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Der Kleinwildjäger: Hugh Hefner zuhause in der Playboy Mansion in L.A., wo er seit 1971 lebt. bild: ap

Grottengeflüster: Wie war das wirklich mit Hefners Playboy Mansion und den Hasen?

Rotierende Betten statt Hausfrauen: Hugh Hefner ist tot, er war ein Visionär der Sonderklasse.

28.09.17, 11:52 29.09.17, 08:45

Es sind zwei schlimme Dinge, die uns von Hugh Hefners Playboy Mansion, seinem Lustschloss in L.A., in Erinnerung bleiben werden: Daniela Katzenberger und die Legionärskrankheit. Die Katze begann 2009 ihren ruhmreichen Ritt quer durchs Trash-TV damit, dass sie vergeblich versuchte, in den Häschen-Palast reinzukommen. Sie war halt blond und wollte berühmt werden und fand Hugh Hefner geiler als Mallorca.

Die Legionärskrankheit verbreitete sich 2011 im Wasser der berühmten Badegrotte, gut hundert Sex Suchende steckten sich damit an und gingen mit einer Lungenentzündung nach Hause. Es glich einer fast biblischen Heimsuchung des Mannes, der beschlossen hatte, sein Leben in der Horizontalen zu verbringen. Beim Sex und bei der Arbeit. Die natürlich auch immer mit Sex zu tun hatte.

Hugh Hefner war der hingebungsvollste Sexarbeiter der Welt. Es hat ihn reich, alt und glücklich gemacht.

Im Kreise seiner Lieben. Hefner und die Hasen. Bild: Hulton Archive

Begonnen hatte jedoch alles ganz anders: Hugh Hefner war ein körperlich nicht gerade robuster Buchhaltersohn aus Chicago, in seiner Familie wurde Zuneigung jeglicher Art vermieden, es herrschte ein Putz- und Waschzwang. Hugh arbeitete während des Kriegsendes als Fährtenschreiber in der Armee, studierte danach Psychologie, wurde Werber und hatte einen Traum. Beziehungsweise einen Alptraum.

Er hasste nichts so sehr wie das Nachkriegsfamilienmodell mit Vorstadt-Häuschen und dem Vater als Alleinernährer. Er hatte Angst vor der Hausfrau an sich, er betrachtete sie als eine Art Vampirin, die in ihrer plüschig weiblichen Häuschenhöhle sitzt, Kinder macht und den Mann finanziell aussaugt.

Er liebte die Frauen, er liebte Sex, aber er fantasierte sich seine Gespielinnen ganz anders zurecht. Sexy, süss, allzeit bereit, viel Frau, ein bisschen Tierchen, ganz wenig Mann. Ein «Playmate» eben, jemand, mit dem man spielen («to play») und sich paaren («to mate») kann, der aber zugleich ein guter Kumpel («the mate») ist.

Das runde Bett gab es auch an Bord von Hefners Luxusflugzeug, einer DC-9 namens «The Big Bunny». Bild: Hulton Archive

Er zog die Frauen aus bis auf einen glänzenden Body, setze ihnen Hasenohren und einen Stummelschwanz auf und zog ihnen Herrenmanschetten über die Handgelenke. Eine surreale Konstruktion. Sein seltsam kindliches Märchenreich steuerte er von einem Bett aus. Es war rund, drehte sich, hatte allerlei Funktionen, Knöpfe und Hebel, es war Hugh Hefners Erde als Scheibe. 

Der bettlägerige Sexprotz, den er sich vorstellte, widersprach den Männerbildern seiner Zeit komplett. Er verachtete den Cowboy, den siegreichen Soldaten, den Holz fällenden Naturburschen, seine Helden waren urban, liebten Jazz, Avantgarde-Architektur und Literatur. Sex diente einzig dem Vergnügen, nicht der Fortpflanzung (okay, vier Kinder hat Hefner am Ende trotzdem gezeugt).

Er hegte eine gewisse Bewunderung für die ersten Feministinnen, nicht inhaltlich, aber strategisch, er wollte den Mann so befreien, wie sie die Frauen zu befreien versuchten.

Und dafür brauchte er ein Magazin und eine Architektur. Er designte den «Playboy» und die ideale Junggesellen-Absteige, aus der schliesslich die Playboy Mansions wurden. Die Mansions waren Schlösser, perverse Varianten von Disneys Kinderschlössern, und es erstaunt nicht, dass Michael Jackson seine Neverland-Ranch nach dem Vorbild von Hefners Mansion in Los Angeles errichten liess.

Dieses Haus in L.A. ermöglichten Hefner den «Playboy» und seine Bunnies. Bild: AP/AP

Neben dem Bett war Hightech das Wichtigste, alles sollte neu, cool und glänzend sein, er wollte Maschinen statt Hausfrauen, und da sich eine Küche doch nicht ganz vermeiden liess, nannte er sie «Kitchenless Kitchen», eine Art Schrankküche, die elegant hinter asiatischen Schiebetüren verschwand. Und mittendrin der Mann als Voyeur, als Spion. Die neue Paraderolle des heimgekehrten Soldaten im Kalten Krieg gewissermassen.

