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Waldbrand in Portugal zum Teil unter Kontrolle – 62 Menschen sterben bei Inferno 

Eine riesige Feuersbrunst wütet seit Samstagabend in Zentralportugal. Verursacht wurde sie durch einen Blitzschlag. Die meisten Opfer sind Autofahrer, die in ihren Autos feststeckten. Die Regierung hat den Notstand ausgerufen, die EU ihre Hilfe zugesagt.

18.06.17, 01:36 18.06.17, 23:08

Flammen schiessen in den Himmel, dichter Rauch verdunkelt eine ganze Region: Bilder aus dem Katastrophengebiet in Zentralportugal zeigen eine regelrechte Feuerhölle. Mindestens 62 Menschen sind bei den schweren Waldbränden ums Leben gekommen, die Rettungskräfte stossen auf immer weitere Opfer. Rund 60 Menschen wurden nach Angaben des Staatssekretärs im Innenministerium verletzt. Die Regierung rief den Notstand sowie drei Tage Staatstrauer aus. 

Seit Sonntagnachmittag sind die Brände zum Teil unter Kontrolle. Zwei der insgesamt vier Feuerfronten habe die Feuerwehr im Griff, sagte Jorge Gomes, Staatssekretär im Innenministerium, am Sonntagnachmittag in der am stärksten betroffenen Region Pedrógão Grande knapp 200 Kilometer nordöstlich von Lissabon.Der Einsatz von Löschflugzeugen und Helikoptern sei am Sonntag zunächst lange Zeit aufgrund der starken Rauchentwicklung völlig unmöglich gewesen. Die hohen Temperaturen, die extreme Trockenheit und die starken Winde behinderten weiterhin die Löscharbeiten, sagte Gomes.

Ausgebrannte Autos zwischen Casthanheira de Pera und Figueiro dos Vinhos.  Bild: Armando Franca/AP/KEYSTONE

Im betroffenen Kreis Pedrógão Grande knapp 200 Kilometer nordöstlich von Lissabon ist die Situation aber weiterhin katastrophal. Es gebe einige Dörfer, die «von den Flammen völlig eingekesselt» seien, sagte der Bürgermeister von Pedrógão Grande, Valdemar Alves, zum Newsportal «Público»

Keine Brandstiftung

Der verheerende Waldbrand ist der Polizei zufolge nicht auf Brandstiftung zurückzuführen. Vielmehr habe ein Blitzschlag die Feuer ausgelöst. Am Samstagnachmittag habe sich über dem betroffenen Gebiet um den Kreis Pedrógão Grande ein Gewitter entladen, ohne dass es dabei geregnet habe, sagte der Direktor der Kriminalpolizei, José Almeida Rodrigues, am Sonntag der Nachrichtenagentur Lusa.

Alles deute ganz klar auf natürliche Ursachen hin. «Wir haben in Zusammenarbeit mit der Nationalgarde sogar den Baum gefunden, der von einem Blitz getroffen wurde.»In der Nacht auf Sonntag hatte sich der Bürgermeister von Pedrógão Grande, Valdemar Alves, noch davon überzeugt gezeigt, dass das Feuer gelegt wurde. Rund um den Ort, der knapp 200 Kilometer nordöstlich von Lissabon liegt, ist es derzeit sehr heiss mit Temperaturen von weit über 30 Grad.

Video: Autofahrer stecken im Rauch fest

Nach Angaben des portugiesischen Innenministeriums starben viele Menschen einen qualvollen Tod, als sie mit dem Auto vor den Flammen fliehen wollten. Mindestens drei weitere Opfer seien nach ersten Erkenntnissen in der Nähe eines Friedhofes an Rauchvergiftungen ums Leben gekommen.

Noch mehr Tote befürchtet

Ministerpräsident Antonio Costa sprach von einer «furchtbaren Tragödie». Nach seinen Worten könnte die Zahl der Todesopfer sogar noch weiter steigen.

Feuerwehrfahrzeuge wurden von den Flammen zerstört, mehrere Familien mussten ihre Häuser verlassen. In Portugal herrschten am Samstag Temperaturen von teilweise über 40 Grad Celsius.

