International

Ein Akt der Demut: Papst Franziskus wäscht Flüchtlingen die Füsse 

Bild: AP/L' osservatore Romano

24.03.16, 21:00 24.03.16, 21:49

Erst wenige Tage sind seit den Anschlägen des IS in Brüssel vergangen - jetzt zeigt der Papst demonstrativ Nähe zu muslimischen Flüchtlingen. Papst Franziskus hat am Gründonnerstag als Geste der Demut elf Flüchtlingen die Füsse gewaschen.

«Ob Muslime, Hindus, Katholiken oder Kopten: Wir sind alle Brüder, wir sind alle Kinder desselben Gottes», sagte Franziskus und erinnerte an die Terroranschläge von Brüssel. «Das war eine Geste der Zerstörung, eine Geste des Krieges, von Menschen, die nicht in Frieden leben wollen.» Schuld an dem Terror hätten vor allem die Waffenhändler, so das Kirchenoberhaupt.

Bild: AP/L' osservatore Romano

Die Abendmahlmesse mit der traditionellen Zeremonie fand in einem Asylbewerberheim in Castelnuovo di Porto vor den Toren Roms statt, in dem mehr als 800 Menschen aus 26 Ländern leben. Unter den zuvor für das Ritual ausgewählten Flüchtlingen waren Malier, Nigerianer, Eritreer und ein indischer Hindu.

Die Fusswaschung am Gründonnerstag erinnert symbolisch daran, wie Jesu beim letzten Abendmahl die gleiche Geste an seinen Jüngern vollzogen hatte und gilt als Akt christlicher Nächstenliebe.

Nach der Waschung küsste der Papst die Füsse der Flüchtlinge. Er war dabei ganz einfach in Weiss gekleidet und trug keine Kopfbedeckung. Die Teilnehmer zeigten sich tief bewegt, viele weinten.

Auch Frauen Füsse gewaschen

Auch vier Frauen waren für die Zeremonie ausgewählt worden - eine italienische Mitarbeiterin der Einrichtung, die vor wenigen Tagen ihre Mutter verloren hatte, und drei koptisch-orthodoxe Frauen aus Eritrea. Franziskus hatte erst im Januar das Ritual offiziell geändert und per Dekret Frauen und Mädchen zugelassen.

Ein Selfie mit dem Papst.
Bild: AP/L' osservatore Romano

Einige der Flüchtlinge hatten zuvor Briefe an das Kirchenoberhaupt geschrieben, die in Auszügen von italienischen Medien veröffentlicht wurden. Darin distanzierten sie sich deutlich von dem blutigen Terror in Paris und Brüssel.

«Ich möchte dem Papst sagen, dass Moslems keine Terroristen sind und dass es mir leid tut, was in Frankreich und in Belgien passiert ist», schrieb der Senegalese Kamasso Guiro. «Ich habe mir schon lange gewünscht, den Papst zu treffen, auch wenn ich Moslem bin. Ich möchte ihm für all das danken, was er für die Armen und für den Frieden tut.»

Salbungsöle geweiht

Lange Zeit hatten Päpste nur Priestern die Füsse gewaschen. Erst Franziskus hatte gleich nach seinem Amtsantritt vor drei Jahren mit dieser Tradition gebrochen. So vollzog er die Handlung bereits an Kranken und Behinderten sowie an Häftlingen.

Ein Akt der Demut.
Bild: AP/L' osservatore Romano

Am Morgen hatte der Argentinier bei der traditionellen Chrisam-Messe die heiligen Salbungsöle geweiht. Die Chrisam-Messe läutet traditionell die Osterfeierlichkeiten im Vatikan ein.

Am Karfreitag soll unter grössten Sicherheitsvorkehrungen der Kreuzweg am Kolosseum stattfinden, bei dem der Leidensweg Christi nachvollzogen wird. Dabei wird auch der Papst sprechen.

