International

USA bombardieren assadtreue Truppen in Syrien – Russland intervenierte erfolglos

19.05.17, 02:03 19.05.17, 07:33

Bei einem Angriff des US-Militärs auf eine Einheit der syrischen Armee und verbündeter Milizen sind im Süden Syriens einem Bericht von Aktivisten zufolge acht Menschen getötet worden. Der Konvoi habe sich einem von der Koalition genutzten Stützpunkt genähert.

Nach Angaben eines US-Vertreters, der anonym bleiben wollte, handelte es sich bei dem getroffenen Konvoi «wahrscheinlich» um schiitische Milizen. «Die meisten der Getöteten gehörten zu Milizen, die loyal zum syrischen Regime waren, und sind keine Syrer», sagte auch der Leiter der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman. Es gebe zudem Verletzte.

Die von den USA angeführte Anti-«IS»-Koalition hatte die Gruppe am Donnerstag nach eigenen Angaben angegriffen, weil sie sich nordwestlich des Ortes At-Tanf innerhalb einer «Deeskalationszone» bewegt habe, in der sich Koalitionskräfte aufgehalten hätten. Diese hätten seit Monaten innerhalb dieser Gegend operiert, um Verbündete im Kampf gegen die Terrormiliz «Islamischer Staat» («IS») auszubilden.

Russischer Versuch ohne Erfolg

Ein Vertreter des Pentagons, der nicht namentlich zitiert werden wollte, sagte, ein Kommandant der Anti-«IS»-Koalition habe entschieden, dass die Regierungstruppen eine Gefahr für Mitglieder der Koalition dargestellt hätten. Daraufhin seien zunächst Warnschüsse abgegeben worden. Schliesslich habe man den Luftangriff ausgeführt.

In der Mitteilung der Koalition hiess es, die Angriffe seien ausgeführt worden, nachdem Russland versucht habe, die «regimefreundlichen Kräfte» davon abzuhalten, sich weiter zu nähern. Die russischen Versuche seien jedoch ohne Erfolg geblieben.

Die USA und Russland unterhalten einen Kommunikationskanal, mit dem sie sich gegenseitig über Luftangriffe und Operationen in Syrien informieren, um Risiken für die andere Seite auszuschliessen.

Nach den Worten von US-Verteidigungsminister James Mattis bedeutet der Luftangriff keine Ausweitung der US-Militäraktionen in Syrien; er habe lediglich der «Verteidigung» gedient. «Wir weiten unsere Rolle im syrischen Bürgerkrieg nicht aus, aber wir werden unsere Soldaten verteidigen», sagte er in Washington.

Mehrfach angegriffen

Der abgelegene Stützpunkt At Tanf wird von Eliteeinheiten der britischen und US-Streitkräfte genutzt und war in den vergangenen Monaten mehrfach angegriffen worden, unter anderem von «IS»-Kämpfern.

Die US-geführte Koalition fliegt seit 2014 Luftangriffe auf die «IS»-Miliz in Syrien. Im vergangenen Monat griffen die USA als Vergeltung für einen mutmasslichen Chemiewaffenangriff einen syrischen Luftwaffenstützpunkt mit Marschflugkörpern an. Es war der erste direkte Angriff des US-Militärs auf die syrischen Regierungstruppen.

Die US-geführte Koalition setzt in Syrien auf die Unterstützung syrischer Rebellen, während Russland die Regierungstruppen von Präsident Baschar al-Assad unterstützt.

Hochzeitsgesellschaft beschossen

Im Osten Syriens beschossen «IS»-Einheiten die von Regierungstruppen kontrollierte Stadt Deir al-Saur mit Artillerie. Dabei wurden mindestens 14 Menschen getötet und weitere 21 verletzt, berichtete die Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Zahlreiche Granaten erfassten dabei eine Hochzeitsgesellschaft in der Nähe des Militärflugplatzes.

Nach stundenlangen Kämpfen eroberten Regierungstruppen in der zentralsyrischen Provinz die Ortschaft Akareb aus der Gewalt der «IS» zurück. Nach Angaben der Staatsagentur SANA töteten die «IS»-Kämpfer mindestens 52 Dorfbewohner. Die Angaben liessen sich nicht von unabhängiger Seite verifizieren. (sda/dpa/afp)

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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  • blaubar 19.05.2017 09:19
    Highlight Die Syrische Armee greift in Cincinnati eine NATO-Einheit an.

