International

Star-Trainer Guardiola ruft Katalanen zum Ungehorsam auf

12.06.17, 06:59 12.10.17, 11:45

In Barcelona haben am Sonntag zehntausende Katalanen für die geplante Abhaltung eines Referendums über die Unabhängigkeit von Spanien demonstriert. Nach Angaben von Regionalpräsident Carles Puidgemont nahmen 47'000 Menschen an der Kundgebung teil, nach Auskunft der Stadtverwaltung 30'000.

Zehntausende demonstrieren für die Unabhängigkeit Kataloniens Bild: EPA/EFE

Fussball-Star-Trainer Pep Guardiola sagte in einer Ansprache auf Katalanisch, Spanisch und Englisch zu den Anhängern der Unabhängigkeit: «Wir werden am 1. Oktober über unsere Zukunft abstimmen, auch wenn der spanische Staat das nicht möchte», sagte der Trainer von Manchester City und ergänzte: «Es gibt keinen anderen Weg.» 

Puidgemont hatte das Referendum bereits am Freitag für den 1. Oktober angekündigt. Die Fragestellung soll lauten: «Möchten Sie, dass Katalonien ein unabhängiger Staat im Form einer Republik sein soll?» Die spanische Zentralregierung des konservativen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy ist gegen ein solches Referendum, hat aber noch nicht mitgeteilt, wie sie es verhindern will. Das Verfassungsgericht in Madrid erklärte ein Unabhängigkeits-Referendum für unzulässig.

Der ehemalige katalanische Regionalpräsident Arturo Mas wurde im März des zivilen Ungehorsams schuldig befunden, weil er im Jahr 2014 eine nicht genehmigte und nicht bindende Volksabstimmung über die Unabhängigkeit von Spanien hatte abhalten lassen. An der Abstimmung beteiligten sich 2.3 Millionen der 6.3 Millionen Stimmberechtigten. Mehr als 80 Prozent der Teilnehmer stimmten für die Unabhängigkeit.

Mas darf laut dem Urteil des Berufungsgerichts in Barcelona zwei Jahre lang keine öffentlichen Ämter ausüben.

Guardiola gegen «autoritären Staat» Spanien

Star-Trainer Guardiola während der Kundgebung in Barcelona am Sonntag. Bild: Emilio Morenatti/AP/KEYSTONE

Guardiola, ehemaliger Trainer des FC Barcelona und des FC Bayern München, forderte vor den Kundgebungsteilnehmern am Sonntag Unterstützung für Katalonien gegen den «autoritären Staat» Spanien. Die Demokratie sei in Spanien bedroht, rief er unter lautem Jubel. Puigdemont hatte bereits in seiner Neujahrsansprache für 2017 ein rechtlich bindendes Unabhängigkeitsreferendum für die wirtschaftsstarke Region in Aussicht gestellt.

Katalonien ist eine wohlhabende Region mit einer eigenen Sprache und eigenen kulturellen Gepflogenheiten. Die in den 1970er Jahren zugestandenen Autonomierechte gehen vielen Katalanen nicht weit genug. Für Unmut sorgt, dass Teile der Wirtschaftskraft Kataloniens genutzt werden, um ärmere Regionen Spaniens zu unterstützen.

Zur Verhinderung des für Oktober angekündigten Volksentscheids könnte die Zentralregierung in Madrid erneut das Verfassungsgericht einschalten. Dieses könnte Puigdemont wegen «Ungehorsams» suspendieren oder vorübergehend sogar die Kontrolle über die Regionalregierung übernehmen. (meg/sda/afp)

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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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  • Juliet Bravo 12.06.2017 20:44
    Highlight Es wird Zeit, endlich eine Republik zu werden! Und das in ganz Spanien.
    0 1 Melden
  • dä dingsbums 12.06.2017 13:35
    Highlight "autoritäres Spanien". Haha. Pep soll mal seine Eltern fragen wie es unter Franco war.

    Als ob es in Katalonien nicht Wohnungsnot, Korruption, Arbeitslosigkeit und andere Probleme gäbe.

    Überall finanzieren reichere Regionen in einem Staat die ärmeren Regionen. In einem unabhängigen Katalonien wird das reiche Barcelona das nicht so reiche Lleida finanzieren.

