International

Gerade zwei Monate her ist der Streit, nun schütteln die beiden Präsidenten wieder Hände: Vladimir Putin und Recep Tayyip Erdogan. Bild: Emrah Gurel/AP/KEYSTONE

Turkish Stream – Erdogan und Putin wollen Gaspipeline bauen

11.10.16, 04:20 11.10.16, 06:44

Der Streit und die Beleidigungen sind vergessen, Kreml-Chef Putin macht Präsident Erdogan seine Aufwartung. Bei einer Konferenz in Istanbul rücken beide demonstrativ zusammen – zumindest in Energiefragen.

Dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan ist nicht anzumerken, dass ihn sein russischer Gast Wladimir Putin vor nicht allzu langer Zeit noch öffentlich beleidigt hat. Gerade einmal zwei Monate ist die Aussöhnung zwischen Ankara und Moskau her – doch am Montag geleitet Erdogan den Kreml-Chef zum Weltenergiekongress im Istanbuler Hilton-Hotel, als wäre nichts geschehen. Das Signal: Der Streit ist beigelegt, nun geht es voran.

Der aus Moskau eingeflogene Besucher zögert, ob er sich schon auf den roten Sessel setzen soll oder noch nicht. Sicherheitshalber wartet er, bis der Gastgeber Platz nimmt. Putin sitzt in der ersten Reihe zwischen Erdogan und Präsident Ilham Aliyev aus Aserbaidschan. Ein heikler Platz: Russland ist die Schutzmacht Armeniens, das mit seinem Nachbarn Aserbaidschan im Streit liegt – welches wiederum ein enger Verbündeter der Türkei ist, wovon die Türkei nicht mehr so viele hat.

Doch die drei Staatschefs lächeln und plaudern ungezwungen, in welcher Sprache das geschieht, ist nicht zu hören. Bei dem Kongress geht es nicht um historisch gewachsene Konflikte, sondern um lebensnotwendige Energie. Russland und die Türkei planen ein ambitioniertes Projekt namens Turkish Stream, mit dem Erdgas – unter Umgehung der Ukraine – nach Südeuropa geleitet werden soll. Ausserdem baut Russland im südtürkischen Akkuyu ein Atomkraftwerk, von dem sich die Türkei Strom und Russland Deviseneinnahmen erhofft.

Schweigeminute für Putsch-Opfer

Weil sich in der Türkei aber seit dem 15. Juli alles um die Niederschlagung des Putsches dreht, geht es auch beim Weltenergiekongress erst einmal darum. Zum Auftakt werden auf der Mega-Leinwand Bilder von Zivilisten eingeblendet, die sich den Putschisten-Panzern entgegenstellen, dann eine türkische Flagge mit Fotos der Opfer des Umsturzversuches. Die Kongressteilnehmer erheben sich für eine Schweigeminute, um der Toten zu gedenken.

Auslöser für die Krise zwischen Moskau und Ankara war der Abschuss eines russischen Kampfjets im vergangenen November. Noch vor der Aussöhnung im August punktete Putin bei Erdogan, weil er als einer der ersten anrief, um den Putschversuch zu verurteilen.

Putin sagt am Montag: «Ich gratuliere dem türkischen Volk und Erdogan, dass in der Türkei Stabilität herrscht, und ich wünsche Erfolg.» Anders als westliche Politiker erspart sich Putin Kritik am Vorgehen der türkischen Führung, die mehr als 30'000 Menschen in Untersuchungshaft gesteckt und gut 50'000 aus dem öffentlichen Dienst entlassen hat.

Erdogan hat nach dem Umsturzversuch einen eklatanten Mangel an Solidarität aus dem Westen beklagt. Den Konferenzteilnehmern ist er nun umso dankbarer, dass sie drei Monate nach der Niederschlagung des Putsches nach Istanbul gekommen sind. Damit «haben Sie unser Land, unser Volk und unsere Demokratie unterstützt», sagt Erdogan. Er hoffe, das sei denjenigen ein Vorbild, die der Türkei immer noch «Lektionen in Menschenrechten und Demokratie» erteilen wollten.

