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Auch in Katalonien sind sich viele nicht einig: Braucht es die Unabhängigkeit oder wäre das der wirtschaftliche Untergang der Region? Bild: AP/AP

«Wir sind einfach zu verschieden» – so stehen Schweiz-Katalanen zur Abspaltung

Das umstrittene Referendum für ein unabhängiges Katalonien haben die Separatisten vor rund eineinhalb Wochen für sich entscheiden können. Doch nicht alle sind für die Abspaltung von Spanien. Schweiz-Katalanen im Pro und Contra.

11.10.17, 19:14 12.10.17, 11:38

Pro – «Spanien lässt uns nicht einmal Stierkämpfe verbieten.»

Francesc, 30, wohnt in Zürich, ist aber ursprünglich aus Barcelona. Er hat für die Unabhängigkeit Kataloniens gestimmt – per Post.

bild: zvg

«Wir Katalanen sind von der Zentralregierung jahrzehntelang schlecht behandelt worden. Franco hat uns gar verboten, unsere Sprache zu sprechen, katalanische Namen wurden abgeändert. Noch heute hat die katalanische Sprache einen schweren Stand und wird von der Zentralregierung immer wieder angegriffen. Auch politisch werden wir eingeschränkt. 2012 hat Katalonien beispielsweise entschieden, Stierkämpfe zu verbieten. Das wurde dann 2016 vom Verfassungsgericht für verfassungswidrig und ungültig erklärt!

Ich bin es satt, meine Kultur, meine Sprache und unsere Entscheidungen immerzu verteidigen zu müssen – deshalb halte ich eine Abspaltung für nötig. Jeder, der in einer ähnlichen Situation ist, wird das nachvollziehen können. Katalonien ist die ökonomisch stärkste Region Spaniens, auch finanziell gesehen würde es uns besser gehen, wenn wir unabhängig wären. Es kann schon sein, dass einige Unternehmen Katalonien im Falle der Unabhängigkeit verlassen würden oder das bereits tun. Aber in Spanien gibt es schon heute so viele sogenannte Working Poor. In Spanien zu bleiben, ist keine Garantie dafür, dass es uns irgendwann besser geht. Ausserdem: Ich ziehe ein dynamisches Land, das sich gut um seine Bürger kümmert, einem Land vor, das nur in Spanien bleibt, damit die Unternehmen nicht weggehen. 

Fakt ist: Die Beziehung zwischen Katalonien und Spanien funktioniert einfach nicht – wir sind zu verschieden. Ich verstehe nicht, warum wir nicht über eine Abspaltung entscheiden dürfen. Abstimmen zu können, ist doch ein Grundrecht. Es sollte nicht die Regierung darüber entscheiden dürfen, ob ein Referendum stattfindet oder nicht. Deshalb bin ich auch stolz, dass die Katalanen raus auf die Strasse sind, um sich für ihr Recht auf Abstimmung einzusetzen.

Ich verstehe, dass das Referendum vom 1. Oktober als rechtswidrig angesehen werden kann. Deshalb ist nun ein richtiges Referendum nötig, eines, das von der Zentralregierung unterstützt wird!» 

Contra – «Katalonien ist zu klein, um zu überleben.»

Deborah ist 24 Jahre alt und wohnte bis vor einem Jahr in Barcelona. Heute wohnt und arbeitet sie in der Schweiz. Sie ist gegen die Unabhängigkeit Kataloniens.

bild: zvg

Eine Abspaltung Kataloniens wäre in meinen Augen eine Katastrophe und die Unabhängigkeit wäre der wirtschaftliche Untergang für die Region. Katalonien ist so klein, es könnte als Land gar nicht überleben. Vor allem weil die EU bereits angekündigt hat, abtrünnige Länder nicht aufzunehmen. Und gegen die Aufnahme in die EU muss nur ein einziges Land stimmen – was Spanien ziemlich sicher tun würde.

