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Die drei grossen Städte Istanbul, Izmir und Ankara lehnten das Referendum ab, aber in einem grossen Teil Anatoliens sagten die Wähler mit zum Teil überwältigender Mehrheit «Ja». grafik: watson

«Die Abstimmung hätte niemals stattfinden dürfen» – das schreibt die Presse zur Türkei

17.04.17, 12:40 17.04.17, 13:01

Das türkische Volk heisst die Verfassungsreform gut. Am Sonntagnachmittag haben 51 Prozent ein «Ja» in die Urne gelegt. Am Abend verkündete Präsident Recep Tayyip Erdoğan den Sieg. Damit wird die Türkei 2019 zu einem sogenannten Präsidialsystem umgewandelt. Das schreibt die Presse dazu:

Deutschland:

«ARD»:

«Das türkische Volk ist tief gespalten, die Beziehungen zur EU sind zerrüttet, das Verhältnis zu Deutschland ist auf dem Tiefpunkt.»

ard.de

Abstimmungssieger beim Feiern. Bild: DENIZ TOPRAK/EPA/KEYSTONE

Unglaube bei den Verlierern. Bild: AP/dpa

«Die Zeit»:

«Ob Erdoğan tatsächlich beim Referendum gewonnen hat, wird vielleicht erst in einigen Tagen feststehen, vielleicht auch nie. Die drangsalierte Opposition spricht von Manipulationen bei dieser sowieso schon unfairen Wahl.»

zeit.de

«Spiegel Online»:

«Die Abstimmung hätte niemals stattfinden dürfen – jedenfalls nicht in einem Land, das für sich beansprucht, eine Demokratie zu sein und offiziell weiter der EU beitreten will.»

spiegel.de

England:

«The Guardian»:

«Es ist wohl die wichtigste Entwicklung in der türkischen Geschichte, seit das Land auf der Asche des Osmanischen Reiches gegründet wurde.» 

theguardian.com

Der türkische Premierminister feiert das «Ja» in Ankara. Bild: TUMAY BERKIN/EPA/KEYSTONE

«BBC»:

«Eine polarisierende Kampagne endet in einem umstrittenen Resultat.»

bbc.co.uk

Frankreich:

«Le Monde»:

«Der Charakter des knappen Ja-Anteils ist ein echter Schlag für den starken Mann der Türkei.»

lemonde.fr

«Le Figaro»:

«In den letzten Wochen konnte die Maschine der Macht die letzten Unentschiedenen überzeugen – oder erschrecken.»

lefigaro.fr

International:

«Aljazeera»:

«Die Befürworter sehen kein Problem darin, die Macht des Präsidenten auszuweiten – solange Erdogan Präsident ist.»

aljazeera.com

Erdogan spricht nach seinem Sieg zum türkischen Volk. Bild: Tolga Bozoglu/EPA/KEYSTONE

«The Washington Post»:

«Trotz der vielen Unregelmässigkeiten in der türkischen Demokratie waren die letzten Wahlen grösstenteils fair. Diesen Eindruck machte die Abstimmung vom Sonntag aber nicht.»

washingtonpost.com

«El Pais»:

«Fast die Hälfte der Türken hat das geplante neue System abgelehnt, sie stellen die Art von Erdogans Regierung in Frage. Er wird vom Land geliebt und von der anderen Hälfte gehasst.»

elpais.com

(leo)

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Brikne, 20.7.2017
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  • Beobachter24 18.04.2017 05:51
    Highlight "Die Abstimmung hätte niemals stattfinden dürfen",
    das schreibt nicht "die Presse" sondern der Spiegel.

    Persönlich bevorzuge ich den Titel von "El Pais" ...
    2 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 17.04.2017 19:46
    Highlight Treibt's der Bulle mit den Ziegen,
    muß das wohl am Frühling liegen.

    Unbekannt
    15 7 Melden
  • Waedliman 17.04.2017 17:36
    Highlight Wie sagte es ein "Ja-"Wähler gestern im TV: "Ich bin Türke, ich bin Moslem, ich bin für Erdogan". Ich glaube, mehr muss man nicht wissen über das "Denken" der Befürworter des Referendums, die lieber mit erhobenen Fahnen für ihren Führer in den Tod gehen, als sich mit Sachfragen auseinanderzusetzen. Ich wünsche der Türkei ein schönes Erwachen, wenn das Land international isoliert ist, die Wirtschaft weiter den Bach runtergeht und hoffe, dass kein Tourist mehr dorthin fährt.
    52 5 Melden
    • Rendel 17.04.2017 21:49
      Highlight Doch man muss mehr wissen um sowas zu verstehen und zwar alle, sonst passiert es immer wieder, wie in D bei Hitler, der wurde ja vom Volk gewünscht und war kein Moslem. Es sind aber die gleichen Mechansimen, die greifen.
      14 1 Melden
    • Schubjak 19.04.2017 12:01
      Highlight @Rendel: Ich hätte mir nicht getraut, Hitler in diesem Zusammenhang zu nennen. Aber ich gehe absolut einig mit Ihnen. Alle Anfeindungen (kein Europäer kann sich sicher sein...) und Polemisierungen tragen die gleichen Züge wie damals. Warum sehen das die Menschen nicht???
      2 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 17.04.2017 15:46
    Highlight Le Monde bringt es gut auf den Punkt.
    16 2 Melden
  • N. Y. P. 17.04.2017 15:29
    Highlight «Die Abstimmung hätte niemals stattfinden dürfen»

    Richtig !

    Die gesamte 4. Gewalt (150 Journalisten der oppositionellen Presse) wurde ja eingekerkert und mundtot gemacht.
    Erdi will vielleicht auch die Todesstrafe, damit er noch einige lästige Journalisten bequem los wird..
    59 5 Melden
    • Lichtblau 17.04.2017 16:11
      Highlight N. Y. P.: Einverstanden. Das "Erdi" irritiert mich aber ein bisschen, genau wie das damalige "Honni" (Honey) bei DDR-Honecker. "Erdowahn" kommt dem doch ein wenig näher.
      27 4 Melden
    • N. Y. P. 17.04.2017 17:06
      Highlight @Lichtblau
      Du hast recht.
      Wenn ich Erdogan hier jeweils beleidige, verwende ich manchmal "Erdi".
      Im obigem Text wirkt es verniedlichend.
      16 1 Melden
  • Ruefe 17.04.2017 13:33
    Highlight Die Analyse von "El Pais" erscheint mir beängstigend genau.
    "Er wird vom Land geliebt und von der anderen Hälfte gehasst."
    40 1 Melden

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