Weiterhin ein sicheres Reiseziel

Die hochkarätig besetzte Tagung dient aus Sicht Ankaras auch dazu, der Welt zu zeigen: Die Türkei ist weiterhin ein sicheres Reiseziel, in dem Konferenzen abgehalten und Urlaube genossen werden können. Zwar reisen seit dem Ende der Moskauer Sanktionen wieder russische Touristen in die Türkei, doch diese Saison ist gelaufen. Westliche Urlauber bleiben sowieso aus, insgesamt kamen im August fast 38 Prozent weniger Touristen als im Vorjahresmonat.

Das ist vor allem der dramatischen Zunahme von Terroranschlägen geschuldet. Auch da versuchen die Kongress-Veranstalter, Ängste der Teilnehmer aus aller Welt zu zerstreuen. Ein ganzes Kapitel haben die Gastgeber auf der Webseite der Konferenz dem Thema Sicherheit eingeräumt. «Massive Polizeikräfte sind in zentralen Stellen in Istanbul eingesetzt», heisst es zur Beruhigung.

Rhetorisch deutlich abgerüstet

Putin und Erdogan sprechen auf dem Kongress zum Thema Energie, da gibt es zwischen den beiden keine Konflikte. Nicht einig sind sich Erdogan und Putin beim Thema Syrien, um das es bei dem bilateralen Treffen im Anschluss gegangen sein dürfte. Zumindest an der rhetorischen Front hat die Türkei seit der Aussöhnung mit Moskau deutlich abgerüstet.

Zu Beginn der Krise warf die türkische Regierung Russland noch «ethnische Säuberungen» in Syrien vor. Ankara zeigte sich ausserdem «verärgert», und zwar ausdrücklich über die russischen Bombardements in Syrien. Inzwischen richtet sich Kritik aus Ankara nur noch vage an «das Regime in Syrien und seine Unterstützer».

Zum Schluss seiner Ansprache auf dem Kongress am Montag wirbt Erdogan um gemeinsame Anstrengungen, in Syrien, dem Irak und dem gesamten Nahen Osten endlich Frieden zu schaffen. «Wenn ein kleines Kind in Aleppo in den Himmel blickt, sollte es von Hoffnung erfüllt sein», sagt er. «Doch die Kinder, die heute in Aleppo in den Himmel blicken, sehen nur die Bomben der Helikopter und Flugzeuge, die auf sie zielen.» Dass viele der todbringenden Flugzeuge den roten Stern der russischen Luftwaffe tragen, lässt Erdogan unerwähnt. (ehi/sda/dpa)

Das könnte dich auch interessieren:

Ich habe mein Zuhause mit einer Videokamera überwacht – ein Erfahrungsbericht

Fail, aber geil: 40 der lustigsten Photobombs, seit es das Internet gibt

«Back to the 90s»: Nintendo lanciert Super Nes neu

Champions League nicht mehr im SRF

SBB lancieren neue Ticket-App, die dir folgt

Freisprüche für Luzerner Polizeichefs

#ShitHappens! MMA-Kämpferin macht den Ring voll – und reagiert danach grandios

Eine Moschee für Schwule und unverhüllte Frauen? So liberal sind Schweizer Islam-Vertreter

13 Fun Facts über die kleinsten Staaten der Welt

«Qualifying offer» von Minnesota – Niederreiter erhält Angebot zur Vertragsverlängerung

Politologe: «Die SVP will mit der Kündigungs-Initiative gar nicht unbedingt gewinnen»

FIFA-Bericht enthüllt, wie Millionen bei einer 10-Jährigen landeten

Assad will offenbar erneut Chemiewaffen einsetzen

Wie sieht Eminem eigentlich gerade aus? «Sexy as fuck», sagen die einen ...