Ohne Hilfe der EU wird es fast unmöglich. England hat jetzt schon Probleme, ich will mir gar nicht vorstellen, wie es in Katalonien ohne die EU aussehen würde. Viele Firmen haben ihren Standort bereits gewechselt und ihren Sitz nicht mehr in Katalonien. Das bedeutet einen milliardenhohen Steuerverlust für Katalonien. Auch kostet es viele Arbeitsplätze kosten. Wenn die Unabhängigkeit offiziell wird, würde die Arbeitslosenquote rasant ansteigen, weil weitere Firmen aus Katalonien wegziehen werden. Zudem würden auch Touristen abgeschreckt, wenn sich Katalonien zu einem eigenständigen Land erklärte. 

In meiner Familie sind zum Glück alle gleicher Meinung. In meinem Freundeskreis hingegen scheiden sich die Geister. Meine beste Freundin ist beispielsweise eine Verfechterin der Abspaltung. Ich war an der autonomen Uni in Barcelona, wo viele sehr starke Verfechter der Unabhängigkeit studieren. Da könnte schon der eine oder andere Streit im Freundeskreis ausbrechen.

An Harmonie ist wohl in nächster Zeit nicht zu denken. Die Unzufriedenheit der Katalanen brodelte schon so lange. Spanien befindet sich erst in der Anfangsphase, das Kräfteringen der beiden Streitparteien wird meiner Meinung nach noch lange andauern. Ich glaube aber, dass sich nicht viel verändern wird und alles beim Alten bleibt.

