International

Russischer Moderator im TV: «Heisst das, dass man Blair aufhängen müsste?»

Tony Blair hat den Irak-Feldzug begonnen, der Krieg forderte Hunderttausende Tote. Laut russischem Staatsfernsehen müsste der frühere Premier dafür genauso büssen wie Ex-Diktator Saddam Hussein.

11.07.16, 17:23 11.07.16, 17:52

Ein Artikel von

Russlands Staatsfernsehen hat am Sonntag für eine drastische Bestrafung des ehemaligen britischen Premierministers Tony Blair plädiert. Die Studio-Regie der Sendung «Westi Nedeli» blendete Blairs Bild ein und dazu eine Frage, die aus einem einzigen Wort bestand: «Aufhängen?»

Moderater Dmitrij Kisseljow zog in der Sendung polemisch Parallelen zum Schicksal des 2006 hingerichteten Saddam Hussein. Der Ex-Diktator des Irak war wegen eines Massakers an 148 Irakern gehängt worden.

Grossbritanniens Ex-Premier Tony Blair.
Bild: EPA/PRESS ASSOCIATION POOL

Blair dagegen haben nicht nur das Leben von 179 britischen Soldaten «unsinnig geopfert in einem unter erlogenen Gründen begonnenen Krieg», so TV-Mann Kisseljow. Darüber hinaus trage er die Schuld am Tod von «Hunderttausenden Irakis: Er hat sich selbst ausserhalb des Gesetzes gestellt».

Hintergrund ist ein britischer Untersuchungsbericht zum Irak-Krieg 2003, der Tony Blair schwer belastet. Der Ex-Premier hatte daraufhin verkündet, er werde die Verantwortung für die Invasion übernehmen.

Blair besucht 2003 britische Truppen in Basra.
Bild: POOL

Kisseljow dazu: «Heisst das, dass man Tony Blair auch aufhängen wird? Oder - ich formuliere es etwas anders - heisst das, dass man Blair aufhängen müsste? Oder sind Hunderttausende Tote vielleicht nicht genug, um Blair zu hängen? Man stelle sich vor, Hunderttausende Briten wären getötet worden. Zählen Iraker weniger als andere Leben? Ich frage nur.»

Moderator Dmitrij Kisseljow gehört zu den bekanntesten Gesichtern des russischen Fernsehens: Er moderiert nicht nur sonntags den Rückblick auf die Nachrichten der Woche, sondern ist auch Chef der staatlichen Medienholding «Russland Heute».

Kisseljow macht regelmässig Stimmung: gegen Homosexuelle, die Opposition, den Westen ganz allgemein. Einmal beschuldigte er eine unbescholtene Ärztin aus dem badischen Waldkirch, einen schwunghaften Handel mit Organen verwundeter Kämpfer aus der Ostukraine zu betreiben.

Kisseljow steht auf der Sanktionsliste der Europäischen Union.

Die «heute-show» 2014 über Dmitri Kisseljow.
YouTube/MadonnaRockedGermany

beb

Das könnte dich auch interessieren:

Callcenter-Mitarbeiter erleidet Hörschaden – pfiff Aargauer Senior zu laut ins Telefon?

Schiesserei nahe Drehort von «House of Cards» fordert drei Tote ++ Täter verhaftet

Schwangere Soldaten-Witwe bricht nach Trump-Anruf zusammen – das Drama in vier Akten

«In diesem Sinne Allahu Akbar!» – Polizei ist obskurem Postkarten-Verteiler auf der Spur

Der jüngste Goalie der CL-Geschichte weint nach Patzer – doch dann wird es herzerwärmend

Zwei Drittel sind genervt von ihren Nachbarn – rate mal, was am meisten stört

«Steckt euch eure Schokolade sonst wo hin» – so schreiben die Nordiren über Gegner Schweiz

Sterbender Schimpanse umarmt zum letzten Mal seinen Freund und sorgt für Hühnerhaut-Moment

YB holt in Kiew einen Punkt

Bevor geboxt wird, küsst die Herausforderin die verdutzte Weltmeisterin

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Yanik Freudiger, 23.2.2017
Die App ist vom Auftreten und vom Inhalt her die innovativste auf dem Markt. Sehr erfrischend und absolut top.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
8Alle Kommentare anzeigen
8
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
  • Beobachter24 12.07.2016 23:51
    Highlight Ein Artikel, der geradezu nach whataboutism lechzt :-)


    P.S.
    Blair ab nach Sibirien ;-)
    1 0 Melden
  • Datsyuk * 11.07.2016 22:44
    Highlight In der Sache Blair stellt er doch berechtigte Fragen. Das Verhalten Blairs hat keine Konsequenzen für diesen. Wieso nicht? Bush muss auch keine Verantwortung tragen.

    Aber klar: Blair und Bush haben sich nichts zu Schulden kommen lassen. Und Kritik von Russen an Blair und Bush darf es doch nicht geben. Dies eben, weil der Westen per se Gutes im Sinn hat, Russland aber nicht.
    Wie sonst kommt man dazu, diesen Artikel zu verfassen?

    10 5 Melden
    • Go-away 12.07.2016 01:23
      Highlight Danke, genau meine Worte...
      4 2 Melden
    • MARC AUREL 12.07.2016 12:43
      Highlight Wie wäre es wenn er mal sein Präsident kritisch unter die Lupe nehmen würde? Ach ich vergass das er ein Untertan von Putin ist und kein Pressefreiheit herrscht! Blair ist sicher kein Engel aber bei Politiker muss man sich nicht wundern. Trotzdem, Putin ist um einiges schlimmer!
      1 3 Melden
    • Datsyuk * 12.07.2016 13:49
      Highlight Also kann man damit den Irakkrieg rechtfertigen..?
      1 1 Melden
    • MARC AUREL 12.07.2016 15:39
      Highlight Kann man damit die Einnahme der Krim rechtfertigen oder die unterjochung von Polen,Ungarn Tschechien usw damals oder der Krieg in Afganistan (80 Jahren)??
      1 2 Melden
    • Datsyuk * 12.07.2016 15:57
      Highlight Ich rechtfertige damit nichs. Zur Krim: Die Übernahme der Krim hat mit dem Umsturz in der Ukraine und den damit verbundenen Folge für die Menschen auf der Krim zu tun.
      3 2 Melden
    • Fabio74 12.07.2016 18:28
      Highlight Man kann und man kritisiert Bush und Blair immer wieder. Dass es keine strafrechtliche Verfolgung der beiden gibt ist schade.
      Die Krim wurde annektiert. Selbst wenn der Putsch in Kiew Auslöser gewesen wäre, gibt es den Russen kein Recht Landesteile ins Reich zu holen.Die Abstimmung war eine Farce. Der Krimbevölkerung insbesondere den Tataren gehts schlechter.
      1 1 Melden

So arbeitet das geheime Netzwerk der Russland-Propaganda

Diese Story wurde 2015 auf watson publiziert. Aus aktuellem Anlass haben wir sie um den TV-Tipp unten aktualisiert.

Unzählige Falschmeldungen und gefälschte Fotos sowie Videos aus der Ukraine verbreitet die Propaganda aus Russland seit Monaten. Dahinter stecken Hunderte von Trollen in Russland, die vom Kreml finanziert werden, und eine Handvoll deutschsprachiger Journalisten. Aber auch mehrere Dutzend «Überzeugungs-Trolle» in der Schweiz, die aus eigenem Antrieb …

Artikel lesen