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Putin mit den angeblichen Bräuten (Screenshot aus dem Video)

Zu schön um wahr zu sein, Putin schlendert über den Roten Platz und trifft zufällig auf 7 Bräute

Volksnah posierte Wladimir Putin vor dem Kreml mit sieben strahlenden Damen im Hochzeitsoutfit für Selfies. Nun stellte sich heraus: Spontan waren die Aufnahmen nicht – und die jungen Frauen auch gar keine Bräute.

Publiziert: 14.09.16, 14:07 Aktualisiert: 14.09.16, 14:22

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Russland steuert auf die Parlamentswahl am kommenden Sonntag zu. Präsident Wladimir Putin steht zwar nicht zur Wahl, die Kreml-Partei «Einiges Russland» aber versucht trotzdem, den Urnengang als Abstimmung über den Kurs des Staatschefs zu machen. An jedem Hauseingang in der Hauptstadt Moskau hängen Plakate. «Einiges Russland ist die Partei des Präsidenten» steht darauf.

Putin darf offiziell nicht in den Wahlkampf eingreifen, kurz vor der Wahl häufen sich aber die Termine, bei denen sich der Präsident demonstrativ volksnah gibt. Das Fernsehen zeigt ihn hemdsärmelig mit hart arbeitenden Fischern auf einem See in Zentralrussland, an Putins Seite steht Dmitrij Medwedew, Premierminister und Vorsitzender der Partei «Einiges Russland».

Am vergangenen Wochenende schaute das Duo auch bei den Feierlichkeiten zum Moskauer Stadtjubiläum vorbei. Beim Gang über den Roten Platz trafen sie – ganz zufällig auf dem ansonsten strikt abgeriegelten Terrain – auf sieben junge Frauen in Brautkleidern. Sie nahmen den Staatschef in ihre Mitte und schossen Erinnerungsfotos. Putin rief ihnen «Herzlichen Glückwunsch!» und «Schönheiten!» zu.

«Wer denkt schon an den Bräutigam, wenn Putin vorbei kommt»

Die Aufnahmen wurden unter anderem von Russia Today verbreitet, dem staatlichen Auslandskanal. Das Kreml-nahe und ebenfalls englisch-sprachige Web-Portal Russia Insider (Slogan: «True News, not just Headlines!») merkte an, obwohl auch Medwedew und Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin mit Putin auf dem Roten Platz waren hätten die »drallen Schönheiten« nur Augen für den Präsidenten gehabt. Ein Korrespondent des Kreml-nahen Boulevard-Blatts Komsomolskaja Prawda kommentierte die Szene auf Twitter: «Wer denkt schon an den Bräutigam, wenn Putin vorbei kommt»

Das Fehlen der Bräutigame machte Nutzer auf sozialen Netzwerken allerdings skeptisch. Ihre Nachforschungen förderten zu Tage, dass die sieben Frauen in weiss gar keine Bräute waren – sondern Showgirls. «Das war ein Auftritt», schrieb eine von ihnen, die Moskauerin Jewgenija Konowalowa, auf Instagram. In den sozialen Netzwerken wird nun munter spekuliert, dass die Damen von der Kreml-Regie dort postiert wurden.

Die Opposition versucht, aus dem Vorfall Kapital zu schlagen. Dmitrij Gudkow, Kandidat der sozial-liberalen Jabloko-Partei kritisierte, viele einfache Russen litten unter der Wirtschaftskrise, während der Präsident schöne Fotos mache: «Aber das Volk ist echt und keine Kulisse.»

Erst der Mogel-Lada, dann die Schummel-Vase

Wladimir Putins Macho-Auftritte sorgen seit langem für Aufsehen. Die PR-Strategen des Kreml inszenieren ihn wahlweise gern als zupackenden Alleskönner, Naturburschen oder Waffenkenner. Gelegentlich gehen diese Inszenierungen aber nach hinten los. 2010 zeigte ihn das Staatsfernsehen am Steuer eines gelben Lada bei der Durchquerung Sibiriens. Im Internet tauchten aber auch andere Aufnahmen des Roadtripps auf, die Bürger mit dem Handy an der Strecke aufgenommen hatten. So stellte sich heraus: Putins gelber Lada wurde in Wahrheit von einem stattlichen Tross begleitet, den die grossen Medien nie zeigten.