Grossbritanniens Regierung steht: May unterzeichnet Abkommen mit DUP

Loeb greift an: Diese 4 Dinge musst du über die Nestlé-Heuschrecke wissen

So schön feiert die Fussball-Nati von Curaçao ihren ersten Titelgewinn

Kein Geld für teure Ferien? 13 Dinge, die du im Sommer in Züri unternehmen kannst

Die «Ehe light» ist gut – doch zuerst müssen wir die «echte Ehe» für Homosexuelle öffnen

Vater fährt 2200 Kilometer, um den Herzschlag seiner Tochter in fremdem Mann zu hören

15 grossartige Memes zum Wochenende, die leider viel zu sehr auf dich zutreffen

«Ich hasse geizige Menschen! S*******!»

Cyber-Attacke auf britisches Parlament – und besonders ein Politiker nimmt's mit Humor

«Trennt euch!» – warum er will, dass du Schluss machst, und damit völlig falsch liegt

Fies! Wie Kinder-Pools in der Werbung aussehen vs. die bittere Realität

Todes-Schlepper vor Gericht

Über LinkedIn und MySpace: Russische Hacker stehlen Daten britischer Politiker

Federer und Bencic spielen erneut beim Hopman Cup +++ Williams kontert McEnroe-Kritik

Über 2100 Bootsflüchtlinge dieses Jahr ums Leben gekommen

So viel kostet das Surfen im Flugzeug

Gefahr auf dem Golan – Israel unterstützt syrische Rebellen und riskiert die Eskalation

Schweizer Wirtschaft profitiert von Aufschwung im Ausland

Wow! Diese Eule kann schwimmen

Verbraucht, verlacht, verlassen: Was mit denen passiert, die sich mit Trump einlassen

7 Grafiken, die jede Schweizer Frau bei der nächsten Lohnverhandlung dabei haben sollte  

Diese kleine Kunstgeschichte des Badens bringt dich ins Schwitzen

Zu heiss fürs iPhone? Heute wird's brenzlig

Wenn du diese Umrisse von Berühmtheiten nicht erkennst, klauen wir dir deinen Schatten

Sie haben einfach nie den Durchbruch geschafft: Die grössten Produkte-Flops der Geschichte

Uber ist verloren – die unglaubliche Chronologie der Uber-Fails

Männer, je öfter, desto besser! Fleissig ejakulieren senkt das Prostatakrebs-Risiko

Zuerst schmeisst Le Pen ihren Vater aus der Partei, nun fordert dieser ihren Rücktritt

Sean Spicer – irgendwie vermissen wir ihn jetzt schon

Mit iOS 11 kommen die Killer-Apps für Shopping-Fans und Einkaufs-Muffel

Raucher und Trinker sollen selber zahlen – Entsolidarisierung im Gesundheitswesen?

Uber-Chef Travis Kalanick tritt zurück

Rap-Ikone Prodigy von «Mobb Deep» ist tot

Scheinbeschäftigung: In Frankreich rollen reihenweise Köpfe von Macrons Ministern

So geht Apples Security gegen iPhone-Leaks vor

Sportlerpics auf Social Media: Rio Ferdinand ist eine krasse Maschine

«Wir werden mit frischem Hass zurückkommen»: Bye Bye «Circus HalliGalli»

Marco Streller hat's per WhatsApp eingefädelt – Cristiano Ronaldo wechselt zum FC Basel! 

Welches Land suchen wir? Wenn du Nummer 1 nicht weisst, sind die Ferien gestrichen!

Frauenhaut verboten! 23 absurde Album-Cover-Zensuren aus Saudi Arabien

Quizz den Huber! Bist du schlauer als unser schlauster Mitarbeiter?

Warum zwei Appenzeller Piloten im Mittelmeer Flüchtlinge retten müssen – eine Reportage

«Leute, die Anglizismen benutzen, gehen mir sooo auf den Sack!»

Verloren auf dem Meer des Unwissens: Rettet den Geschichtsunterricht!

History Porn – Showbiz Edition Teil III!

Liebe Karnivoren, lasst die Vegi-Wurst in Ruhe!

