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Whistleblower im Dienste Moskaus: Russland nutzt Wikileaks für Schmieren-Kampagnen 

Publiziert: 23.09.16, 11:52 Aktualisiert: 23.09.16, 12:08

Spielte Russland Wikileaks-Daten gezielt Medien zu? Blick auf den Hauptsitz des russischen Geheimdienst FSB beim Lubjanka Platz in Moskau.  Bild: Alexander Zemlianichenko/AP/KEYSTONE

Der russische Geheimdienst nutzt laut einem Bericht des Nachrichtenmagazins «Focus» die Enthüllungsplattform Wikileaks gezielt für Desinformations- und Medienkampagnen im Westen. Das Magazin beruft sich dabei auf ein «vertrauliches Dossier» der deutschen Regierung.

«Damit stand die Bundeswehr und die gesamte NATO am Pranger»

Deutscher Regierungsbeamter

Mit lancierten Berichten sollten Staaten des westlichen Verteidigungsbündnisses NATO diskreditiert und das Ansehen Russlands erhöht werden.

In dem «Focus»-Bericht wird ein hoher Sicherheitsbeamter mit der Äusserung zitiert, Moskau habe zum Beispiel 2009 Wikileaks mit vertraulichen Bundeswehr-Unterlagen über die Bombardierung von zwei Tanklastzügen in Afghanistan mit mehr als 100 Toten versorgt. «Damit stand die Bundeswehr und die gesamte NATO am Pranger», sagte der Regierungsbeamte.

In einem anderen Fall sei es den Russen gelungen, Bundeskanzlerin Angela Merkel und den US-Geheimdienst NSA vorzuführen. Am 11. Oktober 2011 habe Merkel während einer Vietnam-Reise mit ihrem Büro in Berlin telefoniert. In diesem Gespräch habe sie berichtet, dass sie nicht wisse, wie sie sich in der griechischen Finanzkrise verhalten solle.

Die Telefon-Affäre um abgehörte Gespräche der deutschen Kanzlerin Angela Merkel sorgte 2015 für Aufsehen. Hinter der Aktion soll der russische Geheimdienst stehen. Bild: AP dpa

«Russland, wenn ihr zuhört. Ich hoffe, ihr schafft es, die 30'000 E-Mails zu finden, die verschwunden sind. Ihr würdet von unserer Presse dafür belohnt.»

Donald Trump

Eine Zusammenfassung dieses Telefonats, dem Dokument zufolge offensichtlich von der NSA belauscht, tauchte laut «Focus» 2015 über Wikileaks in deutschen Zeitungen auf.

Assange in der Kritik

Wikileaks-Gründer Julian Assange: Erklärter Gegner von Hillary Clinton. Bild: Frank Augstein/AP/KEYSTONE

Wikileaks-Gründer Julian Assange steht derzeit wegen einer möglichen Einmischung in den US-Wahlkampf in der Kritik. Der Australier, der aus seiner Antipathie gegen die US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton nie ein Geheimnis gemacht hat, will demnächst Dokumente veröffentlichen, vermutlich zur E-Mail-Affäre von Clinton.

In ihrer Zeit als Aussenministerin hatte Clinton dienstliche E-Mails über einen privaten Server laufen lassen. Ihr Gegenkandidat Donald Trump hatte in diesem Zusammenhang Russland öffentlich aufgefordert, Hillary Clintons E-Mails zu hacken.

Bei einem Wahlkampfauftritt sagte er wörtlich: «Russland, wenn ihr zuhört. Ich hoffe, ihr schafft es, die 30'000 E-Mails zu finden, die verschwunden sind. Ihr würdet von unserer Presse dafür belohnt.» (wst/sda/dpa)

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31 Kommentare anzeigen
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  • Zarzis 24.09.2016 10:43
    Highlight Wenn das wahr ist, ist die ganz grosse Frage. Ist Wikileaks eine Unabhänginge oder Gesteuerte Organisation.
    Will sie nur Informieren oder wie dieser Bericht sagt, Politik machen.
    Und wenn Wikileaks Politik macht, ist jede Information anders zu werten und wenn dann nur einseitig Enthüllt wird, ist es alles andere als Neutral.
    Zusätzlich was soll ich von etwas halten was die einte Seite mit Enthüllungen blosstellt aber zur gegenseite Schweigt. Ich nenne das dann Manipulation, also genau dass was Wikileaks am anfang nicht wollte.
    1 2 Melden
    600
  • smoking gun 23.09.2016 15:12
    Highlight Zum Bild mit Angela Merkel und ihrem Handy möchte ich folgende Anmerkung machen: Es ist den USA erlaubt, auf deutschem Boden nachrichtendienstliche Aktionen durchzuführen.