Schaulustige an der Strecke zählten damals mehr als hundert Fahrzeuge, die Polizeiposten entlang der Strecke nicht eingerechnet. Sie stellten das Video ins Internet. Darauf braust erst Putins Kolonne vorbei, dann folgen – unter dem Johlen der Zuschauer – zwei gelbe Ersatz-Ladas, davon einer bereits am Haken eines Abschleppwagens.

Auch die nächste PR-Aktion brachte Putin damals mehr Spott als Applaus ein. An der Schwarzmeerküste stieg er im schwarzen Neoprenanzug in die Fluten und tauchte mit zwei Amphoren in der Hand wieder auf, angeblich aus dem 6. Jahrhundert nach Christus. Die Regierungszeitung Rossijskaja Gaseta sprach von einem «Fund historischen Ausmasses». Im Internet entlud sich dagegen der Spott vieler Russen. Sie schrieben von «Ikea-Vasen» und wunderten sich darüber, dass Putin die angeblich 1500 Jahre alten Amphoren frei von Schlamm und ohne Muschelbesatz aus dem Wasser gezogen hatte.

beb

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21 Kommentare anzeigen
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  • Ivan der Schreckliche 14.09.2016 19:11
    Highlight Was? Politiker welche sich inszenieren? Russland ist ja sowas von lächerlich!
    10 7 Melden
    600
  • mortiferus 14.09.2016 18:03
    Highlight Mein Lieblingsschambild der letzten Zeit

    https://i2.wp.com/www.krisenrat.info/Zeitprognosen/Paris_demo1.jpg
    14 2 Melden
    • Paul Schwarz 14.09.2016 19:16
      Highlight Ich habe diese Peinlichkeit schon verdrängt gehabt. Danke fürs erneute Fremdschämen, mortifus.
      10 3 Melden
    • Ursula Schüpbach 14.09.2016 20:54
      Highlight Anders konnten die sich doch gar nicht treffen. Da gibt es nichts zu schämen. Oder hättet Ihr etwa der Sicherheitsverantwortliche sein wollen bei der Sache? Es ist doch klar, dass man dann einen Ort wählt, der weiträumig abgesperrt ist und die nicht einfach alle in so einer Megademo mitgehen können. Ausser man wäre erpicht darauf gewesen, dass sie ein leichtes Ziel für Terroristen gewesen wären.
      3 4 Melden
    • Ursula Schüpbach 15.09.2016 01:49
      Highlight Und jene, die sich über dieses Bild in Paris aufregten, haben wohl nie was davon mitbekommen, was radikale Juden in Israel daraus machten. Nämlich ein Bild ohne Frauen, ganz nach dem Muster von Niqab- und Burka-Verteidigern: "Zensur

