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Russische Piloten sterben bei Hubschrauber-Abschuss in Syrien

Beim Absturz eines Militärhubschraubers in Syrien sind zwei russische Soldaten ums Leben gekommen. Moskau meldet, der «IS» habe den Helikopter abgeschossen. Doch daran gibt es Zweifel.

11.07.16, 12:17

Der Moment, in dem der Helikopter getroffen wird.
Screenshot: youtube

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Russlands Luftwaffe kämpft in Syrien an der Seite des Assad-Regimes mit Kampfflugzeugen, aber auch mit Hubschraubern. Nun sind zwei russische Militärpiloten nahe der syrischen Stadt Palmyra beim Absturz ihres Kampfhubschraubers ums Leben gekommen. Das meldete die staatliche russische Nachrichtenagentur Interfax am Montag.

Der Absturz ereignete sich bereits am Freitag. Zunächst hatte das russische Verteidigungsministerium bekannt gegeben, alle Soldaten seien an dem Tag wohlbehalten von ihren Einsätzen zurückgekehrt. Beileidsbekundungen auf Facebook für einen der Männer hatten daran aber bald Zweifel aufkommen lassen. Am Sonntag bestätigte Moskau dann die Todesfälle.

Laut russischem Verteidigungsministerium haben die Piloten mit einem syrischen Armeehubschrauber Stellungen der Terrormiliz «Islamischer Staat» bei Palmyra angegriffen. Als ihnen die Munition ausging, seien sie umgekehrt. Dann sei der Hubschrauber von einer von «IS»-Kämpfern abgefeuerten Panzerabwehrrakete getroffen worden, meldet Interfax.

Nach dem Treffer verlieren die Piloten die Kontrolle über die Maschine und stürzen ab.
screenshot: youtube

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Der umstrittene russische Militär-Blogger Ruslan Lewijew sät jedoch Zweifel an der offiziellen Darstellung: Unter der Überschrift «Wurde der russische Mi-35M durch ‹friendly fire› zerstört?» will er auf seiner Seite belegen, dass ein Propaganda-Video des «IS» über den Vorfall eigentlich einen russischen Kampfhubschrauber zeigt. Über den Hubschraubertyp, den Lewijew dort erkennt, verfüge die syrische Luftwaffe nicht.

Eine Mi-35M auf einem Archivbild.
Bild: ALEXANDER DEMIANCHUK/REUTERS

Der Helikopter vom Typ Mi-35M sei ausserdem zu schnell, um mit einer amerikanischen Tow-Rakete abgeschossen zu werden. Anhand von Rauchspuren will der Blogger erkennen, dass ein zweiter Hubschrauber, der in dem Video ebenfalls zu sehen ist, den vor ihm fliegenden mit eigenen Raketen trifft.

Somit sei es möglich, dass russische Piloten versehentlich für den Absturz und damit für Tod ihrer Kameraden verantwortlich sind. Allerdings lassen sich weder die Authentizität des Videos und die Angaben Lewijews unabhängig nachprüfen.

Das Video des angeblichen Abschusses.
YouTube/ΓΙΑΝΝΗΣ ALDEBARAN

cht/Reuters

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  • Spi 11.07.2016 17:23
    Highlight Also die Darstellung von russischer Seite stimmt definitiv nicht. Auf dem Video sieht man ja eindeutig, dass der Kampfhelikopter kurz vor dem Treffer selber zwei Salven abfeuert, bevor er am Heck getroffen wurde. Die Aussage stimmt also nicht, dass man wegen "ausgeschossen" auf dem Heimweg abgeschossen wurde. Die Theorie vom friendly fire ist nicht so abwegig.
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    • Murer 11.07.2016 21:42
      Highlight Es ist doch klar zu sehen, dass er keine "Salven" abfeuert, es handelt dabei wohl um chaffs.
      Diese sollen verhindern, dass die Rakete ihr Ziel trifft. Es hat wohl in diesem Fall nicht gereicht.
      Die Vermutung von frendly fire finde ich etwas unwahrscheindlich, aber möglich. Ich könnte mir aber auch vorstellen, dass die Lieben netten Leute am Boden, wer auch immer, eine Igla oder Stinger zur Verfügung hatten.
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    • Spi 11.07.2016 23:46
      Highlight Du erwähnst Chaffs und Infrarot gesteuerte Lenkwaffen? Das geht nicht auf. Wenn es Abwehrmassnahmen wären, dann würde der Bordrechner auch merken, ob er von einem Radarsuchkopf angestrahlt wird (Chaffs als Gegenmassnahme) oder nicht (Flares als Gegenmassnahme und die sehen anders aus). Zudem befinden sich diese Dispenser beim Mi35M in turbinennähe und nicht unten am Rumpf. Ich bleibe auch nach x-facher Ansichtt dabei, dass dies S-8 oder ähnliche Raketen sind und der Heli dummerweise vom dahinter fliegenden Heli getroffen wurde. Oups, shit happens.
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    • Maett 15.07.2016 02:18
      Highlight @Spi: Flares sehen definitiv anders aus, ich denke auch dass er vom hinteren Hubschrauber getroffen wurde (vorstellbar dass sie jeweils gemeinsam feuern). Das ist zwar scheisse wie's nur geht, kann aber vorkommen... menschliches und technisches Versagen ist nie komplett auszuschliessen, wenn man mit scharfen Waffen hantiert, zieht es dann u.U. halt grössere Folgen mit sich.
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