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Ein Velofahrer im zerstörten Stadtteil al-Sukkari von Aleppo, der von Rebellen gehalten wird (19.10.2016). Bild: ABDALRHMAN ISMAIL/REUTERS

Feuerpause in syrischer Metropole Aleppo beendet – was passiert jetzt?

Publiziert: 22.10.16, 17:59 Aktualisiert: 23.10.16, 15:56

Die Lage in der umkämpften syrischen Stadt Aleppo ist am Samstag, dem dritten Tag der von Moskau ausgerufenen täglichen Feuerpause, prekär geblieben. Nach Angaben der Vereinten Nationen verliess nur eine Handvoll von Zivilisten und Aufständischen den Ostteil der Stadt.

Die UNO sah die Rettung von Verletzten und Kranken über Sicherheitskorridore als zu gefährlich an. Die Feuerpause sollte um 18.00 Uhr (MESZ) enden.

In der Nacht zum Sonntag gab es nach UNO-Angaben sporadisch Kämpfe und Artilleriefeuer zwischen den Konfliktparteien in Aleppo. Die einstige Wirtschaftsmetropole ist seit 2012 zweigeteilt. Die westlichen Stadtteile mit etwa 1,2 Millionen Einwohnern stehen unter Kontrolle der Regierung von Staatschef Baschar al-Assad. Der Osten der Stadt mit derzeit etwa 250'000 Einwohnern wird von bewaffneten Rebellen gehalten.

Am 22. September startete die syrische Armee mit Unterstützung der russischen Luftwaffe eine Offensive zur Rückeroberung der östlichen Stadtteile, von wo aus die Rebellen den Westteil der Stadt bombardieren. Am vergangenen Dienstag setzten Damaskus und Moskau ihre Offensive aus, am Donnerstagmorgen trat die «humanitäre Feuerpause» in Kraft.

Appell für längere Feuerpause

In den fast vier Wochen dazwischen wurden der UNO zufolge bei den Luftangriffen auf Aleppos Osten etwa 500 Menschen getötet und weitere 2000 verletzt, Schulen und Spitäler wurden zerstört. Jetzt müssten 200 Verletzte und Kranke dringend aus dem Osten der Stadt gebracht werden. Die UNO rief Russland zugleich auf, die Waffenruhe bis Montag zu verlängern.

Die russischen Behörden und Syriens staatliche Medien werfen den bewaffneten Aufständischen vor, niemand in die humanitären Korridore – sechs für Zivilisten und zwei für Rebellen – zu lassen und selbst nicht von dem Angebot Gebrauch zu machen, ihre Waffen niederzulegen und sich zu ergeben.

Die Rebellen ihrerseits beklagen mangelnde Sicherheitsgarantien für sich und die Zivilisten. Der russische Aussenminister Sergej Lawrow wiederum bezichtigte die Aufständischen, die Zivilisten mit «Drohungen, Erpressung und nackter Gewalt» daran zu hindern, die Korridore aufzusuchen.

Lastwagen mit Hilfsgütern warten

Seit Wochen warten Lastwagen mit Hilfsgütern an der türkischen Grenze darauf, nach Aleppo fahren zu können. Der russische Militärsprecher Sergej Rudskoi sagte am Freitagabend, nur acht verletzte Rebellen und sieben Zivilisten hätten die Korridore benutzt. Nach seinen Angaben können sich Verletzte aus Ost-Aleppo auch im Westteil der Stadt behandeln lassen.

Der Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte am Samstag in einem Interview mit dem Staatssender Rossija-1, für den Ausgang des Syrien-Konflikts gebe es nur zwei Möglichkeiten: Entweder Assad bleibe im Amt oder die mit Al-Kaida verbündeten Dschihadisten von Fateh al-Scham, der einstigen Al-Nusra-Front, kämen an die Macht.

Russland wolle mit seiner Militärintervention dazu beitragen, das «syrische Territorium» von den Dschihadisten zu befreien und eine Teilung des Landes zu verhindern. Dies hätte «die katastrophalsten Ergebnisse für die gesamte Region zur Folge». (sda/afp)