Winde erschweren Löscharbeiten

Das Feuer sei an vier Fronten aktiv und werde von mehr als 260 Feuerwehrmännern mit über 80 Einsatzfahrzeugen und zwei Flugzeugen bekämpft, sagte Innenministeriums-Staatssekretär Jorge Gomes. Dennoch habe man nicht verhindern können, dass die Flammen auf den Nachbarkreis Figueiró dos Vinhos übergriffen. Starke Winde erschwerten die Löscharbeiten, hiess es.

Das Katastrophengebiet in Zentral-Portugal

Der Kreis Pedrógão Grande hat auf 128 Quadratkilometer Fläche lediglich rund 4000 Einwohner, die sich in erster Linie der Land-, aber auch der Textilwirtschaft widmen. Die nahezu unberührte Natur mit Lagunen und Stauseen zog in den vergangenen Jahren immer mehr Wanderer und Wassersportler an.

Nothilfekoordinierug der EU

Angesichts des verheerenden Waldbrands hat die EU Hilfe zugesagt. «Es wird alles getan werden, um den Behörden und den Menschen in Portugal in dieser Zeit der Not zu helfen», erklärte der zuständige EU-Kommissar Christos Stylianides am Sonntag. Auf Bitte Portugals würden über die Nothilfekoordinierung der EU Löschflugzeuge organisiert. Frankreich habe sofort drei Maschinen zugesagt, die nun rasch entsandt würden. Zusätzlich helfe Spanien ebenfalls mit Flugzeugen. Bundesrat Didier Burkhalter kondolierte dem Aussenminister Portugals Augusto Santos Silva in einem SMS. Er sicherte darin Portugal die Solidarität der Schweiz zu. 

(amü/kün/sda/afp/dpa)

