war es, die die initiative ergriff.

      später versuchte man mir jedoch einzureden, dass mir furchtbares passiert sei. (false memory)
      das war für mich das wirklich furchtbare daran.

      ich kann teeniemädchen daher nachempfinden wenn sie sich zu älteren männern hingezogen fühlen.
      trotzdem legitimiert zuneigung keine vergewaltigung dieser.

      klarer? :-/

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  • elivi 26.11.2016 21:39
    Highlight Hmm wieso feuerwehr und nicht notarzt?
    Und wäre das russland, könnte man auch tote noch anklagen... Zumindest tat man dies bei einem toten.
    Heutzutage wird schnell verurteilt, man darf gar keine kinder mehr fotografieren ohne verurteilt zu werden. Aber dass er bis heute am liebsten junge mädchen fotografiert hat, hat mehr mit seiner vorliebe zu tun als mit kunst, da ein künstler sich in der regel in seiner kunst weiterentwickelt, während eine sexuelle orientierung bleibt.
    Aber ey, unsere gesellschaft hat ihn ja so erfolgreich gemacht.
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    • JasCar 26.11.2016 22:00
      Highlight In anderen Ländern übernimmt die Feuerwehr das was in der Schweiz die Ambulanz tut.
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