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Seymour M. Hersh verteidigt seine Recherchen auf CNN. screenshot: cnn

Starjournalist behauptet: Obama belügt die Welt über Osama bin Laden – seine Ermordung war für die USA ein Kinderspiel

11.05.15, 12:17 11.05.15, 15:14

Seymour M. Hersh, der bekannteste Enthüllungsjournalist der USA, hat wieder zugeschlagen: In einem 18-seitigen Bericht mit dem Titel «The Killing of Osama bin Laden» wirft er der US-Regierung unter Barack Obama vor, die Welt über die Tötungsaktion Osama bin Ladens belogen zu haben. Dabei stützt er sich auf eine Quelle innerhalb des pakistanischen Geheimdienstes.

Zweifel an der offiziellen Version, wonach Bin Laden jahrelang unerkannt inmitten des pakistanischen Militärs gelebt haben soll, gibt es schon lange. Hersh stellt nun praktisch alle Erkenntnisse über die Ereignisse am 2. Mai 2011 in Abbottabad infrage: Pakistan habe den Aufenthaltsort Bin Ladens gekannt, sei über die Tötungsaktion im Bild gewesen und habe sogar bei der Durchführung geholfen. Deshalb seien die Seals auf keinerlei Gegenwehr gestossen und hätten faktisch einen wehrlosen Krüppel exekutiert.

In den folgenden drei zentralen Punkten unterscheidet sich Hershs Version der Ereignisse radikal von jener der US-Regierung:

Bild: AP dapd

Seymour M. Hersh hat sich mit Enthüllungsjournalismus einen Namen gemacht. Weltbekannt wurde er bereits 1969, als er während des Vietnam-Krieges das Massaker von My Lai aufdeckte. Dafür erhielt er 1970 den Pulitzer-Preis. Er berichtete 2004 als erster über den Misshandlungs- und Folterskandal im US-Militärgefängnis von Abu Ghoraib bei Bagdad. (sda/dpa)

Wer verriet Bin Laden?

Bislang wurde angenommen, dass CIA-Analysten in jahrelanger Fleissarbeit auf Bin Ladens Kurier Abu Ahmed al-Kuwaiti gestossen seien. Dieser soll sie schliesslich zu dem Anwesen in der pakistanischen Garnisonsstadt Abbottabad geführt haben, wo sich der Al-Kaida-Chef mit seiner Familie versteckt hielt. Laut Seymour Hershs Quelle war es viel banaler: Ein ehemaliges hochrangiges Mitglied des pakistanischen Geheimdiensts begab sich im August 2010 in die US-Botschaft in Islamabad und bot der CIA an, ihr Bin Ladens Aufenthaltsort zu verraten. Dafür wollte er die 25-Millionen-Dollar-Belohnung, welche die USA nach 9/11 auf dessen Kopf ausgesetzt hatten.

Osama bin Laden (links) mit seinem Stellvertreter Ayman al-Sawahiri 2001 in Afghanistan. Bild: EPA

Pakistan soll Bin Laden bereits 2006 im Hindukusch-Gebirge in Afghanistan gefasst haben – ebenfalls auf relativ banale Weise: Ein lokaler Stammesführer hatte ihn für Geld verraten. Der pakistanische Geheimdienst ISI brachte ihn nach Abbottabad und behielt den Terrorchef als Faustpfand im Kampf gegen Al-Kaida und die Taliban dort unter Hausarrest. Nachdem der Informant das Geheimnis an die CIA verraten hatte, brachte diese die pakistanischen Kollegen mit Erpressung dazu, die Information zu bestätigen und in der Tötungsmission zu kooperieren: Die Enthüllung, dass Pakistan den meistgesuchten Mann der Welt seit Jahren versteckt hielt, hätte in dem notorisch instabilen Land Chaos ausgelöst.

Der ultimative Beweis, dass es sich wirklich um Bin Laden handelt, sollte per DNA-Analyse erbracht werden. Hierzu beauftragte der pakistanische Geheimdienst einen Armeearzt, der den gebrechlichen Terrorchef seit 2006 behandelte, diesem Blut zu entnehmen. Die Probe zeigte klar, dass es sich um Bin Laden handelte. Die später verbreitete Geschichte mit dem Impfprogramm war erfunden und sollte die Rolle des Armeearzts verschleiern.

Wie starb Bin Laden?

Über die genauen Umstände der Tötungsmission am 2. Mai 2011 herrscht ein gewisses Mass an Verwirrung, weil beteiligte Spezialeinheiten und US-Regierungsvertreter zum Teil widersprüchliche Angaben machten. Laut Hershs Quelle stiessen die Navy Seals auf keinerlei Gegenwehr, weil der pakistanische Geheimdienst zuvor alle Wachen abgezogen hatte. Zudem sei die Flugabwehr instruiert worden, auf keine Eindringlinge aus Afghanistan zu reagieren. Folglich hätten die Seals den invaliden Bin Laden ohne jegliche Gegenwehr erschossen. 

