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Wo ist Bob? Nobelpreisträger Dylan wurde nicht erreicht. Bild: EPA/DPA

Nicht erreichbar: Bob Dylan weiss offiziell noch nichts von seinem Nobelpreis

Publiziert: 14.10.16, 06:16 Aktualisiert: 14.10.16, 08:51

Sind Liedtexte Dichtkunst, sind Songschreiber auch Literaten? Die überraschende Auszeichnung der US-Rocklegende Bob Dylan mit dem Literaturnobelpreis hat Fans und Musiker jubeln lassen und Kritiker in Diskussionen gestürzt. Dylan selbst blieb vorerst unerreichbar.

Dylan selbst war in den USA zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Auch die Jury konnte den als Robert Allen Zimmerman im US-Staat Minnesota geborenen Musiker nicht von ihrer Wahl in Kenntnis setzen.

Man gehe aber davon aus, dass der Preisträger durch die Medien inzwischen von seinem Glück wisse, sagte Nobeljuror Per Wästberg der Nachrichtenagentur DPA. Am Donnerstagabend (Ortszeit) sollte Dylan als Teil seiner Tournee in Las Vegas (Nevada) auftreten.

«Vater meines Landes»

Da mit dem 75-Jährigen erstmals ein Songschreiber mit dem wichtigsten Literaturpreis der Welt geehrt wird, entbrannte nach der Ankündigung aus Stockholm vom Donnerstag eine Debatte über den Preis selbst.

«Bob Dylan ist der Vater meines Landes», zitierte Rockmusiker Bruce Springsteen aus seiner neu erschienenen Biografie «Born to Run» und gratulierte Dylan zur Auszeichnung. Dylan habe sich getraut, die Fragen zu stellen, die niemand anders stellen wollte. Jarvis Cocker von der Band Pulp sprach dem britischen «Guardian» zufolge von einer «grossartigen Wahl des Nobel-Komitees».

US-Schriftstellerin Joyce Carol Oates bezeichnete die Preisvergabe als «inspirierend und echt». «Seine eindringliche Musik und Lyrik schienen im tiefsten Sinn immer «literarisch», schrieb die Autorin («Schwarzes Wasser», «Blond») bei Twitter.

«Songwriting ist Schreiben, und Bob Dylan ist einer der einflussreichsten Schreiber der vergangenen 100 Jahre», schrieb Science-Fiction-Autor John Scalzi. Der indisch-britische Autor Salman Rushdie bezeichnete Dylan als «brillanten Erben der bardischen Tradition» und lobte die Wahl.

Mitleid für «wahre Schriftsteller»

Andere Literaten äusserten sich kritischer. «Niemand bestreitet, dass er ein genialer Musiker und ein grosser Dichter ist», schrieb der rumänische Schriftsteller Mircea Cartarescu auf Facebook. «Aber es tut mir so leid um die wahren Schriftsteller, Adonis, Ngugi, DeLillo und weitere 2-3, die den Preis beinahe in der Tasche hatten.»

Der britische Schriftsteller Irvine Welsh schrieb auf Twitter: «Ich bin ein Dylan-Fan, aber dies ist ein schlecht durchdachter Nostalgie-Preis.»

«Poesie fürs Ohr»

Letzte US-Preisträgerin: Toni Morrison. Bild: Bebeto Matthews/AP/KEYSTONE

Mit Dylan wurde erstmals seit der Autorin Toni Morrison 1993 wieder ein US-Amerikaner mit der Auszeichnung geehrt. In seiner über ein halbes Jahrhundert langen Karriere wurde Dylan unter anderem mit einem Oscar, Pulitzer-Preis, Polar-Music-Preis und Golden Globe ausgezeichnet.

Zu seinen berühmtesten Liedern zählen «Mr. Tambourine Man», «Like A Rolling Stone» und «The Times They Are a-Changin'». Dylan schreibe «Poesie fürs Ohr», lobte Nobeljurorin Danius.

Die mit acht Millionen schwedischen Kronen (fast 900'000 Franken) dotierte Auszeichnung wird am 10. Dezember – dem Todestag des Preisstifters und Dynamit-Erfinders Alfred Nobel (1833-1896) – gemeinsam mit den anderen Nobelpreisen in Stockholm verliehen. (kad/sda/dpa)

Bob Dylans Leben in Bildern

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  • Spooky 14.10.2016 22:23
    Highlight Kinder freuen sich auf das Christkind, Schreiberlinge auf den Nobelpreis.
    0 0 Melden
    • deleted_717784881 15.10.2016 00:41
      Highlight Und worauf freuen Sie sich?
      1 0 Melden
    • Spooky 15.10.2016 17:39
      Highlight Auf Bücher, die ich bei Amazon billig haben kann (1Euro + Porto). Musik auf Youtube oder TV. Gute Filme am TV: BBC, ITV, France, Tessiner Sender.

