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Amnesty International: Kurdische Kämpfer machen in Syrien ganze Dörfer dem Erdboden gleich

13.10.15, 08:55

Kurdische Kämpfer im Februar dieses Jahres im Norden von Syrien.
Bild: AP/Depo Photos

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) hat Kurden im Norden Syriens Vertreibungen und Häuserzerstörungen vorgeworfen. Ganze Dörfer in dem von der Kurden-Partei PYD kontrollierten Gebiet seien niedergerissen worden. Tausende seien vertrieben worden, hiess es in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht. Die Organisation berief sich unter anderem auf Augenzeugenberichte und Satellitenbilder.

Demnach wurde etwa das Dorf Husseinija im Nordosten Syriens in der Zeit zwischen Juni 2014 und Juni 2015 zu 94 Prozent zerstört. Ein von Amnesty zitierter Einwohner Husseinijas beschreibt, dass die Kurdenkämpfer die Menschen aus den Häusern getrieben, die Häuser angezündet und sie eins ums andere mit Planierraupen dem Erdboden gleichgemacht hätten, bis es das Dorf nicht mehr gegeben habe.

Das Vorgehen der von der PYD geführten autonomen Verwaltung erfolgt den Angaben zufolge häufig aus Vergeltung für vermeintliche Sympathien oder Verbindungen der Menschen zu Mitgliedern der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) oder anderer bewaffneter Gruppen. Die Verwaltung missbrauche ihre Macht und missachte Völkerrecht in einer Weise, die Kriegsverbrechen gleichkomme, hiess es.

Anschuldigungen zurückgewiesen

Die PYD steht der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK sehr nahe. Verbunden ist sie auch mit den kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG). Ein YPG-Sprecher wies die Anschuldigungen von Amnesty allerdings zurück.

Die YPG hat mit mehreren moderaten Rebellengruppen ein neues Militärbündnis in Syrien gegen den IS gegründet. Die YPG ist die stärkste Kraft im Norden Syriens und wichtigster Partner des Westens im Kampf gegen den IS.

Die Vereinigten Staaten haben zuletzt ihre Militärhilfen für die nordsyrischen Kurden verstärkt. Die kurdischen Volksschutzeinheiten hätten vor kurzem eine Lieferung erhalten, hiess es am Montag aus kurdischen Kreisen. Keine Angaben gab es zu Art und Umfang der Militärhilfe.

Kritisierte Partnerschaft

Das Bündnis und die Waffenhilfe sind das Ergebnis eines US-Strategiewechsels in der Syrienpolitik. US-Medien hatten berichtet, Washington wolle im Nordosten Syriens eine Truppe von mehr als 20'000 Kurden und bis zu 5000 Arabern fördern. Das Programm zur Ausbildung moderater Rebellen ausserhalb Syriens gaben die USA nach mehreren Fehlschlägen hingegen auf.

Der NATO-Partner Türkei sieht die Allianz der USA mit der YPG jedoch kritisch, weil sie die Bildung eines Kurdenstaates an ihrer Südgrenze befürchtet. Sie betrachtet die Volksschutzeinheiten zudem als syrischen Ableger der PKK.

Die Kurden kontrollieren mittlerweile einen Grossteil der Grenze zur Türkei. Dort haben sie eine selbstverwaltete Zone errichtet. Den IS hatten die Kurden unter anderem aus Kobane vertrieben. Für die Verteidigung der Grenzstadt hatte die YPG zuletzt im Herbst vergangenen Jahres Waffen von den USA erhalten. (sda/reu/afp)

