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Gegen Assads Fassbomben: Rebellen missbrauchen Alawiten als menschliche Schutzschilde

In einem Vorort von Damaskus wollen Rebellen mit drastischen Mitteln weitere Luftangriffe des Regimes verhindern: Sie sperren Alawiten in Käfige ein und stellen diese auf öffentlichen Plätzen auf.

03.11.15, 12:27 03.11.15, 13:51

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Die Käfige stehen auf den Ladeflächen von Lastwagen, in ihnen sind verängstigte Menschen eingesperrt – jeweils zwischen vier und acht Männer und Frauen. Es sind Syrer, die von anderen Syrern als menschliche Schutzschilde eingesetzt werden. Das Shaam News Network (S.N.N.), ein YouTube-Kanal der syrischen Opposition, hat ein Video dieses Vorfalls ins Internet gestellt.

Die Aufnahmen stammen aus Ost-Ghuta, einem Vorort der syrischen Hauptstadt Damaskus. Laut SSN haben Rebellen dort insgesamt hundert Käfige hergestellt, in die Menschen eingesperrt werden. Die Käfige sollen dann auf Märkte und andere öffentliche Plätze gestellt werden, die vom Regime und der russischen Luftwaffe bombardiert wurden.

Die Videoaufnahmen des Vorfalls

YouTube/ShaamNetwork S.N.N

Ghuta wird seit Jahren von Aufständischen kontrolliert. Fast täglich fliegt das Regime hier Luftangriffe, bombardiert Marktplätze und Krankenhäuser mit Fassbomben. Seitdem sich das russische Militär an den Angriffen auf die Rebellen beteiligt, hat die Zahl der Luftangriffe weiter zugenommen. Nach Angaben von Opposition und Ärzte ohne Grenzen sollen dabei in den vergangenen Tagen 140 Menschen getötet und Hunderte weitere verletzt worden sein.

Ghuta ist seit Jahren Ziel von Luftangriffen der syrischen Regierungstruppen.
Bild: STRINGER/REUTERS

Bei den Menschen, die von den Rebellen in die Käfige gesperrt werden, soll es sich um Anhänger des Assad-Regimes handeln. In dem S.N.N.-Video kommt ein Mann zu Wort, der angibt, er sei Offizier der syrischen Armee gewesen und bereits seit zwei Jahren in Gefangenschaft der Aufständischen. Der Mann ist Alawit, genauso wie zwei Frauen, die in dem Video vorgeführt werden.

Verstoss gegen Genfer Konventionen

Sie gehören damit der gleichen Minderheit an wie der Assad-Clan und die wichtigsten Führungsfiguren des Regimes. Indem die Rebellen deren Glaubensbrüder als menschliche Schutzschilde missbrauchen, wollen sie das Regime von weiteren Bombardements abhalten. Ein junger Aufständischer aus Ghuta sagt:

«Eure Frauen sind unsere Frauen. Wenn ihr meine Mutter töten wollt, werdet ihr sie auch töten.»

Syrischer Aufständischer

Die Genfer Konventionen verbieten den Einsatz menschlicher Schutzschilde. Den Rebellen scheint das egal zu sein. Laut S.S.N. wollen die Aufständischen insgesamt tausend Käfige errichten, um weitere Luftangriffe zu verhindern. (syd)

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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  • Gelöschter Benutzer 03.11.2015 18:16
    Highlight Eine weitere Gräueltat in diesem langem Krieg. Meine hoffnung war das jetzt wo Assad umfangreiche Russische Luftnahunterstützung zur verfügung steht, er mindestens auf sein Fassbomben Völkermord verzichten kann.
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  • Gelöschter Benutzer 03.11.2015 13:45
    Highlight Sind das nicht die Rebellen, die von den USA unterstützt werden?
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    • Aaron 03.11.2015 14:02
      Highlight ja, die moderaten..
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    • Gelöschter Benutzer 03.11.2015 15:02
      Highlight Moderat? Merde!
      6 2 Melden
    • SlicedTiced 03.11.2015 16:48
      Highlight Überrascht mich aber nicht, dass diese Menschen nach so vielen Jahren auf so grässliche Ideen kommen...
      3 2 Melden
    • AdiB 03.11.2015 18:28
      Highlight die rebellen denken assad bombardiert sie nicht mehr wenn seine leute da stehen. deshalb sind die käfige auf öffendlichen orten wo sich viele menschen treffen. ein verzweiflungsakt dem volk zu helfen, sicher zum markt oder zum arzt zu gehen.
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