      Wind, Sonne, Regen - kurz: Natur. Und seit fast einem Jahr: Schlagabtausch auf Watson ;-))
      2 0 Melden
    • deleted_717784881 15.10.2016 18:15
      Highlight Da sind Sie ja gut "versorgt". :)
      1 0 Melden
    • Spooky 15.10.2016 23:22
      Highlight @Ursula Schüpbach
      Na ja. Wie alle Menschen versuche ich irgendwie, die Leere zu überleben.
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  • --Sevi-- 14.10.2016 20:27
    Highlight Wenn wir im Deutschunterricht Minesang anschauen, weil es Literatur ist, dann gehören auch die Liedtexte von Bob Dylan dazu. (Die sind übrigens auch schöner zum hören...)
    1 1 Melden
    • deleted_717784881 15.10.2016 01:05
      Highlight Jene, die gerne öffentlich behaupten, sie würden immer "Klartext" reden, widersprechen sich ja auch oft. Sie vernachlässigen mitunter ev. auch etwas das Ohr. Manche schreien mitunter gerne "Klartext!". Wie auch immer. Bob Dylan hat wohl irgendwie eine Kombination gefunden, die tatsächlich bemerkenswert ist.

      Gar im CH-Parlament beeindruckten Musik und Text schon:
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  • karl_e 14.10.2016 11:20
    Highlight Ich hoffe, nächstes Jahr erhält Leonard Cohen diesen Preis. Seine Poesie gefällt mir wesentlich besser.
    Jacques Brel wäre auch ein hervorragender Kandidat (gewesen).
    3 2 Melden
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  • WolfCayne 14.10.2016 10:14
    Highlight Bob Dylan ist zwar ein grossartiger Künstler der in eine Hall of Fame gehört aber mit einem Literaturnobelpreis nichts zu tun haben sollte. Literatur ist für mich grundsätzlich mit einem Text-Leseakt verbunden, vielleicht ist das Spiel mit den Palyndromen in "Subterran Blues" literarisch. Aber es gäbe ja andere Kategorien, um ihn zu würdigen.
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  • zsalizäme 14.10.2016 09:36
    Highlight Wieso sollte ein Musiker nicht auch für seine Literatur ausgezeichnet werden? Er schreibt ja auch Texte, wie die anderen Schriftsteller auch. Der einzige unterschied ist, dass er seine Texte noch musikalisch untermalt und sie vorsingt. Absolut verdient.
    8 1 Melden
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  • herschweizer 14.10.2016 09:16
    Highlight Ist schon mal jemand einem Herzinfarkt erlegen als ihn die Nachricht vom Gewinn des Nobelpreis erreichte? Nein schlecht er Scherz... The prize is blowing in the wind
    2 1 Melden
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  • Fredu 14.10.2016 09:11
    Highlight Tolle Übersetzung..... und soooo diplomatisch!
    "I'm a Dylan fan, but this is an ill conceived nostalgia award wrenched from the rancid prostates of senile, gibbering hippies".

    Der britische Schriftsteller Irvine Welsh schrieb auf Twitter: «Ich bin ein Dylan-Fan, aber dies ist ein schlecht durchdachter Nostalgie-Preis.»

    Muss es nicht eher heissen: ".... ein gebrabbel ranziger, seniler Hippies"!!!!!
    So klingt es halt schon etwas böse, typisch Englisch halt. ;-)
    3 1 Melden
    • karl_e 14.10.2016 11:14
      Highlight Was heisst denn 'rancid prostates'? Welsh ist noch viel böser...
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  • Fumo 14.10.2016 08:45
    Highlight Berechtigt, Bob Dylan hat mit seinen Texten mehrere Generation beeinflusst und nicht nur das kleine Prozentsatz an Menschen die Bücher lesen. Die Schriftsteller die nun unzufrieden meckern sind einfach nur neidisch.
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  • Malu 81 14.10.2016 07:55
    Highlight Top Wahl mit tiefgründigen Texten. Vertonte Literatur.
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  • mashaZ 14.10.2016 07:04
    Highlight Dylan ist ein grossartiger Künstler, meiner Meinung nach ein ausgesprochen verdienter Preis!
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  • René Schmid-Bill 14.10.2016 06:34
    Highlight Passt ja. Ein Liedlimacher als Literatur Nobelpreis Träger? Anrufen kann man ihn auch nicht! Literatur? Na ich weiss nicht....
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    • deleted_337758608 14.10.2016 07:01
      Highlight "Na ich weiss nicht..."
      Dann schreib halt auch Nichts!
      39 6 Melden
    • deleted_717784881 14.10.2016 07:06
      Highlight Vielleicht ist der "Liedlimacher" gerade unterwegs....

      13 4 Melden
    • Anam.Cara 14.10.2016 07:39
      Highlight Songtexte sind Gedichte und somit Lyrik. Nur dass sie mit mehr Melodie vorgetragen. Dylan hat unzählige Songs geschrieben und danit Generationen vonMusikern beeinflusst und/oder inspiriert. Den Nobelpreis finde ich daher würdig verteilt.

      Das berühmteste Dylan-Lied dürfte m.E. "Knocking on heavens Door" sein.
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    • deleted_717784881 14.10.2016 07:45
      Highlight "Passt ja. Ein Liedlimacher als Literatur Nobelpreis Träger? Anrufen kann man ihn auch nicht! Literatur? Na ich weiss nicht...."

      Zerbrechen Sie sich nicht den Kopf, Bob Dylan hatte immer wieder mal was von einem komischen Kauz an sich. :)
      (Und Sie wissen wohl, was ein Kauz ist. Guckt irgendwie in die Welt hinaus. Nichts ist unbedingt eindeutig. Den Rest muss man sich auch noch irgendwie selbst erklären.)
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