International

Zu früh gefreut? Ein Kurden-Kämpfer kurz nach der Vertreibung der IS-Schergen vor wenigen Tagen. Bild: Getty Images Europe

IS erobert wichtige Grenzstadt teilweise von den Kurden zurück – Gerüchte über bevorstehenden Militäreinsatz der Türkei

Der «Islamische Staat» drängt kurdische Kämpfer zurück und rückt erneut in die Stadt Tall Abjad ein. Sie ist für den Nachschub der Miliz wichtig. Gerüchten zufolge könnte die Türkei militärisch eingreifen - Präsident Erdogan dementiert.

30.06.15, 20:24 30.06.15, 20:40

Ein Artikel von

Gerade hatten die Kurden die nordsyrische Stadt Tall Abjad vom «Islamischen Staat» (IS) zurückerobert, nun sind die Dschihadisten wieder auf dem Vormarsch: Sie haben erneut die Kontrolle über einen Teil der wichtigen Grenzstadt errungen.

Tall Abjad liegt direkt an der türkischen Grenze und hat eine strategische Bedeutung für die Nachschublinien der Terrormiliz. Die Stadt diente in der Vergangenheit dem IS als Einfallstor für Kämpfer, die aus der Türkei in die syrische Provinz Rakka kommen. Tausende Syrer flohen aus Angst vor den Dschihadisten.

Bei den Kämpfen vor zwei Wochen waren unzählige Menschen aus Tal Abjad geflohen – die eindrückliche Bildstrecke von damals

Kurden:«IS-Kämpfer sind eingekreist»

Der IS kontrolliert nun Bereiche im Osten des Ortes, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Die Nachrichtenagentur Hawar, die den kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) nahe steht, berichtete von anhaltenden Kämpfen. Kurdische Einheiten hätten die IS-Extremisten eingekreist.

Unterstützt von US-Luftangriffen hatte die kurdische YPG-Miliz in den vergangenen zwei Wochen militärische Erfolge gegen die Extremisten erzielt. Der IS kontrolliert grosse Teile Syriens und des Irak und hat dort ein Kalifat ausgerufen, eine besondere Form eines islamischen Gottesstaats.

Meldungen aus dem Bürgerkriegsland lassen sich kaum unabhängig verifizieren, die Beobachtungsstelle hat sich in der Vergangenheit aber als zuverlässig erwiesen.

Gerüchte um türkischen Einmarsch in Syrien

Gerüchten zufolge plant die Türkei derweil einen Einmarsch in Syrien. Am Wochenende hatte der Nationale Sicherheitsrat getagt. Sowohl die Lage in Syrien, als auch «mögliche Gefahren» und «zusätzliche Sicherheitsmassnahmen» seien analysiert worden, hiess es anschliessend - Medien sahen dies als Bestätigung für eine militärische Intervention der Türkei in Syrien an.

Die Gebietsgewinne der kurdischen YPG beunruhigen die türkische Regierung offenbar. Sie sieht in der Miliz einen Ableger der verbotenen türkischen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), die seit Jahrzehnten gewaltsam für die Loslösung der Kurdengebiete von Ankara kämpft.

Der Sprecher des Präsidenten Recep Tayyip Erdogan dementierte die Gerüchte um einen türkischen Alleingang in Syrien. Es sei jedoch Aufgabe des Landes, seine Grenzen zu schützen und entsprechende Massnahmen zu ergreifen, sagte er. Erdogan machte vergangene Woche klar, dass die Türkei die Gründung eines solchen Staates nicht dulden werde. (tat/kry/dpa/Reuters)

Rakka – Einblicke in die IS-Hauptstadt nahe der Kurdengebiete

Hol dir die App!

Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
0Alle Kommentare anzeigen
0
Um mit zudiskutieren oder Bilder und Youtube-Videos zu posten, musst du eingeloggt sein.
Youtube-Videos und Links einfach ins Textfeld kopieren.
600

Spielball der Mächte: Weshalb der Syrien-Konflikt in erster Linie ein Stellvertreterkrieg ist

Die westliche Berichterstattung über den Syrien-Konflikt sei einseitig, unreflektiert und spiegle die Interessen der Industriemächte, schreibt der langjährige SRF-Korrespondent Helmut Scheben. Dabei gehe oft vergessen, dass am Anfang des syrischen «Bürgerkriegs» ein Kampf um die Vormacht im globalen Energiemarkt stand.

Die Hauptakteure der ausländischen Parteien, die in Syrien Krieg führen, sind Gas-Exporteure mit Interessen in einem von zwei umkämpften Pipeline-Projekten. Dabei geht es um die Ausbeute der weltgrössten Erdgasreserven, nämlich des Gasfeldes South Pars/North Dome, welches auf dem Grund des Persischen Golfs liegt und zum Teil dem Iran, zum Teil Katar gehört. Beide Länder begannen 1989 mit der Förderung.

2009 schlug Katar vor, eine Pipeline zu bauen, die Erdgas durch Saudiarabien, Jordanien und …

Artikel lesen