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Was Papst Franziskus wohl wirklich glaubt?
Bild: AP/ap

Ist der Papst für oder gegen die Homo-Ehe? Nach diesen 9 Aussagen ist alles unklar

06.10.15, 16:51

Franziskus gilt als einer der fortschrittlichsten Päpste und gibt sich gerne weltoffener als seine Vorgänger. Doch wie steht der Pontifex eigentlich zur Ehe von gleichgeschlechtlichen Paaren?

Seine Aussagen zu dem Thema, die Quartz zusammengetragen hat, lassen keinen klaren Schluss zu:

2010: Franziskus setzt sich für eingetragene Partnerschaften ein. In Argentinien wird die Homo-Ehe diskutiert. Franziskus (damals Kardinal Jorge Maria Bergoglio) schlägt eine Alternative vor, welche die Bischöfe ablehnen:

«Ich glaube, wir müssen umfassendere Rechte für eingetragene Partnerschaften schaffen, jedoch keine Homo-Ehe.»

22. Juni 2010: Franziskus lehnt Homo-Ehe und Adoption ab. Und zwar deutlich. In einem Brief an die Karmelitinnen in Buenos Aires schreibt er über die Bewegung für die Homo-Ehe:

«Es ist ein destruktiver Akt gegen Gottes Plan.»

29. Juli 2013: Franziskus zeigt sich offen und akzeptierend. Diese Aussage sorgte für Aufsehen. In einem Flugzeug voller Reporter sagt er:

«Wenn jemand homosexuell ist und Gott sucht und guten Willens ist, wer bin ich, über ihn zu richten?»

17. November 2014: Franziskus findet, Kinder sollen von Heterosexuellen erzogen werden. An einer Konferenz im Vatikan sagte er:

«Kinder haben das Recht, in einer Familie mit einem Vater und einer Mutter aufzuwachsen, die ein angemessenes Umfeld für die Entwicklung und die emotionale Reife des Kindes bieten können.»

10. Juli 2015: Franziskus segnet ein homosexuelles Paar. Die Autorin Francesca Pardi schickt dem Papst einen Brief, in dem sie sich beklagt, dass einige Katholiken negativ im Bezug auf ihre homosexuelle Beziehung und ihre Familie äusserten. Dazu schickt sie ihr Kinderbuch «Warum hast du zwei Mütter?» sowie zwei weitere Bücher, die aus der Kindergartenbibliothek von Venedig verbannt wurden.

Zu ihrer Überraschung erhält Pardi eine Antwort des Papstes. Sie fasst den Brief auf Facebook zusammen, ohne direkt daraus zu zitieren:

«Der Papst bedankt sich für die nette Geste und hofft auf eine weiterhin ergiebige Arbeit im Dienste der jungen Generationen und beim Verbreiten von authentischen menschlichen und christlichen Werten.»

Franziskus schloss den Brief mit dem «Segen des Apostels» für Pardi, «zusammen mit Frau Maria Silvia Fiengo» – ihrer Partnerin.

28. August 2015: Der Vatikan korrigiert. Während Homosexuelle in Italien dies als Befürwortung ihres Lebensstils sehen, veröffentlicht der Vatikan ein Statement:

«Der Brief heisst in keinster Weise Verhaltensweisen und Lehren gut, die dem Evangelium widersprechen.»

29. September 2015: Franziskus trifft homophobe Standesbeamtin. Kim Davis ist in die Schlagzeilen geraten, weil sie sich weigerte, homosexuelle Partner zu trauen. Ihre Begründung: Es verstosse gegen ihren Glauben. Auf der US-Tour soll es zum Treffen gekommen sein, wobei der Papst zu Davis gesagt haben soll: «Bleib stark.»

Hat Kim Davis den Papst privat getroffen oder nicht?
Bild: AP

Ob das wirklich passiert ist, darüber herrscht Verwirrung. Der Vatikan veröffentlicht ein Statement, in dem er mitteilt, das Treffen mit Davis bedeute nicht, dass der Papst ihre Ansichten teile. Ausserdem sei es kurz gewesen und mit Dutzenden weiterer Leuten.