Sag mir doch einfach, dass du mich scheisse findest

EU schafft jetzt die Roaming-Gebühren ab – darum zahlen Schweizer nun gar mehr

Medikamente neu interpretiert – Teil 2!

20 Gründe in Bildern, warum du deinen Bart nicht abrasieren solltest

Dress like a «Goodfella»: So geht der perfekte Mafia-Look – vom Hut bis zum Hemdkragen

Ein Abend im Luxus-Restaurant: So sieht ein Menü für 400 Franken aus

Starkoch Gordon Ramsay kriegt Filet auf einem Dachziegel serviert ... und ist sprachlos

Macron-«Tsunami» bei Parlamentswahl: Der Durchmarche

Lucrezia Borgia: Die päpstliche Bastardbrut der Renaissance

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

User-Review:
DendoRex, 19.12.2016
Watson ist für mich das Nr. 1 Newsportal und wird es auch bleiben. So weitermachen!
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
5 Kommentare anzeigen
5
Um mit zudiskutieren oder Bilder und Youtube-Videos zu posten, musst du eingeloggt sein.
Youtube-Videos und Links einfach ins Textfeld kopieren.
600
  • Gelöschter Benutzer 11.10.2016 10:38
    Highlight Konflikte beilegen und gemeinsam ein Projekt voranbringen ist immer gut.
    2 1 Melden
    600
  • rodolofo 11.10.2016 07:52
    Highlight Die zwei "Pitbull-Kampfhunde" Putin und Erdogan geben einander die Hand.
    Der Eine denkt sich während dem Händeschütteln: "Grrrr, Du wirst Dich mir schon noch unterordnen! Ich habe Atombomben! Damit mache ich Dich jederzeit platt, wenn Du wieder frech wirst!"
    Der Andere denkt: "Endlich einer, der mich nicht beleidigt! Und ich bin grösser als er, hähähää!"
    8 6 Melden
    600
  • _kokolorix 11.10.2016 07:50
    Highlight Erdogan ist definitiv nicht der Hellste. Der lässt tatsächlich die Russen eine Atombombe im eigenen Land aufbauen und zahlt noch dafur??
    5 7 Melden
    600
  • roger.schmid 11.10.2016 07:02
    Highlight da haben sich zwei gefunden die zusammen gehören..
    was sagen nun eigentlich unsere Freunde des Kremls hier, für die bis vor kurzem erdowahn noch der Inbegriff des bösen war?
    9 10 Melden
    600
  • Domino 11.10.2016 05:38
    Highlight Und durch Syrien führt dann die Erdölpipeline. Die Frage ist nur wessen: Saudi Arabien oder Iran. Ihre Söldner USA/Russland scheinen sich da immer noch nicht einig. Mit Erdogans Seitenwechsel wurden aber einige Fakten geschaffen. Tritt die Türkei zur NATO aus? Was passiert in Inkirlic?
    Ich hoffe wir können möglich rasch die Erdgaspiplines mit eigenem hergestellten Wasserstoff füllen und verabschieden uns aus diesem hochriskanten Säbelrasseln, welches den 3. Weltkrieg bedeuten könnte.
    20 3 Melden
    600

«Zu kompliziert» – Erdogan verbannt Evolutionstheorie aus türkischen Schulbüchern

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan wirft die Evolutionstheorie aus dem Lehrplan. Sie sei zu kompliziert und zu kontrovers, hiess es aus dem Bildungsministerium als Begründung.

Am Dienstag stellt das türkische Bildungsministerium den neuen Lehrplan vor. Bekannt ist bereits jetzt, dass darin ein prominentes Thema fehlen wird: Die Evolutionstheorie von Charles Darwin. Ab 2019 bekommen türkische Schüler die Theorie von der Entstehung und Entwicklung des Lebens im Biologieunterricht nicht mehr unterrichtet. Nur wer sich für ein Studium entscheidet, bekommt Zugang zum Lernmaterial.

Präsident Recep Tayyip Erdogan hat den Lehrplan-Entwurf genehmigt. Der Vorsitzende …

Artikel lesen