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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  • plaga versus 18.06.2017 17:15
    Highlight Mit einer SMS kondolieren. Auf Staatsebene?
    7 1 Melden
  • DerRaucher 18.06.2017 14:39
    Highlight Keine Wunder, das wird doch wieder so ein ätzender Sommer wie 2003 oder 2015 in Europa. Wird wahrscheinlich nicht der letzte Waldbrand bleiben..
    9 40 Melden
  • Märklin 18.06.2017 10:00
    Highlight Was geht in dem Mensch vor, der ein solches Inferno entfacht?
    Ich möchte spenden , aber wohin?
    5 81 Melden
    • pat86 18.06.2017 16:20
      Highlight war wohl ein gewitter
      17 0 Melden
    • thi 18.06.2017 17:27
      Highlight Es handelt sich gemäß dem Artikel um die Folgen eines Blitzeinschlages
      18 0 Melden
  • Tartaruga 18.06.2017 03:51
    Highlight Einfach nur schrecklich!
    Jedes Jahr sterben Menschen bei Waldbränden, werden obdachlos, und die Regierung sieht nur zu. Wann wird etwas gegen diese Eukalyptuswälder unternommen? Wieviele Brände und Opfer braucht es noch?
    9 43 Melden
    • chabacha 18.06.2017 15:32
      Highlight Was genau wollen sie uns eigentlich sagen? Im Übrigen sehe ich schwergewichtig Pinus-Arten brennen.
      18 4 Melden
    • Rendel 18.06.2017 15:55
      Highlight Haben sie Informationen, dass es in dieser Gegend Eukalyptusplantagen gibt? Eukalyptus ist wirklich eine Seuche der Holzindustrie. Waldbrände bei Trockenheit, gibt es aber auch ohne Eukalyptusbäume.
      20 0 Melden
    • Pedro Salami 18.06.2017 15:56
      Highlight Das Problem mit den Eukalyptus ist kaum in den Griff zu kriegen oder dann nur mit riesigen Mitteln. Betroffen davon ist aber eher der Norden Portugals und vor allem der Süden Galiziens. Ein Vermächtnis von Franco. Aber ansonsten hat es da vor allem Pinienwälder (schätze in der Brandregion ist es nicht anders). Und Pinien sind auch nicht viel resistenter. Trocknen aber den Boden nicht dermassen aus wie Eucalyptus.
      Das grösste Problem sind die trockenen Winter und auch Frühling. Manche Regionen hatten im Winter so gut wie 0mm Niederschlag.
      17 2 Melden
    • Tartaruga 18.06.2017 16:30
      Highlight Pedro Salamo ich stimme Ihnen da teilweise zu. Es ist aber tatsächlich so dass auch in der Gegend um Coimbra und Leiria Eukalyptus angepflanzt wird. Auch wenn Pinienwälder überwiegen, Eukalyptus brennt wie Zunder. Da genügt schon eine Zigarette um eine Katastrophe auszulösen.
      Es ist zu bemängeln, dass die Wälder um die Gemeinden, Strassen etc. nicht so geplegt werden, wie sie sollten.
      Leider denken dann viele Bewohner, dass selbst zündeln die richtige Lösung ist. Die Folgen sind fatal.
      Die Regierung müsste mehr unternehmen, um Brände solchen Ausmasses zu verhindern.
      6 1 Melden
    • Jango16 18.06.2017 17:23
      Highlight Auch in der betroffenen Region ist ein Grossteil der Bäume Eukalyptus. Schuldzuweisungen sind zu dieser Stunde Fehl am Platz aber es ist eine Tatsache das es in Portugal seit Jahrzehnten brennt und von der Regierung keine oder nur ungenügende Massnahmen ergriefen werden.
      7 0 Melden
    • Rendel 18.06.2017 21:38
      Highlight Danke für die Info zur Region. Eukalyptus sollte man verbieten auf unserem Kontinent. Schnelles Geld für die einen, Katastrophe für die andern.
      3 1 Melden
    • JasCar 18.06.2017 22:15
      Highlight An alle die hier Tartarugas Kommentar blitzen oder korrigieren:
      Wart ihr schon mal hier? Habt ihr schon diese riesigen Eukalyptuswälder gesehen?
      Und die sind nicht hauptsächlich nur im Norden, auch hier im Alentejo gibts riesige Plantagen. Ja, es ist ein Fluch. Es ist Holz welches schnell wächst und deshalb schnelles Geld. Aber wie schon von anderen erwähnt, es brennt wie Zunder! Und wird auch gerne extra angezündet, um sich das Geld für den Verlust vom Staat einzustreichen.
      Dinge, die ich mir in der Schweiz nie vorstellen konnte.
      Und der Sommer hat erst begonnen 😢
      Traurige Geschichten...
      5 2 Melden
    • Pedro Salami 19.06.2017 18:22
      Highlight Ja, Brände werden oft aus wirtschaftlichen Gründen gelegt. Die meisten werden aber offenbar von Pyromanen gelegt. Siehe https://www.google.ch/url?sa=t&source=web&rct=j&url=https://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/120809_WWF_Waldbrandstudie.pdf&ved=0ahUKEwj3hN6JpcrUAhWSJlAKHZDGBjUQFggjMAI&usg=AFQjCNEw68MkDKtDmbIlrEuwmfPpkb-5-w&sig2=OzZUf5z3q4_wZf4iVhG6xw
      Nicht ganz aktuell, ich weiss.
      In Spanien wurden die Gesetze vor einigen Jahren angepasst. Härtere Strafen aber auch Verbot zum bauen resp. landwirtschaftliche Nutzung auf viele Jahre.
      1 0 Melden

Mindestens 36 Tote bei verheerenden Bränden in Portugal und Spanien

Extreme Dürre und vermutlich Brandstiftung: Auf der iberischen Halbinsel sind bei Waldbränden mindestens 36 Menschen ums Leben gekommen. Besonders betroffen waren Nord- und Mittelportugal, wo die Brände zum zweiten Mal in diesem Jahr katastrophale Ausmasse erreichten.

Allein dort verloren nach Behördenangaben mindestens 32 Menschen ihr Leben, darunter ein Säugling. Sieben Menschen wurden vermisst, 56 Bewohner wurden verletzt, einige von ihnen schwer.

Viele Menschen klagten, sie seien von den Behörden ihrem Schicksal überlassen worden. Die Behörden riefen die Menschen am Montag dazu auf, selbst gegen die Flammen vorzugehen, da nicht überall auf die Feuerwehrleute gewartet werden könne.

Ein Sprecher der Zivilschutzbehörde wies Kritik an den Behörden zurück: …

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