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Pamela Geller war vor Ort in Garland, als die Schüsse fielen.  Bild: LARRY W. SMITH/EPA/KEYSTONE

Sie veranstaltete den Wettbewerb in Texas, der von Terroristen angegriffen wurde: Anti-Islam-Aktivistin Pamela Geller. Ihr Antrieb: Hass!

Unter den amerikanischen Islamhassern ist Pamela Geller eine Berühmtheit. Sie bloggt, polarisiert - und organisiert Kampagnen wie den Wettbewerb für Mohammed-Karikaturen in Texas, der jetzt zum Ziel von Terroristen wurde.

04.05.15, 16:23

Christina Hebel

Ein Artikel von

«Das ist Krieg. Das ist Krieg gegen die Meinungsfreiheit. Werden wir uns diesen Monstern ergeben?», schrieb Pamela Geller kurz nach dem Attentat. Zwei Angreifer hatten auf ein Gemeindezentrum in Texas gefeuert, in dem Geller mit ihrer Organisation Amerikanische Initiative zur Verteidigung der Freiheit, kurz AFDI, einen Mohammed-Karikaturenwettbewerb veranstaltete. Die beiden Täter wurden erschossen. Inzwischen brüsten sich Dschihadisten, für den Anschlag verantwortlich zu sein. (Mehr zu der Attacke lesen Sie hier).

Geller war vor Ort in Garland, als die Schüsse fielen. «Das ist ein Raum für Freiheitsliebende, mutige Amerikaner, die wissen, dass es gefährlich ist», kommentierte sie die Veranstaltung - plötzlich griffen Polizisten nach ihr und zogen sie von den Kameras weg, um sie in Sicherheit zu bringen.

«Das ist Krieg. Das ist Krieg gegen die Meinungsfreiheit. Werden wir uns diesen Monstern ergeben?»

Pamela Geller

Die New Yorkerin, 56, Mutter von vier Kindern, liebt es zuzuspitzen, zu dramatisieren. Sie ist eine der einflussreichsten Aktivistinnen der islamophoben US-Szene. Zu ihrer Holzhammer-Rhetorik gehört auch, dass sie behauptet, der Islam habe Adolf Hitler und den Faschismus beeinflusst. Wer ist diese Frau, die die Geschichte so verdreht und den Islam hasst? Was steckt hinter ihrer Organisation AFDI? Fünf Antworten:

Pamela Geller zusammen mit dem Nationalisten Geert Wilders. Bild: AP/The Dallas Morning News

1. Die Anfänge

2010 führte Geller den Widerstand gegen den Bau eines islamischen Gemeindezentrums nahe Ground Zero in New York an. Seither gilt sie als eine Berühmtheit unter den Islam-Hassern in den USA. Sie habe nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 begonnen, sich politisch zu engagieren, sagte die frühere Finanzanalystin einmal in einem Interview. Wie die «New York Times» berichtet, lebt sie vor allem von den zehn Millionen Dollar, die sie bei ihrer Scheidung 2007 und aus der Lebensversicherung ihres Ex-Mannes 2008 erhielt, als dieser starb.

Geller sagt, sie sei gegen «die schleichende Einführung der Scharia», der Islam sei die «antisemitischste, völkermordendste Ideologie». Sie habe kein Problem mit dem Islam, sondern mit dem Islamismus – eine Argumentation, die auch der niederländische Islamfeind Geert Wilders immer wieder bemüht. Geller verehrt ihn sehr. Wie Wilders bezeichnet auch sie sich als eine Unterstützerin Israels.

2. Das Blog

Geller kommuniziert vor allem über ihr Blog «Atlas shrugs». Der Titel lehnt sich an den Roman der Autorin Ayn Rand «Atlas Shrugged» an (in Deutsch unter «Der Streik» erschienen). In Deutschland ist das Buch kaum bekannt, in den USA ist es ein Bestseller. Dort wird es als euphorische Feier der Freiheit verstanden, da es Selbstverantwortung und Engagement des Einzelnen preist.

Geller betreibt das Blog seit elf Jahren, 10 bis 15 Einträge postet sie dort täglich. Aufmerksamkeit erregte sie vor allem, als sie 2005 die Mohammed-Karikaturen aus der dänischen Zeitung «Jyllands-Posten» veröffentlichte. Eine Provokation für viele Muslime, die die Darstellung des islamischen Propheten als Beleidigung empfinden.

3. Die Organisationen

Geller arbeitet mit Robert Spencer zusammen, der Autor und Religionswissenschaftler betreibt die Webseite «Jihad Watch». Sie gründeten 2010 die Anti-Islam-Organisation Amerikanische Initiative zur Verteidigung der Freiheit (AFDI). Diese fordert unter anderem «gleiche Rechte für alle Menschen» und will sich damit gegen die angebliche Kriminalisierung von Frauen und Nicht-Muslimen durch die Scharia und islamische Gesetze stellen.