10 Kommentare anzeigen
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  • rodolofo 22.10.2016 20:38
    Highlight Waffenruhe und keine Hilfsgüter können durch...
    Geht's noch grausamer?
    Wer würde sich denn an ein solches Saddisten-Régime ergeben?
    Wenn ich daran denke, was diese Hilfskonvoi-Bombardierer und Fassbomben- und Giftgas-Abwerfer mit solchen Leuten machen würden, dann muss ich mich ÜBERGEBEN!
    Ich bete zu Allah, dass diese Kriegsverbrecher für ihre Schandtaten bestraft werden, durch das Internationale Strafgericht in Den Haag!
    4 12 Melden
    • deleted_200316475 23.10.2016 02:51
      Highlight Allah hält wohl nicht sehr viel von einem internationalen Strafgericht.
      2 1 Melden
    • rodolofo 23.10.2016 07:08
      Highlight Das werden wir dann ja sehen!
      Im Moment habt "Ihr" weltweit die Oberhand.
      Da gebe ich Dir recht.
      Aber so wie sich das Klima ändern kann, kann auch der Gesellschaftliche "Wind" drehen.
      Und dann kommt "Ihr" dran!
      Allah's Wege sind weit und verschlungen.
      Darum kommt alles so, wie es kommen muss.
      3 5 Melden
    • deleted_200316475 23.10.2016 13:42
      Highlight Auch wenn diese Religionsgemeinschaft Millarden von Kindern zeugt und allen anderen Gemeinschaften in der Population überlegen sind, werden sie nie die Oberhand über irgendjemanden gewinnen.
      Denn dafür bräuchte es etwas mehr, als eine hohe Anzahl naiver Menschen.
      Gläubige werden immer die Untertanen der Mächtigen bleiben.

      Es kommt eben, wie es kommen muss.
      1 0 Melden
    • rodolofo 23.10.2016 16:21
      Highlight Ich bin kein Muslim, aber ich fühle mit den eingeschlossenen, ausgehungerten und bombardierten Muslimen in Aleppo mit.
      Und dieses MITGEFÜHL wird die Welt aus dem Würgegriff der Faschisten befreien!
      Du hast anscheinend kein solches Mitgefühl.
      Darum begreifst Du auch nicht, worum es in Aleppo wirklich geht!
      Du tust mir leid.
      1 2 Melden
    • deleted_200316475 24.10.2016 03:55
      Highlight Verstehe ich das gerade richtig, du willst die Welt aus dem Würgegriff der Faschisten befreien, indem du einer faschistischen Ideologie huldigst?

      Wenn du glaubst, Mitgefühl wird einem bombardierten Menschen in Syrien auch nur ein bisschen helfen, dann tust du mir Leid.

      Du hast natürlich den Überblick und bist im Wissen über die kompletten Hintergründe des Krieges in Syrien. Lass mich raten, Allah hats dir verraten?
      0 0 Melden
    • rodolofo 24.10.2016 07:39
      Highlight Ich huldige nichts und niemandem!
      Und Du bist offensichtlich ein Zyniker.
      Dann werde (halbwegs) glücklich damit!
      Ich rate Dir zum Schluss dieser Diskussion nur eins:
      Löse Dich von Ideologien und Fronten!
      Suche das Menschliche in den Menschen!
      Dann wirst Du merken, dass im Grunde alle sehr ähnliche Bedürfnisse haben!
      Und NIEMAND will sich von einer faschistischen Diktatur mundtot machen und lebendig begraben lassen!
      Gott ist gross und lässt sich nicht einsperren!
      Aber was rede ich da.
      Mit Dir hat das wohl keinen Zweck...
      0 0 Melden
    • deleted_200316475 24.10.2016 14:57
      Highlight Menschen die faschistischen Ideologien folgen, sind oft nicht in der Lage, selbst Entscheidungen zu treffen oder frei zu sein. Oft wurde dieses "huldigen eines Führers oder einer höheren Macht" von klein auf indoktriniert.

      Die Menschen brauchen das irgendwann und können gar nicht mehr anders. Sie können nicht mehr selbst denken, nur folgen.

      Ich soll mich von Ideologien und Fronten lösen aber im Gegenzug behauptest du, niemand wolle in einer faschistischen Diktatur leben.

      Die Anzahl der Religionsanhänger und Nationalsozialisten spricht allerdings eine andere Sprache.
      0 0 Melden
    • rodolofo 25.10.2016 07:46
      Highlight Bei einer Gruppe hast Du immer Anführer, Mitläufer und Dissidenten.
      Die schweigende Mehrheit der Mitläufer imitiert ihre Anführer, ist aber auch offen für andere Möglichkeiten.
      Die Dissidenten haben Charakter und Rückgrat, weil sie bereit sind, für ihre Freiheit Nachteile in Kauf zu nehmen und vielleicht sogar zu sterben.
      Während "Führer" autoritär sein können, ohne Autorität zu haben, können Dissidenten sehr viel Autorität haben, ohne autoritär sein zu müssen.
      Die Masse entscheidet darüber, welcher der gegensätzlichen Pole mehr "Gewicht" hat.
      Und zu dieser "Volks-Masse" gehören auch wir.
      0 0 Melden
    • deleted_200316475 25.10.2016 09:48
      Highlight Vollkommen richtig.
      0 0 Melden
    600

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