International

Offenbar Senfgas im Kampf zwischen IS und Syriens Rebellen benutzt

05.11.15, 21:48

Bei Kämpfen zwischen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und Rebellengruppen in Syrien ist nach Angaben unabhängiger Experten Senfgas eingesetzt worden. Die Chemikalie wurden demnach am 21. August bei Gefechten in Marea in der nördlichen Provinz Aleppo verwendet.

Dies verlautete am Donnerstag aus Kreisen der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW). Es handelt sich demnach um den ersten bestätigten Einsatz von Senfgas in Syrien. Die Nachrichtenagentur Reuters erhielt Einsicht in die Zusammenfassung eines vertraulichen Berichts der OPCW zu Kämpfen am 21. August in Marea nördlich von Aleppo.

Darin hiess es, «mit äusserster Sicherheit» seien mindestens zwei Menschen Senfgas ausgesetzt gewesen. Es sei zudem «sehr wahrscheinlich», dass ein Baby an den Folgen gestorben sei. In dem Bericht vom 29. Oktober wird der IS nicht erwähnt und ihm auch keine Schuld zugewiesen. Aus Diplomatenkreisen erfuhr Reuters jedoch, dass es sich um ein Gefecht zwischen der Terrormiliz und anderen Rebellen handelte.

Eigentlich sollte die syrische Regierung ihre kompletten Chemie-Waffen-Bestände vor 18 Monaten zur Vernichtung ausgehändigt haben. Die Regierung von Präsident Baschar al-Assad stimmte der Zerstörung im September 2013 zu, nachdem Hunderte Menschen bei einem Saringas-Angriff nahe Damaskus ums Leben gekommen waren. Die letzte gemeldete Ladung wurde im Juni 2014 übertragen.

IS-Terrormiliz im Verdacht

Daher werfe der Bericht die Frage auf, woher das Senfgas stamme, sagte ein Insider. Entweder habe der IS «die Fähigkeit erlangt, es selbst herzustellen, oder es könnte aus einem heimlichen Lager stammen, das der IS erobert hat», sagte er. «Beide Möglichkeiten sind besorgniserregend.»

Der Bericht soll im Laufe des Monats UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon formell übergeben werden. Wegen der neuen Erkenntnisse sei zudem für den 23. November eine Sondersitzung des OPCW-Exekutivrates in Den Haag einberufen worden, erfuhr Reuters aus Kreisen der Organisation.

Der Bericht ist ein weiteres Indiz dafür, dass der so genannte Islamische Staat im Irak und in Syrien Chemiewaffen erlangt hat und sie auch einsetzt.

Kurdische Behörden hatten vor einigen Tagen erklärt, dass die Islamisten im August im Nordirak Senfgas-Granaten gegen Peschmerga-Milizen eingesetzt hatten. Bluttests bei etwa 35 kurdischen Kämpfen hätten dies belegt.

Aus den Diplomatenkreisen verlautete, ein OPCW-Team sei in den Irak gereist, um die Vorwürfe zu prüfen. Mit einem Ergebnis sei bis Monatsende zu rechnen.

Mitglieder der OPCW sind die Vertragsstaaten der Chemiewaffenkonvention. Sie hat ihren Sitz in Den Haag in den Niederlanden und steht in besonderen vertraglichen Beziehungen zur UNO. (sda/reu/afp)

Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
0Alle Kommentare anzeigen
0
Um mit zudiskutieren oder Bilder und Youtube-Videos zu posten, musst du eingeloggt sein.
Youtube-Videos und Links einfach ins Textfeld kopieren.
600

Spielball der Mächte: Weshalb der Syrien-Konflikt in erster Linie ein Stellvertreterkrieg ist

Die westliche Berichterstattung über den Syrien-Konflikt sei einseitig, unreflektiert und spiegle die Interessen der Industriemächte, schreibt der langjährige SRF-Korrespondent Helmut Scheben. Dabei gehe oft vergessen, dass am Anfang des syrischen «Bürgerkriegs» ein Kampf um die Vormacht im globalen Energiemarkt stand.

Die Hauptakteure der ausländischen Parteien, die in Syrien Krieg führen, sind Gas-Exporteure mit Interessen in einem von zwei umkämpften Pipeline-Projekten. Dabei geht es um die Ausbeute der weltgrössten Erdgasreserven, nämlich des Gasfeldes South Pars/North Dome, welches auf dem Grund des Persischen Golfs liegt und zum Teil dem Iran, zum Teil Katar gehört. Beide Länder begannen 1989 mit der Förderung.

2009 schlug Katar vor, eine Pipeline zu bauen, die Erdgas durch Saudiarabien, Jordanien und …

Artikel lesen