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Russland und Iran erobern Aleppo – für Assad 

Das Assad-Regime und seine Verbündeten stehen vor dem grössten militärischen Erfolg seit Jahren: der vollständigen Eroberung von Aleppo. Den Preis dafür zahlt die Zivilbevölkerung.

Publiziert: 28.11.16, 16:17 Aktualisiert: 28.11.16, 16:29

Christoph Sydow

Bild: EPA/SANA

Ein Artikel von

Den Truppen von Diktator Baschar al-Assad ist ein Durchbruch gelungen - im wahrsten Sinne des Wortes. Von zwei Seiten haben syrische Regierungssoldaten im Verbund mit libanesischen und iranischen Milizionären eine Schneise durch den von Aufständischen kontrollierten Ostteil Aleppos geschlagen. Nur wenige Stunden später übernahmen die Einheiten des Regimes die Kontrolle über den gesamten Nordteil von Ost-Aleppo. Insgesamt haben die Aufständischen binnen weniger Tage mehr als ein Drittel des von ihnen beherrschten Gebiets in der Stadt verloren.

Das syrische Staatsfernsehen verbreitet Triumphbilder aus dem Kampfgebiet. Die eroberten Viertel scheinen auf den Aufnahmen der Assad-Medien menschenleer. Tausende Zivilisten sind in den vergangenen 48 Stunden aus dem Gebiet geflüchtet. Das russische Verteidigungsministerium teilte mit, dass 3200 Zivilisten in einem Auffanglager der syrischen Regierung eingetroffen seien.

Video: watson.ch

Rund 10'000 Menschen flüchteten sich in das kurdische Viertel Scheich Maksud. Die dort herrschende YPG-Miliz ist zwar mit dem Assad-Regime verbündet, trotzdem hoffen die Flüchtlinge, dort vor dem Zugriff der Regierung vorerst sicher zu sein. Besonders Männer müssen fürchten, als Terroristen gebrandmarkt und verschleppt zu werden. Viele Syrer, die in den vergangen Jahren aus Rebellengebieten flüchteten und sich den Regierungstruppen stellten, sind seither verschwunden.

USA und EU lassen Putin freie Hand

Tausende Menschen flüchteten zudem in die von der Opposition gehaltenen südlichen Viertel von Ost-Aleppo. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch diese Gebiete erobert werden: Die Rebellen dort sind seit Monaten vom Nachschub abgeschnitten, Nahrungsmittel gehen zur Neige, pausenlos fliegen syrische und russische Luftwaffe Angriffe auf das Gebiet. Die Uno schätzt, dass rund 8000 bewaffnete Aufständische in Ost-Aleppo ausharren, etwa 900 von ihnen gehören zur sogenannten Eroberungsfront Syriens, einer Terrorgruppe, die sich im Juli von al-Qaida losgesagt hatte. Insgesamt sollen sich noch rund 250'000 Menschen in Ost-Aleppo aufhalten.

Aleppo ist ein Trümmerfeld

Mit dem Fall der Stadt würden die Aufständischen ihre wichtigste Bastion in Syrien verlieren. Eine solche Niederlage käme zu einer Zeit, in der sich die geopolitische Lage ohnehin zu ihren Ungunsten verändert hat: Die USA und Europa haben Russland in Syrien freie Hand gelassen. Das Aushungern von einer Million Menschen in belagerten Städten, Luftangriffe auf Krankenhäuser und Schulen, der Einsatz von Giftgas - nichts davon hat für Wladimir Putin oder Baschar al-Assad Konsequenzen.

Die Rebellen kontrollieren nur noch ländliche Gebiete

In knapp acht Wochen wird zudem Donald Trump US-Präsident. Seine Äusserungen und die seiner wichtigsten Berater zum Syrienkrieg sind höchst widersprüchlich, allerdings haben sie erkennen lassen, dass sie Assad eher als Partner denn als Feind sehen. Für die syrische Opposition sind das keine guten Aussichten.

