International

Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte nach dem gescheiterten Putsch umfangreiche «Säuberungen» im Staatsapparat angekündigt. Bild: HANDOUT/REUTERS

Drei Monate nach dem Putschversuch: Türkei ermittelt gegen über 82'000 Personen

Publiziert: 23.10.16, 11:07 Aktualisiert: 23.10.16, 11:27

Als Reaktion auf den gescheiterten Putsch hat die türkische Regierung nach eigenen Angaben gegen rund 82'000 Menschen ermittelt. Mehr als 35'000 Menschen seien inhaftiert worden.

Knapp 4000 Verdächtige würden noch gesucht, bilanzierte Justizminister Bekir Bozdag am Samstagabend laut dem Fernsehsender NTV bei einer Veranstaltung der regierenden AKP.

Noch Ende September hatte die Regierung mitgeteilt, dass sie gegen 70'000 Menschen ermittle. 26'000 davon stünden weiter «unter der Kontrolle der Justiz», sagte Bozdag am Samstag.

Die Bilder zum Militärputsch in der Türkei:

Präsident Recep Tayyip Erdogan, der den in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen als Drahtzieher des Umsturzversuchs betrachtet, hatte nach dem gescheiterten Putsch am 15. Juli umfangreiche «Säuberungen» im Staatsapparat angekündigt.

Der Ausnahmezustand wurde inzwischen bis Mitte Januar verlängert. Als Folge kann Staatspräsident Erdogan per Notstandsdekret regieren. Unter anderem wurden mehr als 50'000 Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes per Dekret entlassen.

Ebenfalls per Dekret verfügte Erdogan die Verlängerung der Untersuchungshaft von vier auf 30 Tage. Der Kontakt zu einem Anwalt darf fünf Tage lang verwehrt werden.

Menschenrechtsorganisationen und Teile der Opposition kritisieren, dass die türkische Führung den Ausnahmezustand missbrauche, um gegen Regierungsgegner vorzugehen. (viw/sda/afp/dpa)

Mehr zum Putschversuch in der Türkei:

Djokovic trennt sich von Trainer Boris Becker

Wegen «Terrorismus»: Türkei zensiert weitere kritische Sender

Jetzt schlägt Gülen zurück: «Erdogan hat Putschversuch selbst inszeniert»

Türkische Regierung setzt 28 gewählte Bürgermeister ab

Türkei schafft Platz für Putschisten und entlässt fast 36'000 Verurteilte aus Gefängnissen

Schweiz muss die Menschenrechte in der Türkei überprüfen – wir sind gespannt auf das Resultat

Eklat in der Türkei: Minister lässt nach Interview mit deutschem TV-Sender den Film beschlagnahmen

Erdogan droht Rom: «Italien sollte sich um die Mafia kümmern, nicht um meinen Sohn»

Türkei fordert von den USA offiziell die Verhaftung Gülens

Putschversuch mit Ansage: «Es war nur eine Frage der Zeit»