Katalonien erklärt Unabhängigkeit - und setzt sie aus

49s

Katalonien erklärt Unabhängigkeit - und setzt sie aus

Video: srf

Katalonien in Aufruhr

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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  • elalbi 13.10.2017 11:40
    Highlight Können Sie ihre Kultur u. Sprache auch auf Katalanisch verteidigen?
    1 3 Melden
  • Gelöschter Benutzer 13.10.2017 07:07
    Highlight Ein Armenhaus spaltet sich vom anderen Armenhaus ab.... Was für eine spannende Story...
    1 5 Melden
  • elalbi 12.10.2017 13:46
    Highlight Hr. Francesc, sprechen u. schreiben Sie Katalanisch?
    2 11 Melden
  • Upsi 12.10.2017 08:26
    Highlight Unter Franco wurde in Spanien nicht nur Katalonien unterdrückt und wie überall gab es auch in Katalonien Kollaborateure (u.a. Samaranch i Torrelló > Olympische Spiele Barcelona 1992). Es ist m.E. respektlos gegenüber allen anderen sich als einzige Opfer der Diktatur hinzustellen. Kulterell und Politisch wurde Katalonien während der Diktatur unterdrückt (wie auch andere Regionen), wirtschaflich und in Sachen Infrastruktur wurde die Region vergleichsweise aber gefördert (u.a. Seat-Fabrik, Petrochemie um Tarragona, Turismus).
    19 7 Melden
    • elalbi 12.10.2017 10:22
      Highlight Die letzte Bastion gegen Franco war Valencia, nicht Katalonien. Die 1933 frei gewählte Republik inhaftierte 1934 L. Companys der die Katalanische Republik ausrief.
      Na Albert Rabaça i Montblanc
      10 1 Melden
  • Chesus80 12.10.2017 07:09
    Highlight Lieber Francesc. Du lebst und arbeitest in dem Land welches 4 Landessprachen und verschiedenste Regionen erfolgreich und friedlich vereint. Das kriegt ihr doch auch hin👍
    42 8 Melden
    • Blaugrana 12.10.2017 08:38
      Highlight Chesus80: Dafür bräuchte es eine Verfassungsänderung hin zu einer Föderation wie es die Schweiz ist. Die Teilautonomie gewisser Gebiete in Spanien kommt nicht annähernd an die Eigenständigkeit eines Schweizer Kantons ran. Entsprechend würde ich ein 'Schweizer Modell' auch für Spanien als eine prüfenswerte Lösung sehen, aber dafür müsste Madrid viel Macht und Einfluss abgeben. Und da sehe ich das Problem...
      22 4 Melden
    • mr-marple 12.10.2017 08:44
      Highlight Aber das klappt hier auch nur weil wir hier in der Schweiz einen echten Föderalismus haben.
      22 1 Melden
    • FrancoL 12.10.2017 19:49
      Highlight @Blaugrana: Ich lese immer "müsste Madrid" ist das eine Volksmehrheit oder haben die Spanier eine Diktatur? Was ist da in Spanien los, dass man ständig die Regierung ins Spiel bringt als gäbe es das Volk nicht. Der PP und die SP stellen sich quer und das mit den Wählern im Rücken, das ist nun mal Demokratie. Spanien hat alle Mittel um zB die Verfassung zu ändern, das Volk muss es wollen. Als man Aenderungen der Verfassung brauchte um der EU beizutreten ging es auch das Ändern der Verfassung. Solange die Rechtsstaatlichkeit gewahrt bleibt kann das Volk mit Mehrheit die Verfassung ändern.
      2 2 Melden
    • Blaugrana 13.10.2017 07:24
      Highlight @FrancoL: ich bestreite ja keineswegs dass die Verfassung geändert werden müsste um eine legale Trennung von Katalonien herbeizuführen. Ich verstehe auch dass das Resultat des Referendums zur Unabhängigkeit kein Recht auf die Sezession erwirkt hat. Um den Konflikt zu lösen muss der spanische Staat (und da sage ich oft einfachhalber "Madrid") jedoch umfangreiche Veränderungen anstossen und zulassen - und dies muss von den politischen Parteien ausgehen. Spanien kennt z.B. kein Verfassungsreferendum das vom Volk direkt initiiert werden kann.
      2 0 Melden
    • FrancoL 13.10.2017 12:37
      Highlight @Blaugrana: Das mit dem Anstossen des Referendums ist klar, das ist aber in der parlamentarischen Monarchie häufig der Fall. Die Parteien müssten sich bewegen und das wiederum könnte die Forderung der Wählerschaft sein.
      Das Problem ist aber auch die Rechtsstaatlichkeit, dh man kann nicht einfach alles in der Verfassung abändern, vor allem nicht wenn es die Rechtsstaatlichkeit tangiert, denn diese soll ja jedem BürgerIn eine unumstössliche Sicherheit gaben. Eine Abspaltung kann nun gerade diese Rechtsstaatlichkeit tangieren und darum kann auch nicht zB mit dem Völkerrecht operiert werden.
      1 0 Melden
  • trollo 12.10.2017 06:45
    Highlight Als die Schotten die Sezessionsfrage stellten, hat die EU vorweg den Verbleib in der EU in Aussicht gestellt.
    Bei Katalonien war es gerade umgekehrt.
    Man merke: wenn man den ungeliebten Briten eins auswischen kann, setzen sich EU Führer über Prinzipien hinweg.
    28 20 Melden
    • mr-marple 12.10.2017 08:49
      Highlight Nein, Schottland müsste eine EU Mitgliedschaft beantragen.
      15 6 Melden
  • Blaugrana 12.10.2017 05:20
    Highlight Wieso sollte ein katalanischer Staat wirtschaftlich nicht überlebensfähig sein? Das GDP von Katalonien ist höher als das von Irland oder Portugal, ganz zu schweigen von den östlichen Mitgliedsländern. Ich denke dass die spanische Zentralregierung sich durchaus bewusst ist dass der wirtschaftliche Schaden für den Rest von Spanien mittelfristig wohl massiv grösser wäre als für Katalonien. Madrid als wirtschaftsstarke Region müsste weit mehr bluten für die schwächeren Regionen im Süden als bisher.