Das Regime beherrscht damit wohl künftig wieder die fünf grössten Städte des Landes: Damaskus, Hama, Homs, Latakia und Aleppo. Wichtigste Bastion der Opposition ist künftig die Provinz Idlib. Das Gebiet im Nordosten Syriens wird fast vollständig von einem islamistischen Rebellenbündnis kontrolliert. Dessen wichtigste Unterstützer sind Saudi-Arabien und Katar. Mit Trumps Amtsantritt dürfte der Einfluss der Golfstaaten auf die Aufständischen in Syrien weiter wachsen, weil die Rebellen von den USA dann keine Unterstützung mehr erwarten können.

Russland und Iran halten Assad an der Macht

Fortan sind es vor allem ländliche Teile Syriens in der Peripherie, die von der Opposition beherrscht werden: Neben der Provinz Idlib etwa die Gebiete in der südsyrischen Provinz Dara und einige Vororte von Damaskus. Sobald Assad die vollständige Kontrolle über Aleppo zurückerlangt hat, kann der Diktator seine Truppen gegen die anderen Rebellengebiete einsetzen. Gegenüber den Aufständischen hat er zwei grosse Vorteile: Russische und syrische Luftwaffe können mit ihren Hubschraubern und Kampfjets aus der Luft angreifen. Und ihm steht ein schier unerschöpflicher Nachschub an schiitischen Söldnern aus dem Libanon, dem Irak und Iran zur Verfügung. Einen solchen Krieg können die Rebellen nicht gewinnen.

Diese massive militärische Unterstützung aus dem Ausland hält Assad an der Macht. Sie verhindert aber zugleich eine Lösung der politischen Ursachen des Konflikts. Weil ihn Russland und Iran bedingungslos unterstützen, ignoriert der Diktator die Forderung des Westens nach Waffenstillstandsverhandlungen.

Die Folge: Assad kann weiter über Syrien herrschen. Den Preis zahlt die Bevölkerung: Fast eine halbe Million Menschen sind seit 2011 getötet worden, zwölf Millionen sind innerhalb und ausserhalb des Landes auf der Flucht. Solange der Diktator herrscht, werden sie nicht zurückkehren.

Zusammengefasst: Die Rebellen in Ost-Aleppo haben innerhalb weniger Tage mehr als ein Drittel ihres Gebietes verloren. Der Fall der Stadt ist nur eine Frage der Zeit. Das Assad-Regime verdankt diesen militärischen Erfolg russischen Bomben sowie libanesischen, iranischen und irakischen Milizionären. Mit ihrer Hilfe festigt Assad seine Macht, auf Kosten der syrischen Bevölkerung.