    Lasst sie doch abstimmen und die Konsequenzen tragen. Unabhängigkeit, Selbstverantwortung, kein Geld mehr für Madrid aber auch raus aus dem Euro, der EU, Schengen, eigene Armee, eigene Fusballiga, . usw.

    6 5 Melden
    • elalbi 12.06.2017 14:36
      Highlight ¡Olé!
      2 1 Melden
  • DerTaran 12.06.2017 10:57
    Highlight Dann spielt also Barcelona demnächst in der ersten Division Kataloniens? Und Tschüss Championsleague
    15 8 Melden
    • dä dingsbums 12.06.2017 20:40
      Highlight Die würden ständig Meister werden und sich qualifizieren. Zumindest vorerst. Irgendwann würden die niedrigen Einnahmen aus einer kleinen Liga Auswirkungen auf das Kader haben, denke ich.

      Aber wenn man bei einer allfälligen Abstimmung primär an das Wohl vom FC Barcelona denkt, hat man falsche Prioritäten im Leben :-)
      1 1 Melden
  • die 200 12.06.2017 09:00
    Highlight Gerade wenn Pep sich dazu in der Öffentlichkeit spricht stellt sich mir die Frage, was denn bei einer Abspaltung mit dem FC Barcelona passiert... Glaube nicht, dass die in der Spanischen Liga weiterspielen dürften. Nicht dass dies die dringlichste Frage wäre, aber für die Region wahrscheinlich nicht unerheblich...
    31 5 Melden
    • Luca Brasi 12.06.2017 13:16
      Highlight Und was wird aus ESPANYOL Barcelona? ;)
      6 1 Melden
  • elalbi 12.06.2017 08:26
    Highlight Katalonien soll endlich aufhören den Rest der spanischen Bevölkerung zu erpressen. Es darf nicht vergessen werden, dass laut letzten Umfragen nur 47% der Katalanen die Unabhängigkeit wollen. Die grosse Gefahr besteht darin, dass sich die bis jetzt schweigende Mehrheit durch die ständigen Provokationen der Kragen platzt u. sich wehrt.
    10 26 Melden
    • Jaing 12.06.2017 12:07
      Highlight Dann lasst sie doch abstimmen. Dann hat man Klarheit.
      14 1 Melden
    • elalbi 12.06.2017 12:37
      Highlight Nur wenn ganz Spanien teilnehmen darf. Katalonien hat als Land nie existiert, sondern war ein Teil von Aragon. Dieses Königreich, sie nennen es katalanische Lander,wollen sie zurückerobern, will heissen, dass Katalonien nie aufhören wird den Rest Spaniens zu erpressen.
      Bitte seht euch die Landkarte auf Wikipedia.cat an u. somit ihre Gebietsansprüche.
      https://ca.wikipedia.org/wiki/Pa%C3%AFsos_Catalans
      2 4 Melden
  • Gelöschter Benutzer 12.06.2017 08:16
    Highlight wünsche und hoffe für spanien UND katalonien, dass es nicht ausartet wie bei den basken und der eta.
    15 0 Melden
    • elalbi 12.06.2017 13:23
      Highlight Nicht wie die Basken u. Eta. Sondern es besteht die Gefahr der Balkanisierung, wobei Katalonien als Serbien auftritt. Katalonien war (zum Unterschied zu Serbien) nie ein eigenes Land, sondern ein Teil des Königreichs Aragón. Dieses Aragón (sie nennen es "Paissos Catalans") wollen sie zurückerobern (Andorra, Teil v. Südfrankreich, Balearen, Castellón, Valencia, Alicante, Teil v. Murcia usw.)
      3 5 Melden

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Wie geht es weiter in Katalonien? Nach dem Unabhängigkeitsreferendum sind die Fronten auf allen Seiten verhärtet. Wie es soweit kommen konnte, zeigt der Blick in die Vergangenheit. 

Es heisst, der Streit zwischen Katalonien und der spanischen Zentralregierung, sei vor allem finanzieller Natur. Die Katalanen wollten frei sein, weil sie alleine finanziell besser dastehen würden. Auch heisst es, bei dem Streit gehe es um eine alte Rivalität zwischen Spaniens grössten Städten Barcelona und Madrid. In Wahrheit sitzt der Konflikt aber viel tiefer. Kataloniens Zerwürfnis mit der Zentralregierung von Spanien ist über 300 Jahre alt. 

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