    https://www.theguardian.com/world/2017/oct/02/catalonia-important-spain-economy-greater-role-size
    29 14 Melden
    • Upsi 12.10.2017 07:18
      Highlight Richtig, dieser GDP wird aber vorwiegend mit dem Handel mit Rest-Spanien erwirtschaftet. Was passiert wenn Spanien als Absatzmarkt ausfällt (Importzölle, Boykott, usw.)?
      23 5 Melden
    • Blaugrana 12.10.2017 08:26
      Highlight Der Handel wird ja wohl nicht eingestellt, denn damit schadet sich Spanien ja auch. Importzölle etc. wären natürlich (wie allgemein eigentlich) zu vermeiden, sie sind nicht effizient.
      Die Schweiz ist ja ein gutes Beispiel dafür wie der Handel mit grösseren Nachbarn vorteilhaft gestaltet werden kann, und zwar für beide Seiten. Deutschland ist unser grösster Absatzmarkt, danach der Rest der EU - und wir sind ja auch kein Mitglied. Das wäre mit Katalonien doch auch möglich? Politischer Wille allenthalben vorausgesetzt natürlich, und daran könnte es durchaus scheitern...
      9 11 Melden
    • who cares? 12.10.2017 08:31
      Highlight Weil man sich nicht einfach so abspalten kann und meinen es würde so weitergehen wie bis her. Im Falle einer Unabhängigkeit besitzt Katalanien keinerlei Freihandelsverträge, EU-Mitgliedschaft etc. Den Weg in die EU werden Spanien und andere Länder, die Unabhängigkeitsbewegungen haben schwer machen. Sie werden eine eigene Währung einzuführen haben, die wahrscheinlich einen sehr schwachen Stand haben wird bei der gesamten Ungewissheit. Bis sich Katalonien wieder stabil positioniert hat, wird es Jahre dauern. Zu lange für die Wirtschaft.
      12 6 Melden
  • Senji 11.10.2017 23:28
    Highlight Der Typ ist offensichtlich zu lange von zu Hause weg. Zwei Fakten die gerne üperprüft werden dürfen: in Katalonien wird seit 10 Jahren in allen öffentlichen Schulen katalanisch gelehrt. Spanisch ist erste Fremdsprache. Wer das anders will, muss an eine Privatschule. Stierkämpfe gibt es in Katalonien wenn überhaupt dann schon lange kaum mehr. Im Gegenteil gibt es eine Bewegung die sich für ein Wiederbeleben dieser "Tradition" einsetzt. Womit also hat er genau ein Problem?
    44 16 Melden
    • Crissy 12.10.2017 00:29
      Highlight Exakt ! Wenn alles soooo toll ist in Katalonien, warum geht man in die Schweiz??In den Schulen wird kaum Spanisch unterrichtet und viele Katalanen können überhaupt kein Spanisch sprechen. Für Jugendliche ist da die berufliche Zukunft sehr beschränkt- nur in Katalonien, denn außerhalb Kataloniens beispielsweise im restlichen Spanien bekommt man ohne Spanisch zu können keinen Job. Jugendarbeitslosigkeit von über 35% und da es keine klassische Berufsausbildung gibt, bei der man einen Beruf RICHTIG von der Pike auf erlernen kann - wird sich auf dem Gebiet auch nicht viel ändern.Viele Baustellen!
      18 10 Melden
    • Blaugrana 12.10.2017 05:30
      Highlight Spanisch (castellano) ist die einzige offizielle Sprache in Spanien. Katalanisch, Baskisch, Galizisch sind lediglich regional anerkannte "Co-Sprachen". Ich möchte ja den Sturm der Entrüstung sehen wenn Bundesbern Italienisch zur "regionalen Co-Sprache" runterstufen würde.
      Der spanische Zentralstaat greift immer wieder direkt und massiv in das gesellschaftliche und kulturelle Leben in Katalonien ein. Das absolut stumpfsinnige Kassieren des Stierkampf-Verbotes durch das Verfassungsgericht ist dabei nur ein Beispiel wie Madrid seine Muskeln spielen lässt um zu beweisen wer Scheff ist im Haus.
      25 14 Melden
    • Senji 12.10.2017 07:35
      Highlight @Blaugrana: was sie hier schreiben ist leider falsch. In den Gebieten mit Autonomieststatut sind die regionalen Sprachen dem Kastillisch offiziell gleichgestellt. Es wird überall katalanisch gelehrt und Stierkämpfe gibt es trotzdem keine. Und das sollen nun Gründe sein, warum das Leben da "unter Spanien" dermassen nicht lebenswert ist? Come on...!
      22 5 Melden
    • Blaugrana 12.10.2017 08:34
      Highlight @Senji: richtig, die regionalen Sprachen sind lediglich regional gleich gestellt.
      Geh mal mit einem in Baskisch verfassten Dokument nach Madrid und schau was damit passiert. Wenn ich in der Schweiz ein französisches Dokument an eine Amtsstelle schicke dann wird das ohne wenn und aber akzeptiert. Das ist der Unterschied.
      Stierkampf spielt in Katalonien kulturell keine Rolle. Das Verbot wird in Madrid jedoch als Affront gegen die spanische Kultur gesehen, deswegen hat man das regionale Gesetz kassiert. Für mich ist das ein gutes Beispiel für den von Madrid ausgehenden Kulturimperialismus
      9 7 Melden
    • Senji 12.10.2017 09:40
      Highlight @Blaugrana: ich meinte nicht, dass nicht mehr gemacht werden könnte oder dass alles perfekt sei. Ich meinte, dass wenn ich mir anschaue, inwiefern die Katalanen heute in ihrem Leben von der Zentralregierung tätsächlich eingeschrenkt werden, dann erscheint mir diese Unabhängikeitsbewegung - gelinde gesagt - als starke Überreaktion.