Die Frauen, die Hefner in seine Behausungen lockte, wollte er jederzeit beobachten können: In seiner ersten Playboy Mansion in Chicago baute er ein Aquarium, in dem während Partys nackte Nixen badeten.

Aber das war später. Als er den «Playboy», das Lifestyle-Magazin für den heterosexuellen Erotomanen, 1953 gründete, war es ausgerechnet seine Mutter, die ihm das nötige Geld zusteckte. 

Von der Mama finanziert: Hefner mit der ersten Ausgabe des «Playboy». Bild: PLAYBOY

«Derzeit spielen sich alle Männermagazine im Freien ab, zwischen Gestrüpp und Dornen oder in den wilden Gewässern der Stromschnellen. Auch wir werden diese Gegenden von Zeit zu Zeit aufsuchen, aber wir kündigen gleich an, dass wir die meiste Zeit in unseren vier Wänden verbringen werden. Wir lieben es, daheim zu sein.» Dies schrieb er 1953 in der zweiten Ausgabe des «Playboys». Aber wenn er Hausfrauen so sehr hasste, wieso definierte er sich dann plötzlich als Hausmann?

Seine Visionen zeigten irrsinnig schnell Wirkung: Populäre Filme wie «Bettgeflüster» mit Rock Hudson und Doris Day drehten sich um Hefners Liebeshöhlen, jeder «James Bond»-Film war eine pure Liebeserklärung an Hefners Philosophie und Ästhetik.

Dass es sich bei all seinen Clubs und Mansions am Ende um ganz normale Sextempel mit schlecht bezahlten weiblichen Angestellten in albernen Kostümen handelte, das ist eine andere Geschichte, an der am Ende nicht einmal Daniela Katzenberger hätte mitwirken wollen.

Alles zu Hugh Hefners Pornoarchitektur gibt es im Band «Pornotopia – Architektur, Sexualität und Multimedia im ‹Playboy›» von Beatriz Preciado zu lesen. Erschienen im Wagenbach-Verlag. 

Sie alle haben uns 2017 schon verlassen

Playboy Dos und Dont's vom Experten:

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  • Charlotte Amalie 28.09.2017 20:59
    Highlight Wieso sind alle diese Kommentare hier so hirnrissig? Haben sich ein paar unterbelichtete Mackertrolle auf 4chan getroffen?
    12 6 Melden
    • Darth Unicorn 29.09.2017 15:23
      Highlight Willkommen auf Watson, wo Frauen verallgemeinert werden von denen welchen es Frauen vorwerfen. x'D Mackertrolle, der begriff gefällt mir :D
      2 2 Melden
  • Lutzi Fehr 28.09.2017 18:44
    Highlight Aus Gründen der Pietät stelle ich meine Morgenlatte auf Halbmast.
    33 6 Melden
  • Tilman Fliegel 28.09.2017 17:58
    Highlight Kleine Anmerkung: mate ist auch ein Kumpel. Da playmate ein substantiv ist, vermutlich die bessere Herleitung.
    6 2 Melden
    • Tilman Fliegel 28.09.2017 20:38
      Highlight Habe ich zu schnell kommentiert, oder wurde schon korrigiert? Mate als Kollege steht jedenfalls drin.
      5 2 Melden
  • ElAlbanese 28.09.2017 17:46
    Highlight "Dass es sich bei all seinen Clubs und Mansions am Ende um ganz normale Sextempel mit schlecht bezahlten weiblichen Angestellten in albernen Kostümen handelte, das ist eine andere Geschichte, an der am Ende nicht einmal Daniela Katzenberger hätte mitwirken wollen."

    Was soll das?

    Wieso so abwertend?
    -------------------------------

    Gezwungen hat die niemand und wäre die Bezahlung nicht gut gewesen, hätten wohl kaum viele mitgemacht..

    Über solche Themen sollten eben doch Männer schreiben und nicht "passive Feministinnen".. ^^
    39 16 Melden
  • iss mal ein snickers... 28.09.2017 12:44
    Highlight Das klingt irgendwie so gehässigt geschrieben, was währe den ein Lebensstil der Ihnen genehm ist Frau Meier? Soviel ich weiss war die Bezahlung der Hostessen in den Clubs gar nicht mal so schlecht; viel besser als in den meisten üblichen Jobs die damals Frauen ausüben konnten. Einige von Ihnen konnten sich dank dieser Arbeit Ihr Studium finanzieren und waren später beruflich recht erfolgreich. Es gibt eine Doku darüber.
    82 17 Melden
    • Nuka Cola 28.09.2017 15:51
      Highlight Hat man wirklich das Gefühl.
      20 7 Melden
    • Money is everything 28.09.2017 16:24
      Highlight Logisch ist das gehässigt geschrieben, Hugh Hefner müsste für Feministinnen ja das personifizierte Böse sein, wenn man es oberflächlich betrachtet. Jedoch wenn man genauer schaut war Hugh eine Bereicherung für beide Geschlechter.
      50 7 Melden
    • Tilman Fliegel 28.09.2017 18:02
      Highlight Finde es nicht wirklich gehässig, sondern sehr interessant.
      14 9 Melden
  • Charlotte Amalie 28.09.2017 12:32
    Highlight Super Beitrag! Gerne mehr.
    17 35 Melden

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