International

Türkische Polizei nimmt Chefredaktor von «Cumhuriyet» fest

Publiziert: 31.10.16, 07:42 Aktualisiert: 31.10.16, 08:17

Der Chefredaktor der wichtigsten verbliebenen türkischen Oppositionszeitung «Cumhuriyet», Murat Sabuncu, ist in Istanbul festgenommen worden. Das berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Montag.

Die Wohnung des Vorstandsvorsitzenden der Zeitung, Akin Atalay, sei durchsucht worden. Der Sender CNN Türk berichtete, die Staatsanwaltschaft habe die Festnahme von 13 «Cumhuriyet»-Mitarbeitern angeordnet, darunter sei Atalay.

Die Nachrichtenagentur DHA berichtete, die Istanbuler Staatsanwaltschaft werfe der Leitung des Blattes vor, Straftaten zugunsten der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und der Bewegung des Predigers Fethullah Gülen begangen zu haben. Die Regierung beschuldigt Gülen, für den Putschversuch gegen Präsident Recep Tayyip Erdogan Mitte Juli verantwortlich zu sein. In der Türkei ist Gülens Bewegung als Terrororganisation eingestuft.

Die Zeitung «Cumhuriyet» war erst im September mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet worden. Die Right Livelihood Award Stiftung hatte zur Begründung mitgeteilt: «Zu einer Zeit, in der die Meinungsfreiheit in der Türkei zunehmend bedroht ist, beweist die »Cumhuriyet«, dass die Stimme der Demokratie nicht zum Schweigen gebracht werden kann.»

Ex-Chefredaktor verurteilt

Vor knapp einem Jahr hatten die türkischen Behörden bereits den damaligen «Cumhuriyet»-Chefredaktor Can Dündar und den Hauptstadt-Büroleiter des Blattes, Erdem Gül, festgenommen. Im Mai wurden sie wegen der Veröffentlichung eines Artikels über Waffenlieferungen des türkischen Geheimdienstes an die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien zu mehreren Jahren Haft verurteilt.

Der ehemalige «Cumhuriyet»-Chefredaktor, Can Dündar. Bild: EPA/DPA

Bis zum Berufungsverfahren kamen sie frei. Dündar hat inzwischen die Türkei verlassen und lebt in Deutschland im Exil.

Seit September läuft ein weiterer Prozess gegen Dündar und Gül wegen mutmasslicher Verbindungen zur Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen, den die Regierung für den gescheiterten Putschversuch vom 15. Juli verantwortlich macht. Die nächste Verhandlung in diesem Fall ist für den 16. November angesetzt.

Pressefreiheit stark eingeschränkt

Seit dem Putschversuch gehen die türkischen Behörden mit Massenentlassungen und -verhaftungen gegen mutmassliche Gülen-Anhänger vor. Erst am Wochenende waren weitere 10'000 Staatsbedienstete entlassen worden.

Seit der Verhängung des Ausnahmezustands im Juli hat die Regierung zudem zahlreiche kritische Medien schliessen lassen. Auf der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen lag die Türkei schon vor dem Ausnahmezustand auf Platz 151 von 180 Staaten. (gin/sda/dpa/afp)

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  • zombie woof 31.10.2016 09:39
    Highlight Jetzt nur noch die Todesstrafe einfuehren und Erdowahn kann ganz legal morden!
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  • rodolofo 31.10.2016 07:49
    Highlight Grauenvoll, was mit der Türkei gerade geschieht.
    Der Putschversuch wurde vereitelt durch diejenigen, die zuerst dran waren mit Putschen und die bereits "Schwarze Listen" vorbereitet hatten, damit sie dann auch zügig voranschreiten konnten mit den Verhaftungen und Entlassungen von unbequemen Dissidenten und Oppositionellen, die von jetzt an gemäss Erdogan'schem Newspeak"Terroristen" heissen, oder "Putschisten".
    Dabei sind die (Staats-)Terroristen und "Erst-Putschisten" bereits an der Macht!
    Der Türkische Islamo-Faschismus ist Tatsache.
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    • herschweizer 31.10.2016 11:37
      Highlight Also mit dem Faschismus wäre ich ein wenig vorsichtig! Noch liegt nicht offen ob der versuchte Putsch einen noch faschistischeren Hintergund hatte. Vielleicht lassen sich globalisierte Machtkämpfe nicht mit faschistisch oder nicht beschreiben... eher mit kapitalisch oder nicht
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