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Palmyra unter Beschuss, Weltkulturerbe in Gefahr: Das Bild datiert vom 19. Mai 2015. Bild: OMAR SANADIKI/REUTERS

Erste Augenzeugen-Berichte aus Palmyra: «Es gibt dort niemanden mehr, der den IS aufhält»

Nach der Eroberung der syrischen Stadt Palmyra gibt es erste Augenzeugenberichte über den Einmarsch des IS. Die syrische Armee konnte den Milizen nichts entgegen setzen, es soll bereits erste Hinrichtungen gegeben haben.

22.05.15, 10:20 22.05.15, 10:39

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Nach der Eroberung Palmyras durch den «Islamischen Staat» gibt es erste Berichte über die Geschehnisse in der syrischen Stadt. Die Vereinten Nationen melden, dass syrische Truppen Zivilisten davon abgehalten haben sollen, Palmyra zu verlassen, bevor der IS dort einfiel, berichtet der britische Sender BBC.

Augenzeugen erzählten der «New York Times», wie Regierungssoldaten und Offiziere aus der Stadt flohen und die Menschen schutzlos zurückliessen. Die Soldaten seien in Obstgärten gerannt und hätten verzweifelt Unterschlupf gesucht. Syrische Medien und der britische «Guardian» berichten hingegen, dass die Regierungstruppen die Stadt erst verlassen hätten, nachdem sie die meisten Zivilisten in Sicherheit gebracht hatten.

Ein Mann berichtete, er sei gerade nicht in der Stadt gewesen, als die Dschihadisten einfielen – doch seine Eltern seien noch dort. «Sie haben erzählt, dass Kämpfer der IS-Miliz durch die Lautsprecher der Minarette alle dazu aufgerufen haben, Soldaten oder Mitarbeiter der Regierung an sie auszuliefern», sagte er. Gleichzeitig gingen IS-Kämpfer durch die Stadt und verteilten Brot, schilderte er der «New York Times».

IS rückt auf antike Oasenstadt Palmyra vor

Öffentliche Hinrichtungen in Palmyra

In den Sozialen Medien verbreiten IS-Kämpfer Fotos davon, wie sie vor den Säulen der Kulturstätte posieren, meldet der «Guardian». Andere Bilder zeigten demnach Strassen, die von Blut rot gefärbt waren.

Donnerstag Nacht sollen mehrere Dutzend Menschen öffentlich hingerichtet worden sein – das melden Augenzeugen und die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Einige der Opfer sind demnach enthauptet worden, darunter Zivilisten und syrische Sicherheitskräfte. Zuvor hatte die Miliz beim Vorrücken auf die Stadt knapp 50 Menschen getötet. «Es gibt dort niemanden mehr, der sie aufhält», sagte ein Sprecher der Beobachtungsstelle dem «Guardian».

Der IS kontrolliert inzwischen die Hälfte der Fläche Syriens. Mit dem Fall Palmyras kippte das Kontrollverhältnis zu Gunsten der Dschihadisten - allerdings handelt es sich bei den Gebieten, in denen die Miliz herrscht, zu grossen Teilen um Wüste.

Machtverhältnisse in Syrien (Stand: 21. Mai 2015) Grafik: Spiegel Online

Palmyra fiel nur wenige Tage, nachdem der IS die irakische Stadt Ramadi erobert hatte. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldet weiter, dass der IS den letzten noch von Regierungstruppen gehaltenen Grenzübergang zum Irak eingenommen hat. Damit haben die Dschihadisten einen Grossteil der Grenzlinie zwischen Syrien und dem Irak unter ihre Kontrolle gebracht.

Regierungssoldaten nach Kriegsjahren geschwächt

Ein irakischer Soldat sagte dem «Guardian», er habe seinen Männern befohlen zu fliehen, als die IS-Kämpfer Ramadi überfielen. «Der IS gewinnt nicht, weil er so stark ist», erzählt er. «Sondern weil wir zu schwach sind.»

Nach mehr als vier Jahren des Bürgerkriegs ist auch die syrische Armee geschwächt und kann kaum noch Widerstand gegen die Miliz leisten. Als die Meldung kam, dass die Dschihadisten in Palmyra einrücken, versuchte ein syrischer Soldat verzweifelt, seine Kameraden vor Ort zu erreichen - niemand antwortete. Er sagte, ein Offizier habe im Hauptquartier angerufen und gesagt: «Wir sind fertig.» Die Soldaten hätten keine Munition mehr gehabt.

Angaben aus Syrien können nur schwer verifiziert werden. Aufgrund der gefährlichen Lage in dem Land ist es westlichen Journalisten derzeit nicht möglich, von vor Ort zu berichten.

Anti-Terror-Koalition greift bisher nicht ein

Die Eroberung Palmyras ist für den IS sowohl symbolisch als auch strategisch bedeutsam: Palmyra ist Unesco-Weltkulturerbe und eine der wichtigsten antiken Stätten im Nahen Osten. Die Oasenstadt liegt zudem im Zentrum des Landes - nur rund 200 Kilometer entfernt vom Grossraum Damaskus.

Bislang haben die USA nicht in Palmyra eingegriffen. US-Präsident Barack Obama räumte ein, dass die Eroberungen des IS ein «taktischer Rückschlag» für die Anti-Terror-Koalition seien. Er betonte jedoch: «Ich glaube nicht, dass wir verlieren.» Der Kampf gegen die Dschihadisten werde allerdings mehrere Jahre dauern.

(kry/Reuters)

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Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.
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