Warum der missglückte Putsch in der Türkei für die USA gefährlich ist

Staatsfeind Nummer eins: Zu Besuch bei Erdogan-Gegner Gülen

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

User-Review:
naja, mir - 16.4.2016
Immer auf dem neusten Stand. Besticht mit sympathischem, intelligentem Witz!
6 Kommentare anzeigen
6
Logge dich ein, um an der Diskussion teilzunehmen
Youtube-Videos und Links einfach ins Textfeld kopieren.
600
  • deleted_636045908 23.10.2016 20:19
    Highlight Ich habe so einen Erdoganpolizisten in der Nachbarschaft. Er ist ein sehr einfacher Arbeiter, kann Deutsch seit dreissig Jahren in der Schweiz nur auf Grummelniveau und fickt jeden an, der seiner Meinung nach eventuell keine Arbeit oder sonst ein Problem hat in seiner Nachbarschaft. Und er denkt wirklich von sich selbst, dass er eine bedeutende Person sei. Und dennoch rede ich immer wieder mit dem Mann, auch wenn es völlig hoffnungslos erscheint. Ja, er bläht sich richtiggehend auf in seinem Gefühl eine gewaltige Bedeutung zu haben in unserer Strasse, wenn man mit ihm spricht. Armer Mann.
    1 0 Melden
    600
  • äti 23.10.2016 13:22
    Highlight Was, bloss 35'000 Personen inhaftiert? Die Türkei hat doch etwa 75 Mio Einwohner, warum bloss lässt der Despot den Rest laufen? 😁
    6 0 Melden
    600
  • pamayer 23.10.2016 12:31
    Highlight Das Tragische daran ist, dass er nicht mal regulär gewählt wurde, sondern nach wählen angeordnet hatte, welche dann ein sehr anderes Resultat ergaben als die offiziellen Wahlen.
    Ein Diktator wie aus dem Bilderbuch. Jeder Schritt ist absehbar und Menschenrechte sind ein Fremdwort.
    Arme Türkei.
    7 1 Melden
    • rodolofo 23.10.2016 16:16
      Highlight Das ist das Autoritäre Erziehung-Prinzip:
      "Du wählst so, wie ICH will, und sonst mache ich Dir Dein Leben zur Hölle, denn wenn Du nicht das wählst, was ich will, nämlich mich und mein Vorbild, dann bist Du ein Terrorist und musst vernichtet werden!"
      Am Anti-Autoritären Erziehungsprinzip orientiert sich der Demokratische "Westen":
      "Wähle das, was Dich überzeugt und begeistert!"
      In der Realität gibt es viele Zwischenformen (Mischungen), die auch mit -weniger offensichtlichen- Manipulationen arbeiten.
      Viele Frauen sind (notgedrungenermassen) Meisterinnen in Sachen Manipulation und Psychoterror...
      2 1 Melden
    600
  • N. Y. P. 23.10.2016 12:24
    Highlight Primarschule Neftenbach :
    Schüler aus der sechsten Klasse der Primarschule fragt seine Lehrerin :
    Wieso kann ein Staatschef Zehntausende Lehrer, Polizisten und andere Staatsbeamte praktisch über Nacht ins Gefängnis werfen lassen ? Und wieso schaut der Westen zu ?
    Lehrerin : Ja, das ist halt alles sehr kompliziert.
    Schüler : Aber die EU unternimmt doch sicher etwas ?
    Lehrerin : Du fragst Sachen. Ich bin nicht mal sicher, ob die EU noch gross interveniert.
    Schüler : Dann kann dieser Erdogan also schalten und walten wie er will.
    Lehrerin : Scheint so...
    10 0 Melden
    600
  • rodolofo 23.10.2016 11:42
    Highlight Erdogan versucht gleichzeitig gegenüber Europa so zu tun, als würde er die Rechtsstaatlichkeit einhalten, währenddem er die Türkei effektiv in Richtung Russland führt.
    Der gemeinsame Gegner der autoritären früheren Erzrivalen heisst Europa und damit auch die Organisationsprinzipien Demokratie und Multikulturalität.
    Und mit dem Modell Europa wird auch das Modell Amerika abgelehnt, da auch Amerika als Einwanderer-Land nicht ohne Demokratie und Multikulturalität existieren kann.
    Gemeinsam mit dem Assad-Régime und dem IS will Erdogan die Syrischen Kurden und die Freie Syrische Armee zerschlagen.
    4 3 Melden
    600

«Ciao Renzi!» – Italiens Ministerpräsident wird abgestraft 

Ministerpräsident Matteo Renzi ist mit dem Volksentscheid über seine Parlamentsreform gescheitert. Er kündigt seinen Rücktritt an, Italien und die EU stehen vor stürmischen Zeiten.

«Ich habe verloren», sagt Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi, sichtlich bewegt, etwa eine halbe Stunde nach Mitternacht in einer Pressekonferenz in seinem Amtssitz, dem Palazzo Chigi in Rom. «Meine Regierungszeit endet hier.» Montagnachmittag werde er das Kabinett einberufen, seinen Kollegen für ihre Arbeit danken, dann zu Staatspräsident Sergio Mattarella gehen und seinen Rücktritt einreichen.

Ein klares Wort nach einer klaren Niederlage. Rund 60 Prozent der Italiener lehnten seine Reform …

Artikel lesen