      Leider ist es sehr selten schwarz-weiss. Ein Beispiel: Franco hat die Wirtschaft um Barcelona massiv gefördert um nicht zu schreiben da angesiedelt, wovon die Region heute noch profitiert. Den wichtigen Flughafen bezahlt die Zentralregierung noch heute
      9 4 Melden
    • Upsi 12.10.2017 10:30
      Highlight @Blaugrana: Und dass in einigen katalanischen Fernsehserien, Spanisch lediglich von Prostituierten, Verbrechern und Obdachlose gesprochen wird nennen Sie Kulturförderung?
      9 0 Melden
    • Boniek 12.10.2017 11:04
      Highlight @ Blaugrana: In der Schweiz gibt es kantonale Amtssprachen. Bspw. werden Eingaben in französischer, italienischer oder romanischer Sprache von einem Gericht in einem rein deutschsprachigen Kanton nicht akzeptiert.
      14 1 Melden
    • Blaugrana 12.10.2017 12:22
      Highlight Senji: grundsätzlich einverstanden, die Einschränkungen sind objektiv gesehen nicht ausreichend um aus ihnen ein Recht auf eine Sezession ableiten zu können. Die Spannungen zwischen Madrid und Katalonien bestehen aber seit Generationen, leider kulminieren sie sich nun in der aktuellen Krise.
      Katalonien war die erste Region in Spanien die industrialisiert wurde, lange vor dem Franco - Regime. Der hat einfach darauf aufgebaut.
      Der Flughafen generiert Profit, der z.T. von der Zentralregierung abgeschöpft und anderswo verwendet wird. Ist also genau so ein Fall der den Katalanen sauer aufstösst.
      3 0 Melden
    • Blaugrana 12.10.2017 12:25
      Highlight Upsi: Ich habe nie behauptet dass die katalanische Seite vollkommen rein von Schuld ist. Allerdings muss ich sagen, dass mir Deine Beobachtung selber nie aufgefallen ist - damit sage ich aber nicht dass Du nicht richtig liegst
      Boniek: Jede kantonale Amtssprache ist aber schweizweit ebenfalls Amtssprache. Das ist in Spanien nun mal nicht der Fall, und darum geht es in dem Argument.
      5 4 Melden
  • Chrigi-B 11.10.2017 22:30
    Highlight Der Typ ist etwa so wie die Türken, selche den Erdowahn zum Grossmufti ernannt haben 😩🤔
    26 31 Melden
    • Galizier/Berner 12.10.2017 16:04
      Highlight Also 31.7% sämtlicher mittel des Finanzausgleichsfond „FLA“ geht nach Katalonien. Meine Mutter lebt in einer Autonomie, die einzahlt und nicht kassiert. Weil ja, hier werden einige staunen, es gibt Geld in Spanien ausserhalb von Katalonien. Katalonien ist am Finanzmarkt out und könnte sich faktisch nur zu Zinsen wie Griechenland finanzieren. Daran sind wohl ausschliesslich auch nur die restl. Spanier Schuld. Sorry etwas Selbstkritik wäre hier angebracht. Auch Kat. hat Fehler. Dieses baden in der Opferrolle ist einfach nur noch mühsam. Weit und breit keine Selbstkritik. Leider 😒
      3 1 Melden
  • exeswiss 11.10.2017 21:39
    Highlight "Ich ziehe ein dynamisches Land, das sich gut um seine Bürger kümmert, einem Land vor, das nur in Spanien bleibt, damit die Unternehmen nicht weggehen. "