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  • Posersalami 28.11.2016 21:56
    Highlight "Zusammengefasst: Die Rebellen in Ost-Aleppo haben innerhalb weniger Tage mehr als ein Drittel ihres Gebietes verloren. "
    Zusammengefasst: Dumme Propaganda, die sog. Rebellen sind fundamentale Islamisten die gerne mal Köpfe abschneiden.
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  • Toerpe Zwerg 28.11.2016 21:23
    Highlight Das "Blut" auf Bild 6 ist nachgefärbt.
    11 3 Melden
    • Lukas Blatter 28.11.2016 22:47
      Highlight @Toerpe Zwerg: Woher weisst du, dass dieses Blut nachgefärbt worden ist?
      4 7 Melden
    • Raphael Stein 28.11.2016 23:20
      Highlight Weil es nicht zur Farbgebung vom Bild passt. Die Lache ist zu wenig tief, als dass sich Blut so lange halten würde, während der Rest rund herum schon verbleicht.
      Zudem ist der Fuss etwas nahe an der Lache, wenn es noch so extrem "flüssig" wäre. Würde meinen auch hartgesottene Zivis latschen nicht rein.
      Weiter sind keine Spuren von einem Körper da, welcher punktuell noch vor einer Minute geblutet hat.
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  • Dä Brändon 28.11.2016 21:22
    Highlight Endlich eine gute Nachricht. Die Zivilbevölkerung kann endlich etwas aufatmen und sich von diesem Terror erholen.
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  • Stojan 28.11.2016 19:54
    Highlight Bessere Neuigkeiten gab es seit einee Weile nicht mehr!
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  • URSS 28.11.2016 17:37
    Highlight Wir brauchen hier keine Russia Today Propaganda in den Kommentaren. Wir können selber 1+1 zusammenzählen.
    In einem Krieg gibt es kaum Menschlichkeit und Vorallem keine Ethik.
    Der Stärkere setzt sich durch, die Zivilbevölkerung bezahlt den bitteren Preis.
    Dies ist nun mit dem Fall von Aleppo geschehen.
    Zu hoffen ist dass das " Regime" nun für geordnete Verhältnisse sorgt , der Zivilbevölkerung hilft und keinen Rachefeldzug gegen alle über 15 Jährigem Männer führt.
    64 26 Melden
    • Beobachter24 28.11.2016 18:52
      Highlight Klar.
      Das einzige was wir brauchen ist objektive SPON Berichterstattung - voller Wahrheiten der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte und der White Helmets.
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  • felixJongleur 28.11.2016 17:35
    Highlight Freunde Assads, wie sehr ihr das denn so mit den Folterknästen in Syrien? Die tausenden von Dokumenten dazu? Alles Lüge? Danke für Klärung.
    33 32 Melden
    • Pisti 28.11.2016 18:38
      Highlight Sie meinen die Foltergefängnisse wo die CIA in der Vergangenheit noch gefoltert hat, als Assad der USA noch genehm war?
      42 20 Melden
    • felixJongleur 28.11.2016 19:32
      Highlight Genau die, wieso meinen Sie?
      16 3 Melden
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  • Repplyfire 28.11.2016 17:33
    Highlight Gut so. Sind die Islamisten am Ende so endet auch der Krieg. Lieber eine stabile Diktatur als Al-Qaida. Staune immer noch dass "unsere Regierungen" in Europa und den USA radikale Islamisten der Assad-Regierung tatsächlich vorziehen.
    74 12 Melden
    • Hoppla! 28.11.2016 17:53
      Highlight Ja, vor allem wird es mit einem Diktator der Tausende von Menschen brutal abschlachten lässt sicher ganz friedlich. Ja ja ja...
      31 64 Melden
    • Maragia 28.11.2016 20:07
      Highlight Ein Diktator ist sicher mehr an seinem Volk interessiert als Terroristen...
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  • Pasch 28.11.2016 17:10
    Highlight Für wen sollen sies denn sonst "zurück"erobern?? Das gegenteil wäre ja für den IS-Verteidigen...
    Oder werden nur keine Nato oder Ami Ziele verfolgt???
    Ach was, immer dieselbe Leier....
    34 6 Melden
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  • Informant 28.11.2016 17:01
    Highlight „nichts davon hat für Wladimir Putin oder Baschar al-Assad Konsequenzen.“

    Genau wie die Kriegspropaganda und Lügenmärchen des SPON keine Konsequenzen haben werden.
    Aber das Kartenhaus ist am Zusammenfallen.
    60 21 Melden
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  • Beobachter24 28.11.2016 16:55
    Highlight Die Zivil-Bevölkerung Aleppos ist sicher zu Tode betrübt, dass man die herzallerliebsten Kopfabschneider rausschmeisst.

    Und Assad, dieser Feigling, musste sich Hilfe holen beim Russen und beim Iraner (und der Hizbollah) ... schliesslich wurden die „Rebellen" nur von den USA, GB, FR, DE, Israel, der Türkei, Katar und den Saudis unterstützt.

