International

Presseschau: «Von heute an befindet sich die ganze Welt in einem Stresstest»

10.11.16, 08:48 10.11.16, 09:59

Einmal «durchatmen» empfiehlt ein Kommentator am Tag nach dem unerwarteten Wahlsieg Donald Trumps. Die Wahl eines politischen Unerfahrenen zum US-Präsidenten bringe zwar Ungewissheit, heisst es in vielen Zeitungen. Trump wird aber auch zugetraut, dass er überrascht.

Wohin die USA mit Trump an der Spitze steuere, wisse niemand, schreiben am Donnerstag viele Zeitungen. «Vielleicht war der Mann nur so verrückt, solange er Präsident werden wollte. Und lässt jetzt, wo er es ist, mit sich reden», schreibt «Der Bund».

«Willkommen in der Ära des enthemmten Politspektakels.»

«Le Nouvelliste»

Sicher ist für das Blatt, dass Amerika mit Trump nicht am Ende der Demokratie steht. Das US-System habe Sicherungen gegen ein Überdrehen Trumps eingebaut. Der 70-Jährige werde für die staatlichen Institutionen der USA aber zum «Stresstest», schreibt die «Berner Zeitung».

Auf die «checks and balances» verweist auch die «Neue Zürcher Zeitung». Für sie lauert die grösste Gefahr in der Aussenpolitik, wo der Präsident weitgehend autonom handeln kann. «Niemand hält ihn davon ab, das amerikanische Verteidigungsversprechen gegenüber der NATO aufzukündigen oder mit Russlands Präsident Putin anzubandeln.»

«Die Überraschung hängt mit unserer Blindheit zusammen»

«24Heures»

«Donald Trump kann nicht einfach, wie er will», schreibt das «St. Galler Tagblatt». Trumps Verhältnis zum Kongress sei kompliziert, selbst mit einem Teil seiner eigenen Partei sei er zerstritten. Zudem stünden schon in zwei Jahren wieder Parlamentswahlen an. Auch der «Blick» weist darauf hin, dass Amerika «seinen Mächtigen immer genau auf die Finger geschaut» habe.

Kein Denker, aber schlau

Trumps Urteilskraft sei besser, als viele denken, schreibt derweil die «Weltwoche». Trump sei zwar «kein Denker», aber schlau. Zudem sei er schon immer ein Pragmatiker gewesen. «Er will Amerika wieder gross machen. Als Geschäftsmann weiss er, dass man dies nicht mit Kriegen erreicht. Mal sehen.»

«Im Moment können wir nur hoffen, dass es gut kommt.»

«Nordwestschweiz»

Trump sei zwar «als Präsident ein Albtraum der Gefühle», schreibt der «Tages-Anzeiger». Doch es könne unter ihm auch «besser werden» für die Welt.

Die USA hätten der Schweiz «in einem moralisch verbrämten Wirtschaftskrieg das Bankgeheimnis abgetrotzt» - das könne unter Trump kaum schlimmer werden. Positiv könne auch sein, dass Trump die nicht immer erfolgreiche Rolle der USA als Weltpolizist überdenken will.

«Wir wissen es nicht»

Trump sei der unberechenbarste Präsident der jüngeren US-Geschichte, schreibt die «Nordwestschweiz». Im guten Fall könne er wie einst Ronald Reagan, der auch belächelt wurde, als grosser Präsident in die Geschichte eingehen. Im schlechten Fall werde er zur Katastrophe für die Welt. «Im Moment können wir nur hoffen, dass es gut kommt.»

Wenn US-Amerikaner Trump mit Reagan verglichen, gehe vergessen, dass Letzterer jahrelanger Gouverneur von Kalifornien gewesen sei, bevor er ins Weisse Haus gewählt wurde, ruft die «Luzerner Zeitung» in Erinnerung. «Trump besitzt keinen solchen Erfahrungsschatz.» Niemand wisse, was er vorhabe. Vielleicht nicht einmal er selber.

«Wird Donald Trump ein guter Präsident oder ein katastrophaler? Wir wissen es nicht. Was wir aber wissen: Die Welt wird nie mehr so sein, wie sie vor ihm war», kommentiert die «Basler Zeitung».