    sagt ein katalane der in der schweiz lebt... den kümmert es nicht die bohne was die ökonomischen konsequenzen sein werden.
    70 19 Melden
    • seventhinkingsteps 11.10.2017 23:16
      Highlight Genau so kannst du dich fragen wieso die Gegnerin der Abspaltung nicht dort lebt...
      36 4 Melden
    • exeswiss 12.10.2017 02:32
      Highlight @seventhinkingsteps natürlich. ich finde es sowieso immer ein witz, wenn man im ausland ansässige über ihre meinung zu solchen vorgängen befragt. ich habe den befürworter kritisiert, da er in seiner meinung vollkommen auf "hirn abstellen, herz anmachen" macht.
      17 9 Melden
    • elalbi 12.10.2017 10:48
      Highlight Ok. Ich bin Katalane, geboren in der CH, da meine Eltern vor Franco flüchten mussten. 1992 kehrte ich mit 28 J. zurück in meine Heimat u. erlebe nun genau diesen Faschismus den mir meine Eltern beschrieben, nur diesmal unterdrücken die damals Unterdrückten.
      10 1 Melden
    • seventhinkingsteps 13.10.2017 23:41
      Highlight @elalbi

      Naja, es sind nicht die Separatisten, die Urnen beschlagnahmen lassen und es sind auch nicht Separatisten, die politische Gegner bedrohen und Autoreifen zerstechen...
      0 0 Melden
  • Biggie Smalls 11.10.2017 21:28
    Highlight „Katalonien ist die ökonomisch stärkste Region Spaniens, auch finanziell gesehen würde es uns besser gehen, wenn wir unabhängig wären.“

    sagt schon alles über die eigentlichen beweggründe...
    38 16 Melden
    • FrancoL 11.10.2017 23:17
      Highlight Und erst noch eine eher falsche Annahme, es könnte finanziell ein böses Erwachen werden.
      24 5 Melden
  • Stachanowist 11.10.2017 19:46
    Highlight Hier ein interessantes Interview mit einem Völkerrechtler zum Thema.

    http://www.sueddeutsche.de/politik/voelkerrechtler-zu-katalonien-es-gibt-kein-freies-recht-zur-sezession-1.3696857
    23 5 Melden
    • Stachanowist 11.10.2017 19:57
      Highlight Zwei Kernsätze daraus für die Lesefaulen ;)

      "[D]em Selbstbestimmungsrecht der Völker steht immer das Recht eines Staates gegenüber, seine territoriale Integrität zu wahren. Das Völkerrecht sieht vor, dass es einen Ausgleich zwischen beidem gibt. Es gibt kein freies Recht zur Sezession, nur weil man es so möchte."

      "Selbstbestimmungsrecht heißt nicht, dass der Wille eines Volkes entscheidet. Unsere westlichen Demokratien beruhen gleichberechtigt auf Demokratie plus Rechtsstaatlichkeit. Demokratische Legitimierung kann sich nicht über Gesetze und Verfassung hinwegsetzen."
      34 6 Melden
    • FrancoL 11.10.2017 20:54
      Highlight Danke, dieser Artikel zeigt ausgewogen, dass eine Verfassung nicht ein Brotaufstrich ist und, dass eine Sezession klar ultimo Ratio ist.
      33 5 Melden
  • who cares? 11.10.2017 19:43
    Highlight Über Verteidigung der Kultur und Sprache lässt es sich gut reden aus dem sicheren Hafen in der Schweiz. Dass die Unabhängigkeit Katalonien in eine wirtschaftliche Krise stürzt, betrifft einem dann weniger. Und sind wir ehrlich, ohne die EU oder zumindest der Bereitschaft der EU Katalonien zu unterstützen, wird "von der ökonomisch stärksten Region Spaniens" leider nicht mehr viel übrig bleiben.
    55 10 Melden
  • FrancoL 11.10.2017 19:38
    Highlight Francesc schreibt am Schluss:

    Ich verstehe, dass das Referendum vom 1. Oktober als rechtswidrig angesehen werden kann. Deshalb ist nun ein richtiges Referendum nötig, eines, das von der Zentralregierung unterstützt wird!

