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Bereiten offenbar die Belagerung Aleppos vor: Assad-Truppen auf einer Archivaufnahme.
Bild: X03124

Assads Truppen wollen Kessel dichtmachen: Bis zu 300'000 Zivilisten in Aleppo praktisch eingeschlossen

Truppen des syrischen Diktators Assad rücken auf Aleppo vor. Die letzte Versorgungsroute der Rebellen ist faktisch gekappt – Zehntausende Menschen sind von Hilfe abgeschnitten.

11.07.16, 10:47 11.07.16, 11:02

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Syrische Regierungstruppen und islamistische Rebellen haben sich am Wochenende erneut heftige Kämpfe um eine wichtige Zufahrtstrasse in die Stadt Aleppo geliefert.

Die Soldaten von Machthaber Baschar al-Assad waren in den vergangenen Tagen nah an die Versorgungsstrasse der Rebellen herangerückt – bereits am Donnerstag hatten sie einen strategisch wichtigen Hügel eingenommen. Sie befanden sich am Samstag nur 500 Meter von der Strasse entfernt und schossen auf jedes Fahrzeug, das dort fuhr. In der Nacht zum Sonntag starteten Kämpfer der oppositionellen Islamistengruppen eine Offensive an dieser sogenannten Castello-Route.

Bald ein Kessel: Der Kampf um Aleppo

Rot: Assad-treue Kräfte. Grün: Aufständische. Schwarz: «Islamischer Staat» («IS»). Gelb: Kurdische Milizen (YPG). bild: step news agency

Bis zu 300'000 Menschen betroffen

Diese Strasse ist der letzte Nachschubweg in dem von den Rebellen gehaltenen Osten von Aleppo. Damit sind die Kämpfer - aber auch die Zivilisten – in diesem Teil der Stadt momentan de facto abgeschnitten. Schätzungen, wie viele Menschen sich in dem von Rebellen gehaltenen Teil der Stadt aufhalten, variieren stark. Experten vermuten, es könnten zwischen 100'000 und 200'000 Menschen sein. Andere sprechen von 300'000 Betroffenen. Oppositionsgruppen warnen Zivilisten davor, die Castello-Route zu benutzen. Damit könnten Lebensmittel, aber auch andere Hilfe nicht mehr in den Osten Aleppos gelangen.

Impressionen aus Aleppo: Die Bilder stammen von Aufständischen

YouTube/معاذ الشامي

Die Vereinten Nationen sind alarmiert. Helfer könnten die Menschen in Not nicht mehr erreichen, so ein UNO-Sprecher. Alle Seiten müssten sicherstellen, dass die Zivilisten versorgt werden könnten.

Die Grossstadt Aleppo ist in den vergangenen Wochen von heftigen Gefechten erschüttert worden – immer wieder gab es Luftangriffe und Bombardements, Schulen und Krankenhäuser wurden beschädigt. Viele Unbeteiligte starben.

Seit 2012 ist Aleppo faktisch zweigeteilt: Die Regierung kontrolliert den Westen der Stadt, die Rebellen haben den Osten eingenommen. Ein Stadtteil im Norden wird von Kurden kontrolliert.

Wer kontrolliert welches Gebiet in Syrien? Die Übersicht

grafik: spiegel online

So kam es am Wochenende nicht nur um die Castello-Route, sondern auch in anderen Teilen der Stadt wieder zu heftigen Kämpfen. Dabei sollen Dutzende Zivilisten von beiden Seiten getötet worden sein. Als Aufständische jene Viertel beschossen, die von Regierungseinheiten gehalten werden, seien am Freitagabend 34 Unbeteiligte umgekommen, berichtete die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Mehr als 200 Menschen seien verletzt worden. Die Truppen Assads reagierten mit Luftangriffen und Artilleriefeuer. Dabei wurden nach Angaben der Beobachtungsstelle neun Zivilisten getötet, darunter sechs Kinder.

Vergangene Woche hatte die syrische Führung eine Waffenruhe verkündet, zum Ende des Fastenmonats Ramadan. Drei Tage sollte es keine Kämpfe geben. Doch die Regierungstruppen brachen die Feuerpause selbst. (kgp/dpa/AFP)

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  • Beobachter24 14.07.2016 19:39
    Highlight Im östlichen Stadtteil Aleppos lebten nach anderen Schätzungen (https://goo.gl/Hs6HIZ) Ende 2015 noch ca. 40'000 Menschen ... dass es nun plötzlich wieder 300'000 sein sollten ... hm ... eher nicht.
    ergo:
    Grobe Übertreibung

    Und von wegen "Brechen" der Feuerpause: Bekämpft werden in Aleppo Al-Nusra, Jaish al Fateh u. Fatah Halab. Und das ist legitim.
    ergo:
    Falschmeldung

    Frage an watson: Überprüft Ihr eigentlich SPON Artikel auf deren Wahrheitsgehalt?
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