2. Oktober 2015: Franziskus trifft schwules Paar. Die einzige wirkliche «Privataudienz» auf seiner US-Tour hat der Papst offenbar seinem ehemaligen Studenten Yayo Grassi gegeben. Grassi ist homosexuell und hat seinen Partner mitgebracht, mit dem er seit 19 Jahren zusammen ist. Zu CNN sagte Grassi:

«Franziskus war nie wertend. Er hat nie etwas Negatives gesagt.»

4. Oktober 2015: Franziskus bestätigt die Position des Vatikans. In seiner Auftaktrede der Familiensynode im Vatikan, der noch immer in Aufruhr ist, nachdem sich ein Priester zu seiner Homosexualität bekannt hat, sagte er:

«Das ist Gottes Traum für seine geliebte Schöpfung: sie in einer liebenden Union zwischen Mann und Frau zu sehen.»

(rey)

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  • posti 06.10.2015 23:35
    Highlight Macht alles Sinn, man muss nur wissen was die Kirche lehrt.
    fùr jeden zum selber nachlesen:
    http://www.vatican.va/archive/DEU0035/_INDEX.HTM

    wünsche viel Spass ;)
    1 1 Melden
  • atomschlaf 06.10.2015 17:38
    Highlight Fehlt noch, das der Priester der sich geoutet hat, umgehend suspendiert wurde.
    Dabei wimmelt es in der ganzen katholischen Kirche nur so von Schwulen...
    6 6 Melden
    • Gelöschter Benutzer 06.10.2015 20:51
      Highlight Also ich lese es so: er ist gegen Homosexualität. Wenn aber ein Homosexueller aufrichtig seinen Weg zu Gott sucht, ist er willkommen. Das bedeutet doch, dass der Homosexuelle seine Sexualität aufgeben oder unterdrücken muss, da diese in den Augen (des katholischen) Gottes falsch ist. Somit spricht er sich sehr politisch gegen Homosexuelle aus. Tja offen gegenüber allen, innerlich genau so Konservativ und veraltet wie die Kirche allgemein. Amen.
      10 5 Melden
    • exeswiss 06.10.2015 21:36
      Highlight "Also ich lese es so: er ist gegen Homosexualität. Wenn aber ein Homosexueller aufrichtig seinen Weg zu Gott sucht, ist er willkommen. Das bedeutet doch, dass der Homosexuelle seine Sexualität aufgeben oder unterdrücken muss, da diese in den Augen (des katholischen) Gottes falsch ist. Somit spricht er sich sehr RELIGIÖS gegen Homosexuelle aus."

      habs mal korrigiert, religion bitte nicht mit politik verwechseln. (jedenfalls im christentum)
      2 5 Melden
    • Jol Bear 06.10.2015 23:02
      Highlight @exeswiss: unter der Annahme, dass Politik die Verhaltensweisen innerhalb einer Gemeinschaft regelt und mitunter oder erfahrungsgemäss regelmässig in Privates eingreift, lässt sie sich nicht von Privatem trennen. Die Ablehnung oder das Befürworten von Homo-Ehen ist ab jenem Zeitpunkt ein politisches Thema, wo diese "Ehe" in einem Zivilstandsregister eingetragen oder durch eine kirchliche Instanz abgesegnet werden soll (dann zumindest "Kirchenpolitik"). Der Papst könnte wohl soweit gehen, ersteres zu tolerieren, aber anerkennen wird er und irgendein Nachfolger von ihm keines von beiden.
      3 0 Melden
    • strieler 07.10.2015 00:09
      Highlight @exeswiss:
      habs mal korrigiert, religion bitte vor allem mit politik verwechseln. (gerade im christentum)

      ich würde es eher so sagen - er versucht sich politisch korrekt (im Sinne der political correctness) auszudrücken und seine Ablehnung liegt natürlich in der Religion begründet.

      Religion war und ist Politik - gerade im Christentum (schau mal in die Geschichte)
      Was wir (moderne Staaten/Aufklärung etc.) erreicht und gelernt haben bezüglich Säkularisierung (u.ä), wird heute leider immer mehr 'aktiv Vergessen' (anders kann ich mir gewisse Argumentationen nicht erklären).

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    • Gelöschter Benutzer 07.10.2015 06:38
      Highlight Danke. Aber strieler hat mich richtig verstanden. Ich meinte politisch korrekt. Ohne Homosexuelle anzugreifen, stellt er sich auf die Konservative Seite. Religiös wäre wenn er Bibelzitate zitieren würde, die die Homosexualität betreffen. Würde ich mal meinen.
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