    Die spanische Regierung kann ob sie nun will oder nicht, nicht die Verfassung abändern.
    Sie kann ein Referendum mit der Abänderung der Verfassung im Bereich der Bindung der Regionen starten, doch dieses Referendum ist dann klar national, über dieses Referendum stimmen dann alle Spanier ab.
    40 10 Melden
    • Luzi Fair 11.10.2017 20:07
      Highlight Falls es dazu kommen sollte, könnte sich auch das Baskenland von Madrid lossagen. Das übrig gebliebene Spanien würde weiter auseinander fallen. Der Startschuss für ein Europa der Regionen.
      19 4 Melden
    • _mc 11.10.2017 22:49
      Highlight nur sind die privilegierte basken im vergleich genügend in der komfortzone als dass sie sich abspalten müssten. gleiche spiesse wären doch immerhin etwas....
      11 1 Melden
    • FrancoL 11.10.2017 22:50
      Highlight @Luzi Fair; Das wäre eine Möglichkeit, dann würde es allerdings kritisch mit den ärmeren Regionen, die in einer Uebergangsphase noch ärmer werden würden. Die Rechnung würden aber wieder die reicheren Regionen bezahlen, wie das im Finanzausgleich bei uns ist, oder in der Stützung des Südens in Italien oder die Abgaben die die Katalanen leisten müssen. Die EU würde diesen Ausgleich nicht viel anders ansetzen, also bliebe es "Geld technisch" beim alten nur mit vielen kleinen Ländern. Ob das wünschenswert wäre? und ob das Bestand hätte in einer globalisierten Wirtschaft wage ich zu bezweifeln.
      9 1 Melden
  • DerTaran 11.10.2017 19:34
    Highlight Hört bitte auf die Wahl als eindeutiges Votum zu bezeichnen. Unter den Umständen kann sie niemals bindent sein. Gewählt haben fast ausschliesslich die Beführworter.
    73 22 Melden
    • Asmodeus 11.10.2017 23:08
      Highlight Selber schuld wenn man mit Gewalt dagegen vorgeht.
      14 15 Melden
    • ujay 12.10.2017 05:36
      Highlight @Asmodeus...ach die armen Katalanen. Alter Trick; die Täter (Verfassungsbrecher) machen sich zum Opfer. Frage: Was ist mit den Gegnern des Referendums, die schon erst garnicht wegen Drohungen an die Urne konnten. Etwas einaeugig, dein Weltbild.
      14 13 Melden
    • Asmodeus 12.10.2017 08:08
      Highlight "Etwas einaeugig, dein Weltbild. "

      Sprach jemand der scheinbar kein Problem damit sieht, wenn anderen Politikern mit staatlicher Ermordung gedroht wird und Leute die nur abstimmen wollen von der Polizei verprügelt werden....
      7 9 Melden
    • Galizier/Berner 12.10.2017 16:17
      Highlight Nach allem Schummeln und Mogeln von Seite der Organisatoren dieser „Abstimmung“ kann man nur noch hoffen, dass das Ganze aufhört für die vielen (über 50%) der Katalanen, die nicht Nationalisten/Separatisten sind. Anscheinend hat man diese seit Jahre bedroht, stigmatisiert und stillgelegt. Noch heute hat die Guardia Civil mitgeteilt, dem zuständigen Gericht Beweise für das Manipulieren der Wahlergenisse übergeben zu haben. So traurig. Das ist Demokratie? Es braucht Neuwahlen in Kat. Damit kann ganz legal und mit Garantien abgestimmt und abgeleitet werden was die Kat. wirklich wollen.
      3 2 Melden
    • Crissy 13.10.2017 14:53
      Highlight Es wurde ja von Seite des Hr. Puigdemont VOR SCHLIESsUNG der Wahllokale und dementsprechendenm Wahlende verkündet, gewonnen zu haben !! Wie traurig dass man mit unlauteren Mitteln handelt. Da fällt einem doch nichts mehr ein.
      1 1 Melden
    • Asmodeus 13.10.2017 20:00
      Highlight Bei 90% war die Sache auch recht klar.
      0 0 Melden
    • Crissy 14.10.2017 00:21
      Highlight Haha - ja 90% von weniger als 40% Wahlberechtigten und diese 90% standen schon VOR WAHLENDE und OHNE AUSZÄHLUNG fest. Super Ergebnis ;-)
      1 1 Melden

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