Zahlreiche Soldaten und Spürhunde seien im Einsatz, um die Besucher und das antike Amphitheater zu schützen, berichtete die italienische Nachrichtenagentur Ansa. Auch der Petersdom werde an den Ostertagen streng gesichert. (sda/dpa)

Dieser Papst hat keine Berührungsängste.
Bild: AP/L' osservatore Romano

Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
11Alle Kommentare anzeigen
11
Um mit zudiskutieren oder Bilder und Youtube-Videos zu posten, musst du eingeloggt sein.
Youtube-Videos und Links einfach ins Textfeld kopieren.
600
  • Spooky 31.03.2016 00:58
    Highlight Der Papst ist ein Fussfetischist.
    0 1 Melden
    600
  • Spooky 24.03.2016 23:52
    Highlight Als ob die Flüchtlinge ihre Füsse nicht selber waschen könnten!
    8 29 Melden
    600
  • Blue123 24.03.2016 23:07
    Highlight Wow! ❤️
    14 5 Melden
    600
  • Hussain Bolt 24.03.2016 22:58
    Highlight Ist nur eine PR Aktion, der Papst und die Mächtigen wollen eine Einweltreligion wo Lucifer (Satan) der Gott ist. Ariel Sharon sagte ja selbst das der Papst am liebsten Chef aller Religionen sein soll, und Sharon ist ein Zionist.
    5 33 Melden
    600
  • kleiner_Schurke 24.03.2016 22:16
    Highlight Wie viele Flüchtlinge hat der Vatikan bisher aufgenommen? (2 Familien). Wie viel Geld hat der Vatikan von seinen Milliarden gespendet? Immerhin ist die Wasch Schale und der Krug aus Gold! Papst Franziskus ist schlicht der Hammer in Sachen eigener PR. Was haben wir da nicht schon alles zu hören bekommen. Zum Beispiel: Auch Atheisten können in den Himmel kommen (wenn sie zum Katholizismus konvertieren, dieser Teil wird selten zitiert). Oder aber über Homosexuelle will Franziskus nicht richten. Muss er ja auch nicht, die Bibel verlangt Steinigung und davon hat er sich nicht distanziert...
    27 72 Melden
    • Watson-er 24.03.2016 22:27
      Highlight Lol
      29 7 Melden
    • Tom16_03 25.03.2016 01:33
      Highlight Leider hast du recht. Toller nachdenklicher Text!
      0 11 Melden
    600
  • Tom Garret 24.03.2016 21:33
    Highlight Sehr schöne Geste. Ich bin wirklich beeindruckt vom neuen Papst, er lebt das vor was ich mir vorstelle vom Kirchenoberhaupt und handelt so anders als die anderen zuvor... Ein echtes Vorbild, nicht nur für Christen...
    91 24 Melden
    • kleiner_Schurke 24.03.2016 22:17
      Highlight Was sollte den diese schöne Geste nun konkret genau ausser sauberen Füssen bringen? Das kann ich auch, nur würde man den Kopf schütteln.
      22 70 Melden
    • Les 24.03.2016 22:27
      Highlight Deute die Zeichen, kleiner Schurke, deute die Zeichen! Ich bin Pastafari und halt' nicht viel vom Vatikan. Trotzdem: ein kleiner Schritt für einen Papst, aber ein grosser für die Menschlichkeit
      52 11 Melden
    • Watson-er 24.03.2016 22:28
      Highlight @kleiner Schurke(?)

      Hast du mal die Bibel gelesen? 😂
      32 10 Melden
    600

Lieber Atheist als schlechter Katholik – Papst Franziskus wütend über «schändliche Leute»

Papst Franziskus ist ein Kirchenoberhaupt, für das man sich nicht schämen muss: Der Argentinier, der bis dato mit progressiven Aussagen zu Themen wie sozialer Gerechtigkeit, Umweltschutz und dem interreligiösen Dialog Pluspunkte auch bei Nicht-Katholiken gesammelt hat, sorgt nun mit seiner Meinung zum Atheismus für Aufsehen.

Natürlich ist es nicht so, dass der Papst plötzlich zur Abkehr von Gott aufruft – aber einer, der nicht glaubt, sei ihm lieber als jemand, der seinen Glauben nur …

Artikel lesen