    Hier ein Interview mit dem Historiker Josef Foschepoth in "Der Zeit":

    http://www.zeit.de/politik/deutschland/2013-10/nsa-uerberwachung-merkel-interview-foschepoth




    9 2 Melden
    600
  • Toerpe Zwerg 23.09.2016 14:14
    Highlight Die versammelten Antiamerikaner haben nicht begriffen, worum es hier geht. Wie fast immer.
    12 15 Melden
    • Beobachter24 23.09.2016 14:48
      Highlight Dann erklär doch mal :-)
      15 6 Melden
    • Toerpe Zwerg 23.09.2016 15:27
      Highlight Um die Glaubwürdigkeit von WL
      11 8 Melden
    600
  • Lowend 23.09.2016 13:27
    Highlight Wenn der FSB Wikileaks mit Informationen gegen die USA und im speziellen gegen H. Clinton füttert, dann ist für Russentrolle die Welt in Ordnung, aber wehe die NSA würde Wikileaks mit Informationen gegen die Russen und da im speziellen gegen V. Putin füttern, der Aufschrei der Putinisten wäre gigantisch!
    Eine widerliche Doppelmoral, die da zu Tage tritt!
    19 19 Melden
    • smoking gun 23.09.2016 15:59
      Highlight Die NSA braucht Wikileaks nicht, um die westlichen Leitmedien mit Propaganda gegen Putin zu füttern. Und es ist grundsätzlich auch nicht die NSA, die für die Umsetzung des "Informationskrieges" zuständig ist.
      7 4 Melden
    • Lowend 23.09.2016 17:20
      Highlight Und was haben sie zu Ihrer Doppelmoral zu sagen? US Geheimdienst ist böse, russischer Geheimdienst ist gut? Klingt genau nach dem, was sie da absondern.
      6 6 Melden
    • smoking gun 23.09.2016 18:09
      Highlight Ich habe in keiner Art und Weise gewertet. Propaganda ist Propaganda, egal woher sie kommt.

      Aber zum Thema "Doppelmoral" oder "Doppelstandard", wie ich das nenne, möchte ich Ihnen gerne was sagen: Es gibt auf dieser Welt wohl nur eine grosse Nation, die sich in ihrer Aussenpolitik derart schamlos und heuchlerisch den Doppelstandards bedient. Und das sind die USA.
      5 3 Melden
    • Lowend 23.09.2016 19:28
      Highlight Und wie immer sind die Russen gut und die Amis sind böse.
      Eure ewig gleiche Leier langweilt nur noch! Erfindet mal etwas einfallsreichere Propagandasprüche!
      4 5 Melden
    600
  • Toerpe Zwerg 23.09.2016 13:09
    Highlight Einfache Frage an die Front hier:

    Wie steht es um die Glaubwürdigkeit von Wikileaks, wenn es sich durch Geheimdienste mit Informationen füttern lässt?
    20 13 Melden
    • Radiochopf 23.09.2016 13:29
      Highlight @Toerpe Vielleicht solltest du zuerst verstehen bzw. informieren wie Wikileaks funktioniert bevor du die Lüge von Focus schon als Wahrheit annimmst.
      18 13 Melden
    • Toerpe Zwerg 23.09.2016 14:08
      Highlight Mache ich nicht. Möchten Sie die Frage trotzdem beantworten?
      9 12 Melden
    • D(r)ummer 23.09.2016 14:46
      Highlight @Toerpe. Wahrscheinlich ein bisschen Glaubwürdiger als Regierungen. Letztere hüpfen herum, dementieren die Berichte und bestätigen letztendlich (ohne Medienrummel), dass die Dokumente echt sind.