    Das wäre dasselbe umgekehrt 1:1. Die Syrische Armee wäre in den USA aktiv, da es dort Todeszellen gibt, in denen teils unter grausamen Methoden hunderte Unschuldige (4% US-Statistik) ums Leben kamen.

    18 7 Melden
    • blaubar 19.05.2017 13:09
      Highlight Aja... Kommt noch was dazu: China und Indien findet das vollkommen richtig.
      2 6 Melden
    • Spooky 19.05.2017 21:54
      Highlight Ich verstehe, blaubar, was du meinst. Aber wo ist das Problem? Das Leben ist ein Kampf. Wenn nicht wir gewinnen, dann gewinnen die andern.
      0 7 Melden
    • blaubar 19.05.2017 22:29
      Highlight Das ist dumm und falsch! Mehr kann man dazu nicht sagen. Das Leben ist überhaupt kein Kampf.
      Es ist eine Herausforderung, ok. Aber Kampf finde ich für meinen Teil völlig unzutreffend.
      Ein Wald, der wächst, kämpft nicht, das ist Blödsinn. Natürlich kann dort, wo Wald ist, kein Schneeglöckchen wachsen. Muss es ja auch nicht.
      4 1 Melden
    • Spooky 20.05.2017 15:38
      Highlight Na ja, ich habe eher daran gedacht, was in der globalen Machtpolitik passiert, nicht daran, was die Schneeglöckchen so treiben ;-)

      Aber auch in der Natur gibt es den Kampf ums Überleben - das schleckt keine Geiss weg.
      0 0 Melden
  • Braun Pascal 19.05.2017 08:24
    Highlight Oha die USA bombadiert wieder mit Schema: Konvoi nicht beschriftet, Männer mit Bart, hier sieht was nach Waffen aus, Feuer Feuer Feuer.
    14 5 Melden
  • frankyfourfingers 19.05.2017 08:07
    Highlight man sollte schon schreiben was sache ist: die USA und ihre Verbündeten führen in Syrien einen illegalen Angriffskrieg mit dem Ziel eines Regime Changes.
    18 6 Melden
  • Gelöschter Benutzer 19.05.2017 07:18
    Highlight "Es war der erste direkte Angriff des US-Militärs auf die syrischen Regierungstruppen." Stimmt nicht, letzten September wurden um die 60-100 syrische Truppen versehentlich in einem Luftangriff getötet. Hat Trump im Wahlkampf nicht gesagt er würde mit Assad verhandeln? Und jetzt hat er ihn in gerade 4 Monaten schon zwei Mal bombardiert, wieder klasse im Einhalten von Wahlversprechen.
    16 3 Melden
    • Saraina 19.05.2017 13:47
      Highlight Netanyahu hat ihm die Sache mit Syrien nochmal in einfachen Worten erklärt. Jetzt hat es auch Trump verstanden. Assad muss weg.
      3 2 Melden
  • Hugo Wottaupott 19.05.2017 06:47
    Highlight Wie sieht eigentlich das engere Auswahlverfahren aus um als Land flächendeckend zugebombt zu werden?
    11 2 Melden
    • pedrinho 19.05.2017 12:53
      Highlight da gibts einiges zu tun, als land erhoehst du aber deine chancen sicher mit:

      - du hast rohstoffe, oel oder gas und planst diese
      in naher zukunft nicht mehr in US$ sondern in
      EUR zu handeln.
      - du hast eine regierung, die von US gnaden an
      die macht gebracht wurde und wirst zu
      "selbstaendig" vor allen hast du keine probleme
      mit RU oder CN.
      - du kommst, ohne liebesbeziehung Israel zu
      nahe.
      - machst deine schulden nicht mehr in US$ und
      vermeidest beziehungen mit IWF, Nato und
      aehnlichen US (freundlich gesinnten)
      institutionen

      Es gibt sicher mehr, aber nur 600 Zeichen....
      6 1 Melden
    • Saraina 19.05.2017 13:49
      Highlight Du machst dich schuldenfrei bei der Weltbank und ähnlichen "Entwicklungsorganisationen". Das ist aber schon im letzten Punkt von pedrinho enthalten.
      3 1 Melden

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