Das Blatt wertet seinen Wahlsieg als Schlag gegen die «Eliten» und rechnet damit, dass ähnliches auch in anderen Staaten passieren könnte - als nächstes vielleicht schon in Frankreich mit der Wahl der Populistin Marine Le Pen zur Staatspräsidentin.

Stresstest für die Welt

Trumps Sieg legitimiere die Hassrede und werde populistische Parteien auf der ganzen Welt befeuern, befürchtet «Le Nouvelliste». «Willkommen in der Ära des enthemmten Politspektakels.»

Die Wahl Trumps sei eine «Revolution», schreibt die «Tribune de Genève». «Von heute an befindet sich die ganze Welt in einem Stresstest.» Wie es ausgehe, wisse niemand.

Mehrere Zeitungskommentatoren thematisieren auch, dass Trumps Sieg für die meisten Experten und Journalisten unerwartet kam. «Die Überraschung hängt mit unserer Blindheit zusammen», schreibt «24Heures».

Die Medien hätten nicht bemerkt, wie Trump einen Teil des Volkes angesprochen habe, der sich unverstanden fühle, fügte «La Liberté» an. Für «Le Temps» hängt dies damit zusammen, dass Journalisten sich zu wenig mit solchen Schichten beschäftigen. (whr/sda)

Holy Shit, Trump ist US-Präsident

Liebe Frauen, es ist scheisse. Packen wir's an!

Alles war nur fake! Jetzt wird die «Trumpman-Show» aufgelöst

Tweets voller «Tragik» – so jammern US-Promis über das Wahlergebnis

Trumps Sieg ist das Ende des Neoliberalismus – was dies für uns bedeutet

Hol dir die catson-App!

Die flauschigste App der Welt! 10 von 10 Katzen empfehlen sie ihren Menschen weiter.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
3 Kommentare anzeigen
3
Um mit zudiskutieren oder Bilder und Youtube-Videos zu posten, musst du eingeloggt sein.
Youtube-Videos und Links einfach ins Textfeld kopieren.
600
  • Alex_Steiner 10.11.2016 10:26
    Highlight Weltwoche gefällt mir am besten.
    "Wann der Pazifist töten muss" Bild von Trump.
    1 1 Melden
    600
  • Trader 10.11.2016 10:24
    Highlight "Die Welt wird nie mehr so sein, wie sie vor ihm war" schreibt die Basler Zeitung.
    Welch eine Erkenntnis - diese Journalisten leben noch im Mittelalter! Heutzutage dreht sich Welt, täglich gibt es immense Veränderungen und ein Präsidentenwechsel - selbst in den USA - wird nicht die Welt aus ihren Angeln heben. Erstaunlich wie alles aufgebauscht wird, man tut so als wüsste man, was in Zukunft passieren wird, bevor dieser Präsident im Amt ist. Warten wir's mal ab!
    7 2 Melden
    600
  • ljc 10.11.2016 10:19
    Highlight " Im guten Fall könne Trump, wie Ronald Reagan[...], als grosser Präsident in die Geschichte eingehen. "
    Im guten Fall? Wükli jetzt? Ronald Reagan?
    3 0 Melden
    600

«Habe niemanden bestohlen» – Schweizer Fluchthelferin holt zum Rundumschlag aus

Lisa Bosia Mirra half im September 2016 Flüchtlingen, in die Schweiz einzureisen. Seither blieb es still um die Tessiner SP-Grossrätin. Nachdem sie zu einer bedingten Geldstrafe und einer Busse verurteilt wurde, verteidigt sie sich nun zum ersten Mal öffentlich. Sie bereut ihre Taten nicht.

Als Lisa Bosia Mirra im September 2016 verhaftet wurde, ging ein kleiner Aufschrei durch die Schweiz. Die Tessiner SP-Grossrätin wurde dabei erwischt, wie sie Flüchtlinge vom italienischen Como mit dem Auto über die Schweizer Grenze bringen wollte. Von vielen Seiten wurde Bosia Mirra für ihren Mut gelobt, von anderen als kriminelle Schlepperin verschrien. Bosia Mirra selbst schwieg und sass die Schlagzeilen aus. 

Mitte April wurde sie zu einer bedingten Geldstrafe von 80 Tagessätzen und …

Artikel lesen