Das Anwesen in Abbottabad, in dem sich Bin Laden während Jahren versteckt hielt. Bild: reuters

Die Geschichte mit dem Feuergefecht sei aus zwei Gründen erfunden worden: Kein Seal würde je zugeben, dass die Aktion völlig ungefährlich und überhaupt nicht heroisch war. Und wichtiger: Dass ein Mann wie Bin Laden unbewacht war, hätte sofort unangenehme Fragen aufgeworfen, ob der pakistanische Geheimdienst am Ende doch eingeweiht war.

Wo ist Bin Ladens Leiche?

Ursprünglich hatten die USA und Pakistan laut Hershs Quelle ausgemacht, die Tötung Bin Ladens für eine Woche geheim zu halten und danach zu erklären, er sei bei einem Drohnenangriff ums Leben gekommen und später per DNA-Analyse identifiziert worden. Doch habe US-Präsident Obama, der sich 2011 bereits im Wiederwahlkampf befand, der Versuchung nicht widerstehen können. Er trat wenige Stunden später vor die Kameras und erklärte, die Seals hätten Bin Laden erschossen und die Leiche sichergestellt. Das war problematisch, denn alle wollten jetzt die Leiche sehen. Die Geschichte mit der Seebestattung sei erfunden. Von Bin Laden sei nicht viel übrig geblieben, das man hätte beerdigen können. Fotos der Leiche und der Beerdigung befinden sich unter Verschluss.

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  • 41%Ich weiss nicht mehr, was ich glauben soll.

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  • zombie woof 11.05.2015 18:13
    Highlight Dieser Bericht wird die Ami Regierung ungemein beeindrucken und einschüchtern jaja.
    1 0 Melden
  • Hans Jürg 11.05.2015 17:34
    Highlight ...und die allergrösste Lüge überhaupt ist, dass die Erde angeblich rund sei...
    13 5 Melden
  • Alex23 11.05.2015 17:25
    Highlight Und das was dieser Hersh nun nach langer Zeit aus dem Hut zaubert (warum erst jetzt?) ist dann die Wahrheit? Warum sollte ich ihm glauben? Vielleicht will er einfach die Regierung Obama diskreditieren.
    Wie auch immer. Wir sollten einfach mal davon ausgehen, dass wir nie sicher sein können, ob es so oder so war. Das gilt für offizielle Versionen wie für Verschwörungstheorien, für Amerika, Russland, you name it.
    9 4 Melden
  • Tatwort 11.05.2015 16:10
    Highlight Wer sich die Mühe macht, Hersh's Artikel zu lesen, stellt fest, dass es hier um eine affirmative Recherche ging. Hersh ging mit einer Theorie zu jemandem, der "anfangs der 90er Jahre" im pakistanischen Geheimdienst tätig war, und fragte ihn nach der Plausibilität einer Story. Klar, dass er hier von jemandem, der innerhalb der ISI keinerlei Funktion hat, die "Wahrheit" hört, die er hören will.
    Hersh war für mich mal ein guter Journalist. Inzwischen hat er sich in die Niederungen der Spekulationen begeben - siehe seine "Sarin"-Artikel.
    Watson hat es versäumt, die Story zu hinterfragen...
    14 8 Melden
  • zombie1969 11.05.2015 14:47
    Highlight Diese Story birgt alles, was Verschwörungstheoretiker anspornt. Davon werden sie sich noch lange ernähren. Hauptsache ist jedich, dass O. Bin Laden tot ist. Kaum einer wird ihm nachtrauern. Da er sich für ein ordentliches Verfahren nicht freiwillig stellte, gab es halt keine andere Möglichkeit, ihn auszuschalten.
    20 14 Melden
    • Gelöschter Benutzer 11.05.2015 15:27
      Highlight Ach bitte keine andere regierung hat soviel dreck am stecken wie die amerikanische! Nur schon die grauenhafte experimente wie mk ultra! Und haben die sich mal in irgendeinerweise verantworten müssen?! NEIN!
      24 8 Melden
    • Raphael Bühlmann 11.05.2015 15:31
      Highlight Dann ist es also völlig legitim, jeden Verdächtigen, der sich nicht freiwillig stellt, einfach zu ermorden?!
      22 3 Melden
    • Ron Collins 11.05.2015 15:33
      Highlight Es geht nicht um Verschwörungstheorien, sondern um einen simplen bschiss an die normalen Leute. Achte auf dein Bauch Gefühl und denk einfach 2x nach um eine Meinung zu bilden. Verschwörung oder nicht. Es stinkt, es hat nen fahlen Nachgeschmack,es ist nicht erklärbar - fact! Viele glauben das und fressen was serviert wird. Aber viele andere nicht, weils schlecht gekocht wurde. Simple!
      14 14 Melden
    • Monachus 11.05.2015 16:08
      Highlight Und mein Bauchgefühl sagt mir, dass du ein russischer Troll bist. Das ist ein Fact. Also ist es auch so. Und dass die Nazis in der Antarktis eine UFO-Basis haben, das sagt mir mein Zwerchfell. Insofern ist das jetzt also auch bewiesen.
      24 11 Melden
    • Tatwort 11.05.2015 16:18
      Highlight Rod Dee: Mein Bauchgefühl sagt mir, dass 3+1 92 ergibt. Merkwürdigerweise war mein Lehrer mit mir nicht einverstanden, dieser elende Verschwörer!
      Wenn Du alles nach Bauchgefühl und nicht nach Fakten beurteilst, dann viel Spass in Deinem weiteren Leben!
      12 9 Melden
    • quark 11.05.2015 17:54
      Highlight Endlich, endlich wieder USA-Bashing. Wie muss das schön sein. Aber es geht am besten ohne Geschichtsunterricht.
      7 7 Melden
  • Gelöschter Benutzer 11.05.2015 13:45
    Highlight ich trau der amerikanischen regierung wirklich alles zu! nichts würde mich überraschen.
    39 10 Melden
    • Gelöschter Benutzer 11.05.2015 14:41
      Highlight ich gehe so weit "amerikanischen" durch "jeder" zu ersetzen.
      27 9 Melden
    • Gelöschter Benutzer 11.05.2015 14:52
      Highlight Falls du jede regierung meinst dann hast du natürlich recht. Schlussendlich sind das alles lügner! Ich vertrau keiner regierung. Alles dreht sich ums geld schlussendlich.
      20 11 Melden
  • Ron Collins 11.05.2015 13:12
    Highlight Wooooow... Meine Welt ist jetzt aus den Fugen geraten! NOT!!! Santa Claus , Bin Laden,... Whatever'!!!;)
    28 4 Melden
  • Jaing 11.05.2015 13:04
    Highlight Nun ja, es handelt sich hierbei um Geheimdienst-Operationen. Wären deren Tätigkeiten nicht geheim, würde man sie "Öffentliche Dienste" nennen. Deshalb werden sowohl die Version der Regierungen als auch jene des Reporters kaum der Wahrheit entsprechen, sondern höchstens Teile dieser enthalten.
    70 5 Melden
  • Joseph Dredd 11.05.2015 12:50
    Highlight Ich nehme der US-Regierung prinzipiell keine ihrer Geschichten ab, die sie via Medien verbreitet. Dazu zählt auch die mutmassliche Kommandooperation, die zur Tötung von Staatsfeind Nr. 1 geführt und praktischerweise kurz nach der Verkündung von Barack Obamas Kandidatur für eine zweite Amtszeit stattgefunden haben soll.
    31 13 Melden
    • quark 11.05.2015 17:58
      Highlight Ich nehme auch keine Geschichten zur Schweiz ab: alles Makulatur.
      2 1 Melden
  • The Destiny 11.05.2015 12:33
    Highlight Ich glaube dass Bin Laden nur eine Figur war wie zum bsp. Arya Stark aus GoT. der einfach in Videos aufgetreten war als diese Person und sich als diese auch sonst ausgab aber ansonsten erfunden ist.