    P.S.
    Bei Regime changes zahlt immer die Bevölkerung den "Preis" - bei erfolgreichen und bei missglückten.
    Die syrische Bevölkerung wird sich noch jahr­zehn­te­lang über diese Einmischung freuen.
    69 13 Melden
    • Beobachter24 28.11.2016 18:49
      Highlight Anbei noch ein Video der Zivilbevölkerung auf der Flucht vor den bösen Regierungstruppen:

      https://twitter.com/theLemniscat/status/803142734714433536
      15 5 Melden
    • Pius C. Bünzli 28.11.2016 19:19
      Highlight Ist immer so bei Stellvertreterkriegen. Eine Seite wird gewinnen eine verlieren (eigentlich verlieren beide Seiten) und die Bevölkerung muss flüchten..
      14 1 Melden
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  • Vanish Oxi Action 28.11.2016 16:45
    Highlight Bitte etwas mehr Objektivität!!!
    62 15 Melden
    • Wehrli 28.11.2016 19:51
      Highlight Noch mehr Objekitivität? Zar, Putin, Schlächter Assad, und die Ajatolla-Hizbolla? Noch Fragen? Werden alle von der Pressestelle mit Artillerie beantwortet, wo liegt denn ihre Pressestelle?
      12 4 Melden
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  • pachnota 28.11.2016 16:26
    Highlight Giebt es im nahen Osten eine Alternative zu den brutalen Diktatoren?
    Wenn diese verjagt werden kommen die Islamisten und alles wird noch schlimmer.
    59 6 Melden
    • Beobachter24 28.11.2016 16:59
      Highlight Es fragt sich halt, ob das Bild des "brutalen Diktators" korrekt ist.

      wobei, halt:
      Es kann nur stimmen. Die westlichen Medien machen niemals Propaganda. (Das tun nur immer die anderen.)
      60 25 Melden
    • pachnota 28.11.2016 20:08
      Highlight Beobachter... Du meinst also, das Sadam oder Gadafi, Freunde des Volkes waren?
      16 7 Melden
    • WeischDoch 28.11.2016 20:33
      Highlight Gaddafi mal mehr als Saddam :/

      Assad kenne ich zu wenig. Aber würde auch dazu tendieren, lieber ihn zu haben als die Islamisten
      14 1 Melden
    • Beobachter24 28.11.2016 21:14
      Highlight Ich weiss unter anderem,

      dass Gadaffi und Assad unendlich viel toleranter und gütiger waren gegenüber ihrem Volk als der IS, der grosse Teil Lybiens beherrscht und als die Al-Nusra, welche man anstelle von Assad installieren wollte.

      dass Libyen der am weitesten entwickelte afrikanische Staat war mit einer hervorragenden medizinischen Versorgung und gutem Bildungssystem;

      dass Syrien einer der seltenen Staaten in der Region war, in dem verschiedenste Religionen friedlich nebeneinander leben konnten.

      u.s.w.

      Weisst Du, bevor man jemanden wegbombt, muss man eine sehr gute Alternativen haben.
      27 1 Melden
    • stamm 28.11.2016 21:32
      Highlight Meinst du, es sind alle Bundesräte Freunde vom Volk? Haaaaha! Gadafi war sehr wohl ein Freund vom grossen Teil. Aber ihre Wirtschaft nicht von der USA. Ich hoffe schwer, dass Trump einiges ändert. Aber dem werden wahrscheindlich die Hosen bei der sogenannten ``Nachzählung`` schon wieder abgeschnitten....weil er eben auch nicht in die USA passt.
      15 0 Melden
    • Beobachter24 28.11.2016 22:14
      Highlight @pachnota

      Und um auf meine Kernaussage in diesem Sub-Thread zurückzukehren:
      Zum Diktator und Schlächter wird man in den Zeitungen gemacht - wenn man wider die Interessen gewisser Staaten handelt - unabhängig davon, ob man „gut“ oder „böse“ ist.

      Das kann man mit ein wenig googlen ganz einfach nachprüfen.

      Es sind die Medien, die unsere Vorstellungen von Assad, Putin, den Al-Sauds, Hamad Al Thani, Zayid Al Nahyan, Erdogan u.a. prägen.

      Und je schlechter der Zugang zu Medien aus Ländern der entsprechenden Damen u. Herren ist, desto einfach lässt sich das Bild verfälschen.
      10 2 Melden
    • Beobachter24 28.11.2016 22:16
      Highlight Und um das ganze mit einer leicht scherzhaften Note abzuschliessen:

      The North Korea Law of Journalism:
      9 2 Melden
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