Ein Programm der Organisation heisst «Stoppt die Islamisierung Amerikas», kurz SIOA. Es verlangt, die Einwanderung von Muslimen in den Ländern zu unterbinden, in denen diese nicht die Mehrheit der Bevölkerung ausmachen. Zudem sollen nach dem Willen der Islam-Gegner Moscheen überwacht und kontrolliert werden. Kritiker wie das gemeinnützige Southern Poverty Law Center stufen AFDI und SIO als sogenannte Hategroups ein – das sind Organisationen, die als rechts gelten und zum Hass anstacheln. Geller bestreitet den Vorwurf und bezeichnet ihre Gegner als linke «Menschenrechtsgruppen».

Angriff auf Mohammed-Karikatur Ausstellung

4. Die Hass-Kampagnen

2014 liess Gellers Organisation AFDI auf 20 Bussen der Washingtoner Verkehrsbetriebe ein Foto von Adolf Hitler und Amin al-Husseini, in den Dreissiger- und Vierzigerjahren Grossmufti von Jerusalem, anbringen. Die Aufnahme war bei einem Treffen 1941 in Berlin entstanden. Daneben druckten die Islamkritiker die Aufschrift: «Islamischer Judenhass: Es steht im Koran.» Die Anti-Islam-Aktion versuchte die AFDI im ganzen Land durchzusetzen. Dafür klagte sie gegen mehr als ein halbes Dutzend Verkehrsbetriebe. In Philadelphia bekam sie im März vor einem Gericht Recht.

Im texanischen Garland veranstaltete Geller nun einen Mohammed-Karikaturenwettbewerb. 10'000 Dollar, rund 8900 Euro, waren als Preisgeld ausgelobt. Die Veranstaltung stand unter massivem Polizeischutz. Als Redner trat Wilders auf, der aber vor der Attacke wieder abgereist war.

5. Das Einreiseverbot

2013 wollte Geller auf einer Kundgebung der rechtsgerichteten «English Defence League» in London auftreten. Die britische Regierung verbot die Einreise. In einem Schreiben der Behörden hiess es: Gellners Präsenz auf der Insel sei «dem öffentlichen Wohl nicht zuträglich».

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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  • Hans Jürg 04.05.2015 18:24
    Highlight Nein. Anschläge - auch auf Super-Dumpfbacken - sind natürlich absolut zu verurteilen. Hätte es aber den Wilders erwischt, hätte ich ihm keine Träne nachgeweint. Genau weine ich keinem dieser Islamisten-Fuzzis, die meinen alles töten zu müssen, was nicht in ihr Weltbild passt, eine einzige Träne nach, wenn sie getötet werden.
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  • quark 04.05.2015 17:34
    Highlight Sie macht schlicht "Gegenhass" auf "Hass" der Dschihadisten! Dachte, gleich lange Speere sind erlaubt?
    Oder hat sich der "Islamische Zentralrat der Schweiz (IZRS)" je von Sharia, IS, Boko Haram, etc. etc. distanziert?
    Nie und wirklich nie. Vielleicht, weil 90% der Anhänger verlustig gingen. Persönlich habe ich noch nie so ein feiges (resp. von ferne diktiertes) Verhalten gehört. Sich in Sachen von Terrorismus, Vergewaltigung, Massenmorden zu distanzieren bräuchte eigentlich wenig Mumm. Ausser, man ist eben hintenherum dafür. IZRS läuft in Richtung eine Terrororganisation zu sein (wie auch immer das schön geredet werden kann). Für mich ist das bereits passiert, weil Nichts-Tun als Mit-Tun gilt.
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  • zombie1969 04.05.2015 16:45
    Highlight "Sie bloggt, polarisiert - und organisiert Kampagnen wie den Wettbewerb für Mohammed-Karikaturen in Texas, der jetzt zum Ziel von Terroristen wurde"
    Wenn woanders Flaggen und sogar Menschen verbrannt werden, dann ist bloggen, polarisieren oder Wettbewerbe starten eine sehr zivilisierte Antwort darauf.
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    • Gelöschter Benutzer 04.05.2015 18:16
      Highlight Eigentlich ein ganz guter Vergleich, das mit den Flaggen. Mir würde es nicht im Leben in den Sinn kommen jemanden physisch anzugreifen der eine Schweizerfahne oder ähnliches verbrennt.
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  • DerWeise 04.05.2015 16:37
    Highlight Die Frau ist vielleicht nicht die hellste und ihr Antrieb nicht ehrenhaft, aber ich hoffe doch sehr, dass im Jahre 2015 Artikel, die religiös motivierte Terroranschläge relativieren, nicht die Regel werden...



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    • Grigor 04.05.2015 17:22
      Highlight Ich hoffe das auch immer wieder aufgezeigt wird was die andere Seite macht (bzw wie sie provoziert) um das Attentat im richtigen Zusammenhang sehen zu können. Mit keinen Satz wurde das im Artikel relativiert. Es stört anscheinend schon wenn Hintergründe aufgezeigt werden und nicht nur Propaganda gemacht wird. Kann dir da den Blick empfehlen.
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    • DerWeise 04.05.2015 19:12
      Highlight Naja 20min, Blick, Watson unterscheiden sich nur in Nuancen.
      ...man muss sich auch Provozieren lassen. Und sorry, freie Meinungsäusserung schützt leider auch unpopuläre Aussagen bis absoluten Stuss....
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