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Spuren der Zerstörung: Am Samstag Explodierte eine Bombe in der Nähe von Bussen. Bild: EPA/THIQA NEWS

68 Kinder unter den Toten des Anschlags auf Buskonvoi in Syrien

16.04.17, 16:40 16.04.17, 17:32

Über die Hälfte der mehr als 100 Opfer eines verheerenden Bombenanschlags auf Busse im Norden Syriens waren Aktivisten zufolge Kinder. Die Zahl der Toten sei auf mindestens 126 gestiegen, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Sonntag.

Davon seien 68 Kinder und 13 Frauen gewesen. Es gebe zudem viele Verletzte. Eine Bombe war am Samstag westlich der Stadt Aleppo explodiert, wo die Busse auf ihre Weiterfahrt warteten.

Zunächst war unklar, wer für das Attentat in dem von Rebellen kontrollierten Ort Al-Raschidin verantwortlich war. Niemand bekannte sich zu der Tat. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana sprach von einem Anschlag von «Terroristen». Oppositionsaktivsten beschuldigten hingegen Regierungsanhänger, hinter der Bombe zu stecken.

Der Selbstmordattentäter sprengte sich neben dutzenden Bussen in die Luft. Bild: EPA/TNA

Der Selbstmordanschlag hatte sich gegen einen Buskonvoi gerichtet, der tausende Menschen aus zwei belagerten Ortschaften im Nordwesten Syriens herausgebracht hatte. Der Attentäter sprengte sich neben dutzenden Bussen in die Luft. In den Fahrzeugen sassen Bewohner der beiden von Rebellen belagerten Ortschaften Fua und Kafraja im Nordwesten Syriens.

Die Evakuierung aus den beiden Orten war zuvor im Zuge eines Abkommens vereinbart worden. Sie war am Freitag nach mehrfachen Verzögerungen angelaufen, jedoch bald ins Stocken geraten.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte ist in Grossbritannien ansässig und stützt sich auf ein Netz von Informanten in Syrien. Von unabhängiger Seite sind ihre Angaben nur schwer zu überprüfen, sie haben sich jedoch als zuverlässig erwiesen.

Evakuierung nach zweijähriger Belagerung

Die Einwohner von Fua und Kafraja in der nordwestlichen Provinz Idlib waren mehr als zwei Jahre lang von Aufständischen belagert worden. Sie sollen nun nach Aleppo, in die Hafenstadt Latakia oder in die Hauptstadt Damaskus gebracht werden. Ihre Weiterreise wurde schliesslich am Samstagabend nach schwierigen Verhandlungen ermöglicht.

Die Einigung sieht vor, dass im Gegenzug etwa 2220 Menschen die von Regierungskräften eingeschlossenen Orte Madaja und Sabadani verlassen. Der Iran als Verbündeter der Regierung und Katar als Unterstützer der Rebellen hatten das Abkommen zwischen den Kriegsparteien vermittelt.

Kritiker verurteilen die Einigung über den Abzug von Tausenden Menschen aus den vier Orten als Zwangsbevölkerungsaustausch. In den vergangenen Monaten waren nach Abkommen zwischen Regierung und Rebellen bereits mehrere von der Regierung belagerte Orte evakuiert worden. Die Opposition wirft den Regierungskräften vor, diese Gebiete durch Aushungern und Bombardierungen zur Aufgabe gezwungen zu haben.

Der UNO-Nothilfekoordinator Stephen O'Brien zeigte sich «entsetzt» über den Anschlag. Den Attentätern seien Menschenleben völlig gleichgültig. Papst Franziskus sprach am Ostersonntag in Rom von einem «schändlichen Angriff». Der Krieg in Syrien höre nicht auf, «Tod und Schrecken» zu verbreiten. (dwi/sda/afp/dpa)

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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  • Dirk Leinher 17.04.2017 09:18
    Highlight Sehr sachlicher Artikel ohne Vorverurteilungen. So wünsch ich es mir. Obwohl es schwer vorstellbar ist dass die Täter nicht zu den Rebellen gehören, gibt es keine Vorverurteilung. So wünsch ich es mir. Weshalb es aber bei anderen Gelegenheiten wo es schwer vorstellbar ist dass es jemand anderes als die Regierung war, nur so von Vorverurteilungen hagelt, ist doch bemerkenswert.
    Die Medien könnten einen grossen Beitrag leisten zu deeskalieren, leider tun sie dies viel zu selten.
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  • almlasdn 16.04.2017 18:48
    Highlight Nichts mehr darüber schreiben, bevor ihr nicht selber etwas unternehmen wollt! Gilt für Redaktion so wie Leser... Nein, einfach sagen das es schlimm ist reicht nicht!
    2 29 Melden
    • Blutgrätscher 16.04.2017 19:05
      Highlight Dann geh doch!
      18 4 Melden
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  • Radiochopf 16.04.2017 18:02
    Highlight Wieso sollte die Regierung der Evaukierung zustimmen und dann ein Selbstmord-Anschlag ausführen? Es sollte also klar sein wer dafür verantwortlich ist, es wird einfach wiedermal totgeschwiegen... von den Weisshelme hört man auch nichts und auch auf den Bildern auf Twitter zu diesem
    Anschlag sind sie nicht zu finden... sogar die 7 jährige Bana sagt diesmal nichts, obwohl doch über 60 Kinder gestorben sind.. die sind ihr wohl diesmal egal... morgen wird eh niemand mehr von diesem Ansschlag reden, es ist einfach nur tragisch....
    23 10 Melden
    • Echo der Zeit 17.04.2017 13:16
      Highlight Das einzig Tragische sind ihre Kommentare - wo 6 Jahre Krieg dauert - wo zig Rebellen, Aufständische, Milizen, Terroristen usw. sich Bekriegen - und anscheinend Radiochopf sehr Gut informiert ist und genau weiss was abläuft - Belehrt und Richtigstellt - Ich würde mir nicht anmassen solch Berichte zu Kommentieren ja gar auf einer Zynischen Sprache zu Verklären wenn man gar keine Möglichkeiten hat sich 1 zu 1 zu informieren. - Gehen sie besser auf einen Ostermarsch.
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Die vergessenen Jahre des Terrors: In den 70ern und 80ern zogen Terroristen eine Blutspur durch Europa

Weltweit gab es seit 1970 über 156'000 Terroranschläge. In der Schweiz ist seit 20 Jahren niemand mehr einem Attentat zum Opfer gefallen. Doch in den 70er- bis 90er-Jahren ermordeten Terrorgruppen teils Hunderte Menschen jährlich in Westeuropa. Eine Übersicht von 1970 bis Manchester 2017.

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