      Du hast aber recht, Geheimdienste sind die Quelle.
      Ob füttern oder abholen ist eigentlich egal.
      (Ps: Wikileaks hat die Geheimdienste nicht zwingend als Lieferanten nötig, wenn selbst 12 Jährige aufs Pentagon usw. zugreifen können)
      11 2 Melden
    600
  • Radiochopf 23.09.2016 12:54
    Highlight "In dem «Focus»-Bericht wird ein hoher Sicherheitsbeamter mit der Äusserung zitiert, Moskau habe zum Beispiel 2009 Wikileaks mit vertraulichen Bundeswehr-Unterlagen über die Bombardierung von zwei Tanklastzügen in Afghanistan mit mehr als 100 Toten versorgt. «Damit stand die Bundeswehr und die gesamte NATO am Pranger», sagte der Regierungsbeamte.".. Es wäre also besser gewesen, diese Geschichte nicht zu veröffentlichen und zu verheimlichen?
    28 9 Melden
    • Toerpe Zwerg 23.09.2016 13:09
      Highlight Sie verstehen die Kritik offenbar nicht.
      20 20 Melden
    600
  • Radiochopf 23.09.2016 12:51
    Highlight Ich habe es schon vor 3-4 Wochen angekündigt, dass genau dies passieren wird darum überrascht es mich überhaupt nicht. Die NATO und vor allem Clinton wird von Wikileaks mehr den je unter Druck gesetzt mit neuen Enthüllung. Nun greifen diese natürlich zur Standart-Gegenattacke an und behaupten mit ihren Propaganda-Medien, dass Russland dahinter steckt. Schön, endlich erkennt man die wahren Gesichter.. Washington Post die den Purlitzer Preis dank Snowden gewonnen haben, wollen mittlerweile kein Pardon für ihn!? beim Spiegel sieht es nicht besser aus, solche Entwicklungen sind bedenklich..
    19 19 Melden
    • Christian Gerber 23.09.2016 13:36
      Highlight Vermutlich ist Ihnen nicht bewusst oder Sie wollen es nicht wissen, welch gewaltiger, staatlicher Propagandaapparat vom ehemaligen Geheimdienstoffizier Putin unterhalten wird.
      14 13 Melden
    600
  • opwulf 23.09.2016 12:46
    Highlight Wie war dies nochmals betreffend der Fifa und den FBI Ermittlungen und den amerikanischen Medien? Klar wird auf allen Seiten instrumentalisiert, aber wenn dies für unsere Presse bei den Amerikanern kein Artikel wert war, dann sollte dies auch nicht relevant sein, wenn Russland das Selbe tut. Sonst erfüllt unsere Presse nicht den Leitsatz einer freien Presse - objektiv zu informieren, sondern im Gegenteil einseitig! Oder liege ich da "öpe" falsch? Dazu kommt noch, I guess, dass bei der Kriegindustrie mehr Blut an den Händen klebt, als bei der korrupten Fifa ;-)
    22 4 Melden
    600
  • Peter Winkler 23.09.2016 12:35
    Highlight Als geneigter Leser muss man sich langsam ernsthaft die Frage stellen, ob es für die Medien nicht einfacher wäre, nur noch über Ungeheuerlichkeiten zu berichten, hinter welchen die Russen nicht stecken. Diese bösen, ganz bösen Russen.
    19 14 Melden
    • Toerpe Zwerg 23.09.2016 14:12
      Highlight Auch bei Ihnen: Sie springen auf einen Trigger an, der gar nicht gesetzt wurde ... hier wird nicht Russland kritisiert.
      7 10 Melden
    600
  • ottonormalverbraucher 23.09.2016 12:26
    Highlight Watson was soll das? Solange die Fakten stimmen, wo ist das Problem? Ist das einfach wieder mal anti russen propaganda?
    22 16 Melden
    600
  • Toerpe Zwerg 23.09.2016 12:12
    Highlight Brisant ist weniger die Information als vielmehr die Instrumentalisierung von Wikileaks durch Geheimdienste.
    15 22 Melden
    • themachine 23.09.2016 12:31
      Highlight Eher umgekehrt.
      20 10 Melden
    • Toerpe Zwerg 23.09.2016 12:37
      Highlight Ach ja? Dann ist Wikileaks mausetot.
      7 17 Melden
    • Radiochopf 23.09.2016 13:36
      Highlight Wenn Wikileaks tot ist, ist auch die Wahrheit gestorben. In den letzten Wochen gab es X-News, dass russische Hacker Mails der Demokraten geleakt haben, in den US-Wahlkampf eingreifen, NSA-Tools gehackt haben... das meiste davon wurde widerlegt.. auch bei den gehackten NSA-Tools sind sich die Geheimdienst plötzlich nicht mehr sicher, ob es doch nicht ein stümperhafter US-Agent vergessen hat: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Geleakte-NSA-Hackersoftware-wohl-von-Agenten-im-Netz-vergessen-3330254.html
      15 5 Melden
    600
  • whatthepuck 23.09.2016 12:07
    Highlight Spielt es eine Rolle wer den Dreck fördert, solange er gefördert wird? Oder welche Begründung gibt es, sowas wie die Bombardierung der Tanklastzüge nicht ans Tageslicht zu bringen?

    Und inwiefern trifft der Begriff Desinformation darauf zu? Werden Unwahrheiten verbreitet oder einfach nur sehr einschlägige Wahrheiten?
    44 5 Melden
    • roger.schmid 23.09.2016 12:29
      Highlight @ whatthepuck: völlig einverstanden. obwohl ich gar kein freund der russischen regierung bin.
      Trotzdem: wie wäre es, wenn mal vertrauliche infos über den kreml veröffentlicht würden?
      in Russland würde es dank den kontrollierten medien wohl nicht einmal bekannt.
      18 6 Melden
    • Toerpe Zwerg 23.09.2016 12:30
      Highlight Wenn man als Sprachrohr für Geheimdienstinteressen dient, kann in der Summe nur Desinformation resultieren - es sei denn, man berücksichtigt alle Geheimdienste ausgewogen.
      15 16 Melden
    • Radiochopf 23.09.2016 13:44
      Highlight @Toerpe

      Ich hoffe, dein Wunsch nach ausgewogener Information dauert bis zum nächsten Löpfe/Bidder Russland-Bashing-Artikel an :-)
      15 7 Melden
    • roger.schmid 23.09.2016 15:50
      Highlight @Radio: die Artikel handeln einfach von Russland. Die Journalisten können nichts dafür, dass die russische Regierung soviel schlechte news produziert. Mit Bashing hat dies nichts zu tun. Wenn du dir eine ausschliesslich positive hofberichterstattung wünschst, kannst du dir ja rt reinziehen.
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