    Schade musste der Schauspieler sterben.
    8 43 Melden
    • droelfmalbumst 11.05.2015 12:43
      Highlight kann ich mir gut vorstellen... die US Regierung stellt so jeden Hollywoodstreifen in den schatten :)
      14 16 Melden
    • Gleis3Kasten9 11.05.2015 16:30
      Highlight Ihr wisst ja schon, dass Bin Laden nicht erst 2001 "in Erscheinung getreten" ist sondern schon Jahre vorher ein Begriff war? Stichwort Bombenanschläge in Tansania und Kenya mit über 4000 Verletzten und über 200 Toten? Schade mussten diese Menschen auch für diesen "Schauspieler" sterben.
      9 3 Melden
    • AdiB 11.05.2015 17:11
      Highlight osama bin laden, kann man bis zu seiner schulung in der usa verfolgen. er war beim kampf gegen die sowijets scheinbar für die logistik der taliban zuständig. der arbeitsgeber CIA. die bin ladens gelten noch heute zu den 10 reichsten und mächtigsten familien. habt ihr vergessen wessen maschiene die einzige war die am 9/11 die usa verlassen durfte? der privatjet der bin ladens.
      5 4 Melden
    • goschi 11.05.2015 18:32
      Highlight Nein AdiB, dies ist schlicht Schwachsinn.
      Osama bin Laden war ein Angehöriger einer Strömung innerhalb der Mujahedin, die später zu den Taliban werden sollte und schon damals sehr radikal gegen die USA eingestellt (und akzeptierte deren Unterstützung nur widerwillig), er war aber damals im Kampf gegen die Sowjetunion aber kein führendes Mitglied der Mujahedin, kein direkter Ansprechpartner und erst Recht nicht zur Schulung in den USA.
      4 3 Melden
    • AdiB 11.05.2015 20:30
      Highlight goschi ich schätze dein wiessen sehr. aber hier liegst du etwas daneben. die bin laden familie ist reich und mächtig.
      osama bin laden wuchs im wohlstand auf, er war ein bonzenjunge. die bin ladens sind saudis und er war in der usa an der uni. das ist fakt. die usa versucht alles zu vertuschen. denkst du wirklich das ein milliadärssohn mir nichts dir nichts nach afganistan zieht. osama wurde anfang 90er jahre von den amis veratten.
      1 3 Melden

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(ohe)

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