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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  • Kian 13.10.2015 09:37
    Highlight Soviel zum Thema gemässigte Kurden...
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    • Sapere Aude 13.10.2015 11:20
      Highlight Es ist illusorisch zu glauben, dass nach 3 Jahren Bürgerkrieg irgendeine Fraktion noch gemässigt ist. Die einzelnen Fraktionen versuchen schlicht, unumstössliche Fakten zu schaffen, auch mit Vertreibung nicht genehmer Volksgruppen. Ähnliche Tendenzen haben wir in den Balkankriege der 90er auch gesehen. Wie die entsprechende Fraktion genannt wird, ist reine Propaganda. Gemässigte Rebellen = dienen den Interessen der USA, legale Regierung = dienen den Interessen Russlands, Terroristen = Ziele der jeweiligen Fraktion. So wird der Krieg eben auch auf sprachlicher Ebene geführt
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    • Gelöschter Benutzer 14.10.2015 12:40
      Highlight Da entsteht mit Hilfe des Westens ein kurdisches Terrorregime um den aufmüpfigen Türken wieder in die Knie zu zwingen! Der 1. WK ist noch nicht vorbei. Der zweite wurde mit der Zerschlagung der Faschisten zu Ende gebracht, doch der erste Weltkrieg geht immer noch weiter zumindest an der Ostfront hat der Westen noch nicht ganz was er wollte. Es gilt immer noch die Maxime, "divide e impera"
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  • WeischDoch 13.10.2015 09:27
    Highlight Warum AI das veröffentlicht, ohne mal selbst nachzuforschen ist unverständlich...
    Dass das Dorf zerstört wurde kann man nicht leugnen nein...aber der Grund ist hier wichtig...viele Gebäude sind durch die Kämpfe zerstört worden und ein grosser Teil zudem von den IS-Hunden vermint. Falls die Leute wirklich vertrieben wurden, weil Ihnen IS-Nähe nachgewiesen wurde, dann finde ich das sogar noch Nett...wie würdet ihr mit den Leuten umgehen, die euresgleichen geköpft sehen wollen und euch jederzeit in den Rücken fallen könnten? Viele Dörfer gingen am Anfang an den IS, weil solche es zuliessen.
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    • Datsyuk * 13.10.2015 10:02
      Highlight Ich würde diese Leute nicht umbringen. Und ich würde auch keine Häuser zerstören. Was bringt das, "WeischDoch"? Schlechtes mit Schlechtem begründen/vergelten bringt meiner Meinung nichts.
      Und: Für viele Leute ist der IS wohl das "kleinere Übel" als andere Gruppen. Das heisst aber nicht, dass diese Leute den IS unterstützen..
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    • Gelöschter Benutzer 14.10.2015 12:52
      Highlight Dieser reflexartige Kurdenjubel ist unerträglich.
      Die Friedenstauben von Ankara haben nach der Explosion 3 Polizisten eingekesselt und ins Koma geprügelt. Ja so friedlich sind diese "Rebellen" - wie in Bern wo sie mit 20 Brutalos auf zwei alte Männer und zwei Frauen mi Eisenstangen eingeprügelt haben.

      Informiert euch mal objektiv über die PKK PYD PJAK !!!
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    • WeischDoch 16.10.2015 09:20
      Highlight getötet wurde ja niemand...wenn dann klargemacht, dass sie hier nicht erwünscht sind...wie es die Türken und Araber in Ihren Ländern mit den Kurden machen. Ich befürworte es nicht nein...sage nur, dass es Verständlich ist. Was den Infonauten angeht...lieber Kollege, Ich BIN informiert, vertrau mir. Wenn du ne Infoveranstaltung organisieren willst, bezüglich der Kurden und deren Behandlung in der Türkei, oder das Verhalten im mittleren Osten der Türkei allgemein oder der IS-Regierung der heutigen Türkei, melde ich mich gerne als Referent.
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    • Gelöschter Benutzer 16.10.2015 12:01
      Highlight Kurden sind Bürger erster Klasse. Mit allen Rechten und Pflichten. Kollege ich weiss ja nicht woher du dein sog. Wissen hast..
      Ausländer die sich hier nicht anpassen können sagen auch immer die Schweiz sei ungerecht usw. Wer will kann Präsident werden als kurdischer Türkeiler.
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    • WeischDoch 16.10.2015 22:07
      Highlight Kannst gern mal bei meinen vielen Reisen mit nach Sirnak, Hakkari, Amed oder Van mitkommen :)
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    • Gelöschter Benutzer 16.10.2015 22:56
      Highlight das würde ich gerne aber mir fehlt die nötige zeit. posten sie doch ihre reisefotos wenn sie möchten.
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    • WeischDoch 19.10.2015 14:35
      Highlight war das letzte mal nur wegen den Flüchtlingscamps da...würde meine Aussage verfälschen, diese Fotos als Standard des kurdischen Gebietes zu liefern. aber Ich werde mir den Namen Infonaut merken, um von der nächsten Reise die Fotos zu teilen.
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