      Jüdische Zeitung retuschiert Sommaruga und Merkel weg" http://www.aargauerzeitung.ch/panorama/vermischtes/juedische-zeitung-retuschiert-sommaruga-und-merkel-weg-128732988
      2 1 Melden
    • mortiferus 15.09.2016 11:34
      Highlight Das auf dem Bild die sich vermeintlich unter die Menschen mischen sind "unsere" gewählten Führer die sich um ihre Ämter gerissen haben. Die haben zu führen, vorauszugehen und nicht sich ängstlich zu verstecken. Man treibt das Volk nicht aus den hinteren Reihen,mit der Pistole in der Hand. Die Anführer müssen die ersten sein die aus dem Schützengraben springt und der Gefahr ins Auge sehen.
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  • mortiferus 14.09.2016 17:59
    Highlight Und wo lernt man solche Inszenierungen?
    4 5 Melden
    • Mayadino 14.09.2016 19:13
      Highlight Macht es auch nicht besser, ist die gleiche blöde begründung, wie der hat zuerst geschlagen. Kindergarten niveau
      8 2 Melden
    600
  • Z&Z 14.09.2016 15:51
    Highlight Putin ist für mich eine wandelnde Unbekannte. Einerseits finde ich seine Haltung in gewissen Situation bewundernswert, andererseits macht er mir manchmal eine Heidenangst. Zusätzlich ist die Einstellung unserer Medien ihm gegenüber auch nicht unbedingt ausgeglichen und fair. Wenn mich jemand fragt, was hältst Du von ihm, meine Antwort: ?
    30 9 Melden
    • Firefly 14.09.2016 20:06
      Highlight Und, könntest du dir vorstellen, mit so jemandem mit viel ??? eine Firma zu gründen oder Verträge abzuschliessen? Kann so jemand ein verlässlicher Partner sein?
      6 4 Melden
    • Z&Z 15.09.2016 07:02
      Highlight Einfach so? Nein, könnte ich mir nicht vorstellen. Aber um ehrlich zu sein, könnte ich mir das mit nur sehr wenigen Führern von Nationen vorstellen. Aber wenn es ein wirklich gewaltiger Deal wäre, an dem viel dran hängt, wären gründlichere Recherchen klar notwendig um zu einer Entscheidung zu kommen.
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    600
  • Radiochopf 14.09.2016 14:54
    Highlight Dieser Artikel kann nur von jemand geschrieben worden sein, der noch nie auf dem roten Platz gestanden ist:

    1. der rote Platz ist nicht komplett abgeriegelt , jedenfalls nicht der Bereich von dem der Screenshot ist
    2. man sieht tagtäglich auf dem roten Platz Pärchen für Hochzeitfotos, also auch das ist nicht aussgewöhnlich

    Das es eine inszenierte Show war mit den 7 Bräuten ist auch den meisten Russen klar, aber toll wenn man daraus eine Story machen kann im Westen..
    44 18 Melden
    • joe 14.09.2016 15:21
      Highlight Ich wollte gerade das selbe schreiben. War vor zwei Jahren in Moskau auf dem Roten Platz.
      Und es waren wirklich unzählige Brautpaare vor Ort um Fotos zu machen.

      BTW: Eine sehr schöne Stadt! Umbedingt Metro fahren...! ;-)
      39 9 Melden
    • juergvollmer 14.09.2016 20:37
      Highlight Wenn Putin und Medwedew über den Roten Platz spazieren, ist der Platz hundertprozentig abgesperrt. So wie die achtspurige Twerskaja-Hauptstrasse zum Kreml in beide Richtungen komplett abgesperrt wird, wenn die Putin-Wagenkolonne einfährt.
      4 3 Melden
    600
  • Stachanowist 14.09.2016 14:52
    Highlight Putin versucht im Wahlkampf, seine grösste innenpolitische Schwäche auszubügeln: Seine mangelnde Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit. Wenn gerade kein Wahlkampf ist, ist er in Russland - von den Nachrichten abgesehen - praktisch unsichtbar. Der ominöse, intransparente Herrscher hinter den Kremlmauern.

    Dass ihm in unseren Medien gerne Personenkult nachgesagt wird, verstehe ich deshalb nicht ganz. Volksferne und weitgehende Unsichtbarkeit sollten vielmehr attestiert werden. Aber über den russischen Normalzustand zu berichten, würde wohl das landläufige Kreml-Bild nicht ausreichend bestätigen.
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    600
  • B1O 14.09.2016 14:46
    Highlight Ich freue mich schon wie ein kleines Kind auf den Kommentar von Atlantis :D
    20 4 Melden
    • Furosimo 14.09.2016 17:15
      Highlight Du auch? :D
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    600
  • Lowend 14.09.2016 14:37
    Highlight Putin betreibt einen Personenkult, dass neben ihm selbst Stalin wie ein kleines Würstchen aussieht! ;-)
    15 21 Melden
    • The Destiny 14.09.2016 16:43
      Highlight Die Frage ist; Wer hat das längere?
      xd
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    600

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